Wer hat Erfahrung -Geldanlage in Teakholz-Plantagen?

5 Antworten

Ich hatte mich auch für die Anlageprodukte verschiedener Anbieter interessiert. Dabei lässt sich schnell nachrechnen, dass die eigentlichen Erträge an Tropenholz erst nach 15...20 Jahren relevant werden. Ausserdem sind die Angebote meineserachtens zu teuer. Da ich in Asien (Thailand) beschäftigt bin, hatte mich dann für eine eigene Plantage in Asien entschieden. Meine Frau 2 ha Land gekauft und je zur Hälfte mit Teak und Eukalyptus bepflanzen lassen. Die Eukalyptus Bäume haben jetzt nach vier Jahren einen Durchmesser von 12cm und sind ca. 10 m hoch. Teak hat 8cm und 6m. Land 2ha 9.000 Euro Stecklinge 10.000St. = 2.400 Euro Arbeit für Pflanzen: = 3.800 Euro

Für die Knochenarbeiten stehen günstige lokale Ein-Mann-Firmen zur Verfügung. (10Euro Tagessatz)

Wenn ich das bisherige Wachstum hochrechne dürften für Eukalyptus ca. 750...800 cbm / ha und Teak ca. 500...550 cbm /ha nach 20 Jahren rauskommen.

Diese Anlage ist für uns als 'Rentenversicherung' gedacht und nicht um zu spekulieren. Ein paar cbm hin oder her ist mir dabei egal.

Letztes Jahr hatten wir einen kleinen Waldbrand, welcher 1000qm Eukalyptus verkohlt hatte. Die Bäume trieben aber diese Jahr wieder aus und damit hält sich der Schaden in Grenzen.

Ich persönlich bin sehr mistrauisch und verlasse mich nicht auf andere Anbieter, da die ja evtl. auch 'Pleite gehen' könnten und dann kann ich irgendwo auf der Welt nach meinem Fleckchen Erde suchen.

Ausserdem könnten die ja nach 20 Jahren den Wald abholzen, verkaufen und mir dann mitteilen, dass ich Pech hatte da mein Wald gerade eben vor einer Woche abgebrannt sei, oder er musste wegen Schädlingsbefall vernichtet werden...

Man ist in der Realtität kaum abgesichert. Die Anbieter sind zudem total intransparent. Keiner der Teakholz-Anbieter hat Leistungsbilanzen oder eine Auszahlungshistorie. Bezüglich der Rücklagen und Kosten herrscht totale Intransparenz. Eine Schweizer Firma unterliegt auch nicht der deutschen Finanzaufsicht, deshalb wohl firmieren diese Firmen wohl alle in der Schweiz, obwohl sie doch - welch Wunder - ganz überwiegend (einige sogar nur) in Euro verkaufen.
Übrigens gingen immer wieder Teakinvestment-Anbieter in Insolvenz.

Man findet zudem viele Artikel und Postings, die darauf hinweisen, dass - wie bei einer Hydra - viele Verantwortliche/Eigentümer von Schweizer Teakholz-Investmentanbieter (Life Forestry Switzerland AG, Sharewood Switzerland AG, Woodsource AG) früher bei der insolventen Prime Forestry Switzerland AG in ähnlicher oder gleicher Funktion waren. So war z.B. Dr. Diego Perez früher "Vice President“ der Prime Forestry Panama. Heute ist er Direktor der Life Forestry Costa Rica S.A., Life Forestry führt ihn auch als "Forstdirektor". Diesem Verantwortlichen ist bei Prime Foresty sicherlich nicht verborgen geblieben, dass deren aufgeforsteten Flächen großteils ungeeignet waren und es keine Bewirtschaftungsrücklagen gab. Soviel zur "Seriosität" dieser Person ....

Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat der Life Forestry Switzerland AG (so der vollständige Name der Life Forestry) den Vertrieb ihrer Teakinvestments wegen fehlenden Verkaufsprospektes verboten, siehe https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Verbrauchermitteilung/unerlaubte/2018/meldung_181017_Life_Forestry_Switzerland.html

Bereits seit 2016 benötigen Baum-Investmentangebote an Deutsche einen von der BaFin geprüften und genehmigten Verkaufsprospekt. Diese Prospekte müssen u.a. testierte Bilanzen und genaue Kostenoffenlegung enthalten, was insbesondere Schweizer Anbieter aufgrund der meistens extrem hohen Kundengewinnungskosten wie der Teufel das Weihwasser scheuen.

