Boden in Mietwohnung älter als ich?! Wer muss zahlen?

13 Antworten

Man geht im Mietrecht davon aus, dass ein PVC-Bodenbelag nach 10 Jahren Vermietung so verschlissen ist, dass ihn der Vermieter erneuern muss. Daher hat dieser Boden nach der doppelten Zeit auch keinen Zeitwert mehr. Soweit hat die Versicherung recht.

Ich sehe den Vermieter in der Pflicht auf seine Kosten einen neuen Bodenbelag zu verlegen und zwar mit folgender Argumentation :

Der Bodenbelag ist total überaltert, nicht mehr vollflächig verklebt und das Material spröde und rissig. Bei der Übergabe konnte man das anhand der Dellen schon erkennen. Alleine diese Tatsache stellt schon einen Mangel an der Mietsache dar.

Bei einem nicht versprödeten und sauber verklebten Belag wäre überhaupt kein Riss durch das Verschieben von Möbeln entstanden, bestenfalls vielleicht leichte Kratzer.

Die Genossenschaft kann dich unter diesen Umständen also nicht zwingen einen teuren Handwerker auf DEINE Kosten zu beauftragen.

Vielmehr machst du jetzt schriftlich per Einschreiben einen Mangel beim Bodenbelag geltend und forderst sie auf den Mangel bis z.B. bis 1.12.2012 abzustellen. Dann kann sie den Lieblings-Handwerker auf eigene Rechnung beauftragen.

Ein passendes Angebot liegt ja bereits vor ;-)

Hier ist klar, wer der Verursacher des Schadens ist. Du bist es nicht. Insofern kann der Vermieter von Dir nicht verlangen, dass Du einen neuen Boden auf Deine Kosten verlegen läßt oder diesen bezahlst. Die Haftpflicht Deines Freundes lehnt die Regulierung ab und zwar mit Recht, weil der Boden nichts mehr wert ist. Die Haftpflicht ist in dem Sinne wie eine Rechtsschutzversicherung. Sie bezahlt bei Haftpflicht und ist diese nicht gegeben, zahlt sie auch nicht. Du kannst Dich hinter die Position der Versicherung zurück ziehen und sagen, wenn die Versicherung das ablehnt, bin weder ich noch mein Freund noch haftbar zu machen. Soll doch der Vermieter bzw. die HV gegen die Versicherung klagen, die auch zuständig ist, unberechtigte Ansprüche abzuwehren. Sie werden zu hören bekommen, dass man für einen so lange bereits abgewohnten Boden keinen Ersatz mehr verlangen kann und wenn doch, muss wiederum die Haftpflicht einspringen.

Nach der Rechtsprechung sind Teppichböden nach 10 Jahren abgenutzt und mit der Miete abgegolten.


Teppich und Parkett

Ist die Mietwohnung mit Parkett- oder Teppichboden vermietet, ist der Vermieter für die Erneuerung der Fußböden verantwortlich, wenn diese verschlissen sind. Ausbesserungen oder gar der Austausch von Parkett- oder Teppichboden gehört nicht zu den Schönheitsreparaturen oder Renovierungsarbeiten, die per Mietvertrag auf den Mieter abgewälzt werden können. Das entschied nach Angaben des Deutschen Mieterbundes (DMB) das Oberlandesgericht Hamm (30ReMiet 3/90) zu Teppichböden und das Landgericht Köln (6 S 121/91) zu Parkettböden.

Weitere Gerichtsurteile zum Thema Teppich und Parkett hat der Deutsche Mieterbund zusammengestellt:

Schäden an Teppichböden, die nicht auf normalen Verschleiß oder übliche Abnutzung beruhen, wie z. B. Rotweinflecke, Brandlöcher, Hundeurinflecke usw. muss der Mieter beim Auszug ersetzen. Bei den Kosten für de Neuverlegung eines Teppichs gilt der Zeitwert (AG Dortmund 21 S 110/96).

Die Nutzungsdauer für Teppichböden liegt höchstens bei 10 Jahren (LG Köln 213 C 501/97).

Einen selbst verklebten Teppichboden muss der Mieter bei seinem Auszug entfernen. Es dürfen keine Klebereste zurückbleiben (LG Köln 1 C 45/77).

