Neue StVO, was zählt als Überholen?

4 Antworten

Ich sehe in der entsprechenden Vorschrift nichts von "außer, wenn eine Linie dazwischen ist" oder "gilt nur, wenn beide auf der selben Spur fahren". Überholen ist, wenn du auf der gleichen Fahrbahn bist, unabhängig von der Fahrspur.

Dementsprechend lese ich es so, dass du dann eben hinterher fährst, bis du StVO-konform mit mindestens 1,5 m Abstand überholen kannst. Zumindest, wenn kein Grünstreifen, Leitplanke oder eine ähnliche bauliche Abtrennung vorhanden ist.

Wenn du so blind bist, nen Radfahrer erst 10 m vor dir zu bemerken und deshalb scharf bremsen musst, bist du mitschuld daran, dass der Hintermann auf dich drauf fährt. Fahre vorausschauend und bremse frühzeitig sachte ab, dann ist es das Problem deines Hintermanns, wenn er zu dösig ist.

In der Praxis wird mich dafür wohl niemand bestrafen, wenn ich da einfach dran vorbeifahre

Sagen wir es mal so: Solange nichts passiert, stimmt das wahrscheinlich. Wenn aber der Radfahrer in genau dem Moment über einen Stein holpert und dabei stürzt, könnte er auf die Idee kommen, sich erschreckt zu haben weil ihn jemand viel zu knapp überholt hat. Dann zaubert sein Anwalt noch einen Zeugen aus dem Hut, der deinen zu geringen Abstand gesehen hat, und du stehst dumm da.

Wie verhält es sich bei Fußgängern auf dem Bürgersteig direkt neben der Straße?

Du bist schon immer verpflichtet, besonders auf diese zu achten und mit angemessenem Abstand und bremsbereit an ihnen vorbeizufahren.

Also mir wurde das in der Fahrschule nicht so beigebracht. Vielleicht wurde es in der Theorie erwähnt, in den Fahrstunden hat der Fahrlehrer aber nie darauf hingewiesen...

Ich denke mal, ich bin nicht der einzige, dem es so geht, und wenn ich mir das so angucke da draußen, hält sich eh niemand dran.

Auch wenn ich langsam abbremse, kann mir jemand hinten drauffahren. Wer rechnet denn auch damit, wenn sich eh niemand daran hält?

Wenn der Radverkehr wie von der Politik gewollt zunimmt, dann fährst du ja bald nur noch mit 15 km/h durch die Stadt, weil du alle 50 Meter einen Fahrradfahrer vor dir hast. Es müssten eigentlich von der Straße getrennte Radwege gebaut werden, aber dafür ist ja kein Geld da. Lieber die Autofahrer noch mehr nerven, sodass sich die Leute noch weniger daran halten, das bringt es voll. Selbst die Polizei (bzw. ein Polizist) sagt mir schon, dass ich da mit 1 Meter Abstand dran vorbeifahren soll, statt mich und andere zu gefährden, die mir hinten drauffahren könnten.

@Christoph987
wenn ich mir das so angucke da draußen, hält sich eh niemand dran.

Sorry für den abgedroschenen Spruch, aber das ist so eine wunderbar Vorlage:
Wenn alle vom Hochhaus springen, springst du dann auch?

Auch wenn ich langsam abbremse, kann mir jemand hinten drauffahren. Wer rechnet denn auch damit, wenn sich eh niemand daran hält?

Deshalb ist dein Hintermann verpflichtet, einen entsprechenden Abstand zu halten und auf den Verkehr zu achten. Oder fährt dir täglich 20x jemand hinten drauf, weil du am Ortsschild nicht mit 100 weiterfährst?

Wer rechnet denn auch damit

Es ist vollkommen egal, ob du mit Gefahrensituationen rechnest oder einfach nur schnell reagierst. Wer am Straßenverkehr teilnimmt, muss auf alles sinnvoll reagieren, was im Straßenverkehr passiert. Wer das nicht kann, gehört nicht ans Steuer.

