Wie schnell lohnt sich Photovoltaik? Eure Erfahrungen?

10 Antworten

Das kommt sehr auf deinen konkreten Einzelfall an, dazu solltest du dich einfach fachlich beraten lassen.

Unsere erste PV-Anlage in der Firma (Volleinspeisung) hat uns damals (vor über 10 Jahren?) komplett der Steuerzahler geschenkt. Die Vergütung war dermaßen überfördert, dass wir ab der ersten Stunde Gewinn erwirtschaftet haben - also defakto keinerlei Kosten hatten. Wir haben im Verkauf für den Strom mehr bekommen als wir selbst im Einkauf gezahlt haben.

Inzwischen hat sich da aber viel geändert: Die Vergütung für eine Einspeisung ist deutlich niedriger, dafür wird sehr viel mehr bei der Anschaffung subventioniert.

Generell lässt sich sagen: Große PV-Anlagen auf Gewerbeobjekten lohnen sich in der Regel (allerdings ist die Bürokratie hier inzwischen so unerträglich hoch und gleichzeitig so disfunktional, dass eine Umsetzung teilweise schlicht nicht möglich ist). Bei Wohnhäusern kann sich eine PV-Anlage lohnen, wenn du den größten Teil selbst verbrauchst, vor allem bei modernen EFH. Bei MFH mit Mietern solltest du bedenken, dass du deine Mieter nicht verpflichten kannst, den von dir erzeugten Strom auch abzunehmen. Als sicheren Direktverbrauch kannst du hier nur den tatsächlichen Eigenverbrauch rechnen, die Mieter muss du raus rechnen. Kleinstkraftwerke (Balkonkraftwerke u. ä.) sind nach meiner Erfahrung überwiegend Spielerei und in der Regel nicht rentabel.

Und mit Photovoltaik macht man sich ein gute Stückchen von den Stromanbietern unabhängig

Jain. Bedenke, dass der Strom nicht unbedingt dann erzeugt wird, wenn du ihn brauchst. Abends bist du nach wie vor voll auf externen Strom angewiesen und im Winter ist der Output aus den PV-Anlagen teilweise auch ausgesprochen gering.

Offenlegung:

Wir haben derzeit drei PV-Anlagen mit insgesamt ca. 500 kWp in Betrieb; die bereits montierten, aber aufgrund der absurden bürokratischen Hürden noch nicht in Betrieb genommenen Anlagen kämen dann nochmal auf ca. 400 kWp.


battlecat 
Beitragsersteller
 29.05.2024, 09:54

Fachliche Beratung ist sicher nötig. An wen würdest du dich diesbezüglich wenden?

Und was das Problem angeht, dass der Strom nicht unbedingt dann erzeugt wird, wenn er auch verbraucht wird (zB ein E-Auto, das über Nacht geladen wird)... kann da nicht eine Speicherbatterie Abhilfe schaffen?

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Answer123  04.06.2024, 22:46
@battlecat
An wen würdest du dich diesbezüglich wenden?

Es gibt haufenweise Berater, die in dem Bereich tätig sind. Die Herausforderung ist, dort einen seriösen, unabhängigen und fachlich qualifizierten Ansprechpartner zu finden. Teilweise bieten auch die örtlichen Stadtwerke eine Beratung an - oder können zumindest einen Berater empfehlen.

kann da nicht eine Speicherbatterie Abhilfe schaffen?

Haben wir selbst mehrfach (!) geprüft - wir erzeugen ja mit unseren PV-Anlagen und dem BHKW durchaus erhebliche Mengen Strom. Jede Prüfung ist aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es wirtschaftlich vollkommen unrentabel ist - und das selbst im großen, unternehmerischen Maßstab. Die Preise, die für die Batteriespeicher aufgerufen werden, sind absurd hoch. Wenn man das auf E-Autos umrechnet, müsste dort die Batterie teilweise fast mehr wert sein als das ganze Auto. Wie sich diese exorbitanten Preise begründen ist und derzeit ziemlich unklar.

Trotzdem ein Aspekt, den man im Rahmen einer umfassenden Energieberatung auch einmal auf den Tisch bringen sollte.

Von Selbstbaukonstruktionen rate ich ab, die brennen gerne mal ab.

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Von 2022 auf 2023 stieg der Anteil erneuerbarer am Energiemix von 46,3 % auf 56 %.

Schon heute ist der Großhandelspreis für Strom in D oft negativ, dass Stromkonzerne den Strom smart verkaufen müssen ist auch schon längst beschlossen und jede Woche kommt irgendwas, das mir zeigt, dass in D in spätestens fünf Jahren der Strompreis einer der günstigsten der Welt sein wird.

Du glaubst das nicht. Warum?

Ich denke, dass PV-Anlagen toll sind. Ob heute gebaute sich irgendwann amortisieren, hängt aber entscheidend davon ab, wie hoch die Kosten sind. Wenn man fast alles in Eigenleistung macht eher ja. Wenn nicht, sollte man bedenken, dass man den Strom nur dann produziert, wenn es zu viel davon gibt.

Es ist vieles im Umbruch und wen Wasserstoff im großen Stil mit dem Überstrom produziert werden kann, Europa seine fossil betriebenen Kraftwerke abschaltet oder Industrie und Rechenzentren in das dann Niedrigstrompreisland D kommen, kann es auch anders kommen. Mir ist das aber etwas zu visionär.

