"Muss" man eine Entschuldigung annehmen?

5 Antworten

Es kommt ganz drauf an, wie "schlimm" der Fehler war. Sollte sich z.B. jemand bei dir Entschuldigen weil er dir die 20€ nicht sofort wiedergegeben hat, sollte man die Entschuldigung schon annehmen, auch wenn man ihm den Fehler dann später trotzdem vorhalten kann, sollte er nochmal was von dir wollen. Will sich aber jemand entschuldigen weil er dich z.B. Schlagen wollte oder arg Beleidigt hat ohne einen Grund dafür zu haben (oder Betrunken, High,... war) dann sollte man sowas nicht verzeihen müssen.

Es kommt also drauf an wie schlimm du den Fehler einschätzt. Man muss nicht alles verziehen, man sollte aber auch nicht jedem jeden kleinen Fehler extrem Büßen lassen, denn jeder macht mal Fehler.

Eine sehr interessante Frage. Ich möchte etwas vom sog. rationalen Standpunkt her vortragen.

Es gibt eine Untersuchung (Univ of Michigan, Axelrod, The Evolution of Cooperation) zu der Frage, ob koorperatives Verhalten auch entsteht, wenn alle Parteien nur auf die Maximierung des eigenen Nutzens aus sind. Die Antwort ist: Ja, unter bestimmten Bedinungen. Eine der Bedingungen sind wiederholte Kontakte. Eine andere, dass das unkooperative Verhalten nicht zu schwerwiegend / existentiell ist.

Der maximale Nutzen entsteht, wenn

  • man von Anfang an kooperiert (Vertrauensvorschuss),
  • man auf unkooperatives Verhalten sofort ebenfalls nicht kooperiert (Provozierbarkeit),
  • danach sofort wieder kooperiert (Verzeihlichkeit),
  • durchschaubar handelt (Verständlichkeit).

Der dritte Punkt ist der hier entscheidende. Die Verzeihlichkeit bewirkt, dass mit diesem Mitmenschen für den Rest des Spieles (damit kann das ganze Leben gemeint sein) weiterer Nutzen für beide entsteht, was bei Unverzeihlichkeit nicht der Fall ist.

Der zweite Punkt heißt "Tit For Tat" (Wie Du mir, so ich Dir, aber nur ein Mal). Ohne den funktioniert die Kooperation nicht. Dann braucht man Erbarmen, aber nicht alle Mitspieler erbarmen sich.

Im Vaterunser kommt das auch schon vor: "Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern." Es heißt nicht, "damit" oder "weil", sondern "wie wir vergeben", das ist eine Selbstsugggestion, die uns nahelegt, welches Verhalten das Richtige ist. Es enthält gleichzeitig die Feststellung, dass wir alle Fehler machen, für die wir Vergebung wünschen.


Die Studie von Axelrod bewertet übrigens, bei welchem Verhalten (im Sinne einer Lebensphilosophie, d.h. gegenüber allen Menschen in einem ganzen Leben) der größte Gesamtnutzen entsteht. Das schließt natürlich ein, dass man gegenüber einzelnen Partnern den Kürzeren zieht. Wichtig ist, dass man in dem Bemühen, unkooperative Partner zu identifizieren, nicht zu viel Zeit vertut, die man besser für kooperatives Verhalten hätte nutzen können. Und dann das kooperative Verhalten nicht wieder aufnimmt, d.h. dem einmal unkooperativen Partner keine neue Chance gibt. Das ist der Kern des Nicht-Verzeihens in diesem Kontext. Wegen eines Fehlers (unkooperatives=schädigendes Verhalten) des Partners keine weiteren Kooperationsversuche mehr unternehmen.

Bei Immobiliengeschäften funktionieren diese Überlegungen für einen privaten Käufer/Verkäufer übrigens nicht, weil man das nur selten macht und schon gar nicht mit demselben Partner, und weil es um sehr erhebliche Beträge geht, die den schädigenden Partner richtig reich und den anderen richtig arm machen können. Da wird die Ehre des ehrlichen Kaufmanns schon mal vollkommen außer Acht gelassen.

Das muss man von Fall zu Fall abwägen. Aber bei einer wirklich ernst gemeinten Entschuldigung,die würde ich schon annehmen.

Das ist nicht schlecht, dass ist schei.........! Du kannst anscheinend nicht richtig vergeben, weil du zu sehr auf dich und auf dein"richtiges Verhalten" fokusiert bist. Kann da nur den Kopf schütteln !!!

Meiner Meinung nach: Nein.

Um des sozialen Friedens Willen: Ja.

Was möchtest Du wissen?