Wenn der Radverkehr wie von der Politik gewollt zunimmt, dann fährst du ja bald nur noch mit 15 km/h durch die Stadt, weil du alle 50 Meter einen Fahrradfahrer vor dir hast.

Und? Der Radfahrer ist ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer, auch wenn vielen Autofahrern die geistige Rechenkapazität für diese Feststellung fehlt. Da das ja nicht von heute auf morgen passiert, kannst du dich ja darauf einrichten, indem du entsprechend mehr Zeit einplanst.

Es müssten eigentlich von der Straße getrennte Radwege gebaut werden, aber dafür ist ja kein Geld da.

Gehe hin und sage, dass du mehr Steuern zahlen möchtest. Und dann lass' dir mal vorrechnen, was es kostet, mitten in einer Stadt irgendwo noch einen Radweg zu bauen. Dafür musst du entweder eine vorhandene Straße umwidmen, oder z.B. die Radwege auf Säulen bauen. Und das eigentlich vollkommen unnötig, da es doch schon Verkehrswege für Fahrzeuge aller Art gibt.

Lieber die Autofahrer noch mehr nerven, sodass sich die Leute noch weniger daran halten, das bringt es voll.

Ich sage es mal so: Wenn Autofahrer und LKW-Fahrer beim Überholen bisher einigermaßen sinnvoll Abstand gehalten hätten, bräuchten wir so eine Vorschrift nicht. Nur leider haben wir festgestellt, dass zu viele Leute es als ausreichenden Abstand ansehen, wenn der Spiegel des Radfahrers Ellenbogen fast berührt.

Selbst die Polizei (bzw. ein Polizist) sagt mir schon, dass ich da mit 1 Meter Abstand dran vorbeifahren soll, statt mich und andere zu gefährden, die mir hinten drauffahren könnten.

Ja. Statt aus dem Nichts mit ABS zu bremsen, fährst du lieber vorbei.

Allerdings hat sich dann entweder der Radfahrer regelwidrig verhalten und ist plötzlich vor dir aufgetaucht, oder du bist derart fahruntüchtig, dass du den Radfahrer viel, viel, viel zu spät bemerkt hast.

So ein Spruch von einem Polizisten hilft dir vor Gericht überhaupt nicht, wenn es dazu kommt. Das ist die gleiche Rechtfertigung wie "meine Mama hat mir gesagt, dass ich den Papa erschießen soll. Also durfte ich das".

@Christoph987

Also ich fahre sehr viel mit dem Rad normal auf der Fahrbahn und es hat hinter mir noch nie gekracht.

Meistens können die Autofahrer sofort ganz legal überholen (es ist nicht immer und überall Gegenverkehr) und niemand stirbt, wenn er mal 10 Sekunden mit 25 km/h hinter einem Radfahrer herfährt. Und steht der Wind mal günstig und ich kann mit >30 km/h durch die 30er Zone "rasen", werde ich trotzdem überholt - nennt sich umgangssprachlich "Überholzwang".

Die 15 km/h sind Geschichte, dank besserer Fahrräder und Elektrounterstützung sind Radfahrer heute meistens mit mindestens 20 km/h oft >25 km/h unterwegs.

Und ja, es steht eindeutig im Gesetz, daß 1,5m Abstand einzuhalten sind, von irgendwelchen Streifchen oder bunten Fahrspuren steht dort nichts, d.h. diese heben den Abstand nicht auf.

Daß es natürlich in der Praxis leider oft anders abgeht, ist klar, auch Fahrlehrer sind nicht immer auf Radfahrer gepolt; bitte denk drann, daß zu enges Überholen im schlimmsten Fall Leben kosten kann.

