Frage von ellaluise, 96

Aktienfonds verkaufen oder nicht? Kursgewinne mitnehmen?

Hi, ich muß mal eine (dumme) Frage stellen.

Ich habe vor ein paar Jahren angefangen mit kleineren montlichen Beträgen Aktienfondsanteile zu kaufen bzw. auch mal mit Einmalbeträgen. Soweit so gut.

Für mich (Ü50) und für meine Kinder (jetzt Ü20).

Nun Frage ich mich, sollte ich ggf. diese Anteile verkaufen um den Kursgewinn mitzunehmen? Im gleiche Zug aber diesen/diese Fonds weiterhin mtl. einzukaufen? Es handelt sich z.B. um WKN 984811, WKN A0M430, WKN A0RBX2 oder WKN 847625.

Es handelt sich um Geld, das nicht kurzfristig oder so, benötigt wird.

Mein Gedanke, bei den "Kindern" eher nein, die können ihr Geld weiterhin in Aktienfonds anlegen (50-100€ mtl.)

Aber sollte ich nicht langsam auf "sichere" Anlagen gehen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von heinuun, 34

Hallo,

grundsätzlich ist es nicht möglich Dir eine auf Deine Bedürfnisse genau angepasste Strategie oder Vorgehensweise vorzuschlagen, da die Hintergrundgeschichte etc. fehlt. Aber es gibt ja ein paar grundlegende Dinge, die Deine Frage betreffen.

Grundlagen:

1.Gewinn mitnehmen heißt eigentlich nur, dass Du die Gewinne abschöpfst und das ursprüngliche Investitionsvolumen weiterhin investiert lässt, was in meinen Augen keinen Sinn macht, denn entweder glaubst Du an den Fonds, dann brauchst Du nichts abschöpfen oder Du glaubst nicht an ihn dann musst Du komplett verkaufen und auch nicht mehr investieren (zumindest nicht zeitnah).

2. Du sprichst auch Dein Alter an. Es gibt so eine Faustformel, allerdings trifft eine Faustformel nicht für jeden zu: "Lebens Jahr = Anleihengewichtung", d.h. Ü50 = Ü50% Anleihen im Portfolio.

3. Was ist für Dich eine sichere Anlage. Dies definiert im Grunde jeder für sich selber, denn für einen Minifuture, Options und Futurestrader kann schon eine Aktie etwas sicheres sein. Für einen Unternehmensanleiheninvestor (Investmentgrade) ist das Festgeld oder die Immobilie eine sichere Anlage.

Du siehst also, so pauschal kann man Dir zu nichts raten, wenn man die Hintergründe nicht genau kennt!

Zu den Fonds:

Die Fonds, die Du in Deinem Portfolio hast, sind die klassischen Flaggschiffe. Aber auch Flaggschiffe sind anfällig für eine mögliche Korrektur sind. Ob diese nun kommt oder nicht, kann man diskutieren. ich gehe davon aus, dass es dieses Jahr gar nicht so schlecht für den Aktienmarkt aussieht, doch im Sommer könnte wieder eine leichte Korrektur kommen und wichtig ist auch zu schauen, was die EZB macht.

DWS Dividende ist natürlich einer DER deutschen Fonds und ist immer gut gelaufen, was daran liegt, dass Dividendenwerte bei Korrekturen nicht so stark fallen und sich schneller wieder erholen. Aktuell sind die Dividendentitel natürlich begehrt, da es am Rentenmarkt keine Zinsen gibt (Trugschluss, denn dafür ist das Risiko in der Aktie deutlich höher - aber anderes Thema).

Der JPM ist mir nicht so geläufig, was sicherlich daran liegt, dass er auf Grund der eher mageren Performance nicht in meine Beobachtung gerückt ist, würde aber von der Ausrichtung genau zur oben genannten Faustformel passen.

FvS Multi Opp. ist einer der besten Mischfonds in Deutschland, der allerdings auch immer recht hohe Aktiengewichtungen fährt, was bei einer möglichen Korrektur schnell spürbar werden kann. Der Fondserfolg beruht auf der fast schon genialen Auswahl der Einzelwerte, des Stockpickers Herr Dr. Flossbach und birgt somit neben dem Aktienrisiko ein recht hohes Managementrisiko.

