Spricht etwas gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

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Spricht etwas gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ich wollte zuerst einfach nein sagen. Doch dann hab ich den Abschnitt hier gelesen:

Ich habe letztes Jahr eine Berufsunfähigkeitsversicherung über meinen Arbeitgeber abgeschlossen.

Das ist nicht besonders clever gewesen!

Man vermischt NIEMALS Absicherung und Altersvorsorge. Evtl. Leistungen aus der BUZ unterliegen nun der nachgelagerten Besteuerung, und das zu 100%. Ferner würde ein Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung anfallen.

Förderfähig (also steuer- und sozialabgabenfrei) können pro Monat 242,- € in eine betriebliche Altersvorsorge fließen (§ 3, Nr. 63 EStG). Nun hast du aber eine BUZ drin, womit das Geld von deinem Beitrag, was effektiv für dich investiert wird geringer ist, da die BUZ nunmal Geld kostet. Wenn du das so explizit wolltest ist das okay. Nicht clever, aber okay.

Ansonsten ist das eine Falschberatung gewesen.

Ich hoffe du hast wenigstens einen Gruppen- und keinen Einzelvertrag und die BUZ war ohne Gesundheitsfragen oder mit vereinfachten. Ansonsten sehe ich grundsätzlich keinen Grund soetwas in eine bAV einzubauen.

Laut seiner Meinung wird man eh nicht so leicht berufsunfähig, weil man ja immer noch woanders arbeiten könnte, gerade als Bürokaufmann.

Statistische gesehen (ohne spezielle Branchen) werden 25% aller Berufstätigen vor ihrem 67. Lebensjahr berufsunfähig.

Ob man etwas anderes arbeiten könnte spielt für eine Berufsunfähigkeit auch gar keine Rolle ob man woanders arbeiten könnte. Entscheidend ist ob der zuletzt ausgeübte Beruf zu mind. 50% weiter ausgeübt werden kann. Selbst wenn du Aufgrund von Krankheit (z.B. Burnout, Stress, Depression) nur noch Teilzeit arbeiten könntest, wärst du BU.

Ich streite mich ständig mit meinem Vater darüber, weil er der Ansicht ist, so eine BU ist zu teuer und unnötig.

Der einzige Weg einen Streit zu gewinnen ist ihn nicht zu führen (Dale Carnegie).

Wenn dein Vater ein Sturkopf ist, dann verschwende nicht deine Zeit und Energie ihn von etwas zu überzeugen, dass er ohnehin nicht versteht (er versteht eine moderen BUV nicht glaub es mir, das les ich aus deinem Text heraus). Er kann sich ja mal die AVB der bAV inkl. BUZ nehmen und sie durchlesen.

Er will, dass ich diese kündige und mir das Geld lieber so beiseite packe.

Jetzt nimm mal an du legst jeden Monat 50,- € beiseite für den Fall einer Berufsunfähigkeit. Nach 5 Jahren wirst du nun berufsunfähig. Wie viel ist drin in deinem Spartopf: 2.500,- €. Wie lange halten 1.800,- €? Etwa 2 bis 3 Monate, je nach Lebensstandard! Und dann? EM-Rente der deutschen Rentenversicherung? Die ist wirklich schwierig zu bekommen und sehr gering.

Ferner gibt es in der Pychologie des Geldes etwas, dass sich Gesetz der Intention nennt. Wenn du also Geld für Notfälle weglegst, kann es passieren, dass du unterbewusst auf diese Notfälle hinarbeitest oder sie begünstigt. Daher sollte sparen immer mit etwas positivem gleichgesetzt werden!

Außerdem wäre ja noch im Notfall die finanzielle Unterstützung durch die Familie da.

Ob das auch der Fall wäre sollte es neben der BU auch noch zu einer Pflegebedürftigkeit kommen wage ich mal zu bezweifeln. Ferner kenn ich dich nicht, aber ich will nicht finanziell von irgendwem abhängig sein, schon gar nicht von meiner Familie.

Soweit ich informiert bin, ist eine BU aber sinnvoll und ich werde sie wohl nicht kündigen.

Als Arbeitnehmer kannst du eine betriebliche Altersvorsorge ohnehin nicht ohne weiteres kündigen. Du bist nicht Versicherungsnehmer, sondern dein Arbeitgeber. Jede Änderung an der bAV ist ein Eingriff in einen bestehenden Arbeitsvertrag.

