Privatinsolvenz und Arbeitgeberwechsel

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Eine Pfändung ist kein Kündigungsgrund - auch wäre es nicht zulässig vom ArbN Kosten für die Durchführung der Pfändung in Rechnung zu stellen - eine solche einzelvertragliche Formulierung wäre unwirksam, da gem § 840 ZPO der ArbG die Kosten zu tragen hat und es daher an einer Rechtsgrundlage fehlt, diese Kosten auf den ArbN abzuwälzen.

Innerhalb der Probezeit wäre natürlich eine Kündigung auch ohne Gründe möglich - aber Pfändungen sind heutzutage nicht so außergewöhnlich - und schon gar nicht im Rahmen eines Insolvenzverfahrens...

Die Frage eines ArbG nach einer zu erwartenden Pfändung braucht grundsätzlich nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden; Ausnahme wäre ein Arbeitsplatz bei denen ungeordnete wirtschaftliche Verhältnisse eine potenzielle Gefahr für vermögensbezogene Belange des Arbeitgebers darstellen können.

Auch bereits vorher bestehende Gehaltspfändungen brauchen nicht angegeben werden.

@DerSchopenhauer

Hat der Schuldner Nachteile zu befürchten, falls der Arbeitgeber von der Insolvenz erfährt, (z.B. durch Kündigung in der Probezeit aufgrund der Insolvenz oder Mobbing durch den Arbeitgeber bzw. Arbeitskollegen), kann mit dem Insolvenzverwalter auch eine andere Regelung getroffen werden, als die Standardvariante, daß der ArbG den pfändbaren Teil abführt.

@DerSchopenhauer

Ich habe gehört, dass Insolvenzverwalter das ablehnen können und den ArbG in jedem Fall informieren wollen?

@Sommeil

Das ist richtig - der Treuhänder kann das auch ablehnen - aber ein Versuch wäre es wert...

Du solltest Deinen Arbeitgeber informieren, bevor er "offizielle" Post bekommt. Wenn er es von anderen als Dir selbst erfährt, ist der Eindruck garantiert noch schlechter.

Bitte Deinen zukünftigen Arbeitgeber um einen Termin, weil Du noch was mit ihm zu besprechen hast, und lege die Karten offen auf den Tisch.

Informiere Dich selbst vorher, ob es noch Pfändungen geben kann, oder ob nur noch der Insolvenzverwalter beim Arbeitgeber etwas fordern wird. Wenn alles über den Verwalter läuft, ist es einfacher, weil das sehr geordnet abläuft. Der Arbeitgeber muss dann jeden Monat den errechneten Anteil von Deinem Gehalt an den Insolvenzverwalter überweisen. Das ist für ihn alles.

Laß Dich auch vorab beraten, was Dir selbst von Deinem Gehalt bleibt. Dann kannst Du Deinem Arbeitgeber auch in seiner Eigenschaft als Vermieter ein sicheres Gefühl vermitteln. Du kannst ihn auch darauf hinweisen, dass Du natürlich sehr bemüht sein wirst, dass alles gut (in finanzieller Hinsicht) abläuft, da es in der Phase der Privatinsolvenz auch sehr auf Dein Wohlverhalten ankommt - und dass Du in der Zeit sicherlich auch lernst, wie Du mit Deinem Geld haushalten und auskommen kannst!

Ich kann ja keinen Termin vor Vertrgasbaschluss machen, weil er in einem anderen anderen Bundesland ist. In der Insolvenz gibt es keine Pfändungen mehr!!! Ich habe keinen Einfluss auf den Ablauf, er muss den pfändbaren Betrag abführen, mehr gibt es nicht. Nur das muss jeden MOnat neu errechnet werden und das macht arbeit (für den AG).

@Sommeil

Wenn Du die Insolvenz angemeldet hast, ist es richtig: es gibt keine Pfändungen mehr. Das fand ich in der Fragestellung nicht eindeutig beschrieben.

Du hast Recht, dass Du auf den Ablauf keinen Einfluss hast: Der Arbeitgeber teilt dem IV mit, was Du verdienst, und der IV teilt dann dem Arbeitgeber mit, was der abzuführen hat. Das muss aber nur dann in jedem Monat neu berechnet werden, wenn das Gehalt von Monat zu Monat unterschiedlich ist. Das hängt natürlich von Deinem Arbeitsvertrag ab.

Dass Du keinen Termin vor Vertragsabschluss machen kannst, weil der neue Arbeitsplatz in einem anderen Bundesland ist, ist meiner Ansicht nach etwas vorgeschoben: Dir stehen doch sicherlich noch Urlaubstage zu. Dann musst Du eben einen davon opfern...

Der Fairness halber würde ich dem Arbeitgeber vorher die Insolvenz mitteilen. Ich würde um ein persönliches Gespräch bitten, auch wenn es ein anderes Bundesland ist. Wenn du den AG verärgerst bist du sonst schnell innerhalb der Probezeit raus. Das würde ich nicht riskieren.

Also VOR Vertragsunterschrift einen Termin ausmachen und dann auch den Vertrag vor Ort direkt abgeben (wenn man schon mal da ist)

(ca 60 Angestellt, wahrscheinlich keine Erfahrung mit Pfändung etc.)

Keine Sorge, Dein neuer AG wird sicher reichlich Erfahrung mit Pfändungen haben und nicht glücklich sein.

Es gab doch bisher keine Veranlassung es ihm mitzuteilen. Ich habe erst seit 1 Woche die Zusage und die kam telefonisch!

Dann eilt es jetzt aber. Du weißt jetzt Bescheid und hast jetzt Veranlassung, den neuen Arbeitgeber zu informieren. Je früher Du Bescheid gibst, um so besser ist es für Dich. Du solltest klar angeben können, weshalb Du in Insolvenz geraten bist, wer zuständig für Deine Insolvenz ist und dass diese Situation allenfalls zusätzliche Motivation für Dich bedeutet.

Ich werde ganz gewiss nicht anrufen und von meiner Insolvenz berichten. Am Telefon soetwas zu besprechen ist sicher nicht der richtige Schritt. Ich werde sehen was im Personalbogen erfragt wird und wenn ich dort beginne und hinfahre ein persönliches Gsepräch suchen.

@Sommeil

Dann wünsche ich Dir viel Glück beim neuen Arbeitgeber!

Du wirst in die Wohnung einziehen und dann den Job beginnen und dann dem AG Bescheid sagen. Wenn Du Pech hast, wird Deine Arbeit spätestens ab dem Moment sehr kritisch beurteilt und Du wirst relativ rasch in der Probezeit Deine Arbeit verlieren. Dein Chef wird sich hintergangen fühlen.

Grundsätzlich darf zwar wegen einer Gehaltspfändung nicht beziehungsweise nur dann gekündigt werden, wenn die Lohnpfändung zu „wesentlichen Störungen im Arbeitsablauf oder in der betrieblichen Organisation führt“

Gerade Arbeitsverträge in der Probezeit, Arbeitnehmer inKleinbetrieben für die das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet oder befristete Arbeitsverhältnisse, die nicht mehr verlängert werden sind besonders leicht zu lösen.

aus..http://www.ent-schuldigung.de/uberlebenstechniken-bei-gehaltspfandung/

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