Kann meine Ehefrau (bei Einzelveranlagung) meine Arztrechnungen bezahlen und dann bei ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung angeben?

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1 Antwort

Nochmal die gleiche Frage.

OK, Dein Herz scheint einfach daran zu liegen und du suchst nach jedem Argument dafür.

Fachleute hier, haben auf die Rechtslage hingewiesen, wobei es eben Kommentatoren gibt, die schreiben, was Du gerne liest.

Einfache Lösung, Du gibst die Erklärung ab, wie Du es möchtest udn wartest auf den Bescheid.

Was mich bei der Sache etwas stört, Du klebst an dieser Frage, wobei mir ein Fall, dass eine Einzel- statt einer Zusammenveranlagung günstiger sein soll, weil Arztkosten abzugsfähig sind, günstiger sein soll sehr unwahrscheinlich sein dürfte. schließlich ist auch der %-Satz für die zumutbare Belastung höher ist, wenn auch dann auf ein geringeres Einkommen angewendet.

Nur wenn die Einkünfte so unterschiedlich sind, dass so eine Aktion zu einem positiven Ergebnis kommen kann, dann sollte der Splittingvorteil auch entsprechend sein.

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EnnoWarMal 09.06.2017, 11:40

Richtig. Einfach eintragen und abwarten.

Nochmal zur Rechtslage:

Man muss es doch nur richtig lesen:

Entsprechende Aufwendungen müssen dem Ehegatte zwangsläufig erwachsen sein

Wem sind die Aufwendungen erwachsen? Dir. Nicht der Ehefrau. Also kannst nur du und nicht sie sie ansetzen.

Alles, was dort steht, ist, dass es egal ist, wer die Aufwendungen bezahlt. NICHT egal jedoch ist es, wem sie zuzurechnen sind.

Genau das haben wir auch nebenan erläutert.

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wfwbinder 09.06.2017, 11:57
@EnnoWarMal

Der vom Frager genannte Kommentar (Hermann-Heuer, Otto Schmidt Verlag, onlineversion), geht davon aus, dass Ehegatten sich zum Unterhalt verpflichtet sind und damit die Zahlung von solchen Ausgaben immer das "Zwangsläufigkeitserfordernis" erfüllen.

Nur, an einen Kommentar und sei der noch so renommiert, braucht sich kein Finanzbeamter zu orientieren.

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TimWei 09.06.2017, 21:50
@wfwbinder

Vielen Dank für Eure Antworten. 

Bisher habe ich die Hintergründe nicht geschildert, um meine Fragen kurz zu halten. Da dies nun aber offenbar zu leicht genervten Reaktionen geführt hat, schildere ich kurz meine Beweggründe.

Ich muss mich in Kürze zwischen 2 ärztlichen Behandlungsalternativen entscheiden. Die eine ist relativ einfach und günstig, die andere ist hochwertig und teuer. Beide Alternativen werden grundsätzlich als außergewöhnliche Belastungen anerkannt. Welche der beiden Behandlungen ich auswählen kann und möchte, hängt davon ab, mit welcher Steuererstattung ich rechnen kann. Es geht also nicht um schon bestehende Rechnungen, die ich in der Erklärung eintrage und einfach mal abwarte, wie der Bescheid so aussieht.

Ich habe dieses Jahr ohne Verschulden meinen Job verloren und eine hohe Abfindung erhalten. Daher wäre die zumutbare Belastung für mich hoch (bei Einzelveranlagung) oder für uns sehr hoch (bei Zusammenveranlagung). Da ich nicht absehen kann, wann ich wieder einen neuen Job habe, muss ich mein Geld zusammenhalten und möchte bzw. kann die teure Behandlungsalternative nur auswählen, wenn ich später möglichst viel per Steuererstattung zurückerhalte.

Zur Sinnhaftigkeit meiner Frage bzw. meiner Idee: Ich habe alle Varianten (Einzelveranlagung/Zusammenveranlagung sowie Zurechnung der Kosten bei meiner Frau/bei mir/hälftig) per Steuerprogramm durchgerechnet. Die Steuererstattung wäre insgesamt bei Einzelveranlagung und Eintrag der Kosten bei meiner Frau am höchsten. Dies mag daran liegen, dass sowohl meine Frau als auch ich deutlich im Einkommensbereich des Spitzensteuersatzes liegen und mein Einkommen dieses Jahr aufgrund der Abfindung besonders hoch ist. Der %-Satz für die zumutbare Belastung scheint mir unabhängig von der Veranlagungsform immer 4% zu sein.

Es gibt noch andere Quellen, die meine Auslegung stützen, z.B.:

können die Ehegatten die gesamten Aufwendungen steuerlich demjenigen zuweisen, bei dem sie zu einer höheren Steuerersparnis führen."

...