Nachdem ich einiges hier in diesem Forum gelesen habe, muss ich doch noch einmal einiges richtig stellen und mir die Mühe machen. Ich selber bin seit über 30 Jahren im Forst und Produktionsgartenbau tätig, davon viele Jahre als Consultant, Manager oder Betriebsleiter im tropischen Ausland, vor allem für große und kleine Firmen die in Forst- und Bioölprojekte und Landwirtschaft machen.

Diese vielen Unkenrufe im Internet, dass Forstanlagen nicht rentabel seien oder dass man damit gar nicht 10, 12 oder mehr Prozent Rendite verdienen könnte, stammen wohl zwangsläufig von völlig unqualifizierten Quellen. Die einen Pressestimmen sagen die Anlageform Forst sei wunderbar, die anderen meinen wieder es sei alles Beschiss. Meinungen die von einer fachfremden Person an die nächste weitergereicht werden und an eher Stille Post oder Stammstischdiskussionen erinnern, als an profunde Fachkritik. Stimmen, die offenbar keinerlei Ahnung haben und vermutlich zu viel auf ihren Frisör hören. So kann man da doch nicht rangehen. Und ohnehin kann man das doch nicht einfach so alles pauschalisieren. Tja, wenn wir doch alle bloß immer nur auf die Analysten gehört hätten. Für Konzerne ist das alles gar keine Frage. Hier mal ein paar Denkanstöße vom Forstfachmann:

  1. wenn man beim Forstinvestment in der einen oder anderen Form von „Beschiss“ redet, hat das wohl nichts mit Forst und seiner Rentabilität an sich zu tun, sondern wohl eher nur mit dem Unternehmen, auf das man sich einlässt. Hier muss man trennen und nicht immer gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Forst und Firma sind zweierlei. Man kann auch mit Immobilien über den Tisch gezogen werden, soll auch schon passiert sein, dennoch halten die Leute Immobilien für sehr gut. Ich würde da ja eher Geld für Forst ausgeben, denn mein Haus wächst ja schließlich nicht mit. Bäume schon. Wenn man die Entwicklung von Forstprodukten anschaut, gibt es kaum große Schwankungen. Die Preise wachsen stetig an, ähnlich der Inflationsrate. Mehr als 4% Preisanstieg für Tropenhölzer im Jahr sind aber Illusion. Der Ertrag kommt vor allem aber aus dem Wachstum der Bäume, nicht der Preise.
  2. kommt es auch auf die Kultur und das Anbauland an. Ich kann Forst in Deutschland nicht gleichsetzen mit Forst in den Tropen, wie z.B. in Afrika, und dann sagen, dass das alles ja nicht stimmen kann mit den Erträgen. Man geht ja im Metallhandel auch nicht hin und macht Einheitspreise für Eisen, Kupfer und Gold. Vielmehr kommt es auf die Qualitäten und Wachstumsleistungen der im Einzelnen angebauten Hölzer an. Umtriebszeiten und Qualitäten können je nach Holzart vollkommen variieren. Ich gebe separat noch ein paar Empfehlungen und worauf man beim Investment in Forst achten sollte.

Das Wachstum ist in den Tropen um ein Vielfaches schneller, keine Frage. Wenn auch nicht wirklich unbedingt das sechsfache, wie einige Anbieter meinen, so doch dennoch mindestens drei bis fünf mal so schnell, in Abhängigkeit der betreffenden Arten. Fichten in Europa werden über eine Umtriebszeit von +/- 70 Jahren angebaut, Eichen über 150 bis 250 Jahre. In den Tropen macht es schon ab 20/25 Jahren Sinn, ideal wären 30 bis 35 Jahre. Das die Ertragszahlen zwischen europäischem und tropischem Forst sehr unterschiedlich ausfallen ist dann wohl klar.

