Wie ist der Ablauf bei Ladendiebstahl durch Minderjährigen (zivilrechtlich)?

5 Antworten

strafrechtlich wird nichts kommen. Da er mit 12 noch nicht strafmündig ist, wird der Staatsanwalt das Verfahren einstellen. Aber der Ladendiebstahl ist nun erst mal im System gespeichert.

Dennoch kann es durchaus sein, dass die Tat nicht folgenlos bleibt. Von Schadensersatzansprüchen mal abgesehen kann auch das Jugendamt da durchaus Maßnahmen ergreifen.

Mir ist nicht ganz klar, was du mit Vertragsstrafe meinst. Die greift doch eigentlich nur, wenn ein gültiger Vertrag nicht eingehalten wird. Ein Vertrag liegt hier aber nicht vor, wäre eh nichtig, da minderjährig.

Mit Vertragsstrafe meine ich diese Schilder in manchen Läden, wo es heißt, dass bei Diebstahl xxx EUR fällig sind. Wobei ich nicht weiß, ob es dort der Fall ist.

Strafrecht

Da Dein Sohn nicht strafmündig ist, wird das Verfahren eingestellt.

Jugendamt

Das Jugendamt wird in solchen Fällen grundsätzlich informiert; man wird ein Gespräch anbieten.

Zivilrecht

Grundsätzlich hat das Unternehmen einen Schadenersatzanspruch; dazu muß aber erst einmal ein Schaden entstanden sein; da die Ware, im vorliegenden Fall, nicht mehr verkaufsfähig ist, müsste der Preis für die Ware gezahlt werden.

Geschäfte loben häufig eine Fangprämie aus; nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahre 1979 (VI ZR 254/77) ist das grundsätzlich zulässig. Allerdings muß die Prämie im Verhältnis zum Warenwert stehen; es dürfen, nach heutiger Ansicht, mind. 25 € max. 70 € verlangt werden; es ist zudem auch noch zu berücksichtigen, daß der Ladendieb minderjährig ist; hier könnte eine Fangprämie ggf. gar nicht erhoben werden.

Wenn die Forderung gestellt wird, kann man dieser widersprechen und ggf. gerichtlich überprüfen lassen (zumindest erst einmal durch einen Rechtsanwalt prüfen lassen).

Ich hab gerade im Markt angerufen. Normalerweise erheben sie 150 EUR Fangprämie. Weil er jugendlich ist, brauchen wir "nur" 50 EUR zahlen. Finde ich trotzdem nicht in Ordnung, aber bevor ich mich gerichtlich streite und es noch teurer wird, lieber so. Ich hoffe, er lernt draus. Die Karten möchte er eigentlich gar nicht mehr...

Wie soll er den Schaden bezahlen, wenn er den Laden nicht betreten darf

Banküberweisung?

Er ist beschränkt geschäftsfähig - kann da so etwas trotzdem anfallen?

Dein Sohn ist mit 7 Jahren bereits deliktfähig, das heißt das er für Schäden im Rahmen seiner Entwicklung und Geldmöglichkeiten zum Schadenersatz herangezogen werden kann. Wohlgemerkt, wir sprechen von Zivilrecht.

Im Strafrecht hat er bis zu seinem 14ten Geburtstag nichts zu befürchten. Außerdem liegt der Wert des Diebesgutes innerhalb der Bagatellgrenze von 50 Euro. D.h. aber nicht, das er fortwährend jetzt jeden Tag für 49,99 Euro ohne Folgen klauen gehen kann.

Das Jugendamt wird sich melden, aber nicht um euch Probleme zu machen, sondern euch zu unterstützen. Vielfach ist es für Eltern nicht einfach zu verarbeiten, wenn Kinder mit so etwas nach Hause kommen.

Ich hatte nur Kontakt zur Polizei und wüsste nich einmal, wie viel genau und wohin ich überweisen soll. Außerdem ist nicht klar, ob zu dem Schaden noch etwas dazukommt. Das er den zahlen muss, ist klar. Das Jugendamt hat schon Kontakt mit uns, da es die Kosten für eine Fördereinrichtung zahlt, in die sein Bruder geht. Und ja, ich hätte das nicht gebraucht, ihn da abzuholen, wo ich selbst schon mal in einer Zeugenvernehnung saß. Aber in erster Linie geht es mir um ihn.

@achtmal4

Wie Du schon geschrieben hast, Fangprämie plus Schaden (14 Euro). Setze dich mit dem geschädigten Unternehmen in Verbindung. Lasse dir nach Zahlung einen Beleg der Erledigung schicken. Die Fangprämie ist übrigens keine Strafe, sondern enthält die Kosten für den Aufwand der Abwicklung ikclusive Stundensatz für den Ladendetektiven, also Kosten, die der Unternehmer hat. Das ist nach § 249 BGB ersatzpflichtig. Da kommen wir wieder zur Deliktfähigkeit ab 7 Jahren.

Das ist es, was ich meine. Sie waren zu zweit, müsste dann nicht jeder die Hälfte zahlen müssen? Der Aufwand war ja der Gleiche - fände es nicht gerechtfertigt, wenn das zweimal berechnet würde. Abgesehen davon, dass ich nicht weiß, ob so etwas erhoben wird. Die Polizei konnte mir das nicht sagen - die haben nur den Warenwert beziffert.

Da er nicht strafmündig ist, passiert also hier nichts, auch das Jugendamt wird beim 1. Mal nicht viel machen.

Du verwechselst gerade Geschäftsfähigkeit mit Deliktfähigkeit. Selbstverständlich muss dein Sohn mit 12 Jahren für den Schaden haften, den er angerichtet hat. Dazu gehören nicht nur die 14 Euro, sondern auch eine angemessene Fangprämie deren Höhe ich max. 50 Euro ansehe.

Das mit "er darf den Laden nicht betreten" eher als Ausrede an. Die Eltern können es überweisen oder man kann sich auch schriftlich an dem Laden wenden, ob der Sohn dann doch einmalig den Laden bzgl. der Bezahlung betreten darf.

Er darf bis zur Info reinkommen und dass er die Ware bezahlen muss, war auch klar. Es geht um Vertragsstrafen und Fangprämien - in seinem Alter kann er keine rechtsgültigen Verträge abschließen. Das hat nichts mit Deliktfähigkeit zu tun.

Bis zum Alter von 14 Jahren sind Kinder strafunmündig. Werden sie bei einem Vergehen erwischt und kommt es zur Anzeige, schickt die Polizei eine Ereignismeldung an das Jugendamt. Dort wird entschieden, ob zu der Familie Kontakt aufgenommen wird, wobei bei einem einmaligen Bagatelldelikt schon allein aus Personalmangel darauf meist verzichtet wird.

Das war es dann aber auch schon. Wie will man bei Strafunmündigkeit eine zivilrechtliche deliktische Haftung (etwa für eine Fangprämie) begründen. Die Beute Deines Sohnes solltest Du zurückgeben, weil diese nachträglich käuflich erwerben wäre sicherlich das falsche Signal für den Sohnemann.

Die Beute hat laut Auskunft der Polizei der Markt einbehalten - zusammen mit den Karten, die sie sich regulär gekauft hatten. Anscheinend konnte man nicht feststellen, welche ihm gehörten und welche er sich eingesteckt hatte (waren wohl vermischt) - deshalb hat der Markt nun alles dabehalten.

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