Was verdient man ungefähr wenn man sich als LKW Fahrer selbständig macht und lohnt es sich wenn man nur 70.000€ Eigenkapital hat einen gebrauchten LKW zu kaufe?

5 Antworten

Ich weiß nicht was Dich antreibt das Du Dich als LKW-Fahrer selbstständig machen willst. Wäre es nicht sehr viel zukunftssicherer einen Job im erlernten Beruf anzustreben?

Ich kann Dir jedenfalls von Deinem nur abraten.

Skepsis zeigst Du ja selbst schon. Für 70.000€ kann man durchaus einen guten LKW + Auflieger kaufen, die laufenden Kosten sind es aber die sehr hoch und nur schlecht kalkulierbar sind.

Wenn Du einen festen Auftraggeber hättest für den Du ständig fahren kannst und so auch mit festen und vor allem guten Einnahmen rechnen kannst mag das gehen, musst Du aber täglich selbst die Ladungen besorgen dann bedeutet das ständigen Stress und Zukunftsängste. Es macht keinen Sinn gerade mal soviel zu verdienen das man die laufenden Kosten tragen kann und gerade so über die Runden kommt. Eine einzige Reparatur kann Dich zahlungsunfähig machen.

Schlag Dir das aus dem Kopf. Bleibe in Deinem erlernten Beruf , wenn Du wirklich fahren willst dann such Dir eine anständige Spedition und mach das als Angestellter.

Grau ist alle Theorie, heißt ein Stichwort.

An anderer Stelle fragst Du, was ein Fahrer hat, was Du nicht hast. Da kann ich nicht mal sagen, wo ich anfangen soll.

Nach vielen Jahren Tätigkeit bei Steuerberatern fehlten mir nach meiner Auffassung Kenntnisse im Großhandelsbereich und in der Logistik. Also habe ich in beiden Bereichen gearbeitet.

Und gerade in der Logistik habe ich verschiedene Gründungsideen danach beraten. Leider lohnten diese Geschäftsideen häufig nicht.

Die Rentabilität steht an erster Stelle. Da kommst Du selber zu der Aussage, dass es sich nicht lohne. Bei einem Kilometer-Preis von einem Euro (ob brutto oder netto) kann ich das nur bestätigen.

Das ist reine Geldvernichtung. Da macht man eigentlich die Bücher schon zu.

Speditionen funktionieren, wenn sie eigene Auftraggeber haben. Es gibt zwei Möglichkeiten dies zu organisieren. Entweder man bietet Linie an. Also von mir aus Wien bis Rotterdam und zurück. Da bezahlt jeder Kunde für seine Paletten. Da kommt man dann auch auf entsprechende Sätze. Oder man hat Großkunden, die den Bereich Transport der Logistik nicht selber bewältigen wollen.

Sicher gibt es weitere Varianten, doch da handelt es sich dann wahrscheinlich um Nischen. Die muss aber ausreichend groß sein, um auch täglich ausreichenden Umsatz zu haben. Dafür muss man aber seine Kunden schon vor dem Start persönlich kennen. Sonst bekommt man vermutlich nie eine ausreichende Auslastung hin.

Das von Dir genannte Stammkapital ist für die fehlenden Kenntnisse (beispielsweise über übliche Vertragsbedingungen und damit verbundene Chancen und Risiken) und die fehlenden Kontakte kein Ausgleich. Wieder das Stichwort der Geldvernichtung.

Übrigens ist allein Deine durchschnittliche Erwartung an Km-Leistung nicht einhaltbar. Jedenfalls außerhalb von Autobahnen.

Mit einem Lkw, den man selber fährt gibt es weitere Probleme. Abspringende Kunden kann man schlecht aus der Fahrerkanzel ersetzen. Jedenfalls nicht, wenn man kein entsprechendes Netzwerk hat.

Ferner scheint Dir nicht einmal die Überlegung gekommen zu sein, ob Du im Fernverkehr oder im Nahbereich tätig sein willst.

Unter dem Strich und bei dem Kenntnisstand hier: Finger weg, Du machst Dich unglücklich.

Wenn es die Logistik-Branche sein soll, dann bewerbe Dich bei Speditionen, die etwa den Bereich abdecken, der Dir gefallen könnte. Aber geh in den kaufmännischen Bereich. Da bekommst Du auch einen Einblick in die Kosten und Probleme bei der Personalführung usw.

