Bausparvertrag zum Hauskauf, lohnt es sich?

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5 Antworten

Hallo,

inzwischen gibt es ja einige recht gute Antworten, aber ich erkläre es nochmal schrittweise:

So wie ich das Finanzierungsmodell einschätze besteht es aus 2 Teilen.

Teil 1 ist ein normaler (Bau)Kredit und Teil 2 ist ein Bausparvertrag.

Der Bausparvertrag ist dafür vorgesehen, bei Zuteilung den Kredit ganz oder teilweise abzulösen (vermutlich teilweise, da sonst die Bausparsumme in keinem Verhältnis zur geplanten Ansparleistung stünde).

Die Bedingungen für die Zuteilung sind ein Bauspar-Mindestguthaben, meist 40 % der Bausparsumme sowie eine entsprechend hohe Bewertungskennziffer, welche aus mehreren Komponenten berechnet wird, u.a. die Dauer der Ansparung, bis diese 40 % errreicht sind.

Es wird also nicht zugeteil, sobald das Mindestguthaben angespart ist, sondern wenn sich eine ausreichen hohe Bewertungskennziffer errechnet. Das kann schwanken und es ist den Bausparkassen verboten, hier bei Abschluss einen fixen Zeitpunkt zu nennen. Werte, welche Berater nennen, sind ausschliesslich unverbindliche Prognosen auf Basis bisheriger Zeiten. Hier kann durchaus zwischen Zeitkalkulation bei Vertragsabschluss und tatsächlichem Zeitpunkt eine Zeitlücke entstehen, welche durch andere Finanzierungsformen der Bausparkassen (z.B. Zwischenkredite) zu schliessen ist.

Bei Zuteilung wird durch das vorhandene Bausparguthaben ein Teil des Baukredits abgelöst, die Differenz zur vereinbarten Bausparsumme, also das Bauspardarlehen, löst ebenfalls einen Teil des Baukredits ab.

Das ist damit gemeint, dass die Ansparleistung von jährlich 1.580,-- in die Finanzierung einfliesst. Aber Achtung: nicht sofort oder laufend, sondern definitiv erst dann wenn die Zuteilung des Bausparvertrags erfolgt.

Während der Zeit, bis die Zuteilung erfolgen kann, hast Du also eine laufende Verpflichtung aus beiden Komponenten, einmal Zins und Tilgung aus dem Kredit und die Ansparleistung für den Bausparvertrag.

Ob sich das rechnet oder ob es sinnvoll ist, die Ansparleistung des Bausparvertrages lieber als Tilgungsleistung für den Kredit zu verwenden, das ist nicht pauschal zu beurteilen.

Die Laufzeit des Kredits kann sich zwar verkürzen, ist aber primär von den Komponenten des Bausprvertrages (z.B. Höhe der Bausparsumme, Zeitraum bis zur Zuteilung) abhängig.

Der Kredit insgesamt ist damit natürlich noch nicht erledigt.

Für dieses Bauspardarlehen zahlst Du zwar einen relativ niedrigen Zins, aber da die Rückzahlung i.d.R. zwischen 7 und 12 Jahren zu erfolgen hat ist der Tilgungsanteil relativ hoch und damit auch die monatliche Belastung.

Abschliessend: wesentlich ist, dass die monatliche Belastung, also Aufwendungen für den Kredit zuzüglich Aufwendungen für das Ansparen des Bausparvertrages tragbar ist. Die Lauzeit ist zwar ein Aspekt, aber nicht relevant wenn die Belastung dadurch zu hoch wird.

Gruss

Walter

Walter, Du hast den Bausparkredit mit seinen verschiedenen Phasen, die Zuteilung und das Belastungsproblem beim Bauspardarlehn gut und anschaulich erklärt.

Vielleicht sollte man noch sagen, dass die Zinsvorteilhaftigkeit des Bauspardarlehns nur dann gegeben ist, wenn die Zinsen des Baukredites (wesentlich) höher sind. Aus heutige Sicht ist diese Situation allerdings (noch?) nicht gegeben.

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@LittleArrow

LittleArrow,

danke für die postitive Beurteilung meiner Erklärung. Dein Hinweis auf einen nicht vorhandenen Zinsvorteil des Bauspardarlehens gegenüber einem in der derzeitigen Niedrigzinsphase aufgenommenen Baukredits ist absolut korrekt. Hier ist die Zinsentwicklung des Baukredits bei Ablauf der Zinsbindung bis hin zum Zuteilungszeitpunkt abzuwarten.

Zusätzlich ist mir noch das Stickwort "Laufzeitkongruenz" eingefallen. Das bedeutet, dass ich grundsätzlich nur bei Ablauf der Zinsbindung des Baukredites eine (Teil)ablösung (hier Umschuldung duch ein Bauspardarlehen) vornehmen kann, ohne Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen. Es ist deshalb darauf zu achten, wahlweise die Laufzeit der Zinsbindung auf den Zuteilungstermin auszurichten (was deckungsgleich fast nicht möglich ist) oder zu versuchen, hier eine Regelung ohne anfallende Vorfälligkeitsentschädigung zu vereinbaren.