Habt ihr aber ein paar gute Argumente, die ich ihm mal entgegenbringen könnte?

Ja. Sag ihm, dass du dich informiert hast und u.a. der unabhängige Versicherungmakler kevin1905 auf gutefrage.net dich aufgeklärt hat (Spaß ^^) und du dich nicht umstimmen lassen wirst. Es ist dein Geld und genau so wie du ihm nicht vorschreibst, was er mit seinem macht, soll er es unterlassen dir zu sagen, was du mit deinem machen sollst. Keine weitere Diskussion, das führt zu nichts. Gib ihm die AVB zum lesen wenn er will.

Auch ein Betrieb ist nicht sonderlich gut beraten, eine BU in eine betriebliche Versorgungszusage einzubauen. das kann ein unübersehbares Risiko auch für den Betrieb bedeuten. Eine evtl. Rente aus dieser Zusage müsste laufend angepasst werden.

Hier hat das "Versicherungsbüro" wohl die eigene Provision als höheren Wert angesehen.

@DerHans

Hier hat das "Versicherungsbüro" wohl die eigene Provision als höheren Wert angesehen.

Es will einfach nach fast 11 Jahren immer noch nicht in meinen Kopf warum manche Leute so arbeiten und nur kurzfristig denken. Stornohaftung beträgt 60 Monate und ein einmal ruinierter Ruf lässt sich kaum noch reparieren.

@kevin1905

@Kevin1905:
Tolle Antwort !

@DerHans:

Auch ein Betrieb ist nicht sonderlich gut beraten, eine BU in eine betriebliche Versorgungszusage einzubauen. das kann ein unübersehbares Risiko auch für den Betrieb bedeuten.

Vollkommen RICHTIG !

Eine falsche Implementierung treibt den Betrieb vielleicht in die Insolvenz!
(Stichwort: Bilanzsprungrisiko)

Hier hat das"Versicherungsbüro" wohl die eigene Provision als höheren Wert angesehen.

Eher weniger .
Die Provision fällt wesentlich niedriger pro Vertrag aus als bei 
Sicht 3. 
(Begründung: Rahmenvertrag, Bonus-Rente)

  

Hallo,

wie aus einigen Antworten hier zu entnehmen ist, geht die Diskussion (auch mit Deinem Vater) sehr schnell in die Richtung: "Ist es wahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich, dass man aus gesundheitlichen Gründen den Beruf des Bürokaufmanns dauerhaft oder für längere Zeit nicht mehr ausüben kann."

Mit Verlaub: Die Beantwortung dieser Frage traue ich hier niemandem - mich eingeschlossen - zu. Leider sind nämlich keinerlei objektive Zahlen hierzu frei verfügbar, aus denen man zumindest eine statistische Wahrscheinlichkeit ableiten könne.

Gerne sprechen Versicherer davon, dass z.B. bis zu jeder 4. Arbeitnehmer im Laufe seines Erwerbslebens einmal BU wird. Nachprüfbare Belege hierfür sind aber Mangelware. (Umgekehrt führen die Kritiker der BU-Versicherung gerne einmal an, dass man in seinem Umfeld doch zumeist kaum jemanden kennt, der selber BU ist. Diese "gefühlte" Wahrheit ist aber gleichfalls nicht belegbar.)

Ich persönlich finde daher auch einen anderen Aspekt viel entscheidender: Egal, ob ich persönlich einer hohen, mittleren oder geringen Wahrscheinlichkeit unterliege, BU zu werden - wenn es mich "erwischt", stehe ich einem nicht kalkulierbaren finanziellen Risiko gegenüber.

Warum? Nun, die gesetzliche EM-Rente hat angesichts der hohen Einstiegshürden bei gleichzeitig geringen Leistungen bestenfalls noch einen Feigenblatt-Charakter. Hier passt nicht einmal mehr der Spruch "Zum Leben zu wenig..."

Dies führt automatisch zu einem quasi "Zwang" zur privaten Absicherung.

