Frankreich Steuerreform 1789?

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Frankreich befand sich zu dieser Zeit in erheblichen Finanznöten. Die staatlichen Einnahmen deckten die Ausgaben nicht und die Tilgung von Schulden verschlang einen beträchlichen Teil der Einnahmen.

Der König versuchte durch eine Änderung der Steuergesetze die Einnahmen zu steigern. Dass das letztlich in einer Steuererhöhung endet (denn das Geld muss ja irgendwoher kommen), ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn es ging dem König dabei auch darum, die regionalen Gerichtshöfe in den Provinzen zu entmachten. Diese trugen nicht unwesentlich zu einer Ineffizienten Steuereintreibung bei und widersetzten sich natürlich den Plänen des Königs.

Um diesen Widersprüche aufzulösen (Geldbedarf des Königs vs. Selbstbestimmung der Adeligen) und die Finanzkrise in den Griff zu bekommen, wurden die Notablenversammlungen und letztlich die Generalstände einberufen.

Es ging also nicht darum, dass die Stände für eine Steuererhöhung waren, sondern sie versuchten diese zu verhindern. Die oberen Stände, um ihre Befugnisse in der Provinz zu behalten, die niederen, um nicht noch mehr Abgaben zahlen zu müssen. Gerade diese Uneinigkeit und die Unfähigkeit des Königs und der Stände, eine gemeinsame Lösung zu finden, führten letztlich zur Revolution.

Es ist mir klar, dass sicher die Mehrheit gegen eine Steuerreform waren. Aber es gab auch einige, die eben dafür waren. Ich verstehe nicht wieso ein paar Leute für eine Steuererhöhung stimmten, wegen es waren sicher nicht alle 1200 Vertreter gegen die Reform

@kingkaste

Das System damals war - aus heutiger Sicht - ineffektiv und korrupt. D.h. diejenigen Beamten, die für die Steuereinziehung zuständig waren, behielten durchaus einen Teil für sich. Den absoluten Großteil der Steuerlast trug zudem der Dritte Stand, so dass die oberen Stände davon weniger betroffen waren, am System aber verdienen konnten.

Nochmal eine Nachfrage: Von welcher Abstimmung reden wir hier denn genau?

@Ansegisel

Von der am 5.Mai 1789 in Versailles

@kingkaste

Ok, das Zusammentreten der Generalstände. Meines Wissens, wird da aber gar nicht mehr über Steuerfragen abgestimmt. Das steht zwar auf der Tagesordnung, aber man streitet sich dort wochenlang über die Anstimmungsmodalitäten - in denen inhaltlich also nichts passiert.

Vielleicht meinst du aber das Ereignis, dass sich einige Mitglieder des Adels und des Klerus auf Seiten des Dritten Standes geschlagen haben, so dass dieser letztlich eine Mehrheit erhielt - und sich damit zur Nationalversammlung erklärte.

Dieses "Überlaufen" hing vor allem damit zusammen, dass hier im wesentliche Angehörige des niederen Adels und der niederen Geistlichkeit übergetreten sind. Diese waren finanziell und sozial ebenfalls nicht besonders gut aufgestellt und konnten sich mit den Zielen des Dritten Standes besser identifizieren. An diesem Punkt ging es aber schon nicht mehr um Steuern, sondern um den Gegensatz zur Monarchie.

@Ansegisel

Danke¨! Das hat mir jetzt viel weiter geholfen^^ Ich kann jetzt die ganze Handlung mir besser erklären.
Ich hätte da noch eine winzige Frage: Was bzw. wer waren die Jacobins und die Cordeliers? Im Internet steht, dass es Klubs waren. Aber wie kann ich mir das vorstellen? Einfache Klubs? Was für Einfluss hatten diese Klubs?

@kingkaste

Diese Vereinigungen bezeichnet man als "Klubs", weil es dabei ursprünglich tatsächlich um Treffen von Gleichgesinnten ging - in diesen Klubs sammelten sich die verschiedenen politischen Lager.

Die Jakobiner heißen deshalb so, weil sie sich in einem ehemaligen Jakobiner-Kloster getroffen haben. Die Cordeliers hießen nach einem Strick, den die Franziskanermönche um ihre Robe trugen - weil auch sie sich anfangs in einem ausgedienten Kloster trafen.

Und welche Bedeutung diese Klubs hatten, ist schnell gesagt: Ganz erhebliche! Der bekannteste Jakobiner ist Robespierre, der bekannteste Cordeliers wahrscheinlich Marat.

@Ansegisel

Aber diese zwei Klubs waren ja nicht in der Nationalversammlung. Wie konnten sie dann grossen Einfluss haben?

Wieso sollten die verschiedene Stände für eine Steuererhöhung stimmen?? Das Volk war ja sowieso schon in Hungersnot.

Da ist Dein Gedankengang aber schnell zu Ende. Was passiert, wenn die Bevölkerung unzufrieden ist?

Sie erfüllt ihre Verpflichtungen nicht mehr und stützt durch ihr Verhalten nicht mehr die bestehenden Machtverhältnisse.

Und Hunger ist nicht, wenn man gerade keine Chips zu hause hat. Hunger bedeutet richtig schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit.

Dazu kam ja auch, dass Klerus und Adel für sich persönlich die Steuereinnahmen verwendeten. Hier ein Schloss da eine Kutsche. Rauschende Feste.

Wenn dann die Bevölkerung hungert, dann wird die Wut nur um so größer.

Hunger kann man auch im übertragenen Sinne hier betrachten. Es kamen ja durch gesellschaftliche und technische Veränderungen jetzt neue Personen zu einem kleinen Wohlstand.

Oder wurden in der Wohlstandsbildung behindert.

Gleichzeitig hatten die eben keine Vertretung in den Ständen. Wenn aber sich eine neue ökonomische Macht bildet und die wird nicht an der politischen Macht beteiligt, dann wird diese Gruppe auch hungrig. Hungrig nach Teilhabe.

Daher haben sich die KleinbürgerInnen ja auch mit TagelöhnerInnen und allen anderen, die im wahrsten Sinne geknechtet wurden verbündet. Es kam zur Revolution. Die hätte das Bürgertum allein nicht machen können. Weil sie zu wenige waren.

Auch heute noch werden Lebensmittel subventioniert. Wenn der Staat kein Geld mehr dazu hat, dann steigen die Marktpreise. Immer mehr können sich weniger leisten. Die Unzufriedenheit wächst dann auch dadurch.

Hunger (in den unterschiedlichsten Punkten) und Unzufriedenheit zerstören einen Staat nachhaltiger, als ein Krieg. Wir ein Staat von innen heraus vernichtet, dann bleibt er das auch. Wird er von außen vernichtet, dann wird man immer wieder versuchen den Vorkriegsstand zu erreichen.

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