Was passiert, wenn Schulden vererbt werden, das Erbe aber ausgeschlagen wird?

2 Antworten

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Wenn eine Erbschaft ausgeschlagen wird von allen Erbberechtigten, dann erbt letztlich der Staat. Allerdings brauchen sich die Gläubiger da keine Hoffnung auf Tilgung ihrer Schulden zu machen, denn der Staat erbt -im Gegensatz zu allen übrigen Erben- immer nur die positiven Vermögenswerte, nie aber die Schulden. Die Gläubiger müssen dann ihre Forderungen auf "Null" abschreiben.

Damit insofern keine Mißverständnisse entstehen: Die Bestattungskosten sind kein Teil des Erbes. Für die müssen die Angehörigen aufkommen, ob sie wollen oder nicht.

Und wenn man schon über Konsequenzen für die Erben spricht: Wer nur ausschlägt, braucht solche nicht zu befürchten. Wer allerdings einem Heuschreckenschwarm gleich die Wohnung des gerade Verstorbenen plündert und dann meint, dessen Schulden später durch Ausschlagung der Erbschaft loswerden zu können, der wird eine böse Überraschung erleben.

Nur kurz zur rechtlichen Erläuterung.

Laut dem BGB trägt der Erbe die Kosten der Bestattung. Wird der Staat Erbe hat das Bundesrecht dafür keine Regelung, aber in den einzelnen Ländern gibt es Bestattungsgesetze, und die Regel meist, dass die Kosten einer Bestattung die Angehörigen zu tragen haben.

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@Meandor

Auf Wikipedia gibt es einen sehr langen Beitrag zum Thema "Bestattungspflicht" in Deutschland mit vielen Hinweisen zur Gesetzeslage. Dieses Thema sowie die damit einhergehende Frage der Kostentragungspflicht erstreckt sich über eine ganze Reihe von Gesetzen.

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Zunächst werden die Banken kaum einen Kredit gewähren, wenn die Laufzeit der Tilgung und Zinsen nicht annähernd gesichert ist oder Sicherheiten hinterlegt sind.

Dann wären die Kinder zuförderst zum Elternunterhalt verpflichtet, bevor Grundsicherung greift oder Kredite aufgenommen werden müssten.

Grds. ist es aber richtig, daß niemand für die Schulden anderer haftet, auch nicht als Rechtsnachfolger eines Naclaases durch Erbenstellung.

Einzige Ausnahe: Die Bestattungspflicht verpflichtet die Angehörigen, eine angemessenen Bestattung zu tragen, so der Nachlass überschuldet wäre.

G imager761

Schulden wie Vermögen werden entweder angenommen oder ausgeschlagen. Für Erben (Staat ausgenommen) gibt es keine andere Option.

Einzig die sich aus sonstigen Unterhalts- und Fürsorgeverpflichtungen für Verwandte in gerader Linie (jedoch nur ersten Grades) können zu einer Übernahme von beispielsweise Bestattungskosten etc. führen.

Wer also nur Schulden erbt, kann das Erbe ausschlagen und damit fällt es an den Staat zurück. Sofern keine gesamtschuldnerisch übernommenen Verpflichtungen bestehen, die einen noch lebenden Schuldner übriglassen, haben Gläubiger damit das Nachsehen.

Wer im hohen Alter noch Schulden hat, der hat meiner Meinung nach im Leben was falsch gemacht (Schicksalsschläge mal außen vor gelassen).

Wer sich in 60 oder 70 Jahren nichts aufbaut und dann noch Schulden an seine "Erben" hinterlässt - mein lieber Scholli.

Für die Gläubiger ist dies dann mitunter schlecht - es wird dazu führen, dass ein Umdenken in Gesellschaft stattfinden muss.

Was soll man denn da falsch gemacht haben? Meinen Sie all jene, die für viel zu wenig Geld Malochen gehen, damit sie ihre Familie ernähren können und dann im Alter nichts haben, aber vorher nicht die Möglichkeit hatten, sich was zur Seite zu legen? Oder die, die immer wieder arbeitslos wurden, weil sie in einem Teil Dtls leben, in denen es schwer ist, einen guten und langfristigen Job zu bekommen?

In Ihrer Welt würde ich auch gern leben, dann gäbe es keine alten Leute mehr, die jeden Tag Pfandflaschen sammeln gehen. Und ich glaube nicht, dass die alle etwas falsch gemacht haben oder Schicksalsschläge hatten. Die Unwägbarkeiten des Lebens zählen meines Erachtens nicht dazu.

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@Ariene

Man muss unterscheiden, ob jemand "nichts besitzt" in Form von kein Kapital oder ob jemand Schulden - also Verbindlichkeiten - hat.