Der vom Vormieter verlegte Teppichboden gilt als mit vermietet, wenn nicht im Mietvertrag ausdrücklich etwas anderes vereinbart ist. Das bedeutet, der Vermieter muss den Teppichboden gegebenenfalls ersetzen und der Mieter muss bei einem Auszug den Bodenbelag nicht entfernen (LG Mainz 3 S 4/96).

Ein Parkettfußboden ist erfahrungsgemäß alle 15 -20 Jahre abzuschleifen und neu zu versiegeln. Ein PVC-Boden hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 9 -10 Jahren (LG Wiesbaden 1 S 395/90).

Was sagt das Mietrecht über einen bei Mietbeginn vorhandenen Teppichboden?

Ein zu Beginn des Mietverhältnisses vorhandener Teppichboden gehört nach aktuellem Mietrecht mit zur Mietsache, für deren gebrauchsfähigen Zustand die der Vermieter gemäß § 535 BGB in erster Linie verantwortlich ist.

So gehört beispielsweise der Austausch eines verschlissenen Teppichbodens mit zu den Instandhaltungs- und Renovierungsarbeiten, die der Vermieter je nach Zustand und Qualität des Teppichbodens in regelmäßigen Abständen durchführen muss.

Die Kosten hierfür darf der Vermieter dem Mieter nach einem Gerichtsurteil beispielsweise des OLG in Hamm (OLG Hamm RE WM 1991, 2) nicht auferlegen.

Ausnahme hier lediglich, wenn der Austausch des Teppichbodens aufgrund Beschädigungen erfolgen muss, die nicht auf eine normale Nutzung des Teppichbodens zurück zuführen sind. In einem solchen Fall ist der Vermieter dazu berechtigt, die entstehenden Kosten ganz oder Teilweise gegenüber dem Mieter geltend zu machen.

Da ein durch den Vermieter verlegter Teppichboden mit zur Mietsache gehört, ist der Mieter jedoch dazu verpflichten auch den Teppichboden pfleglich zu behandeln und auch in die regelmäßigen Schönheitsreparaturen mit einzubeziehen.

http://www.hausverwalter-vermittlung.de/blog/mietrecht-teppichboden/

@johnnymcmuff

DAS ist mal ne Antwort mit Quellen und Urteilen. DAS ließe sich auch gegen den Vermieter verwenden. DH.

Der soll sich an den Schädiger wenden, der legt dem dann das Schreiben der Versicherung vor. Und wenn der VM will kann er die dann verklagen.
Gleichzeitigt forderst du als Mieter den Schaden zu beseitigen, sonst minderst du die Miete

  1. nein. kommt auch drauf an wo er versichert ist. onlinekrams oder bei nem versicherungsbüro? dann soll dein kumpel nochmal zu seinem heini gehen und dem dampf machen, in der regel regt sich dann was!

2+3.kann ich nicht ganz genau sagen. im rahmen der zustandsbewertung und möglichen neuwerterstellung hilft schlimmstenfalls ein gutachten (wichtig hier:unabhängiger gutachter!)

  1. sprich offen den ansprechpartner der hausverwaltung an. sag dass du den schaden gemeldet hast, weil du keinen stress wolltest. frag nach einer einigungsmöglichkeit und mach gegenvorschlag/angebot. die lassen eigentlich immer mit sich reden, wenn du kein säumiger mieter warst. das hilft dann wiederum oft mit der verhandlung bei der versicherung. mit 50€ ist es allerdimngs nicht getan, auch bei pvc gibt es große unterschiede und wohnungsbaugesellschaften rechnen langfristig, daher auch der hoihe preis!

Danke für die Antwort.

Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass die so viel für einen 21 Jahre alten verschlissenen Boden verlangen können.

Außerdem: Das Angegebene Model, welches im Kostenvoranschlag gelistet ist, ist das, das 50 Euro kostet (im Baumarkt um die Ecke). Der Bodenverleger ist weit und breit bekannt dafür überteuert zu sein.

Trotzdem danke.

@aut0n0m

was du dir vorstellen kannst und was im versicherungsrecht abgeht, ist nen ganz großer unterschied. zeitwerte sind bei autos häufig der kapitalwert. bei gebäuden wird allerdings häufig der neuwert festgelegt! insbesondere bei gebäudeteilen, dazu gehört der boden. bei möbeln ist es wieder andersherum!

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