Und sog. "Radwege" auf GEHwegen sind saugefährlich; da hat es in meinem Beisein schonmal gekracht, ein Autofahrer hatte beim Rechtsabbiegen aufgepaßt, ließ einen Radfahrer durch, in dem Augenblick fährt der Hintermann drauf. Dank Abstand konnte ich im 3. Auto normal dahinter anhalten. Den Fehler hatte also der 2. Autofahrer gemacht (gepennt, zu dicht drauf. usw.).

@Olaf68

Die Straßen sind so markiert, also nutze ich sie auch so, ist ja offenbar gewollt, sonst würde man ja eine ca. 75 cm breite Sperrzone zwischen Radspur und Kfz-Spur einführen. Wenn ich in der Mitte der Fahrbahn fahre, sind das 1-1,5 Meter Abstand, ich werde das jetzt nicht jedes Mal nachmessen. Wenn es weniger ist, dann muss man sich eben bei der Stadt/Gemeinde beschweren. Ich werde jedenfalls nicht für jeden Fahrradfahrer auf dem Radweg bremsen und da bin ich garantiert nicht der einzige, der so denkt. Wenn da jetzt einer Schlangenlinien fährt, bremse ich, ansonsten gehe ich davon aus, dass der nicht plötzlich 1 Meter nach links fährt.

Und es ist ja schön, dass das Gesetz jetzt was anderes besagt, aber wenn sich niemand dran hält, weil er den Abstand gar nicht einschätzen kann, und der Radfahrer dann im Krankenhaus liegt oder tot ist, hilft das auch wenig. Da müssen die Markierungen eben geändert werden oder getrennte Radwege gebaut werden.

@Christoph987
Da müssen die Markierungen eben geändert werden oder getrennte Radwege gebaut werden.

Wenn du jetzt noch bei einer handelsüblichen Durchgangsstraße innerorts zeigst, wo bitte beidseits ein Meter Grünstreifen hinpassen soll? Auf vielen Straßen müsstest du für die Autos dann einen Einbahnstraßenverkehr machen.

Es ist schlichtweg vom Platz und Geld einfacher umzusetzen, es so zu regeln dass alle auf der gleichen Fahrbahn fahren. Und wenn manche Autofahrer dafür zu dumm sind, dann sollen die halt mit der S-Bahn fahren.

@RedPanther

Das kannst du denen ja mal sagen, die zeigen dir den Mittelfinger und geben Gas 😂

Du musst immer damit rechnen, dass Leute sich aus Unwissenheit, Egoismus oder Bequemlichkeit nicht an Regeln halten. Das mag nicht okay sein, du wirst es aber nicht ändern können. Deswegen sollten die Straßen so gebaut sein, dass möglichst wenige Unfälle passieren.

Stell dir deine Argumentation mal in der Luftfahrt vor. Auch Piloten machen Fehler, würde man bei jedem Fehler einfach sagen, die hätten besser aufpassen müssen, statt die Systeme zu verbessern, würden wir immer noch so viele Tote wie in den 70ern haben. Stattdessen haben wir aus den Fehlern gelernt und diverse Warnsysteme entwickelt und teilweise sogar Flughäfen umgebaut, nachdem dort Flugzeuge von der falschen Startbahn gestartet und gecrasht sind. Irgendwann passiert immer etwas. Es geht 1000000 mal gut und einmal nicht.

Und du musst bedenken, dass Autofahrer im Gegensatz zu Piloten keine Profis sind. Da passieren noch häufiger Fehler oder Regeln werden aus diversen Gründen ignoriert.

@Christoph987

Au, schön dass du die Luftfahrt als Beispiel hernimmst.

Da hat man beispielsweise festgestellt, dass es nur 99,99% aller Piloten zuverlässig auf die Reihe bringen, vor der Landung das Fahrwerk auszufahren. Wegen der restlichen 0,01% hat man extra den Punkt "Fahrwerk ausfahren" in den before-landing-check aufgenommen.