Der Kapital Plus ist meines Erachtens einer der besten Mischfonds in Deutschland vor allem, weil das Management es auch hinbekommt in negativen Zeit die Verluste deutlich in Grenzen zu halten.

Fazit:

Wenn man nach der Faustformel geht, dann solltest Du die Aktienquote reduzieren, was wohl am besten über den DWS ginge oder über den JPM, der auf Grund seiner Performance eh nicht überzeugt. Doch in was dann investieren. Auf keinen Fall in langfristige Rentenfonds oder Staatsanleihen, sondern eher in Kurzläufer oder vielleicht auch in Wandelanleihen (Anleihe mit Aktiencharakter doch mit Absicherung). Vielleicht wäre auch Immobilienfonds eine Möglichkeit.

So das war nun eine recht ausführliche Antwort und ich hoffe, dass ich Dir etwas weiterhelfen konnte, auch wenn dies hier auf keinen Fall eine Empfehlung sein soll und kann, da ich keine genauen Einblicke und Hintergründe von Dir kenne und somit nur pauschale Aussagen getroffen habe.

Kommentar von ellaluise ,

Danke für die doch recht ausführliche Antwort. So eine Art Einschätzung (und auch die der Anderen) hilft mir (weiter).

Zur Erläuterung: Unser "Bankmensch" nannte mein Portfolio "fast spekulativ", deshalb kam ich für die Zukunft auf "sichere" Anlagen d.h. Gewichtung auf Rentenfonds, da habe/hatte ich WKN531410 u. WKN 988726 im Sinn. Nennen sich konservativ.

Damit wollte ich Geld, statt es auf ein Tagesgeldkonto zu packen, wenigsten vor der Inflation schützen und keine großen Gewinne machen.

Die von mir o.g. Fonds sind der ältere Teil meines Depot und ich denke, ich weiß jetzt wie ich verfahren werde.

Desweiteren werde ich die Finger von unserem "Familienvermögen" lassen und weiter mit meinem kleinen Einkommen spielen.

Antwort
von Tritur, 55

Es gibt keine "sicheren" Anlagen.

Am unsichersten sind langfristig alle verzinslichen Anlagen. Also zum Beispiel auch Staatsanleihen, die man Otto Normalanleger als besonders sicher anpreist. Mit diesem Schrott hat man in den letzten 100 Jahren sein Geld zweimal verloren. Mit einem Korb breit gestreuter Aktien wäre das trotz aller Kriege, Inflationen und Währungsreformen und Kurseinbrüchen nicht passiert. Ganz im Gegenteil.

Nun zu Deiner Frage: Verkaufen solltest Du auf jeden Fall WKN A0RBX2 und WKN 847625. Die haben vorwiegend verzinsliche Anlagen im Depot mit unterirdischen Renditen und dem hohen Risiko einer sich beschleunigenden Inflation oder schlimmer noch, einem Zusammenbruch des Kartenhauses, welches sich Weltfinanzsystem nennt.

Die beiden anderen Fonds, WKN 984811 und WKN A0M430, legen vorwiegend in Aktien (Sachwerte) an, haben eine gute langfristige Performance und sind als Sachanlagen vor Inflation einigermaßen geschützt. Mit heftigen Kursschwankungen im Zuge einer mehr oder weniger kurzen Baisse, muss man allerdings umgehen können.

 

Antwort
von althaus, 58

Ich hatte die gleiche Strategie und habe auch in kleinen Geldbeträgen ca. 600€/Monat diverse Fonds gekauft und das schon seit 3 Jahren. Habe die gleiche Strategie schon einmal erfolgreich gehabt und dann Gewinne mitgenommen, was sich im Nachhinein gelohnt hat, denn ich konnte wieder 3000 Daxpunkte tiefer wieder einsteigen und wieder den Sparplan besparen. Nun ist es wieder sowei. Wir stehen am All Time High und keiner weiss ob es noch höher geht. Ist mir auch völlig egal, denn ich haben beim Daxstand von 12.200 Punkten alle meine Aktienfonds verkauft und gut 12.000€ Gewinne mitgenommen die ich unbedingt haben wollte. Nun habe ich meinen Sparplan vorerst eingestellt und warte ab. Habe 25% Gewinn realisiert und es tut mir nicht weh das Geld auch ein paar Monate auf dem Tagesgeld zu parken. Die Börse schwankt wie jeder weiss und wenn es wieder zu einer heftigen Korrektur nach unten kommt stehe ich Gewehr bei Fuß und kaufe wieder billiger ein durch Einmalzahlungen und beginne wieder mit dem monatlichen Sparen. Auf diesem Stand kaufe ich jedoch nicht mehr ein. Ob ich recht habe oder mich geirrt habe werde ich ja sehen. Sollte es doch noch höher gehen, profitiere ich von meinen Investitionen in Einzelaktien. Da bin ich noch voll dabei. 

