Französische Revolution (Steuern 1789)

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Aus Paris waren viele Leute nach Versailles zur Eröffnung der Generalstände gekommen, aus Neugier und durch eine Hoffnung auf einen poltischen Neuanfang erregt. Bei der Prozession des Königs und der Abgeordneten von Notre-Dame zur Kirche Saint-Louis am Abend des 4. Mai 1789 erhielten die an der Spitze des Zuges gehenden Abgeordneten des Dritten Standes allgemeinen Beifall, nach der auf Augenzeigenberichten zurückgreifenden Darstellung bei:

Jules Michelet, Geschichte der Französischen Revolution. Herausgegeben, kommentiert, [mit einer Einführung, einer Bildergalerie und] mit einem Register versehen von Jochen Köhler. [Übersetzt von Richard Kühn]. Studienausgabe. Band 1. Frankfurt (Main) : Eichborn, 1989 (Sammlung Historica), S. 77 – 78

Hinweise auf die Erwartungen der Bevölkerung enthalten z. B. politische Flugschriften aus dieser Zeit und die Beschwerdehefte (Cahiers de Doléances), die bei den Wahlversammlungen (in Städten/Stadtviertelen, Gemeinden und Berufskörperschaften) beraten und beschlossen wurden, bei denen die Abgeodrneten für die Generalstände gewählt wurden.

Darstellungen der Französischen Revolution enthalten Informationen, z. B.:

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 4., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2004 (Beck's historische Bibliothek), S. 63 - 64

Gewünscht wurden z. B. eine Verfassung, eine konstitutionelle Monarchie, eine ständige Volksvertretung (Parlament) mit Steuerbewilligungsrecht, steuerliche Gleichbehandlung der Stände, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz der persönlichen Freiheit und weitere Freiheitsrechte (z. B. Pressefreiheit), Abschaffung der Feudalrechte (mit oder ohne Entschädigunrd. Es gab auch gegenläufige Fordreungen, z. B. für oder gegen eine Gewerbefreiheit und eine Beibehaltung des Zunftwesens.

Die Erwartungen waren also deutlich breiter als nur eine Behebung der Finanzschwierigkeiten (es drohte ein Staatsbankrott). Einnahmevergrößerungen durch höhere Steuern/Abgaben waren das Ziel des Königs und seiner Regierung. Die Pariser Bevölkerung hat nicht aus diesem Grund gejubelt. Eine Notwendigkeit, Maßnahmen gegen die Staatsverschuldung zu treffen, war allerdings deutlich. Der Beifall gründete in dieser Hinsicht wohl auf der Hoffnung, die Abgeordneten des Dritten Standes würden nur einer Lösung zustimmen, bei der die privilegierten Stände Klerus und Adel stärker als bisher herangezogen würden und die Ungleichheit der Belastung abgeändert würde.

Ein Großteil der Pariser Bevölkerung zahlte ja gar keine Steuern. Diese sollten ja andere zahlen, z. B. um die Brotpreise zu stabilisieren. Da kann man gut jubeln.

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