Deiner Meinung nach ist eine solche Vorschrift also nicht sinnvoll, stattdessen hätte man einfach feste Fahrwerke montieren und 50% mehr Spritverbrauch akzeptieren sollen. Weil man ja nicht weiß, ob sich die Leute an die Regeln halten.

Das Argument, dass Autofahrer keine Profis seien, ist sehr dünnes Eis. Immerhin haben die alle eine Prüfung abgelegt, dass sie die Regeln beherrschen. Und jemandem, der im Restaurant ein Essen bestellt, ist klar dass er das nachher bezahlen muss. Da wird man ja wohl auch erwarten können, dass jemandem, der am Straßenverkehr teilnimmt, klar ist dass er sich dort an gewisse Vorschriften halten muss.

Ziehen wir mal deinen Vorschlag, statt Vorschriften lieber bauliche Maßnahmen zu ergreifen, mal ins Extreme: Dann könnte man eigentlich alle Vorschriften erlassen, wenn man jedem Verkehrsteilnehmer seine eigene Straße baut. Macht das in deinen Augen Sinn?

Ich bin übrigens tatsächlich der Meinung, dass zu viele Idioten auf der Straße unterwegs sind. Man liest quasi täglich etwas in der Zeitung, woran man merkt, dass es so manchem 30jährigen wohl noch an der nötigen geistigen Reife fehlt. Sorry, aber wer sowas bringt wie "mir doch egal, ob da abgesperrt ist, ich will jetzt hier durch" sollte in meinen Augen mindestens nochmal 5 Jahre Zeit haben, um erwachsen zu werden. Danach darf er gerne zur MPU gehen und dann den Führerschein machen. Auch, wenn er Diplomingenieur und schon 40 ist.

@RedPanther

Ich habe nicht gesagt, dass man die Regeln abschaffen soll, sondern dass man bauliche Vorkehrungen trifft, die die Leute dazu bringen, diese öfters einzuhalten. Wenn die Regel ist, dass ich 1,5 Meter Abstand halten muss, dann kann man nicht eine extra Fahrradspur markieren und erwarten, dass Leute trotzdem zum Überholen auf die Gegenfahrbahn fahren. Niemand kann einschätzen, ob das 1 m oder 1,5 m Abstand ist, deswegen geht man davon aus, dass das schon passt, wenn das so markiert ist.

Du willst mich scheinbar falsch verstehen. Das Fahrwerk soll ja nicht dauerhaft ausgefahren bleiben, eine Checklist und ein Warnton sind aber definitiv sinnvoll, damit es nicht in seltenen Fällen vergessen wird.

Du hast als Autofahrer eine Prüfung abgelegt, ja. Aber nur eine. Und die ist bei einigen 40 Jahre her. Da kannst du nicht so viel erwarten.

@Christoph987
Da kannst du nicht so viel erwarten.

Doch, erwarte ich. Die Teilnahme am Straßenverkehr ist mit der Befolgung der entsprechenden Regeln verbunden. Wer nicht in der Lage ist, sich daran zu halten, hat am Steuer nichts verloren. Egal, ob die Prüfung über die Kenntnis der Regeln vor einem Monat oder vor 50 Jahren war.

Wir unterstellen auch jedem, der 18 wird, einfach mal dass er die Tragweite seiner Entscheidungen überblicken kann, also darf er jede denkbare Entscheidung über sein Leben selbst treffen. Muss man nie eine Prüfung für ablegen. Auch keine Profis.

@RedPanther

Menschen machen eben Fehler, dann dürfte ja niemand mehr Auto fahren, wenn man wegen jedem Fehler den Führerschein abgeben soll. Du kannst in der Praxis auch gar nicht alle Verstöße feststellen.

Lass doch mal deine Haustür offen stehen, wenn du rausgehst, da sich ja jeder an die Regeln halten muss, wird ja niemand etwas klauen 😂

@Christoph987

Einzelne Fehler sind ja auch kein Problem. Es darf nur niemand gefährdet werden oder das Begehen bestimmter Fehler zur Gewohnheit werden.