Wenn Du in zwei oder drei Speditionen für jeweils einige Jahre gearbeitet hast, dann würde es anders aussehen. Und Dein Kapital könnte ein guter Anschub dafür sein, sich in einer Spedition tatsächlich einzukaufen. Dann allerdings in eine tatsächlich kleinere Unternehmung, die gerade berechtigte Anstalten macht zu expandieren.

Fange allerdings nur nicht ganz unten an. Es gibt eine Menge Betriebswirte, die im Lager arbeiten und dort Koordinierungsarbeiten erledigen. Deren Tätigkeiten sind für eine spätere Gründung uninteressanter. Auch wenn man wissen muss, was die tun. Aber alles braucht man nun auch nicht gemacht zu haben.

Du brauchst jemanden, der für dich einspringt, wenn du krank bist.

 Außerdem habe ich entnommen, dass du Erwerbsminderungsrente beziehst. Die ist dann weg, da du deutlich mehr als 3 Stunden fahren musst. 

Kaufe dir lieber Wohneigentum, dann hast du eine bessere Verzinsung von dem Geld als auf der Bank.

Wohneigentum habe ich leider dummerweise kürzlich viel zu billig verkauft, da mir die Streitereien mit den anderen Eigentümern auf die Nerven gegangen sind.

Aber generell hast DU hier absolut Recht. Es gibt zur Zeit nichts besseres. Und langsam bekomme ich Angst, wenn ich sehe, wie der Euro zu Grunde geht.

Bei der Erwerbsminderungsrente ist es so, dass es hier nur auf den Gewinn ankommt. Bis 450 Euro wird Rente voll weiterbezahlt und dann gibt es nach oben noch 3 weitere Grenzen. Also 3/4 Rente, 1/2 Rente, 1/4 Rente. Und in der letzten Stufe darf ich 2050 Euro Brutto verdienen und wenn ich nur 2000 Euro Brutto verdiene bekomme ich trotzdem noch eine Viertelrente. Wieviel Stunden ich arbeite interessiert die RV erstmals nicht. Außerdem zählt auch nur der Gewinn, d.h. wenn ich 12000 Euro bekommen würde und hätte nur 450 Euro Gewinn, müsste ich noch die volle Rente erhalten. Natürlich werden die meinen Gesundheitszustand irgend wann überprüfen, wenn ich länger über 450 Euro verdiene und dann erhalte ich nur noch eine Viertel oder Halbrente. Aber auf die Stundenzahl kommt es nicht drauf an haben die mir gesagt. ich könnte auch nur 2 Tage 8 Stunden die Woche arbeiten und 450 Euro verdienen und würde die volle Rente bekommen. Dies ist nur, wenn man den Rentenantrag stellt diese 3 Stunden Regelung.

Eigentumswohnung habe ich verkauft, wollte eigentlich ein Haus kaufen, besser bauen. Dazu habe ich aber zu wenig Geld, deshalb auch die Ideen. Andere Möglichkeit wäre eine Frau zu heiraten die über das gleiche Kapital verfügt und noch einen kleinen Kredit nehmen, dann würde es mit dem Haus bauen klappen. Nur, wo findet man heute noch eine hübsche reiche Frau?

@lachs4709

Sobald du dich selbstständig machst, wird deine Rente ganz gestrichen. Das solltest du unbedingt beachten.

Bei Ausübung einer selbständigen Tätigkeit, liegt unabhängig vom Gesundheitszustand und der Höhe des Einkommens keine Erwerbsunfähigkeit mehr vor.

Kleine Speditionen gehen reihenweise in Konkurs. Die Konkurrenz vor allem als Osteuropa ist enorm und drückt die Preise. Bin zwar nicht vom Fach aber mein Kumpel ist Trucker. Unterhalte dich mal mit denen und hör dir an was die sagen. Mein tip wäre, lass es und leg dein Geld anders an.

Problem ist, dass Du auf der Bank kaum bis keine Zinsen bekommst. Deshalb habe ich an Investition gedacht.

Über wirtschaftliche Lehren kann ich Dir gar nichts erzählen. Du hast das studiert, ich weiß gar nichts davon.

Aber ich kann Dir mal aus meiner Sicht ein paar Sachen erzählen...

