Stop Loss setzen?

7 Antworten

Es gibt die hübsche Weisheit "Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen". Mit dieser Begründung sollen harmlose Privatanleger dann Stop-Loss Aufträge setzten, um genau ersteres zu erreichen. Damit man nicht ständig bei Kurssteigerungen die Aufträge anpassen muss, gibt es auch Trailing Stop-Loss Orders. Soweit die Theorie.

In der Praxis haben wir verschiedene Chaos Monkeys in freier Wildbahn (Trump allen voran), die gerne mal für Kursturbulenzen sorgen. Twitter, Facebook und ein paar andere schaffen das auch alleine. Daher kann es durchaus zu Kursrückschlägen kommen. Das war ein Stück Praxis.

Ob eine Stop-Loss-Order ausgeführt wird, hängt von der jeweiligen Börse ab, an der Du den Auftrag aufgibst. Passiert das also bei Xetra, so ist ein nachbörslicher Rückgang unter Deinen Stop-Loss-Wert irrelevant, solange der Eröffnungskurs am nächsten Tag wieder darüber liegt. Stop-Loss und andere Orders werden nur zu den jeweiligen Börsenzeiten ausgeführt. "Direkthandel" bzw. L&S, Quotrix oder Tradegate handeln mit erweiterten Zeiten.

Noch ein Postulat: harmlose Privatanleger können IMHO eigentlich nur langfristig investieren, d.h. Kursrückgänge von Aktien, die weiterhin für langfristig interessant gehalten werden, nutzt man vielleicht eher, um ein Rebalancing durch Nachkaufen durchzuführen. Stop-Loss-Werte setzt man, um wirklich bedrängliche Situationen zu vermeiden, d.h. übermäßige Verluste durch unvorhergesehene Zwischenfälle. Man kann Stop-Loss-Marken jedoch auch mental setzen, um eine Überprüfung eines Werts nochmal durchzuführen.

Ich setze generelle Trailing-Stop-Loss-Orders bei Aktien (je nach Aktie bei einem Wert, den ich als unakzeptabel im Hinblick auf meine Zukunftseinschätzung betrachte) und Short-ETFs (diese sind ggf. etwas erratisch, daher muss man aufpassen), sowie Hebelprodukten (das ist eher kurzfristige Spekulation). Die Hoffnung ist hier, dass Trailing Stop Loss Orders irgendwann über den Einstandskurs getragen werden, so dass selbst bei einem Verkauf kein Verlust entsteht. Bei Long--ETFs und Fonds setze ich mentale Stop-Losses, da diese bei einer Fondsbank liegen, die keine solchen Orders unterstützt, jedoch auch, da eine gewisse Volatilität zum Geschäft gehört. Wenn ein Afrika oder Russia Fonds mal 20% verliert, kann er auch mal um 30% steigen. Daher: die langfristige Einschätzung ist wesentlich für die Entscheidung ob Nachkaufen für ein Rebalancing oder Verkauf und Ersetzen durch eine andere Position.

Im Rückblick würde ich sagen, dass falsch gesetzte Stop-Loss-Marken eher in die Kategorie "Hin und Her macht Taschen leer" fallen, als wirklich nützlich sind. Sie suggerieren Sicherheit, aber wenn man nur die Verlustbringer mit Verlusten verkauft, dann akkumuliert man Verluste und nimmt keine Gewinne mit? Auch Unsinn. Man sollte Werte in Bezug auf ihre Zukunftseinschätzung im Auge behalten.

Facebook? Wer Facebook bei 25 USD gekauft hat, ist immer noch heftig im Plus. Ich denke, dass Facebook irgendwann wieder steigt und die Delle wett macht. Geduld. Das ist eine Marktmacht, um nicht zu sagen, ein Monopol.

Sino Forest? Da gab es auch einen Absturz und die Zukunftsperspektive wurde ebenso wie die Vergangenheit fragwürdig. Dort nimmt man schnell die Finger raus.

Eine gute Investmentstrategie muss auch bei jedem Kauf die Frage beinhalten "Warum will ich kaufen und wann würde ich diese Position wieder verkaufen wollen?" - in Bezug auf Gewinne wie Verluste. Was ist Deine Zukunftserwartung und wie überprüfst Du regelmäßig, ob die Aktie/der ETF/der Fonds diesen Erwartungen noch genügt?

Woher ich das weiß:
eigene Erfahrung
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danke für die ausfürliche antowrt

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Die Erfahrung sagt, dass Stop-Loss-Aufträge das, was sie bewirken sollen, nicht bewirken und langfristig ausgesprochen kontraproduktiv sind.

Man verkauft dann ausgerechnet auf oft recht temporäre, langfristig aber unwichtige Ereignisse. Oft auch im Urlaub und hat nach dem urlaub statt 5 % Gewinn 20 % Verlust realisiert und die sehr gute Aktie nicht mehr im Portfolio.

Wenn du Aktien mit Gewinn hast, überlege dir, ob vielleicht deine Strategie gut ist. Ob sie gut ist, erkennst du , wenn du dein Ergebnis mit dem eines durchschnittlichen Fonds vergleichst. Wenn sie nicht gut ist, kaufe lieber einen guten Fonds. Wenn sie gut ist, solltest du die Strategie nicht durch Stop-lpss-Orders, an denen langfristig nur die Bank verdient und die natürlich taktisch sind kaputt machen lassen.

Verkaufe lieber schlechte Aktien und tausche sie gegen gut laufende, also welche aus der Kategorie, mit der du gute Ergebnisse erzielt hast. Taktik hat in der Strategie nichts zu suchen.

Und was passiert eigentlich, wenn man z.B. auf die Facebook-Aktie einen Stoppkurs bei 10% unter aktuellem Kurs gesetzt hat und dieser fällt dann aber nachbörslich um 20%?

Dann könnte es - theoretisch sein - dass Dein Stopp-Loss-Order genau zu diesen 20 % Verlust führt. Der Verkaufsauftrag wird zum nächsten gehandelten Kurs ausgeführt, nachdem der gesetzte Stoppkurs unterschritten wurde.

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