Wer zahlt Behandlungkosten bei Haftung innerhalb der Familie?

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Bei Verletzungen ist erst einmal die entsprechende Krankenkasse für die Behandlungskosten zuständig.

Bei Unfällen fragt sie allerdings nach dem Verursacher. Sie kann diesen Verursacher aber nur in Regress nehmen, wenn dieser haftbar ist.

Da Familienmitglieder (Versichertengemeinschaft) sich aber nicht gegenseitig haftbar machen können, gibt es auch keine Eintrittspflicht der PH.

Die Behandlungskosten verbleiben also bei der Krankenkasse. Spätfolgen für die verletzte Person wären nur über eine private Unfallversicherung gedeckt.

Danke. Das beantwortet meine Frage!

Da Familienmitglieder (Versichertengemeinschaft) sich aber nicht gegenseitig haftbar machen können

Natürlich können sie das grundsätzlich. Wenn meine Frau meine Spielekonsole zerstört könnte ich sie selbstverständlich auf Schadenersatz verklagen und würde diesen auch zugesprochen bekommen. Üblicherweise macht man das dann halt nicht...

Im Fall um den es hier geht, kann die Krankenversicherung vom Verursacher keinen Regress fordern, nicht weil dieser nicht haftet sondern weil das nach §116 Abs. 6 SGB X ausgeschlossen ist. Theoretisch könnte der Geschädigte selber (nicht dessen Krankenversicherung) Schadenersatz von seinem Familienangehörigen fordern und würde diesen auch erhalten. Er müsste dann jedoch die erhaltene Entschädigung an seine eigene Krankenversicherung erstatten, denn doppelt kassieren geht nunmal nicht.

Richtige Antwort, aber falsche Begründung

Für solche Fälle könnte man für die Familienmitglieder eine Unfallversicherung, Krankenzusatzversicherung, Pflegeversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Dazu sollte man sich aber von einem Versicherungsspezialisten beraten lassen.

Die Behandlungskosten zahlt natürlich die Krankenversicherung...

Wäre es dann nicht sinnvoller für jedes Familienmitglied eine eigene Versicherung abzuschließen anstatt einer Familienversicherung?

Wenn die Personen alle im selben Haushalt leben nützt es auch nichts, wenn jeder einen eigenen Vertrag hat. Der Ausschluss greift dennoch.

Um hier nochmal genauer drauf einzugehen, weil ich vermute, dass du das missverstanden hast:

Schäden zwischen Familienmitgliedern sind grundsätzlich NICHT ausgeschlossen.

Ausgeschlossen sind Schäden zwischen Personen die im selben Haushalt leben und/oder im Vertrag als mitversicherte Personen gelten.

Wenn du z.B. bei deiner Mutter zu Besuch bist (in deren Haushalt du nicht mehr wohnst) und dort einen Schaden verursachst, wird dieser von der PHV reguliert.

@Menuett

Und ist trotzdem relevant und wird erfahrungsgemäß regelmäßig falsch verstanden ("Bei Schäden zwischen Familienmitgliedern zahlt die Haftpflicht nicht").

Wieso zahlt die Behandlung die Krankenversicherung?

Ich dachte, die muss von demjenigen bezahlt werden, der den Unfall verschuldet hat.

Das wird doch immer also DER Grund angegeben, weshalb man unbedingt eine private Haftplficht braucht. Damit man, falls man einen Unfall verursacht, gegen die teils immensen Behandlungkosten versichert ist.

@tekkkka
Wieso zahlt die Behandlung die Krankenversicherung?

Weil das ihre Aufgabe ist...

Oder soll der Geschädigte die Kosten vorstrecken um dann irgendwann mal, wenn überhaupt, vom Verursacher die Kosten erstattet zu bekommen? Das wäre ja absurd, wenn sich die Krankenkasse so ihrer Verantwortung entziehen könnte. Das Vertragsverhältnis zwischen Krankenversicherung und Versicherten kann natürlich nicht vom einem Dritten beeinflusst werden.

ABER: Die Krankenversicherung (bzw. generell die Sozialversicherungträger), welche die Kosten vorstreckt kann diese als Regress vom Verursacher zurückverlangen (siehe §116 Abs. 1 SGB X)! Für die Absicherung gegen diese Ansprüche sollte man die PHV haben.

Diese Regressforderungen sind hingegen bei Familienangehörigen die im selben Haushalt leben ausgeschlossen (siehe §116 Abs. 6 SGB X)!

@tekkkka

Zuerst zahlt die Krankenversicherung. Wenn sie KANN, nimmt sie den Unfallverursacher in Regress. Das ist NICHT in allen Fällen möglich.

@tekkkka

Weil das die bestimmungsgemäße Funktion der Krankenversicherung ist, egal ob privat oder gesetzlich, Behandlungskosten laut Satzung bzw. Vertrag zu tragen (§ 1 SGB V bzw. § 192 Abs. 1 VVG).