Ob man nun so lange Zeit hat ist ja eine andere Frage - ob die Bäume aber wachsen, ist es aber nicht. Für mich macht es Sinn, denn die 25 Jahre sind in 25 Jahren auch rum und ich bin dann längst in Rente, ob nun mit oder ohne eigenem Wald. Für meine Kinder ist es auch sinnvoll. Ich habe schon vor 20 Jahren Bäume gepflanzt und wenn ich es nicht getan hätte, wäre ich dennoch heute hier und so alt wie ich eben bin. Wie gesagt muss dass jeder wissen was er tun will. Interessant ist jedoch dass die heutige Denkweise sich so sehr von früheren Zeiten abhebt, als man noch sagte, ein Haus müsse über Generationen halten und als man Bäume für seine Kinder, Enkel und Urenkel pflanzte, während man selber von den Pflanzungen des Urgroßvaters profitierte. Heute will jeder immer schnell anlegen und morgen Profite einstreichen. Da kann man dann nur sagen: Selbst Schuld, wenn die Märkte immer irrationaler und unzuverlässiger werden und neben Gier die Verluste steigen, das Vertrauen aber weiter sinkt.

Ich will keinem sagen was er tun soll, aber ich habe selber sehr ruhigen Gewissens sehr viel in Forst investiert. Da können die Leute unken wie sie wollen und ihr Geld gerne weiterhin zu den Banken und Börsen tragen und auf die schnelle Mark bzw. Euro gieren. Mir fiel jedenfalls kaum etwas normaleres, sichereres und natürlicheres ein, als Bäume zu pflanzen bzw. pflanzen zu lassen. Schließlich bin ich da zu Hause. Nach Aktien steht mir nicht mehr der Sinn, den Nervenkitzel spare ich mir, und das Sparbuch oder Festverzinsliches ist mir zu mager und deckt ja nicht einmal die Inflationsrate ab. Und Banken können zudem ja auch nicht pleite gehen, wie wir heute ja alle wissen ;-) Aber das muss jeder selber wissen.

Ich habe mal über die oben genannten Schweizer Firmen im Handelsregister (databot) nachgeschaut: Life Forestry Switzerland AG hat ein Aktienkapital von 100'000 FR. hat nur einen Verwaltungsrat, der gleichzeitig auch Geschäftsführer ist. ShareWood Switzerland AG hat 200'000 Fr. AK zwei Verwaltungsräte aber hat wegen geringen Geschäftsaufkommen auf die Revisionstelle verzichtet, also keine ordentliche Revision mehr.

Beides Gründe, wegen denen ich diesen Firmen keinen Heller zu Verfügung stellen würde. Punkt.

Um noch einen Aspekt in die Runde zu werfen - ohne Position für oder gegen den guten Willen des zur Frage stehenden Unternehmens zu beziehen; Die Geschichte der ForestFinance erinnert mich stark an einen Entscheid des schweizerischen Bundesgerichts aus dem Jahre 2006 (2A.332.2006, auffindbar unter http://www.bger.ch/index/juridiction/jurisdiction-inherit-template/jurisdiction-recht/jurisdiction-recht-urteile2000.htm wenn die Referenz in die Suchmaske eingegeben wird).

Es ging dabei um die behördlich angeordnete Schliessung der Prime Forestry Switzerland AG (PFS), welche das Produkt "TreeDirect" mit bis zu 14% Rendite angeboten hatte, mit welchem der Kunde einen Teak-Baumbestand auf einer definierten und zertifizierten Plantagefläche in Panama zum Eigentum erwerben sollte. Die damalige eidgenössische Bankenkommission (EBK, heute Finanzmarktaufsicht FINMA) untersagte der PFS ihre Tätigkeit weil es sich um eine Banktätigkeit handle. Gemunkelt wurde, dass es sich in dem Entscheid auch um den Anlegerschutz handelte.

Entscheident war für das BGer, dass nicht Eigentum an einem klar definierten Baum erworben werden konnte. Damit eine Firma wie die PFS in der Schweiz überhaupt bestehen darf müsste sie den klaren Nachweis der Eigentumsübertragung an einem klar identifizierbaren Baumbestand erbringen. Ob sie das kann und macht kann ich nicht beurteilen (Vgl. dazu: E. 5.2.1 bis E. 5.2.3. des genannten Urteils). 

Im vorliegenden Fall kam auch zur Geltung, dass die PFS unbestrittenermassen überschuldet war (siehe: E. 5.2.4).

Ob die EBK die Firma aus "anderen" Interessen (z.B. um andere Banken zu schützen) gehandelt hat soll jeder für sich selber beurteilen. Ich wünsche Euch jedenfalls, dass ihr die richtige Entscheidung trifft.

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