Istversteuerung bei freiwilliger Bilanzierung

Hallo,

laut einem Urteil des BFH vom 22.7.2010 (Aktenzeichen: V R 4/09) soll eine Istbesteuerung für Freiberufler nicht mehr möglich sein, wenn diese freiwillig bilanzieren. Eine Verfassungsbeschwerde dagegen (Aktenzeichen: 1 BvR 3063/10) wurde nicht zur Entscheidung angenommen.

Inwiefern betrifft dies jetzt aber nur Freiberufler oder auch normale Gewerbetreibende wie mich, die ansonsten die Bedingungen für die Istbesteuerung erfüllen? Spielt es nur eine Rolle, welche Gewinnermittlungsart man ggü dem FA meldet, oder welche man tatsächlich "intern" verwendet? (Das Ergebnis ist ja für das FA dasselbe).

Andererseits wäre die Bilanz ja falsch und unbrauchbar, wenn sie der Rechtsprechung nach garnicht existieren dürfte... Bin hier etwas ratlos.

Zu den Hintergründen:

  • Ich war bisher Kleinunternehmer mit EÜR, ab diesem Jahr bin ich USt-Pflichtig und wenn alles glatt läuft in 2-3 Jahren ggf. bilanzierungspflichtig. Zudem plane ich die Ausgründung eines Projektes als GmbH für einen evtl. späteren Verkauf. Daher und auch für eventuelle Investoren möchte ich gerne von Anfang an doppelte Buchführung betreiben.
  • Zunächst jedoch ohne StB und nur "intern", d.h. dem FA ggü. würde ich offiziell erstmal weiterhin eine normale EÜR vorlegen.
  • Besteuerung nach vereinnahmten Engelten ist beantragt und (vorläufig) genehmigt.
  • Einem Buchprüfer würde ich natürlich alle Unterlagen vorlegen, zur Vereinfachung. (Ich habe relativ komplexe Umsätze, hauptsächlich aus dem Ausland).
  • Investoren wären natürlich an der Bilanz interessiert, da ja hier durchaus Ertragsneutrale Werte enthalten sind, die in der EÜR nicht auftauchen.
  • Mir gilt es unter anderem zu vermeiden, plötzlich ggf. nachtraglich zur Sollbesteuerung wechseln zu müssen, weil die Liquidität im moment (noch) stark eingeschränkt ist.

lg, mcjoey

Bilanz, Bilanzierung, freiwillig, Istversteuerung, Sollversteuerung
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Rückstellungen beurteilen

Hi,

es sollen 3 Rückstellungen beurteilt werden.

  1. Kontraktverlust. Wir haben mit einem Lieferanten einen Vertrag über die Lieferung von Holz zum Festpreis von 130 abgeschlossen. Wir sind verpflichtet, Holz im Gesamtwert abzunehmen, die Lieferung ist aber noch nicht da. Nach 6 Monaten fällt der Preis geringer aus ( 100 ). Fraglich ist, ob man für den Überpreis eine Rückstellung bilden muss.

meine Lösung:

Die Rückszellung ist sowohl in der Handelsbilanz ( 249 I HGB ) als auch in der Steuerbilanz zu bilden.

Betrieblicher Aufwand an sonstige Rückstellung 30

2.Abbruchkosten. Wir haben auf einem gepachtetem Grundstück eine Halle gebaut. Der Pachtvertrag läuft 10 Jahren, nach deren Ablauf der "Ursprung"szustand des Grundstücks wiederhergestellt werden muss. Abbruchkosten 100.000€.Zinssatz 5%.

meine Lösung:

Für das gepachtete Grundstück darf keine Rückstellung gebildet werden, jedoch ist nach 249 1 HGB für den Abriss des Gebäudes eine Rückstellung zu bilden. Besteht die Rückstellung mehr als 12 Monate, so ist diese mit dem entsprechendem Marktzins abzuzinsen (wird von Bundesbank ausgegeben und liegt derzeit bei 5 %). Die Abbruchkosten werden auf die Kosten der gesamten Laufzeit verteilt. (100.000 : 1.05^10) : 12 = 5115,94 EUR jährlich zurückzustellen.

Betrieblicher Aufwand an sonstige Rückstellung 5115,94 ( und so jedes Jahr )

  1. Vertragsstrafe. Per einen Vertrag sollen wir zu einem bestimmten Termin eine Bauleistung erbringen ( bis zu diesem Termin soll alles fertig sein ). Sonst ist pro Tag eine Verspätungsstrafe i.H.v. 100 EUR fällig.

Meine Lösung:

Für die Vertragsstrafe ist aufgrund des Verzugs eine Rückstellung zu bilden. Die Höhe ergibt sich aus der Verzugsdauer und den Kosten pro Tag. Falls die Rückstellung unter den 12 Monaten liegt (wie hier der Fall), so muss die Rückstellung nicht abgezinst werden.

Sonstiger Aufwand an sonstige Rückstellung 100 ( und so jeden Tag ).

Ich gebe zu, ich verstehe das Ganze nicht so gut oder sogar schlecht. Meine Lösungen sind ein reiner Versuch. Ich bitte euch, die zu berichtigen.

Bilanz, BWL, Rückstellung
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