Wenn jemand hart arbeitet und kaum etwas verdient, dann ist das schlimm aber dann hat man ja zwangsläufig keine Schulden.

Schulden hat man, wenn man über seine Verhältnisse lebt.

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@volksbanker

Natürlich kann und muss man das unterscheiden. Man kann aber beispielsweise auch Schulden machen, weil man mit einer Selbstständigkeit insolvent gegangen ist. Oft passiert dies sicher aus Unvermögen, aber manchmal ist es schlicht Pech oder weil sie selbst ausgebeutet wurden (ich habe hierzu aktuell etwas zum Thema Paketzustelldienste und deren Subunternehmer gelesen).

Ich gebe Ihnen ja schon recht, dass, vor allem heute, viele über Ihre Verhältnisse leben. Aber ich glaube eben auch, dass ein nicht unerheblicher Teil nicht unbedingt etwas "dafür kann".

Ich habe z.B. auch Schulden, weil ich über meine Verhältnisse lebe sicher nicht (ich lebe mit über 30 immer noch in einer WG, toll ist das nicht). Aber bei den z.T nicht so umfangreichen Löhnen und immer wieder befristeten Arbeitsverhältnissen, ist es eben auch nicht so leicht, die Ausbildungskosten (sprich Bafög) in einer angemessenen Zeit zurück zu zahlen. Was wäre, wenn ich jetzt noch Kinder hätte?

Und um zum Thema zurück zu kommen. Was ist, wenn jemand nie geschafft hat, etwas zurück zu legen. Häuft man dann im Alter, durch Krankheit z.B., nicht automatisch Schulden an?!

Ich finde das ein sehr schwieriges Thema und würde nicht unbedingt die einzelnen Menschen dafür verantwortlich machen.

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@Ariene

Aber bei den z.T nicht so umfangreichen Löhnen und immer wieder befristeten Arbeitsverhältnissen, ist es eben auch nicht so leicht, die Ausbildungskosten (sprich Bafög) in einer angemessenen Zeit zurück zu zahlen.

Diese Argument zieht überhaupt nicht. Bafög-Darlehen brauchen erst zurück gezahlt werden, man entsprechend verdient.

Wieso man keine Arbeite hat wenn man eine Qualifikation hat, ist mir schleierhaft zu dem noch mit 30.

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@Niklaus

An welcher Stelle habe ich behauptet, dass ich keine Arbeit habe? Oder denkst du dir das aufgrund meiner Meinung?

Und ich glaube, da wurde ganz klar etwas falsch verstanden. Klar muss ich Bafög erst zurück zahlen, wenn ich verdiene (was ich tue). Jedoch bleibt dann nicht viel für den Rest, wenn das Gehalt eben nicht so üppig ausfällt. Möchte man dann vielleicht nicht mehr wie ein Student leben, braucht ein Auto (um zur Arbeit zu kommen?) oder gründet eine Familie, dann ist es eben manchmal vielleicht unvermeidlich, Schulden zu machen. Das mit dem Bafög war dabei nur ein Beispiel. Ich wollte damit lediglich darauf hinweisen, dass das Leben, auch für Akademiker, die eine Anstellung haben, nicht mehr so einfach ist, wie das vielleicht noch vor 15 Jahren der Fall war. Und da sind wir bei Leuten, die immer noch Chancen haben, aufgrund einer guten Ausbildung. Was ist mit Menschen, die nur 5€ die Stunden verdienen...

Ich finde es einfach nicht richtig, immer nur zu sagen: Ihr seid selbst Schuld, das ist in vielen Fällen einfach zu kurz gedacht.

Aber ich habe inzwischen schon mitbekommen Niklaus, dass sich für dich an einer festen Arbeit, der Wert eines Menschen bemisst und nur von Bedeutung ist, das man arbeiten geht und der Allgemeinheit "nicht auf der Tasche liegt".

Menschen die sowenig zum Leben haben (weil sie schlecht verdienen), dass sie nicht privat vorsorgen können, werden uns auch noch sehr viel Geld kosten - wo wir wieder bei den Schulden wären. daran könnte der Gesetzgeber vielleicht mal was ändern...

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@volksbanker

Man muss unterscheiden, ob jemand "nichts besitzt" in Form von kein Kapital oder ob jemand Schulden - also Verbindlichkeiten - hat.

Dein Name scheint Programm - vlt. solltest du dir mal die durschnittlichen Erbwerbsrenten und Pflegekosten einer Heimunterbringung ansehen und das realistische Sparpotentiel, daß einer Familie mit zwei oder mehr Kindern bleibt?

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