Kommentar von Rat2010 ,

Bitte schön bei der Wahrheit bleiben.

Du weisst ja, wie man Leute nennt, die unten einsteigen und oben verkaufen. 

Man nennt sie Lügner.

Mir sind jedenfalls viel zu viele Unkenrufer unterwegs. Viel zu viele (wie ja auch du) sind mit ihrem Geld auf der Seitenlinie und die Zinsen zu niedrig, als dass die Märkte in absehbarer Zeit merklich korrigieren könnten.

Kommentar von althaus ,

Gewinne mitnehmen hat noch nie geschadet. Was soll daran nicht stimmen was ich geschrieben habe? Habe mit Fonds 4 x soviel verdient als mit Einzelaktien und das mit weniger Kapitaleinsatz. Wer meine Beiträge verfolgt hat, weiss, daß ich schon eine Weile einen Aktiensparplan laufen habe und immer dazu geraten habe. Nun war es mal Zeit Gewinne zu realisieren. 

Kommentar von Rat2010 ,

Ich meinte die 3.000 Punkte im DAX. Das sieht doch ganz nach oben Aus- und unten Einsteigen aus. Wenn das stimmt und du glaubst, dass das kein Zufall war, solltes du Hellseher werden. Wenn man nicht auf Hellseherei sondern Trends reagiert hätte, wären maximal 1.700 Punkte möglich gewesen, wobei man dazwischen eigesiegen wäre, das den nicht erlittenen Rückgang gemindert hätte

Dass Gewinne realisieren noch nie geschadet hat, solltest du mal denen erzählen, die 1995, 2013 oder zu hundert Vergleichbaren Zeitpunkten beim Allzeithoch aus- und nie wieder eingestiegen sind. Die großen Gewinne machte man schon immer "über den Wolken".

Außerdem sollte man nicht von sich auf andere schließen. Taktik in eine Strategie einzubauen, hat viel mit Glück zu tun. Wenige Fondsmanager machen das gut. Wesentlich häufiger (und bei Laien in derRegel) wird dadurch aber eine sinnvolle und zielführende Strategie "abgeschossen".

Kommentar von althaus ,

Natürlich war das Glück, daß ich damals beim Daxstand von 12.200 Punkten alle meine Fonds verkauft habe. Habe doch nicht wissen können, daß ich nahezu am Hoch verkauft habe. Das wußte ich erst nachdem dann die Korrektur eintrat. Unter 10.000 Punkte habe ich dann wieder angefangen zu kaufen auch bei 9.000 Punkten so genau habe ich die Charts jetzt nicht im Kopf aber immer wenn es ein paar Hundert Punkte nach unten ging immer wieder mit Einmalzahlungen zusätzlich zu den monatlichen Sparbeiträgen. Nun habe ich wieder entschlossen auszusteigen. Kann gut sein, daß wir noch 1.000 oder 2.000 Daxpunkte nach oben laufen, dann bin ich mit meinen Fonds nicht mehr dabei, dafür aber mit meinen Einzelaktien. Sollten wir aber wieder in Richtung 11.000 oder sogar 10.000 Punkte korrigieren, werde ich wieder einsteigen. So einfach ist das. Das ist kein Hexenwerk. 

Antwort
von Rat2010, 73

Bei der Zusammensetzung hast du ganz sicher einen Berater, der dich kennt und der dich beraten darf. Ohne dich zu kennen, dürfen das nämlich nur Laien, zu denen ich nicht gehöre.