Ich las mal eine Statistik, darin stand dass der durchschnittliche Reinerlös eines Transportes bei einem deutschen Spediteur, bzw. Frachtführer, bei nur 3% des Frachtumsatzes liegt. So muss es sein, weil sonst dieser hiesige Transportunternehmer nicht mit Billigkonkurrenz mithalten könnte. Also brauchst Du schon mal ne Menge Fahrten um "richtig" Gewinn zu haben.

Der von Dir angegebene Transportpreis von 1€/Km ist sehr wenig. Du schreibst ja selbst "nur" ein Euro... Realität sind eher 80-90Cent. Von einem  Verlademeister bei einer unserer Kundschaft, bei denen wir Hausspedition sind, weiß ich dass gewisse große Logistiker (wie z.B. LKW-Walter ) mit teilweise 67Cent/Km drücken. Kann man da noch mithalten?

Gartner hat, seit er Stadler übernommen hat, einen Fuhrpark von ca. 4000 LKW. Gartner kalkuliert lt. Hörensagen, also nicht belegt, für jeden LKW den Transportpreis so niedrig, dass pro LKW am Monatsende nach einer einfachen Einnahme-Überschuss-Rechnung fünfzehn Euro plus vorhanden sind. Jeder LKW fährt praktisch zum Selbstkostenpreis. Trotzdem bleiben, auf den ganzen Fuhrpark gerechnet, monatlich 60000 €. Das ist genug Geld um ein schönes Leben zu führen und stetig in die Firma zu investieren... Der "Kleine", der mithalten will, kann aber diesen Preis nicht anbieten. Denn ein kleiner Frachtführer mit zwei LKW kann nicht von 30€ im Monat leben...

Unternehmerprüfung braucht man auf jeden Fall. Ob BWL-Studium dies ersetzt, kann ich Dir leider nicht sagen.

Denk auch daran, dass Du nicht nur Eigenkapital brauchst um einen LKW zu kaufen. Du brauchst auch viel mehr anderes Kapital. Dieses ist dann totes Kapital, da Du nicht darüber verfügen kannst, sondern es hinterlegen musst. Dies gilt vor allem für die Lizenz. Eine EU-Lizenz z.B. bekommst man wenn man Unternehmerprüfung hat, genügend versichert ist, und ein gewisses Kapital hat. Auch für z.B. Tankkarten muss man Kapital hinterlegen, bevor man überhaupt eine Tankkarte bekommt. Die Höhe des Limits für solche Flottenkarten, richtet sich nach der Höhe des hinterlegten Kapitals. Ich fahre mit einem LKW, dessen Tankvolumen 1200l beträgt. 1200l Diesel können schon mal 1800€ kosten. Damit fahr ich eine Woche rum. Also muss mein Chef allein für mich 7200€ monatlich Spritkosten bezahlen. Maut allein kostet schon mal, je nach Auslastung des Fahrzeugs, 500-700€ in der Woche, also gut 2000€ im Monat...

Was ein erfahrener Trucker hat, was Du nicht hast? - Erfahrung im Umgang mit den Verladern und Kundschaften. Bzw. Erfahrung wie es auf der Straße läuft. Dies kannst Du im BWL-Studium nicht lernen. Im BWL-Studium lernt man nicht, dass man bei einer kleinen Kundschaft, mit der man gut auskommt, auch mal nach den Verladezeiten be- oder entladen wird, wenn man dem Staplerfahrer oder Lageristen ein Bier ausgibt... Oder bei großen Lebensmittel-Zentrallagern einen ganzen Tag lang rumsteht um dann 30min zu entladen. Da hat man dann 30min abgeladen, aber vorher 7-8 Stunden gewartet. Das ist "ein ganzer " Arbeitstag, den der LKW hätte rollen sollen, aber dieser auf einem Firmengelände rumgestanden ist, ohne einen Cent verdient zu haben... Auch andere Sachen, wie z.B. wann es günstig ist auf die RoLa zu fahren, Oder die normale Staueinschätzung unterwegs. Jeder erfahrene Fahrer weiß die gewissen Ecken, die immer stauen und wie lange die Staus sind und wie lange dies dauert. Jeder erfahrene Fahrer weiß die Stoßzeiten in diesen Ecken, und ob es sich lohnt zu umfahren oder durchzukämpfen. Dies lernt man im BWL-Studium nicht, ist aber entscheidend ob die Tour läuft oder nicht...

Ich würde mir das gut überlegen, sehr gut. Es kann sein, dass Du das Sprungbrett nutzen kannst und Dir eine Existenz aufbaust in der Du sehr gut leben kannst. Es kann aber auch sein dass Du ins Wasser fällst und Privatinsolvenz anmelden musst... Beide Extreme sind möglich.

