Haben Strafverteidiger kein Gewissen?

33 Antworten

ich sei das KInd eines ''Vergewaltiger-Anwalts.''

Das ist unterste Denkschublade und zeugt nur von einfach gestrickten Menschen....

Aber solche Menschen gibt es auch, und es sind dann auch jene, welche lieber das 'Gesetz' eines Selbstjustizes angewandt sehen wollen, als ein gerechtes Verfahren...

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In den 'Genuss' einer eigenen Gewissensprüfung kommt vermutlich ein Pflichtverteidiger nicht, denn dieser untersteht ja von Amts wegen dem Staat und kann vermutlich keine Fälle ausssondern.

Dagegen bei Wahlverteidigern kann eine Gewissensprüfung durchaus angewandt werden, um zu entscheiden, ob jener die Verteidigung übernimmt,. oder nicht.

Die Frage, die sich daraus ableitet, lautet: Wie sollte ein Wahlverteidiger sich verhalten, wenn ihm die Schuld seines Mandanten, z.B. einem Kindsmörder, vollends klar und sichergestellt ist?

Gut, manche Kanzleien besitzen nicht die große Freiheit, sich Rosinen picken zu können, sondern müssen jedes Krümmelchen annehmen, wenn sie satt werden wollen; hier ist dann für beide Seiten (Anwalt und Kanzlei) eine existenzielle Situation gegeben...

Jedoch beziehen wir uns bei unserer Frage auf einen unabhängigen Anwalt bzw. eine große Kanzlei: Sollte hier das Gewissen über das Recht des Einzelnen auf faire Verteidigung stehen, oder wiegt das Recht schwerer, als die eigene Empfindung?

Ich glaube, dies kann nur ein jeder für sich selbst beantworten. Kommen welche hervor an schlechten Gewissen, sollte man sich schon über die Annahme eines Mandates Gedanken machen.

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Wieso redem also immer alle von solchen Dingen, die einen Strafverteidiger schlecht dastehen lassen?

Weil diese Menschen keinen Sinn darin sehen und auch kein Rechtsverständnis aufbringen können, dass auch ein Kindsmörder ein Recht auf faire Verteidigung besitzt.

Nur, wie soll dann Recht gesprochen werden, wenn  nicht vor Gericht und ohne das Recht auf Verteidigung? Die 'Demokratie' USA hat uns doch aufgezeigt, inwiefern sie das Recht als SelbstgeRECHTigkeit missbraucht mit ihrem Guantanamo-Lager und dem Patriot-Act und sich immer weiter von einem demokratischen System (Herrschaft durch das Volk) entfernt (hat)....

Gruß Fantho

Ich frage mich ab und an auch, wie ein Anwalt damit klar kommt, wenn er einen Mörder oder Sexualstraftäter verteidigen muss. Der Mörder sitzt neben ihm im Gerichtssaal. Vielleicht auch die Hinterbliebenen des Opfers im Saal. Nun muss der Anwalt versuchen, nach Möglichkeit das Strafmass seines Mandanten zu reduzieren. Positive Seiten des Angeklagten herauszuarbeiten und das bei einem Mord, oder einer Sexualstraftat. Der Anwalt weiss, welche Schuld sich der Angeklagte aufgeladen hat. Denke, dass das keine einfache Sache für einen Anwalt ist. Dennoch, es ist der Beruf, welchen sich der Anwalt gewählt hat. Einfach ist das sicher nicht. Glaube, dass es im Einzelfall auch dem Anwalt sehr nahe gehen kann, wenn z. B. ein Kind ermordert wurde. 

Strafverteidiger - ist sicher kein einfacher Beruf.

Da muss man erst mal starke Nerven haben  - und sich durch (fast) nichts aus der Fassung bringen lassen.

Und da starke Emotionen beteiligt sind, wird man wohl kaum immer Sachlichkeit erwarten dürfen.

Ich glaube allerdings nicht, dass "immer" "alle" von solchen Dingen reden, die einen Strafverteidiger schlecht dastehen lassen. 

Das kommt auf den Fall an, die beteiligten Peronen und Emotionen, die Presse usw..

Mach dir deswegen nicht so viel Gedanken. Das bringt nix !

Alles Gute !

in unserer gesellschaft geht es darum, dass die menschen GERECHT, d.h. dem recht entsprechend behandelt werden. und dabei haben strafverteidiger eine wichtige rolle- sie schützen nicht den täter, sondern sie schützen die werte der gesellschaft. wir wollen keine lynch-justiz, wir wollen keine vorverurteilung, wir wollen keinen unschuldigen verknasten, wir wollen keine überzogenen, unangemessenen strafen aussprechen. dass dies so nicht geschieht, muss es menschen geben, die für das gesetz einstehen: die anwälte.

der staatsanwalt tut dies natürlich auch, allerdings von der anderen seite aus- er vertritt die opfer. dass es dadurch zu keiner einseitigkeit kommt z.b. welche zeugen befragt, welche spuren verfolgt werden, muss es einen anwalt für die gegenseite geben. als anwalt muss man überlegen, ob die beweisführung einseitig ist und auf lücken hinweisen etc. als anwalt sollst du nicht dafür sorgen, dass dein mandant möglichst billig davon kommt- du solltst dafür sorgen, dass er ein ANGEMESSENES urteil bekommt. es kann dich keiner zwingen, nur die mindeststrafe zu fordern. wenn du keine entlastenden gründe vorbringen kannst, dann kannst du deine forderung auch anders stellen.

zusammengefasst: natürlich kann ein anwalt ein gewissen haben; hätte er das nicht, wäre er kein guter anwalt, da er das recht ausbeuten würde.

"Wieso redem also immer alle von solchen Dingen, die einen Strafverteidiger schlecht dastehen lassen?"

Weil viele Menschen nach ihren Vorurteilen reden und handeln. Wie du gesagt hast, sind Strafverteidiger ein sehr wichtiger Teil des Rechtsstaates. Deswegen ist die Tätigkeit als Strafverteidiger notwendig und moralisch gerechtfertigt.

"Mir wurde auch oft die Frage gestellt, ob ich es mir denn vorstellen könne, Mörder etc. zu verteidigen und wie gewissenlos das doch sei."

Das ist halt die üblichen Vorurteile. Gewissenlos wäre es dagegen , Beschuldigte in einem Strafverfahren ohne juristischen Beistand zu verurteilen. Die Unrechtsurteile (Todesurteile, lange Gefängnisstrafen für Unschuldige usw.) in den USA sind ein gutes Beispiel dafür, wohin das führt, wenn Angeklagte keine oder nur eine schlechte Strafverteidigung haben.

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