Ich wohne in einer Gegend, in der es völlig normal ist, dass der Haustürschlüssel auch mal über Nacht draußen hängt, Autos nicht abgeschlossen werden, 4000€-Mountainbikes vor der offenen Garage stehen... Ich habe da keine Sorgen, dass was weg kommt. Wozu hat man wachsame Nachbarn^^

@RedPanther

Oh cool, wo wohnst du? Ich glaub das erst, wenn ich es sehe 😂

Man kann aber nicht aus seinen Fehlern lernen, wenn man nicht einmal weiß, dass man etwas falsch gemacht hat. Und ich kann definitiv nicht den Abstand zum Fahrradfahrer jedes Mal mit dem Zollstock überprüfen. Von daher wird nach Markierung gefahren und fertig - wenn es nicht offensichtlich zu wenig Abstand ist.

@Christoph987

Es ist meiner Meinung nach auch vollkommen egal, ob es 1,50 m sind oder halt auch mal nur 1,40 m. Aber wer vom Fahrersitz aus nicht beurteilen kann, ob er dem Radfahrer nun auf 50 cm oder auf >1,50 m nahe kommt, der hat am Steuer nichts verloren (mangelndes Sehvermögen). Und wer ersteres als vollkommen ausreichend erachtet, ebenfalls nicht (mangelndes Urteilsvermögen).

Es gab schon immer die Regel "ausreichend Abstand". Auch damals haben denkfähige Leute Radfahrer schon nicht überholt, während Gegenverkehr kam, weil einfach klar ist, dass da auf beiden Seiten kein sinnvoller Abstand möglich ist. Aber es gab eben genügend Hirnlose, die meinten, wenn links zum Gegenverkehr und rechts zum Radfahrer je 50 cm Platz sind, dann passt doch alles, also musste der "ausreichende Abstand" eben konkret definiert werden.

Ich verstehe dein Problem mit der Markierung immer noch nicht. Die Markierungen sind von den Abständen, die eingehalten werden, vollkommen unabhängig. Über eine durchgezogene Linie darfst du nicht drüber fahren, über eine gestrichelte Linie dann, wenn es die Situation erfordert. Ziemlich simpel, kann ich auch meinem vierjährigen Neffen beibringen.

@RedPanther

Dein vierjähriger Neffe fährt aber kein Auto.

Das Problem ist ganz simpel, die Linien suggerieren, dass alles okay ist, solange man sie nicht überfährt. Egal, was im Gesetz steht, man folgt instinktiv den Linien und muss erst nachdenken, um zu erkennen, dass das nicht so ganz richtig ist.

Als jemand, der Software entwickelt, weiß ich inzwischen, dass schon der Code selbst intuitiv sein sollte. Es passieren dann einfach weniger Fehler. Das ist in allen Dingen des Lebens so, man sollte immer damit rechnen, dass Menschen Fehler machen, und die Straßen, Software, etc. so designen, dass Menschen instinktiv das Richtige tun.

In Norwegen z.B. wurde der längste Tunnel der Welt extra kurvenreich gebaut, damit die Menschen nicht einschlafen. Klar, man könnte jetzt auch die Leute bestrafen, die unfähig sind, einen geraden Tunnel entlangzufahren - sofern sie dann noch leben -, aber damit ist niemandem geholfen.

@Christoph987

War nur ein Beispiel, wie simpel die Regel ist. Mir wäre es als Erwachsener peinlich, damit überfordert zu sein.

Tja, es ist aber aufgrund der beengten räumlichen Verhältnisse nunmal in der Regel nicht möglich, zwischen neu angelegten Radwegen und Straßen immer 1m Grünstreifen o.ä. zu bauen. Ist es in deinen Augen nun besser, Linien auf die Straße zu pinseln, damit jeder weiß wo im Regelfall sein Platz ist, oder sollte man lieber die Straße komplett ohne Linien lassen?