Ich habe nicht nur ein betriebswirtschaftliches Studium sondern auch ein Ingenieurstudium und bin Holztechniker und Schreinermeister und natürlich Schreiner. Also von der Praxis habe ich auch ein bischen Ahnung. Aber Du hast es schon sehr gut beschrieben und die ganzen Abschlüsse bringen natürlich nichts. Mit dem LKW kann man auch nicht 140km fahren und das Problem sind die Wartezeiten. Ich weiß das nämlich von früher als ich noch Lautsprecherboxen gebaut habe und da hat es immer einen halben Tag gedauert bis ein LKW beladen war.

Deshalb habe ich auch geschrieben, ob es vielleicht sinnvoll wäre Getreide zu fahren oder irgend etwas anderes z.B. Rundholz (Papierholz oder Holz für Furnier) wo es schneller geht. Da kann ich die Stämme selbst mit dem eigenen Krahn beladen und muss auf niemanden warten. Oder Stahl beladen müsste auch schneller gehen, da der LkW wenn er 1/4 voll ist, i.d.R. ausgeladen ist. Lebende Tiere (Schweine, Rinder..) würde ich aus Prinzip ablehnen und auch für keinen Preis der Welt machen, da es für mich Tierquälerei ist wenn Tiere durch halb Europa transportiert werden und dann noch kein Wasser gegeben wird.

Aber prinzipiell hast Du absolut Recht mit nur 80 bis 90 Cent pro km und den langen Standzeiten kann man das vergessen. Wenn ich den Diesel, Maut, Versicherung, Steuer, Inspektion, Verschleißteile, unvorhergesehene Reparaturen und Wertverlust des Fahrzeuges rechne kommt man ungefähr, je nach alter des Fahrzeuges auf 15.000 Euro pro Monat laufende Kosten. Brutto muss ich mindestens 5.000 Euro haben, da man sich noch Rente, Kranken und viell. auch eine Arbeistlosenversicherung abschließen muss, sollte das Ganze floppen. Auch eine Risikoausfallversicherung müsste man abschließen, sollte man auf der Straße in einen Unfall verwickelt werden, bzw. Haftpflichtversicherung wenn das Material aufgrund eines Unfalles nicht rechtzeitig am richtigen Ort ist.

In anderen Worten: Man müsste monatlich mindestens 20.000 Euro Brutto haben, sonst lohnt sich es nicht. Fazit: Als selbständiger Taxifahrer hätte man weniger Risiko, weniger EK und würde auch nicht weniger verdienen. Nur angestellte Taxifahrer fahren zum Mindestlohn und werden ausgebeutet.

Wenn ich mir einen Motorwagen mit Krahn und Hänger für Holz kaufen würde, hätte ich die ganze Wartezeiten nicht und es würde meines Erachtens mehr Sinn machen. Allerdings bräuchte man dann einen Vertrag für mindestens 5 Jahre, da der LKW für anderes Transportgut nicht mehr einsetzbar ist.

Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Gartner seinen Fahrer bei den nur 15 Euro Gewinn pro LKW aber schon abgezogen - richtig? Dann kommt es drauf an was er für seinen Fahrer bezahlt. Wenn ich das machen würde auf selbständiger Basis, hätte ich im Prinzip den Fahrerlohn plus die 15 Euro. Wo ich den Vorteil bei den Großen sehe, ist, dass diese vielleicht einen Rabatt in der Versicherung erhalten bei dieser Menge an LKWs, ebenso bei Wartungen, Reparaturen und natürlich dem Neukauf von Fahrzeugen werden die bessere Konditionen erhalten und können die anderen ausnocken..

@lachs4709

Sicher hast Du dann den Fahrerlohn plus die 15€...

Aber einen Fahrerlohn nach ungarischen Verhältnissen :-O

Zudem ist die Fahrzeughaltung und Wartung in westlichen Ländern teurer.

Außerdem hast du bei Deinem "Fahrerlohn" noch nicht mal Rücklagen gebildet. Hast Du dann schon in Krankenkasse einbezahlt? - Hast Du dann schon Sozialabgaben bezahlt? - Hast Du dann schon Kapital gebildet, falls Du mal ausfällst (Krankheit, Verdienstausfall...) ? Ein klares NEIN.

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