Frage von MaCreme, 29

Wieso versteuern nicht alle Firmen auf den Cayman Islands?

Es ist ja bekannt, dass es auf den Cayman Islands nur die Importsteuer gibt. Wieso versteuern jetzt nicht alle Unternehmen ihre Gewinne auf den Cayman Islands, wenn dort der Steuersatz 0% ist? Wieso lassen sich Firmen auf Dinge wie "Double Irish With a Dutch Sandwich" ein, wenn es dort mit 6,25% versteuert wird?

Danke für jede hilfreiche Antwort! MfG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 26

Aus dem gleichen Grund, warum es nicht sinnvoll ist eine Frittenbude auf dem Alexanderplatz in Berlin, als Nevada Inc. zu betreiben.

Es muss passen.

Eine Versteuerung in einem Steuerparadis anzustreben klappt nur, wenn man auch in der Lage ist die Gewinne sinnvoll zu verlagern.

Ein Gigant wie Apple kann den Einkauf der Apple Stores in Deutschland, Schweiz, Frankreich usw., zentral über einen Standort regeln. So bleiben in den Ländern nur die Aufschläge hängen, die zur Deckung der Kosten nötig sind. Die Gewinne entstehen in einem Land, wo die Steuer sehr gering ist.

Die Frittenbude am Alexanderplatz kann die Pommes Frites aber nicht über eine Einkaufsgesellschaft auf den Cayman Islands einkaufen. Das wäre ein Mordversuch auf die Aussenprüfer des zuständigen Finanzamtes, denn die würden sich vermutlich totlachen, wenn sie die Konstruktion sähen.

Man muss bedenken, es muss sinnvoll sein über z. B. einen Zentraleinkauf zu arbeiten. dann kommen noch die Transaktionskosten für so eine Konstruktion dazu. Die Leute, die das organisieren können, kosten richtig Geld. Im Mindestlohnbereich ist dort nichts zu finden.

Ich kann Dir Deine gesamten Kapitaleinkünfte (legal) steuerfrei machen.

Aber es muss Dir schon die entstehenden Kosten wert sein und dann sind wir ganz schnell in dem Bereich, wo es sich erst lohnt, wenn diese Einkünfte so hoch sind, dass mindestens 10.-12.000,- Euro Abgeltungssteuer gezahlt werden.

Kommentar von MaCreme ,

Danke für die informative und lange Antwort! Meine Frage war auf internationale Firmen, wie eben Apple bezogen, die bestimmt dutzende, wenn nicht mehr, Angestellte haben die sich nur um das kümmern. Weniger Steuern zahlen. Wie gibt es solche Dinger wie diese irische- holländische Konstruktion, die Apple auch nutzt, wenn man doch die Gewinne auf die Cayman Islands verlagern kann? Oder wieso kann man eben nicht alle Gewinne auf die Cayman Islands verlagern, wieso würde das nicht funktionieren für Apple?

Kommentar von wfwbinder ,

Apple gehört (leider) nicht zu meinen Mandanten, aber die Konstruktion Irland/NL ist deren Konstruktion für Europa.


Cayman Islands (oder vergleichbare Staaten) nutzt auch Apple. Das ist für die USA notwendig, weil zwischen den Europäern und den USA (im Gegensatz zur Besteuerung der natürlichen Personen) bei den Unternehmen eine Steuerlücke besteht.

Bei europäischen Unternehmen ist es so, dass nach den üblichen DBA ein deutsches Unternehmen die Gewinne, die es in GB erzeilt in GB versteuert, die in Frankreich erzielten in Frankreich usw. Was nicht einem anderen Land zugeordnet werden kann dann in Deutschland. Dabei gibt es auch Verlagerungen (Irland, NL, Malta, LUX), aber im Allgemeinen klappt es.


die USA haben die Lücke, dass in den USA nur Gewinne erfasst werden, die auch in die USA transferiert werden. Wenn ich also Gewinne in Europa, oder Asien in einem Steuerparadies (Caymans, Bahamas, Bermuda) "zwischenlagern" kann, habe ich die steuerfrei, bis ich das Geld zwingend in den USA brauche.


Dadurch sind die USA für US Konzerne und deren Gewinne ausserhalb der USA ein Steuerparadies.


Kommentar von MaCreme ,

Ich kann die Antwort nicht als hilfreichste Antwort markieren (?) und ich kann Sie nicht als Freund hinzufügen. Habe ich was verpasst oder was ist passiert?

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Steuern, 22

Steuern sind nicht das einzige Auswahlkriterium für einen Unternehmensstandort.

Antwort
von LittleArrow, 20

Du hast ja schon eine umfassende Erläuterung von *wfwbinder* erhalten.

In meinen Worten: Wenn der/die Unternehmensgründer/in bereits vor Firmengründung wüßte(n), dass sich sein Geschäft mal so erfolgreich entwickelt (wie das von Apple), dann würde er nicht in einem Staat wie D oder so anfangen, sondern gleich mit einer steuerlichen Optimierung. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Reihenfolge anders ist, übrigens auch aus Finanzierungsgründen. Daher kommt der "Sandwich" erst später.


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