Sage mir doch mal, wo möchtest du auf dieser, dieser oder dieser Straße beidseits mindestens 1m Trennstreifen zwischen Radfahrern und Autos einbauen?

@RedPanther

Im ersten Beispiel kannst du den grauen Teil vom Bürgersteig entfernen, dann ist genug Platz. Auf der anderen Seite scheint auch genug Platz zu sein. Der Radweg muss ja nur 50 cm breit sein plus 75 cm Sperrfläche, auf dem Bild fehlen also gerade mal die ca. 30 cm vom Bürgersteig. Allerdings müsste hier dann die Sperrfläche nur gestrichelt zur Fahrbahn hin abgetrennt sein (und mit durchgezogener Linie zur Fahrradspur), damit sie bei Bedarf benutzt werden darf. Dafür wäre wohl eine neue Art von Markierung notwendig, sollte aber kein Problem sein. Auf die anderen Beispiele gehe ich aus Zeitgründen mal nicht ein. Es gibt aber fast immer Lösungen, wenn man es denn möchte. Manchmal ist es teuer, aber wenn die Sicherheit so wichtig ist, sollte ja der Preis kein Problem sein.

@Christoph987
Der Radweg muss ja nur 50 cm breit sein plus 75 cm Sperrfläche

Wie das? Mein Lenker ist 64 cm breit, die Ellenbögen ragen ein Wenig weiter raus. Dazu fährt kein Radfahrer 100% geradeaus, sondern naturgemäß immer leichte Schlangenlinien. Selbst bei einem guten Radfahrer musst du also mindestens 1 m Breite rechnen. Übrigens, man hat als Radfahrer auch das Recht, einem Gullideckel o.ä. auszuweichen.

Der LKW fährt im Zweifelsfall auf der rechten Fahrbahnbegrenzung, weil er in engen Ortsdurchfahrten echt aufpassen muss, dem Gegenverkehr nicht in die Quere zu kommen. Dementsprechend brauchst du, um mit deiner Methode den korrekten Abstand herzustellen, mindestens 1,5m Grünstreifen + 1m Radweg, also 2,5m Platz neben der Straße. Und dann hast du noch keinen Fußweg gebaut und bedacht, dass der Radfahrer von Fuißgängern auch mindestens 1m Abstand halten soll. Selbst wenn du für den Fußgänger nur 50cm kalkulierst, brauchst du also beidseits neben der Straße jeweils 4 m Platz.

Ich finde es recht erstaunlich, dass du 4m an einer Stelle unterbringen willst, wo im ersten Bild keine 2m sind.

Es gibt aber fast immer Lösungen, wenn man es denn möchte.

Sicherlich. Man könnte neben jeder Straße, die durch einen Ort führt, rechts und links die Grundstückseigentümer um jeweils 2m enteignen... Oh, ist ja nicht erlaubt. Also müsste man ihnen diese 2m abkaufen.

Na, für wie viel Geld verkaufst du 2m deines Grundstückes, auf denen vielleicht schon 1m deines Hauses steht?

@RedPanther

Tja, Sicherheit kostet. Hätte man früher dran denken müssen, nicht erst jetzt.

@Christoph987

Du erwartest wirklich von Leuten, die vor 100 Jahren ihr Haus ins Dorf gebaut haben, dass sie an den heutigen Verkehr gedacht haben?

Na, dann schieß' doch mal los: Auf welche verkehrstechnischen Herausforderungen im Jahr 2120 müssen wir uns denn heute einstellen, wenn wir z.B. einen Flughafen bauen? Sollten wir Startrampen für Raumfähren einplanen? Oder sollten wir lieber gar keinen Flughafe bauen, weil in 100 Jahren ohnehin die Transportertechnologie erforscht ist?