Eigenversicherung immer vor Fremdversicherung!

Wenn mir Handwerker bei Arbeiten ein Rohr kaputt schlagen und meine Wohnung fluten bemühe ich auch zuerst meine Hausratversicherung und lass die sich dann mit der Betriebshaftpflicht der Handwerker rumschlagen.

Dass meine Hausrat mir meinen Kram zum gleitenden Neuwert ersetzt, entbindet den Schädiger nicht aus dessen gesetzlicher Haftung zum Zeitwert der Sachen (§ 823 BGB).

@tekkkka

Grundsätzlich stimmt das, dass da eine Haftpflichtversicherung notwendig ist, denn die krankenversicherung zahlt zwar zunächst, holt sich das Geld aber grundsätzlich vom Schadenverursacher zurück - es sei denn man ist miteinander verheiratet oder es ist ein Schaden am minderjährigen Kind. Da wird dann nichts von der Krankenversicherung gefordert. Das ist als Schutz der Familie gesetzlich so geregelt.

Zunächst einmal macht es keinen Sinn, dass Eheleute eine eigene Haftpflichtversicherung haben, denn in den Bedingungen der Haftpflichtversicherung sind Ansprüche von Familienangehörigen ausgeschlossen. Wenn also ein Ehepartner den anderen haftbar macht, reguliert die Haftpflichtversicherung den Schaden nicht, auch wenn separate Verträge bestehen.

Das ist aber auch nicht notwendig, denn die Familie genießt einen besonderen Schutz. Auch Schutz vor Schadenersatzansprüchen. Das Sozialgesetzbuch (SGB) schließt zum Beispiel Ansprüche gegen Ehepartner*innen aus, so dass Krankenversicherungen kein Geld von einem/einer Ehepartner*in für Behandlungskosten ... zurück fordern können.

Der Schaden am Fahrrad wird allerdings auch von keiner Versicherung bezahlt.

Problem ist, wenn das gleiche unter nicht verheirateten Paaren passiert. Denen wird nämlich von den meisten Versicherungen auch eine gemeinsame Haftpflichtversicherung angeboten. Hier müssen unverheiratete Paare unbedingt darauf achten, dass Ansprüche von Sozialversicherungsträgern gegen mitversicherte Personen mitversichert sind. Diesen Einschluss vom Ausschluss gibt es nur bei wenigen Versicherungen und er kann existenziell wichtig sein, wenn z.B. der in der Frage genannte Sturz vom Fahrrad so unglücklich ausgeht, dass der/die Stürzende einen komplizierten Bruch oder eine andere schwerere Verletzung davonträgt.

und dann die entstehenden Behandlungskosten von der Versicherung übernommen werden.

Nicht ganz.

Die Behandlungskosten des Geschädigten übernimmt erst einmal dessen Krankenversicherung. Wenn du diese jedoch schuldhaft (völlig unerheblich ob vorsätzlich oder fahrlässig) verursacht hast, nimmt dich die Krankenversicherung in Regress.

Gegen nicht vorsätzlich herbeigeführte Schäden (Körperverletzung) würde eine Privathaftpflicht diese Kosten übernehmen, ebenso evtl. Folgekosten, wie Verdienstausfall und evtl. auch eine Rentenzahlung wenn der Geschädigte Invalide würde oder berufsunfähig. Da kommen ganz schnell 6 bis 7 stellige Summen zusammen.

Es heißt aber auch, dass das nur für Dritte gilt und nicht für die mitversicherten Familienmitglieder.

Ist ja logisch. Wenn im gleichen Vertrag 3 Leute versicherte Personen sind und sich gegenseitig schädigen fehlt es am geschädigten Dritten. Schädiger und Geschädigter sind beides versicherte Personen des gleichen Vertrags.

Bleiben wir dann auf den Behandlungkosten sitzen?

Nein. Wie ich bereits sagte, die zahlt die Krankenversicherung und § 116 Abs. 6 SGB X schließt hier die Regressnahme aus.

Wäre es dann nicht sinnvoller für jedes Familienmitglied eine eigene Versicherung abzuschließen anstatt einer Familienversicherung?

Nein, weil auch unterschiedliche Verträge von Personen im gleichen Haushalt nicht gegeneinander leisten. Man zahlt also mehr ohne dadurch eine bessere Leistung zu haben. Totaler Schwachsinn.

Es sollte jeder für sich selbst auch die Notwendigkeit anderer Versicherungen eindringlich prüfen und sich beraten lassen:

  1. Berufsunfähigkeitsversicherung mit Krankentagegeld
  2. Zus. Pflegevorsorge
  3. Evtl. Unfallversicherung (hier vor allem Invaliditätsleistung)

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