Formulierung Arbeitszeugnis: Was bedeutet es "Mitarbeiter war immer in hohem Maße zuverlässig und ehrlich" für einen Verwaltungsmitarbeiter?

4 Antworten

Hallo Basel,

wie bereits ganz richtig gesagt wurde lässt alleine diese Formulierung keinen Rückschluss auf die Wertung des Zeugnisses zu, dazu müsste man es vollständig kennen und ggf. weitere Hintergrundinfos haben.
 
Weil sie aber von Laien immer wieder falsch verstanden wird an dieser Stelle ein paar allgemeine Worte zu der von dir hinterfragten Formulierung, in der idealerweise von ehrlich, fleißig, pünktlich und zuverlässig gesprochen wurde. "Wurde" deswegen, weil es etliche Jahre her ist dass diese Formulierung als positiv gemeint und verstanden wurde. Aber auch damals kannte man bereits die sog. Auslassungstechnik, d.h. dass regelmäßig das was der Leser erwartet aber nicht im Zeugnis vorfindet, als negativ bewertet versteht. Das waren hier, wenn es sich hier um ein altes Zeugnis handelte, eben die Punkte fleißig und pünktlich.

Dies hat sich längst umgekehrt, inzwischen wird dieser Satz sogar grundsätzlich als negativ verstanden, er steht heute dafür dass der Zeugnisempfänger außer den Basics Ehrlichkeit, Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nichts zu bieten hatte. Nichtsdestotrotz findet man ihn auch heute noch gelegentlich in einem eigentlich als gut gemeinten Zeugnis, dies üblicherweise dann wenn es z.B. von einem  älteren Handwerksmeister, der es nicht besser weiß, ausgestellt wurde. Auch im Bereich des öD, wo die Uhren bekanntlich in mancher Hinsicht ein bisschen langsamer ticken, kann man dies manchmal lesen. Hier ist dann eben der versierte, geübte Leser gefragt, der das richtig einzuschätzen weiß.  

Auch als Ehrlichkeitsvermerk eines Mitarbeiters der sich aufgrund von Leistung, Verhalten, Fachwissen usw. eine alles in allem positive Bewertung verdient hat ist diese Floskel heute, egal in welcher Variante, völlig ungeeignet. Hierfür hat man sich auf eine bestimmte Formulierung geeinigt, dies um Missverständnisse zu vermeiden.

Wie von anderen bereits geschrieben, "Ehrlichkeit" ist in einem guten Zeugnis normalerweise nicht zu finden, es sei denn, der Beurteilte hat mit Bargeld oder anderen Wertsachen zu tun gehabt.

Gleichzeitig erlaubt die unpassende Nennung von Ehrlichkeit nicht den Umkehrschluss, derjenige sei unehrlich gewesen und hätte gestohlen o.ä. - vielmehr kann die Nennung einer solchen Selbstverständlichkeit darauf hindeuten, dass der Zeugnisaussteller ansonsten nicht viel Gutes sagen konnte oder wollte. (Ähnlich wäre es, wenn bspw. auf die Pünktlichkeit hingewiesen würde.)

Ohne den restlichen Zeugnistext zu können - für Dich könnte es wertvoll sein, nach weiteren "Codes" zu suchen, schau z.B. hier: http://www.arbeitszeugnisgenerator.de/geheime-codes-im-arbeitszeugnis.pdf Ein Beispiel in der Tabelle benutzt "Ehrlichkeit" und anderes, um auf mangelndes Fachwissen hinzudeuten.

Hattest du Umgang mit Bargeld? Wenn nicht, hat der Ehrlichkeitsvermerk dort nichts verloren.

ABER: Man kann einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Sätze nicht beurteilen. Dazu benötigt man das komplette Zeugnis. Willst du also eine halbwegs seriöse Bewertung haben, stell das Zeugnis vollständig (anonymisiert) hier ein.

Familiengerd  20.08.2015, 12:19

Außerdem ist "Ehrlichkeit" in diesen Zusammenhängen eine solche banale Selbstverständlichkeit, dass mich die besondere Erwähnung schon irritiert.

DarthMario72  20.08.2015, 12:26
@Familiengerd

Naja, den genauen Zusammenhang kennt man ja nicht. Allerdings wenn du den Zusammenhang zwischen "Verwaltungsmitarbeiter" und "Ehrlichkeit" meinst, hast du natürlich Recht. Aber das hatte ich ja schon geschrieben.

Es kann niemand wissen, wenn nicht das ganze Zeugnis da ist.

Was hat eigentlich zuverlässig und ehrlich zusammen in dem Satz zu suchen.