Wieviel verdient eine Zeitarbeitsfirma an ihrem Mitarbeiter?

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Pauschal kann man das nicht sagen. Die großen Zeitarbeitsfirmen (Randstad, Adecco) verdienen in Deutschland zur Zeit fast nichts, die liegen irgendwo zwischen 1% und 2% Gewinn bzw. machen in einigen Quartalen sogar Verlust.

Grundsätzlich:

Wenn der Arbeitnehmer 10 Euro erhält, dann gibt es an direkten zusätzlichen Kosten für diesen Arbeitnehmer für die Zeitarbeitfirma ersteinmal folgendes (je Arbeitsstunde):

  • ca. 2 Euro Arbeitgeberanteil Sozialversicherung + Krankenkasse
  • ca. 1 Euro Rückstellung für Urlaub des Arbeitnehmers (der vom Kunden nicht bezahlt wird)
  • ca. 0,50 Euro Rückstellung für Krankheit des Arbeitnehmers
  • Berufsgenossenschaftsbeitrag ca. 0,50 Euro
  • Reisekosten des Mitarbeiters 0 - 5 Euro (abhängig vom Einsatzort)

Das heisst: In Summe muss die Zeitarbeitsfirma schon mal zwischen 14 Euro und 19 Euro pro Stunde an den Mitarbeiter bzw. an direkt mit ihm verbundenen Kosten bezahlen. Auch wenn der Mitarbeiter nur ca. 10 Euro pro Arbeitsstunde bekommt.

Damit wären aber noch weder Lohnbuchhaltung noch Disponent bezahlt... Die Allgemeinkosten umfassen:

  • Lohnbuchhaltung
  • Anteil am Gehalt des Disponenten / Niederlassungsleiters
  • Büro / Miete / Strom / Telefon
  • Rücklage für Wartezeiten, einsatzfreie Zeiten
  • Werbung / Akquisitionskosten
  • Umlage Forderungsausfall (z.B. durch Insolvenzen der Kunden)
  • Versicherungen, sonstige Kosten

Bei 10 Euro Stundenlohn würde in der Tat der Verrechnungssatz dem Kunden gegenüber zwischen 18 und 25 Euro betragen. Je nachdem, ob das ein langlaufender oder ein kurzlaufender Kundenauftrag ist, ob Reisekosten anfallen, wie dringend der Bedarf beim Kunden ist. Der wirkliche Gewinn ist dabei gering - je nach Auftrag vielleicht zwischen 0 und 2 Euro...

Ich kann wirklich verstehen, dass einem die 10 Euro recht wenig vorkommen. Vor allem, da davon ja noch 30% Steuern + Sozialabgaben abgehen... Aber trotzdem muss man sich veranschaulichen, dass der Kunde dafür schon ca. 20 Euro pro Stunde zahlen muss, damit alleine die Kosten wieder drin sind...

...diese Kosten hat der Kunde übrigens auch, wenn er den Mitarbeiter selber einstellt (er muss ja auch Lohnfortzahlung leisten und eine Lohnbuchhaltung unterhalten...) - das einzige, was der Kunde im Prinzip zusätzlich bezahlt, ist die Marge des Unternehmens.

Ach ja: Im Westen bekommt man für 10 Euro pro Stunde keinen Facharbeiter...

Natürlich bekommt man für 10 Euro/Std. Facharbeiter.Ich habe selbst 10 Jahre in Zeitarbeitsunternehmen intern gearbeitet. Seit 2 Jahren bin ich als private Arbeitsvermittlerin tätig. Ich vermittle sogar an feste Firmen Facharbeiter für 10 Euro/Std. Gerade im Kfz-Bereich zahlen die Werkstätten nicht allzu viel. Ich habe letzte Woche einen Strassenbauer (Facharbeiter) vermittelt, der einen Grundlohn von 9,50 Euro/Std. verdient. Bei Facharbeitern darf man nicht nur an Schlosser, Elektriker oder Schweisser denken. In der jetzigen Wirtschaftslage wissen die Unternehmen ganz genau, dass sie bei Neueinstellungen die Löhne drücken können. Wirklich gut verdienen die, die langjährig in Beschäftigungsverhältnissen sind. Ein Schlosser, der gerade ausgelernt hat, erhält beim Arbeitgeber meines Mannes 10,50 Euro. Das ist auch durchaus in Ordnung. Den Preis bzw- Lohn regelt nun mal Angebot und Nachfrage.

Ja, stimmt. Ich hatte in der Tat an Schlosser und Elektriker gedacht. Dort liegen die Löhne im Westen in der Zeitwarbeit bei ca. 10,50 Euro für Anfänger und bei 11,50 bis 14 Euro für Leute mit Berufserfahrung (je nach Gegend und Nachfrage).

Wenn Du 10 p. Stunde verdienst, dann gehe davon aus das die Zeitarbeitsgeier ca. 60€ für dich p. Stunde erhalten. Davon wird natürlich Sozialvers., Kranken- und Rentenkasse bezahlt, aber trotz allem.... rechne selbst nach.

Es gab Zeiten, da haben die Besitzer von Zeitarbeitsfirmen sehr viel verdient. Seit einigen Jahren wird die Gewinnspanne immer geringer. Das hat mehrere Ursachen.Zu einen bestimmen oftmals die Kundenfirmen, wieviel Geld sie bereit sind, zu bezahlen, zum anderen sind auch Zeitarbeitsfirmen an Tarife gebunden. Besonderes auffällig ist dies zum Beispiel bei Malern. Da sind die Mindestlöhne identisch - egal ob man in einem Zeitarbeitsunternehmen arbeitet oder bei einem Malerbetrieb. Man kann davon ausgehen, dass ein Betrieb das 1,7 fache des Stundenlohnes eines Leiharbeiters an das Zeitarbeitsunternehmen bezahlen muss, damit dieses kostendeckend arbeitet. Alles, was darüber hinausgeht, ist dann der Gewinn brutto. Viele Zeitarbeitsunternehmen arbeiten zur Zeit gerade noch kostendeckend oder mit einem Minimalgewinn. Wenn es dann noch viele Kranke gibt, rutscht dieses ganz schnell in die "roten Zahlen". Die Zeiten, wo man die Zeitarbeit als "Sklaventreiberei und Ausbeuter" beschimpfen konnte, sind eigentlich vorbei. Wenn ein Zeitarbeitsunternehmen heute nicht seriös und zuverlässig arbeitet, bekommt es ganz schnell keine Aufträge mehr. Das gleiche gilt für die Behandlung seiner Mitarbeiter. Bei einem Stundenlohn von 10 Euro brutto muss das Zeitarbeitsunternehmen 20-21 Euro vom Kunden erhalten, um 1 Euro/Std. Gewinn zu machen.

Kommt darauf an, um wieviel er den Mitarbeiter verkauft. Bei einem Nettolohn von 10,-- hat die Firma insgesamt ca. 20,-- Selbstkosten.

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