@RedPanther

Man kann ja auch weitere Straßen und Fahrradwege bauen. Wenn es nicht passt mit beiden Fahrspuren, dann abwechselnd Einbahnstraßen. Wie gesagt, Sicherheit kostet Geld, die Menschen wirst du nicht so einfach ändern können.

In 100 Jahren wird sich nicht viel ändern, außer ggf. anderen Antriebstechnologien. Das vollständig autonome Fahren wird sich nicht durchsetzen, weil es nicht zu 100% funktioniert.

@Christoph987
In 100 Jahren wird sich nicht viel ändern, außer ggf. anderen Antriebstechnologien.

Hm. Wenn du dir jetzt mal überlegst, dass man um 1900 den Weltmarkt für Automobile auch wenige 100 Stück pro Jahr geschätzt hat... dass es in den 1930ern hieß "niemand will in eine Kiste gucken, in der Bilder gespielt werden" oder dass vor ganzen 20 Jahren die Idee vom Smartphone noch als komplett absurd abgetan wurde?

Sorry, aber die Erwartung, dass sich in 100 Jahren nichts ändert, ist komplett weltfremd.

Es ändert sich was, ob wir wollen oder nicht: Entweder, wir bekommen in den nächsten 10-15 Jahren den weltweiten CO2-Ausstoß deutlich reduziert (die Ziele der Bundesregierung sind lächerlich), oder wir haben in 100 Jahren ungefähr 50 Millionen Klimaflüchtlinge in Deutschland.

Das vollständig autonome Fahren wird sich nicht durchsetzen, weil es nicht zu 100% funktioniert.

Bisher funktioniert es nicht. Wenn du dir aber mal überlegst, dass die Rechenleistung, die zu einem relativ konstanten Preis zu erwerben ist, sich alle paar Jahre verdoppelt... Um einen Zuse-Computer mit der Rechenleistung einer heutigen Smartwatch zu bauen, müsstest du eine Fläche ähnlich dem Bodensee zupflastern und bräuchtest mehrere Atomkraftwerke zur Stromversorgung. Der Zuse-Computer ist noch keine 100 Jahre alt...

Wie gesagt, Sicherheit kostet Geld, die Menschen wirst du nicht so einfach ändern können.

Und wie erklärst du dir die Tatsache, dass ein einfaches "ab jetzt muss man im Supermarkt eine Maske tragen" dafür sorgt, dass 99% der Supermarkt-Besucher eine Maske tragen?

@RedPanther

Die Leute tragen eine Maske, weil sie Angst haben und es hohe Strafen gibt. Und du sagst ja selbst, es sind 99%, die eine Maske tragen. Es halten sich ja auch viele an die Verkehrsregeln, aber eben nicht alle.

@Christoph987

Nö, Angst haben die allermeisten meiner Bekannten nicht. Es ist Vorschrift, man hält sich dran und weiß, dass man von keiner Seite her Ärger bekommt.

Wir werden auch nie einen 100% störungsfreien Verkehr haben, egal was wir machen. Aber eine Vorschrift zu korrigieren, kostet quasi kein Geld, und wenn sich auch nur 90% der Autofahrer daran halten, ist das doch schon sehr viel mehr, als wenn man die Vorschrift nicht korrigiert.

Ganz einfach. Wenn du die 1,5m beim vorbeifahren an dem Fahrradfahrer nicht einhalten kannst, dann solltest du hinter ihm bleiben, bis du es kannst. Egal ob er auf einer Fahrradspur eiert oder nicht.

Selbst, wenn die Fahrradspur mit einer dicken durchgezogenen Linie abgetrennt ist? Wozu ist die Straße dann so gebaut und markiert worden?

@Christoph987

Ja, selbst da. Denn diese 1,5m sind ja da, um den Fahrradfahrer nicht gleich über den Haufen zu fahren, wenn er mal einen Schlenker macht. Und das kann eben auch auf einer Fahrradspur passieren.