"Da auch das Finanzamt auf keine Weise ermitteln kann, welcher Ehegatte welche Aufwendungen getragen hat, wird es sich im Zweifel mit der Darstellung der Ehegatten zufrieden geben müssen. Oft wird den Ehegatten im Ergebnis doch wieder das Wahlrecht eingeräumt, das der Gesetzgeber ihnen mit der Neuregelung nehmen wollte: Sie können in vielen Fällen beliebig bestimmen, welcher Ehegatte die Aufwendungen bei seiner Ehegatten-Einzelveranlagung in voller Höhe abzieht.

https://www.haufe.de/unternehmensfuehrung/profirma-professional/veranlagungsformen-fuer-ehegatteneingetragene-lebenspartner-8-massstaebe-fuer-die-verteilung-von-aufwendungen_idesk_PI11444_HI5309269.html

Eine hoffentlich letzte Frage:

Wenn ich meinen Weg versuche (Einzelveranlagung und Eintragung der Kosten bei der Erklärung meiner Frau) und das Finanzamt diese Zurechnung ablehnen sollte, laufe ich dann Gefahr, dass die Kosten dann gar nicht mehr steuermindernd sind oder wird das Finanzamt dann die Kosten in meine Steuererklärung "übertragen"?

Vielen Dank und viele Grüße

Tim

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wfwbinder 09.06.2017, 22:06
@TimWei

Vielen Dank für diesen Kommentar, damit wird es etwas klarer. Interessant ist die Bemerkung dass ihr beide im Bereich des Höchststeuersatzes liegt. zwei Leute die je 250.000,- als Einkommen haben, sind selten.

Aber zurück zu Deiner Frage, hätten wir dieses Info vorweg gehabt, wäre die Lösung sehr einfach gewesen.

Da es ausser dem steuerlichen Abzug keinen Grund gibt, warum Deine Frau die Operation zahlen sollte, tritt hier m.E. § 42 AO ins Bild.

Wenn eine Vertragsgestaltung nur gewählt wird um die Steuerlast zu vermindern, ist die Sache unzulässig.

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TimWei 09.06.2017, 22:22
@wfwbinder

Wir liegen beide im Bereich des Spitzensteuersatzes (also über 54 t€), aber leider nicht im Bereich des Höchststeuersatzes :-).  

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wfwbinder 09.06.2017, 22:29
@TimWei

Fünftelregelung für die Abfindung geprüft?

Aber ich befürchte, dass man Euch § 42 AO trotzdem entgegen halten wird.

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TimWei 09.06.2017, 22:56
@wfwbinder

Ja, Fünftelregelung habe ich geprüft. Bringt für die Versteuerung der Abfindung leider nichts, da ich schon ohne Abfindung beim Spitzensteuersatz bin. Und bei der Berechnung der zumutbaren Belastung gilt die Abfindung nach meinem Kenntnisstand als "normales" Einkommen - da gibt es keine Fünftelregelung.

Verstehe ich es richtig, dass § 42 AO dem ursprünglichen Ansatz entgegensteht, die Kosten bei der Erklärung meiner Frau anzugeben?

Oder wäre sogar der Ansatz einer Einzelveranlagung und Angabe der Kosten in meiner Erklärung unzulässig? Hiermit wäre immerhin in diesem Fall immer noch eine höhere Steuererstattung als bei der Zusammenveranlagung zu erreichen.

Was passiert, wenn man uns §42 AO entgegen hält? 

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wfwbinder 10.06.2017, 12:44
@TimWei

Nein, die Einzelveranlagung ist ja etwas, was jedem frei steht. das ist auch in dem Sinn keine "Gestaltungsmöglichkeit." Hier geht es darum, dass Du selbst Deine OP zahlen könntest und die Konstruktion, dass Deine Gattin die OP zahlt, nur deshalb wählen willst, weil sie es steuerlich abziehen soll, was bei Dir eben auch ginge, sondern nur einen geringeren Effekt hätte.

Wenn der Finanzamtsmitarbeiter das auch so sieht, ist der Abzug eben weg.

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Brigi123 11.06.2017, 18:30
@wfwbinder

Wenn man es wirklich versuchen will, die OP-Kosten bei der Frau abzusetzen, dann müßte man die Steuererklärung des Mannes eben später einreichen. Also erst, wenn der Bescheid für die Frau da ist. Dann könnte man die Rg. noch beim Mann absetzen, falls es bei der Frau abgelehnt wurde. Was ja laut wfw und Enno sehr wahrscheinlich ist.

Außerdem hab ich eine Tabelle gefunden, wonach die zumutbare Belastung bei Grundtabelle 6% beträgt, bei splittingtabelle aber nur 5%. Oder hat das nichts zu tun mit Einzel- bzw. gemeinsamer Veranlagung?

Und ich wundere mich auch, warum die Fünftelregelung keine Auswirkung auf die zumutbaren Belastung im steuerrechtlichen Sinn haben soll. Hast Du das evtl. mit der krankenversicherungsrechtlichen Belastungsgrenze verwechselt?

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wfwbinder 11.06.2017, 18:48
@Brigi123

§ 33 Abs. 3 hat nicht nur die Nummer 1 a) und b), sondern auch die Nummer 2. a) und b). Wenn der Frager für sich die 4 % herausgesucht hat, dann wird er wohl 1, oder 2 Kinder haben.

Wenn das zuversteuernde Einkommen schon Ohne Abfindung über 54.057,- Euro ist (ab da gelten die 42 %) und mit Abfindung  nicht über 256.034,- Euro gehen (ab da 45 %) hat die 5 % Regelung, deren Wirkung ja nur bei Progression eintritt, keinen Einfluss, weil jeder zusätzliche Euro mit gleichbleibend mit 42 % besteuert wird.

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