Rechtsanwalt oder Staatsanwalt?

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Ich beschäftige mich seit Jahren sehr intensiv mit unserem Rechtssystem. Und je mehr ich mich hinein vertiefe umso mehr Verachtung empfinde ich nicht nur für das System, sondern auch für diejenigen, die damit arbeiten.

Von 80 Rechtsfällen, die ich geprüft habe wurden 33 schlampig durchgeführt. Ein Staatsanwalt in Baden-Würrtemberg z.B. hat im Jahr 850 Fälle zu bearbeiten. Das kann man nicht korrekt tun. Ganz abgesehen davon, dass man oft nach unseren meist rückständigen Gesetzen anklagen und verurteilen muss, obwohl man erkennen muss, dass es falsch ist. Nicht ohne Grund liegt die Lebenserwartung bei dieser Berufsspezies bei 60 Jahren. Kein Wunder. Wer noch Charakter oder Gewissen hat, zerbricht daran. Im Gegensatz zu Richtern, deren lebenserwartung ja über 80 ist. Vermutlich weil sie nie gelebt haben und schon bald mumifiziert wurden.

Was eine Anwaltskanzlei betrifft, so kommt es darauf an, wie man es angeht. Dasitzen und auf Kundschaft warten ist wohl nicht der richtige Weg. Deshalb beginnen die meisten in der Regel in einer Sozietät, wo der erfolgreiche Anwalt einem die kleineren Fälle zuschiebt. oder man vesucht sich einen Namen zu machen - wichtig ist einfach, dass man von Dir hört und liest - in dem man eine Insolvenz übernimmt, auch wenn die nichts bringt, in dem man in einer Partei und in Vereinen ist oder/und indem man spektakuläre Fälle übernimmt, über die die Presse berichtet. So haben arme Leute auch mal die Chance auf einen guten Anwalt. Siehe der Fall Harry Wörtz, lies die Bücher von Rolf Bossi. Sieh das Spektakel um den Wetterfrosch. Wichtig ist natürlich, dass man einen solchen Fall nicht verliert!!!

Wenn wir vom Strafrecht sprechen, dann gehen auch viele den Weg, zunächst einige Jahre als Staatsanwalt zu arbeiten, Kontakte zu Richtern zu knüpfen, zu anderen Staatsanwälten - und sich dann als Rechtsanwalt nieder zu lassen. wenn man sich dann durch die Betten schläft oder sonstwie guten Kontakt hat, kann man gute Konditionen ohne viel Arbeit für sein Klientel herausschlagen, was den Namen fördert. Ich kenne jemanden, der so vorgeht. Diese Person übernimmt auch die Fälle als Pflichtanwalt. Die Akten werden gesammelt. An einem Tag werden so viel wie möglich bearbeitet. Dann wird mit den Richtern gesprochen und den Staatsanwälten, ein Abkommen getroffen und dann geht die Verhandlung sehr schnell.

Bezeichnend ist folgende Aussage eines ehemaligen Oberstaatsanwaltes, der nun als RA arbeitet: "Recht bekommt vor Gericht nicht, wer Recht hat, sondern wer am besten lügen kann."

Ich beende dies nun, denn mir ist schlecht. Aber nicht ohne auf diejenigen hinzuweisen, die es tatsächlich geschafft haben Charakter zu behalten. So kenne ich einen Anwalt, der es mit Können geschafft hat, aber auch mit der Zugehörigkeit zu einer Partei. Aber er ist immer Mensch geblieben. Zu den Menschen zähle ich auch den vielfach verkannten Rolf Bossi. Auch einige Richter versuchen es, doch kommen diese meist nicht weit und ein Staatsanwalt bleibt meist keiner mehr.

Danke für die Auszeichnung.

Als Rechtsanwalt sollte man eben nicht direkt eine eigene Kanzlei eröffnen, sondern in eine andre gehn, die evtl. auch schon einen (guten) Ruf hat. Schließlich geht doch immer noch das meiste darüber, dass man von jemandem eine Kanzlei empfohlen bekommt. Irgendwann kann man dann natürlich eine eigene Kanzlei aufmachen, aber direkt mit anfangen ist, wie du ja auch schreibst, nicht grad das gelbe vom Ei ;-)

Staatsanwalt können nur die Besten werden, genauso wie Richter. Und normalerweise ist die Abschätzung relativ gut, wie viele gebraucht werden. In der Justiz hast du jedenfalls nicht weniger Arbeit als als Rechtsanwalt.

Staatsanwälte werden in (schlechten) Filmen immer als die bösen dargestellt, aber auch sie machen in der Realität nur ihre Arbeit. Im Praktikum habe ich zwei erlebt, die total gegensätzlich waren: das eine war eine Zicke und der andre war eigentlich noch nett zu dem gegnerischen Rechtsanwalt, der irgendwie nicht so ganz zu wissen schien, was er eigentlich machen sollte... Aber ich bezweifle, dass man da in Angst leben muss, sonst gäb's vermutlich weniger ;-) Außerdem gibt's ja noch die Richter, die ja nun mal auch noch ein Wörtchen mitzureden haben^^

Stimmt fast, aber auch du kannst als Anwalt nicht jeden Prozess gewinnen, also musst du deinem Geld hinterherlaufen oder nur Reiche bedienen (was auch keine Zahlungsgarantie ist). Als böser Staatsanwalt hast du dein Geld sicher!

Also ich wäre lieber Staatsanwalt. Ich hätte keine Lust, Mörder oder sowas zu verteidigen und zu sagen, sie seinen unschuldig, bzw. die mildeste Strafe rauszuholen. Ist meine Meinung, aber das kann ja jeder sehen, wie er will.

Hallo Ivaluded, also ich bin keiner von beiden- der Rechtsanwalt ist aber auf der Kundenseite tätig und hat zu verteidigen- nach dem prinzip der Unschuldsregel. Der Staatsanwalt arbeitet im Namen des Gestezgebers und ist daher der Ankläger, bzw Vertreter des Gesetzes.

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