Depotübertrag aus Familiendepot mit nur einem offiziellen Depotinhaber

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Das Depot ist effektiv kein Gemeinschaftsdepot, d.h. in dem von Dir dargestellten Fall hat die Mutter auf Rechnung Dritter gehandelt, ohne dies der Bank kundzutun (Verstoß gegen die AGB) oder steuerliche Konsequenzen zu tragen (Steuerhinterziehung).

Zur Bereinigung dieses Sachverhalts gibt es nur eine Schenkung der Positionen an die Kinder, wobei die Freibeträge für Schenkungen ja recht großzügig bemessen sind. Sollten die Freibeträge überschritten werden, muß eine vertragliche Lösung zwischen den Kindern und der Mutter gefunden werden, daß die Nachlaßauseinandersetzung im Falle eines Versterbens der Mutter in den nächsten 10 Jahren entsprechend Berücksichtigung findet. Man kann beispielsweise die Restpositionen auf ein separates Depot der Mutter übertragen, auf das das entsprechende Kind Verfügungsvollmacht erhält. Im Erbfall wird dieses Depot dem Kind zugesprochen und er müßte hälftig die ggf. anfallende Erbschaftssteuer tragen.

Was Dir vorschwebt ist eine verdeckte Treuhand. Schau Dir mal an, welch hohe Anforderungen an eine solche Konstruktion gestellt werden:

http://www.sis-verlag.de/archiv/6671-bfh-zurechnung-einer-verdeckten-gewinnausschuettung-bei-verdeckter-treuhand

Ich glaube nicht, dass diese strengen Voraussetzungen hier überzeugend dargelegt werden könnten. Und im übrigen: Wenn sie dargelegt werden könnten, wären alle in der Vergangenheit eingereichten Einkommensteuererklärungen sowohl der Mutter wie der Söhne falsch und zwar vorsätzlich falsch hinsichtlich der Kapitaleinkünfte. Die Einkünfte würden den Söhnen zugerechnet. Sofern man den Vorgang als Steuerhinterziehung werten würde, müßten die für mindestens 10 Jahre Einkommensteuer, Soli und Kirchensteuer nachzahlen, zzgl 6% Hinterziehungszins pro Jahr.

welch hohe Anforderungen

Naja, eigentlich gibt der GEsetzesrahmen bereits vor, wem welche Einkünfte zuzurechnen sind. Nämlich dem Eigentümer bzw. dem wirtschaftalichen Eigentümer. Streitpunkt war in dem Fall mal wieder, was genau das wirtschaftliche3 Eigentum sein soll. (Tz. 2 und 3 aus den Gründen).

Hier liegt der Fall klarer - bis auf dies hier:

obwohl es realiter gar keine Schenkung darstellt, sondern lediglich quasi ein Besitzwechsel.

Aha. Das muss man wohl nur oft genug lesen, bis es stimmig ist. Ich verstehe das jedenfalls nicht.

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@EnnoBecker
vornehmlich um kostensynergistische Vorteile

Das verstehe ich auch nicht und ich nehme an, auch Finanzbeamte würden über diese Begründung staunen.

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@Privatier59

Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass es damals in Wirklichkeit das Geld der Mutter war, die ihren Freibetrag von 600/12.000/6.000/3000 (je nach Jahr) DM bereits ausgereizt hatte.

Verjährt ist das ja inzwischen.

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@EnnoBecker

Wohl eher umgekehrt.

Aber brenzlig könnte es schon werden wenn man die damalige Übertragung dem Finanzamt vorträgt, aber die Voraussetzungen einer Treuhand nicht nachweisen könnte: Dann würde das mangels Gegenleistung als Schenkung an die Mutter gewertet werden können. Da die Freibeträge in diesen Fällen äußerst klein sind, würde Schenkungsteuer in beträchtlicher Höhe anfallen. Was man dazu ergänzend wissen sollte ist, dass Schenkungsteuerforderungen einer besonderen Verjährungsfrist unterliegen: Vor dem Tode des Schenkers fängt die nicht an. Man könnte selbst für Jahrzehnte zurück liegende Schenkungen Steuer erheben, ebenfalls zzgl. Zinsen. Da könnte sich der Wunsch jetzt Steuern sparen zu wollen zu einem sehr teuren Eigentor entwickeln.

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Welche Konstruktion. Existiert dazu ein Vertrag und würden die Einkünfte gesondert und einheitlich auf die Beteiligten verteilt?

Wenn nicht, haben die Kinder mit dem Übertrag auf die Mutter dieser Geld geschenkt und hoffentlich war alles unter dem Freibetrag oder ist verjährt.

Jetzt jedenfalls erfolgt eien Schenkung von der Mutter an die Kinder und es lässt sich (außer es ist wie im ersten Absatz geregelt) nicht vermeiden, dass eventuell darauf Erbschaftsteuer zu zahlen ist. Dafür bleiben bei der Schenkung die im Wertzuwachs abgeltungssteuerfreien Anteile weiterhin steuerfrei.

Die Konstruktion sieht - ähnlich wie die Verteilung von Geld auf minderjährige Kinder - nach einer vor allem steuerlich motivierten Gestaltung aus.

oder ist verjährt.

Davon dass die Mutter schon verstorben ist, schreibt er aber nichts und das ist ja das Hinterhältige bei der Schenkungsteuer, § 170 Abs.5 AO:

http://dejure.org/gesetze/AO/170.html

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@Privatier59

Ups. Vielen Dank für den Hinweis!

Man findet doch immer wieder einen Paragraphen.

Dann dürfte die mögliche Schenkungsteuer für die Schenkung an die Kinder ja das akzeptablere Problem sein.

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