Also Allgemeinfloskeln: Was machst du sinnvollerweise mit dem Geld, das du nicht mehr wie bisher gut und sinnvoll anlegen willst?

Um Kursgewinne mitzunehmen, kann ja wohl nicht (wahr) sein. Warum hast du das nicht schon vor drei Jahren gemacht und warum machst du das nicht in drei Jahren? Die Welt war damals und ist in drei Jahren für die, die Geld vernünftig anlegen, keine andere als heute. Zum anderen legst du nicht gerade offensiv sondern gemischt an.

Ist ein Girokonto, das jedes Jahr zumindest die Inflation verliert oder z. B. die Anlage bei einer dir unbekannten bulgarischen Bank sicherer? Was meinst du mit "sicherere" Anlage? Geht sicherer als gut gestreut und mit einem merklichen Sachwertanteil, was du schon hast?

Ohne dich zu kennen kann man natürlich nicht sagen, ob etwas anderes als das oder etwas aktuell Beliebtes für dich geeigneter ist (deine Fonds sind ja mehr die Hits von vor ein paar Jahren). Dein Berater darf das und kann das vielleicht auch.

Für den Berater ist aber auch ein Thema, dass du bei der Umschichtung nur das, was nach Abgeltungssteuer übrig bleibt, anlegen kannst, also 25 % vom Gewinn wegfallen, die sich nicht mehr verzinsen können), weshalb er (zurecht) eher zurückhaltend sein wird. Außer, er verlangt (wieder) Ausgabeaufschlag, aber dann solltest du zurückhaltend sein.

Kommentar von Rat2010 ,

Nochmal durchgelesen: du hast ja erst vor ein paar Jahren angefangen! Dann kannst du es nicht besser wissen.

Die guten Renditen sind ganz normal. Sie schwanken im Zeitablauf, was du ja auch schon erlebt hast, sind aber mittel- und längerfristig immer gut. Wenn du das schon länger machen würdest, wäre das normal für dich. Ebenso wie der Fakt, dass das, was man so über Finanzkrise und heiss laufende Aktienmärkte mitbekommt, ganz einfach bedeutungslos ist, wenn man sein Geld wie du anlegt.

Hinderlich ist allerdings, sich mit dem beschäftigt, was an den Märkten oder bei den gewählten Fonds los ist (nennt sich Halbwissen). Wenn man immer nur dann einkauft, wenn die Stimmung gut und Aktien teuer sind, ist die Rendite kleiner. Nur gibt es genau dafür Sparpläne und Berater, die empfehlen, mit  Anlagen nicht auf bessere Zeiten zu warten. Wenn schon, dann auf Schlechtere aber wer weiss, ob die so bald kommen?

Kannst du deinen Kindern erklären.

Antwort
von wfwbinder, 33

Ich bin kein Anlageberater ujnd kein Anlageprofi.

Ich investiere auch nie in Fonds, sondern wenn schon in von mir ausgesuchte Aktien direkt. Dabei habe ich einige wenige Sache mit super Gewinnen gehabt (einer davon habe ich meinen seinerzeitigen Jaguar zu verdanken), aber auch viele, wo ich mit Null rausgegangen bin, oder kleinen Verlusten (die ich zum Glück immer durch Stopp Loss begrenze).

Aber nun zu Deiner Frage. Ich würde an Deiner Stelle bei den Fonds bleiben (ja auch wenn ich selbst keine habe). Das hat sich bei Dir bewährt.

Andere Anlagen sind nur scheinbar sicherer. Wegen des geringen Zinsniveaus sind die geringer verzinsten "sicheren Anlagen"  in der Gefahr im Kurs zu fallen, sobald der Zins hoch geht.

Ich denke, du bist gut beraten einfach so investiert zu bleiben.

Antwort
von michaelbaumann, 6

Aktienverkauf ist immer eine spekulative Angelegenheit. So hoch wie zurzeit stand der DAX noch nie. So gesehen würde sich die Gewinnmitnahme lohnen und man hätte das Geld gesichert.

Aber was dann damit machen? Warten, bis das Aktienniveau wieder in den Keller fährt? Z.B. weil möglicherweise Marine LePen Präsidentin wird.

Das ist jedenfalls nicht leicht zu entscheiden und, wie gesagt, sehr spekulativ.

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