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Hallo,

es gibt eine Faustregel:

desto kürzer die Laufzeit der Finanzierung sein soll, desto höher muss die Monatsrate wg. des dazu erforderlichen Tilgungsanteils sein.

Vereinfacht gesagt: kurze Laufzeit = hohe Belastung / lange Lauzeit = niedrige Belastung

Wg. dem Bausparvertrag rechnen wir zusammen mal ein bisschen:

800,-- p.a. zuzüglich 65,-- p.M. x 12 ergibt Jahres-Sparleistung von 1.580,--

Mindestvoraussetzung für ein Bauspardarlehen ist, dass 40 % der Bausparsumme als Sparleistung vorhanden ist.

Jetzt kannst Du alleine in Abhängigkeit zur geplanten Bausparsumme ausrechnen, wieviele Jahre anzusparen ist, um dann den Anspruch auf ein Bauspardarlehen von 60 % der Bausparsumme zu bekommen.

Wahlweise kannst Du die Bausparsumme natürlich zu 100 % ansparen, Zinsen und Prämien kassieren und auf ein Bauspardarlehen verzichten. Wie lange es dabei bei der geplanten jährlichen Sparleistung dauert ist ebenfalls von der geplanten Bausparsumme abhängig und ebenfalls keine allzu komplizierte Rechnung.

Unberücksichtigt lasse ich hier, dass die ersten Sparleistungen für die Abschlussgebühr verwendet werden und die Ansparzeit damit entsprechend verlängern.

Gruss

Walter

Danke für die Antwort aber ich verstehe es immer noch nicht. Wird sich dadurch die Laufzeit der Raten kredit verkürzen? Es geht doch darum den ratenkredit schneller zurück zu zahlen oder nicht? Lohnt es sich so ein Vertrag abzuschließen? Meine Beraterin meinte, sonst wäre es verschwendetes Geld.. 

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Wenn du etwas nicht verstanden hast, würde ich dir zuerst raten, noch mal bei deiner Beraterin nachzuhaken. Es müsste ihre Aufgabe sein, die Finanzierung mit dir so zu besprechen, dass alles klar ist. Grundregel bei Finanzierungen: Schließe nie etwas ab, was du nicht verstanden hast

Zusätzlich macht es Sinn, sich auch noch bei anderen Anbietern (Banken oder anderen Instituten) nach der Finanzierung für den Hauskauf zu erkundigen. Im besten Fall entsteht dadurch ein Wettbewerb und du kannst du besten Konditionen für dich aushandeln.

Zu deiner eigentlichen Frage: Ein Bausparvertrag bringt derzeit kaum Zinsen. Das bedeutet, solange ihr Geld anspart, gibt es darauf fast gar keine Rendite. Das spricht eher dagegen. Gut ist wiederum, dass kaum Kreditzinsen anfallen, sobald du das Darlehen abrufst....allerdings sind die Kreditzinsen derzeit fast überall niedrig, sodass das nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal ist

Natürlich verkürzt sich durch das Geld der Stadt die Laufzeit der Finanzierung, da du schneller die Grenze erreichst, ab der du Anspruch auf das Darlehen hast. Ob das gut ist, hängt damit zusammen, wie lange die Laufzeit des Kredit ist, denn ihr wahrscheinlich jetzt abschließt, um das Haus zu kaufen. Im besten Fall soll mit dem Geld des Bausparvertrags der Kredit vollständig zurückgezahlt werden, oder? Daher sollten die Laufzeiten der beide Darlehensformen aufeinander angestimmt sein

Ob sich ein Bausparvertrag lohnt kann man ohne Kenntnisse des Einkommens und der geplanten Gesamtbaukosten nicht beurteilen. Eines aber ist sicher - beim Abschluß eines Bausparvertrages verdient einer einmal ordentlich an der Provision und bis zur Zuteilung muß der Bausparvertrag zwischenfinanziert werden. Bestehen Lebensversicherungen, dann wäre auch zu prüfen, ob diese beliehen werden können.

Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Gemeinde den Abschluß eines Bausparvertrages bezuschußt; vielmehr wird es so sein, dass die Gemeinde Bauwilligen bei Erfüllen der Voraussetzungen Zuschüsse gewährt.

Das muss die lokale Sparkasse sein!

Jetzt ein Haus kaufen, dies fremdzufinanzieren und einen Bausparvertrag (für eine spätere teilweise Darlehnsablösung) abzuschließen macht keinen Sinn. Die Kreditlaufzeit verkürzt sich nicht dadurch.

Mache einfach ein einziges Annuitätendarlehn mit durchgängiger Zinsfestschreibung bis zur letzten Darlehnsrate. Dabei sollten Sondertilgungen bis zu 5 % pro Jahr möglich sein. Nach 10 Jahren (+ sechs Monaten) kannst Du (gem. § 489 BGB) jederzeit einen Teil des Darlehns sonderkündigen ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

Das verstehe ich wiederum nicht:

man bekommt von der Stadt jährlich fast 800 euro und wir sollen zusätzlich 65 euro im Monat zuzahlen

Was sind die Bedingungen hierfür? Vielleicht kann man diese Variante in die Finanzierung einarbeiten, aber ob sich dies lohnt?

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