Nun kann man zwar hingehen und statt einer Versicherung lieber das Geld sparen. Aber erstens weiß niemand (s.o.), wann ihn eine BU trifft und ob das bis dahin angesparte Geld dann überhaupt reicht. Und zweitens beinhaltet - erfahrungsgemäß - das freiwillige Sparen immer das Risiko einer "Disziplinlosigkeit". Mal ehrlich, wer war nicht schon in der Versuchung einen eigentlich zweckgebundenen Sparbetrag zwischendurch einmal für etwas gänzlich anderes auszugeben (Nach dem Motto: "Jetzt ist mir die Karre verreckt, da MUSS ich mal ans Sparbuch gehen. Ist ja nur vorübergehend und ich zahle es auch bestimmt wieder ein..." Ja, ja ...)?

Auch das Argument: "Die Familie hilft Dir schon" ist nicht zwingend, da man dann ausschließlich auf das Wohlwollen der anderen Familienmitglieder angewiesen ist. Und wer möchte schon - mal ehrlich - beim sonntäglichen Kaffeekränzchen regelmäßig angesprochen werden, ob man nicht doch bald mal wieder arbeiten gehen kann? Die Gegenfrage an den Vater kann also sinngemäß lauten: "Verstehe ich das richtig, dass Du - im Falle meiner dauerhaften BU - eine lange Zeit, ggf. lebenslang, für mich arbeiten gehen möchtest?"

Viele Grüße

Loroth

eine BU ist nicht unnötig und so viel geld kann man gar nicht beiseite packen, dass man im notfall richtig versorgt wäre. soll dein vater doch mal sagen, was er konkret dazu geben würde, wenn du ein pflegefall werden würdest. ich glaube, da unterschätzt er die kosten gewaltig.

soll dein vater einfach mal eine besuchsrunde z.b. in der neurologischen reha machen- da trifft man auch junge leute, die durch unfälle etc. berufsunfähig werden. und man kann eben nicht so einfach in einem anderen job arbeiten- es kann verdammt schwer sein, einen geeigneten arbeitsplatz zu finden; davon abgesehen, dass viele wirklich nicht in der lage sind, etwas zu arbeiten z.b. mit schädelhirntrauma fasst man oft nur schwer wieder fuss im arbeitsleben.

allerdings finde ich dei BU über den arbeitgeber ungünstig: da wird der beitrag vom bruttolohn abgezogen, so dass der AG sozialbeiträge spart, die dem AN verloren gehen.

Rechne ihm doch mal den Wert der Arbeitskraft über dein restliches Berufsleben vor

Bsp.: 1500€ x 12 Monate X 40 Jahre = 720.000€

Lassen wir die Versicherung mal 50€ monatl. kosten

Versicherung bekommt dafür 24.000€ über 40 Jahre

Hat dein Vater eine Vollkasko fürs Auto? Die kostet Mittelklasse auch 300€im Jahr

Geschützter Wert: 30 000€?

Wenn nichts passiert, gibt es auch nichts... Verlorenes Geld?

Da meckert niemand.- Die Sachwerte sind in Deutschland immer super abgesichert, da wird auch nicht gespart (soll ja auch super geschützt sein)

Arbeitskraft? Gesundheit? Das soll bitteschön nichts kosten....

VG

Martin

 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen, die jeder haben sollte.  Es gibt nämlich keine staatliche BU-Rente mehr nur noch eine halbe oder volle Erwerbsminderungsrente.

Seit Januar 2001 gibt es für alle Personen, die nach dem 2.Januar 1961 geboren wurden, keine gesetzliche Berufsfähigkeitsrente mehr.Stattdessen nur noch eine volle Erwerbsminderungsrente bzw. halbe Erwerbsminderungsrente.

  • Volle Erwerbsminderungsrente 37% vom letzten Netto, erhältwer weniger als 3 h arbeiten kann pro Tag.
  • Halbe Erwerbsminderungsrente 19% vom letzten Netto, erhältwer mehr als 3 aber weniger als 6 h pro Tag arbeiten kann.

Der finanzielle Verlust der dir in der Zukunft entstehen hat martin197575 schon sehr gut beschrieben. Also lass dir nichts vom Vater. Ein BU-Versicherung ist richtig und wichtig.

Allerdings ist die Lösung, Kombination mit betrieblicher Altersvorsorge wirklich nicht optimal. Es birgt steuerliche Nachteile im BU-Fall und du bist nicht flexibel. Beim Arbeitgeberwechsel z.B.  Vorsorge und Risikoabsicherung sollten deshalb immer getrennt vorgenommen werden.

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