@BrascoC

Ja, schon klar, aber da ist 50 und es rechnet niemand damit, dass man für einen Fahrradfahrer bremst, weil da ja eben eine extra Fahrspur ist. Wenn mir einer hinten drauffährt, kann das auch nicht so gut ausgehen. Dann lieber 1 Meter statt 1,5 Meter Abstand.

Auch wenn sich der Radfahrer auf dem Radweg/Radfahrstreifen befindet, ist der Seitenabstand einzuhalten.

Ist das nicht möglich, muss man eben aufs Überholen verzichten.

Oder ein schmaleres Auto erwerben...

Wenn da aber 50 ist und ich plötzlich auf 15 - 20 abbremse, fährt mir irgendwann auch einer auf. Ist jetzt auch nicht besonders sicher. Zumal der Fahrstreifen für die Fahrradfahrer mit einer durchgezogenen Linie markiert ist.

@Christoph987
Wenn da aber 50 ist und ich plötzlich auf 15 - 20 abbremse, fährt mir irgendwann auch einer auf.

Dann haben genau zwei Leute etwas falsch gemacht. Nämlich du und die Person, die dir hinten drauf fährt.

@BrascoC

Was hab ich denn falschgemacht? Ich darf ja eben nicht überholen, also muss ich ja bremsen.

@Christoph987

Der Seitenabstand ist einzuhalten, unabhängig davon, was auf die Straße gepinselt ist.

Glaub's oder halt nicht, aber jammer dann auch nicht rum, wenn's mit deiner Interpretation für ein Knöllchen gelangt hat.

@RobertLiebling

Hab bei der Polizei angerufen, selbst die sagen mir, dass mich da niemand anhalten wird, wenn es mal 80 cm statt 1,5 m sind. Es macht auch wenig Sinn, mich selbst in Gefahr zu bringen, wie wahrscheinlich ist es bitte, dass ein Fahrradfahrer plötzlich 1 Meter von der Spur abkommt? Wenn der so schlecht fahren kann, helfen auch 1,5 m nicht. Es ist leider einfach unmöglich, jeden Unfall zu vermeiden, egal was ich tue.

@Christoph987

Im Zweifelsfall wird diese angebliche Aussage der Polizei niemanden interessieren. Im Gesetz stehen jetzt 1,5 bzw. 2 m, das ist das einzige, was zählt.

@RobertLiebling

Ich denke mir das nicht aus, hat mir ein Polizist genauso gesagt.

Im Zweifelsfall bin ich sowieso schuld. Wenn ich für den Fahrradfahrer auf der angrenzenden Spur bremse, bin ich schuld, wenn ich in den Gegenverkehr fahre, bin ich schuld, und wenn ich den Fahrradfahrer umfahre, auch. Im Zweifelsfall zählt es entweder als Überholen (dann hätte ich Abstand halten müssen) oder eben nicht, weil es getrennte Fahrspuren sind (dann hätte ich nicht bremsen dürfen).

Das ist eigentlich mehr oder weniger eine Gesetzeslücke, genausowenig wie auch kaum jemand mit 5 kmh in einer Spielstrasse fährt.

Und auch der DHL bote bekommt am Tag auch keine 100 Strafzettel wegen Falschparkens.

Das ist eigentlich mehr oder weniger eine Gesetzeslücke, genausowenig wie auch kaum jemand mit 5 kmh in einer Spielstrasse fährt.

Diese Gesetzeslücke wurde nun aber geschlossen.
In einem verkehrsberuhigten Bereich gilt schon immer Schrittgeschwindigkeit.

@Crack

Man kann auch päpstlicher sein als der Papst.

genausowenig wie auch kaum jemand mit 5 kmh in einer Spielstrasse fährt.

Die 5 km/h sind ja auch absoluter Schwachsinn. Da müsste ich ja mit schleifender Kupplung fahren um die Geschwindigkeit zu halten.

@BrascoC

Kauf Dir Automatik, da brauchst Du gar nix machen, der rollt alleine mit Schrittg.

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