Mit Kleintransporter selbständig machen?

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Kurze Frage - kurze Antwort: Vergiss es ganz schnell.

Die von Dir genannte Börse kann man wohl knicken. Wenn was kommt ist gut, wenn nicht, dann nicht.

Für eine 30 km - Fahrt gab es gerade als günstigstes Angebot 18 Euro. Das ist auch noch brutto. Wenn ich einen Kurier bestelle, dann immer als Direktfahrt oder Over-Night. Bei einer Direktfahrt zahle ich auch etwa 18 Euro netto. Over-Night wird anders gerechnet. Der Fahrer bekommt 10 Euro vermutlich. Von den 18 behält das angerufene Kurier-Unternehmen etwa 20%.

Bleiben für den Fahrer 14,40. Da die km immer nur Last-km gerechnet werden und die Erfahrung lehrt: Es gibt wenig Fahrten wo man zwei oder drei Kunden anfahren kann, so hat man in der Regel bei 10.000 km im Monat etwa 6.000 km leer und 4.000 km Last.

Also von den 60 Cent pro km bleiben dem Fahrer 48 Cent. Die mal 4.000 km. Transportversicherung, Kosten für alle km, usw. usf. Da braucht man gar nicht weiter zu rechnen. Ich tue das trotzdem, zum Spaß. Es kommt wohl kein Auto unter die 20 Cent Netto Grenze. Ich runde mal auf 50 Cent auf, wirst gleich sehen, das rettet niemanden.

Also Umsatz 2.000 Euro. Dagegen die reinen Fahrzeugkosten 2.000 Euro. Diesel und Reparaturen. Kontrolliere nur mal: Was verbraucht Dein Caddy? Übrigens, es kann sich kaum ein Kurier einen VW leisten. Warum nur? Weil die Anschaffungskosten zu hoch sind und damit die Abschreibungen. Also 6 Liter Diesel auf 100 km ist sicherlich eine sparsame Hausnummer. Diesel netto schlage ich Dir mit 1,25 Euro vor. 7,50 Euro pro 100 km. Das ganze mal 100. Also Kosten von 750 Euro. Dann denke dran, dass Du bei 10.000 km eine übliche Jahresfahrleistung im Monat hast, die andere eben über das Jahr verteilen. Also auch die üblichen Verschleißreparaturen. Nicht schön geplant. Geht nicht. Das Kupplungsseil geht Dir nicht nach Feierabend kaputt und wird Dir über Nacht wieder neu eingebaut. Da bist Du gerade irgendwo. Lässt Dich zu einer Werkstatt schleppen und bekniest die. Armer Kurier muss zurück. Kann mir schon von der Zeit keine Übernachtung leisten. Also Werkstattkosten ganz normal.

Anteilig Kfz-Steuer, Kfz-Versicherung, Transportversicherung, Steuerberater und Du kannst sicher sein, ein christlicher Job: Es besteht keine Gefahr reich zu werden.

Übrigens gibt es auch Zahlungsausfälle. Ich habe selbst mit der Branche testhalber zu tun gehabt, da Logistik einer der Bereich war, wo ich keinen Einblick hatte. Also wenn Du keinen Umsatzausfall hast, denn lege zwischen 10 und 20 % zurück. Irgendwann kommt er.

Und rechne nicht falsch: Der Caddy ist kein Kleintransporter. Die werden nämlich etwas höher vergütet. Und reine Caddy-Fahrten sind ohnehin selten. Weil die Unternehmen lieber Caddies als Subunternehmer haben wollen, kennen die Kunden sowieso bald nichts anderes und bestellen Pkw, nicht einmal Kombi.

Kannst mir glauben: Du lebst von der eigenen Substanz. Du kannst das aus dem Unternehmen entnehmen, was Du reinlegst. Also den Wert des Wagens. Wenn Du ihn nicht selber kaputt fährst.

Von dieser Substanz wird dann Dein Leben bestritten. Also es gibt Leute die fahren in totaler Abhängigkeit von Kurierunternehmen (Scheinselbständigkeit), mit laufend neuen Krediten und Vorschüssen. Stehen Tag und Nacht zur Verfügung, auch am Wochenende um jede 10-Euro-Fahrt zu machen, weil man dann ja auch mal eine weite Fahrt bekommt.

Logistik hat nichts mit Logik zu tun. Die ganzen großen UPS, TNT und was da noch alles ist, die unterbieten sich. Wollen selber noch einen Anteil (das bezieht sich auch auf die Kurieraufträge, die machen das auch insbesondere für solche Dinger wie Telekom Netzwerke), dann kommt Dein Auftraggeber, der will auch was. Und dann landen von diesen Aufträgen 56 Cent vor Provision auf der Abrechnung. 20% ab bleiben 45 Cent. Das ist bei 2,5 Gesamt-Km zu 1 Last-Km nicht einmal kosten deckend.

Hier bezahlt der Kleine ganz direkt an die großen Börsennotierten. Sonst ist das ja eher versteckter, wie bei Bankenkrisen und anderen "Rettungen".

Also vergiss die Überlegung. Es lohnt sich für niemanden. Privatinsolvenz ist vorprogrammiert. Lasse Dich nicht durch andere Versprechen locken. Die werden dann zwei Monate oder so eingehalten und dann hängst Du drin.

So: Jetzt habe ich keine Lust mehr, Dich auf weitere Fallen hinzuweisen. Das kann man mit Otto, TNT, UPS und allen anderen noch so weiter treiben. Übrigens habe ich keine Angst vor einer Anklage wegen übler Nachrede. Weder vor großen noch vor kleinen Unternehmen. Sie stehen alle in unmittelbarer Konkurrenz und egal wie abgerechnet wird (Pakete, Stopps, km oder was auch immer), man landet bei dem geschilderten Ergebnis.

Also das war wirklich hilfreich danke erstmal dafür und ich habe mich entschieden das lieber nicht zu machen. Da mach ich doch lieber den Taxi P-Schein und habe keine Kopfschmerzen und verdiene gutes ehrliches Geld.

@Boxer92

Das ist eine Idee. Ohne Dir diese aber auch noch verleiden zu wollen ein Tipp. Finde doch mal raus, wo die sich so treffen. Versuche mal mit ein paar Leuten ins Gespräch zu kommen.

Bei meinem Experiment hatte ich schließlich auch gewusst wie lange ich das finanziell durchhalte. Das schafft Sicherheit.

Wünsche Dir viel Erfolg!

@Boxer92

Blöde Frage:
Taxifahren! Hast Du nichts gescheites gelernt ? Wenn nicht - HOLE ES NACH !

Wenn du viele Aufträge hast lohnt es sich auf jeden Fall und kannst auch ordentlich was machen mit, ist aber halt auch teilweise sehr stressig, jenachdem wie du planst.

Ansonsten musst du natürlich ein Gewerbe anmelden, bedenken solltest du aber auch das mit deinem Caddy das Unternehmen steht und fällt, also immer neben Versicherungen auch sonst etwas beiseite haben, denn wenn er dir mal ausfällt und du viele Aufträge hast siehts blöd aus.

Also Fahrzeugwartung ist kein Problem da habe ich genug Kontakte mit Werkstätten und vieles kann ich auch selber machen. Viele Aufträge wäre gut, aber bin ja nicht der einzige die Konkurrenz ist groß. Es soll einfach zum Leben reichen und damit man auch was zur Seite legen kann. Wenn es sich nicht lohnt lasse ich es lieber sein und mach was anderes.

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