Eine günstige Balkon-PV-Anlage ist ein Mittelding. Die hat sich in vier Jahren amortisiert und es steht einem offen, ob man in fünf Jahren doch lieber nichts oder nur eine Batterie kauft.


battlecat 
Beitragsersteller
 29.05.2024, 09:58

Spannende Prognose! Bin gespannt, ob es wirklich so kommt, wie du vermutest! Bei dem Wasserstoff-Thema, bin ich aber nicht so optimistisch wie du. Denke, da gibt es etliche größere Hürden.

Was Eigenleistung bei PV-Anlagen angeht, gibt es dann aber das Problem, dass das Ganze auch von jemandem vom Fach abgenommen werden muss, zwecks Haftung. Oder?

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Rat2010  29.05.2024, 21:17
@battlecat

Ich hatte am WE ein nettes Gespräch mit einer Mitarbeiterin eines Energieversorgers.

Ich war auch etwas baff, als mir wer erzählte, dass er sich die Panele selbst auf das Dach geschnallt hat. Wenn man aber selbst kein Elektriker ist, wird es spätestens beim Anschluss an das Netz einen brauchen. Weniger wegen der Haftung, sondern weil es die Möglichkeiten auch des Durchschnittshandwerkers übersteigt.

Bei Balkon-PV ist das anders. Wenn man eine Außensteckdose hat, steckt man die einfach ein.

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finanzcrash  31.05.2024, 12:12
@Rat2010

Ich denke für den Anschluss braucht es einen Elektriker, das kann man nicht einmal selbst machen wenn man es könnte. Selbst wenn es erlaubt wäre, sollte man sich das überlegen. Wie sieht es denn dann mit der Haftung aus?

Balkonkraftwerke braucht man ja nur an die Steckdose anschließen, das ist kein Problem.

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Wir besitzen erst set 3 1/2 Monaten eine PV-Anlage mit Speicher. Mit den mir vorliegenden Daten von jetzt bezüglich Anschaffungspreis, Ersparnis an kw/h-Kosten und Grundpreis, Einspeisevergütung, Versicherung... kommt die Amortisierung erst nach > 15 Jahren. Aber - wir haben die Anlage nicht aus finanziellen Gründen bauen lassen, sondern aus Gründen der Autarkie und des Klimaschutzes.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

battlecat 
Beitragsersteller
 29.05.2024, 10:00

Verstehe ich voll und ganz. Sich ein Stück weit unabhängig zu machen, finde ich auch attraktiv. Die Speicherbatterie trägt ja auch zur Autarkie bei. Wie haben sich bei den Batterien denn die Preise in den letzten Jahren entwickelt? Vor einigen Jahren hieß es, soweit ich das gelesen habe, noch, dass sich Batterien eigentlich nicht lohnen. Da wurden aber auf günstigere Preise in der Zukunft gewartet. Sind die jetzt schon preislich attraktiver geworden?

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betroffen  29.05.2024, 13:22
@battlecat

Im laufe des Jahres 2022 sind die Preise für die Speicher noch gestiegen. Seit Anfang 2023 sinken sie um 26% /Jahr -> laut einer Statistik.

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battlecat 
Beitragsersteller
 09.06.2024, 10:21
@betroffen

Danke, das heißt also, dass man wirklich auf die aktuellsten Infos schauen sollte, was die Preise für Speicher angeht, weil schon Erfahrungen von vor 2 Jahren nicht mehr den heutigen Stand widerspiegeln.

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Lohnt erst ab 20 - 25 Jahren.


finanzcrash  12.06.2024, 12:31

Das ist ja die Lebenszeit der Module:) Ich glaube das verwechselst du.

Wenn sich die Anlage nicht davor schon amortisiert, dann lohnt es sich ja nicht weil man zwar eventuell Stromkosten einspart, das dann aber mit den Restkosten der Anlage gegenrechnen muss - was den Strom dann teurer machen würde.

Wann sich das ganze amortisiert ist natürlich sehr individuell. Aber so um die 15 Jahre sollte das schon sein. Den Rest der "Lebensdauer" der Anlage, ist dann Gewinn.

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Ich stand 2009 vor der Frage, wo und wie ich Geld anlegen. Habe mir die Rendite ausgerechnet und in eine Pv Anlage investiert 22000€. Die Rendite ist etwas geringer ausgefallen, wie geplant.

Heute bin ich zu 40% autark. Verbrauche ca. 6000kwh im Jahr mit Wärmepumpe und E Auto 15000km. Wobei das E Auto da 24% ausmacht. Die Wärmepumpe braucht 50% und ich verdiehne derzeit 135€ pro Monat.

Von Speichern kann man nur abraten. Besser das Geld für Speicher nehmen und grösser bauen, bzw Dach voll machen. Es ist nicht entscheidend, was im Sommer erzeugt wird, sondern was die Anlage im Winter ohne Sonne produziert. Wenn das dann für die Wärmepumpe reicht, passt das.


battlecat 
Beitragsersteller
 29.05.2024, 10:02

Wenn du keinen Speicher hast, speist du den Überschuss dann ins Netz ein?

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hildefeuer  29.05.2024, 11:01
@battlecat

Ja klar ich bekomme 0,32€ je kwh und bei Eigenverbrauch auch noch 18ct/kwh vergütet bis 2030. Das macht so ca. 140-160€ im Monat.

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