Immobilienmakler - ab wann Provision?

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Ein ungewöhnlicher und schwieriger Fall.

Grundsätzlich entsteht die Provisionspflicht für den Nachweis der Immobilie auf der Basis eines Maklervertrags. Der Maklervertrag ist dabei meist kein umfangreiches Schriftstück, sondern wird ganz beiläufig geschlossen, zum Beispiel durch Zusendung des Exposés, in dem die Konditionen stehen, und anschließender Kontaktaufnahme mit dem Makler.

Wenn der Makler aber ein Objekt benennt, das ihr schon kennt, dann hat er es nicht nachgewiesen und keinen Anspruch auf die Provision. Üblicherweise sollte man dies dem Makler sofort mitteilen, das erleichtert den Beweis sehr.

Hier habt ihr aber nun den Makler angerufen, er hat euch das Objekt gezeigt usw. Darin könnte man ein Einverständnis sehen, das Vermittlungsangebot des Maklers anzunehmen, und die Provision wäre fällig.

Letztlich hängt es von den genauen Einzelumständen und der Nachweisbarkeit der Behauptungen ab, wer einen Rechtsstreit gewinnen würde. Ich würde euch angesichts des Betrages, um den es hier geht, empfehlen, anwaltlichen Rat hinzuzuziehen.

Ich möchte noch ergänzen:

Eine Formbedürftigkeit (etwa Schriftform) besteht grundsätzlich nicht.

Ein Maklervertrag kommt nicht zustande, wenn folgende Bedingungen VOR der Kontaktaufnahme alle erfüllt sind:

Der Käufer kannte das Objekt bereits vorher

UND

Der Käufer kannte die Verkaufsabsicht

UND

Der Käufer kannte den Verkäufer

Sofern auch nur eine Information durch den Makler bekannt gegeben wurde, kommt u. U. ein Maklervertrag zustande.

Problematisch wird es hier, da ein Besichtigungstermin mit dem Makler vereinbart wurde.

Ich stimme "ratirat" ausdrücklich zu, daß es sich hier um einen ungewöhnlichen und schwierigen Fall handelt, der aus der ferne nicht abschließend beurteilt werden kann.

Daher, sollte der Makler auf seine Provision bestehen, ist ein Rechtsanwalt einzuschalten, da der Einzelfall im Detail analysiert werden muß.

Hier habt ihr aber nun den Makler angerufen, er hat euch das Objekt gezeigt usw. Darin könnte man ein Einverständnis sehen, das Vermittlungsangebot des Maklers anzunehmen, und die Provision wäre fällig.

Das ist meiner Ansicht nach der zentrale Punkt. Ist aber auch eine lustige Idee, den Makler für sich arbeiten zu lassen, um hinterher zu sagen Ätschbätsch. Für die Verneinung des Provisionsanspruches hätten meiner Meinung nach ab der Feststellung, dass das Objekt bereits bekannt war, keine Leistungen mehr vom Makler abgefordert werden dürfen.

@TETTET

Im Prinzip richtig, allerdings wurde der Makler ja, wie dem Kommentar unten zu entnehmen ist, versehentlich angerufen.

Das könnte zum Beispiel eine Anfechtung begründen, wenn es denn überhaupt als Willenserklärung aufgefasst wird.

@Ratirat

Halte ich für nicht haltbar. Spätestens bei der Besichtigung dürfte klar geworden sein, dass es sich nicht um den Eigentümer, sondern einen Makler handelt, und auch da wurden keine Einwände erhoben, sondern erst jetzt, wo es ums Geld geht.

@ImmoprofiJL

Die Fallbeschreibung ist zu dürftig, um das mit Gewissheit zu sagen. Wir wissen nicht einmal, ob der Makler bei der Besichtigung zugegen war.

Eben wegen dieser vielen Details, die geklärt und bewertet werden müssen, ist der Anwalt angeraten.

@Ratirat

ich sehe das genau so.

Hallo!

Also hier das, was ich aus diversen Fernseh-Verbrauchermagazinen mitgenommen habe: Das fehlende Expose alleine bewirkt noch keine "Befreiung" von der Gebührenpflicht. Entscheidend ist, wer damals die Anzeige mitsamt Adresse geschaltet hatte. War es der Makler, so hat er euch "mitentscheidend auf das Objekt aufmerksam" gemacht - da macht es keinen Unterschied ob er die Adresse direkt ins Online-Expose schreibt oder erst auf Nachfrage mitteilt (ich bin momentan aber nicht sicher, ob nicht im Expose dann die Maklergebühr hätte aufgeführt sein müssen). Soll heißen: Makler schaltet Anzeige inklusive Adresse, ihr fahrt vorbei, trefft einen alten Freund, unterhaltet euch nett, werdet euch einig, lauft zum Notar - der Makler darf trotzdem kassieren! Hat aber der Eigentümer die Anzeige geschaltet die ihr angeschaut hattet (ihr habt den Ausdruck noch???) und ihr hattet bis zum Verkauf nie Kontakt mit dem Makler, dann könntet ihr tatsächlich drum rumkommen - lasst euch aber besser von Anwalt / Verbraucherschutz helfen, das ist glaub eine relativ spitzfindige Geschichte bei der man als "einfacher" Verbraucher viel zu schnell ins Messer läuft

Kurz zur Ergänzung, weil das glaub ich etwas missverständlich war: NICHT der Makler hat die Anzeige geschaltet, sondern WIR. Wir hatten in der zeitung nach einem Objekt gesucht. Der Makler hat sich darauf hin gemeldet und uns das Objekt angeboten, was uns schon vorher von privat angeboten wurde.

@Schnuff1976

Und noch eine Ergänzung: Wir haben das alte Expose, das der Eigentümer ins Internet stellte, noch. Darauf haben wir uns ja die ganze Zeit bezogen. Und der Eigentümer als Privatvermittler hatte keine damals keine Provision verlangt. Der Fehler unserseits war, dass ich nach über einem Jahr und unzähligen gesichteten Objekten nicht mehr wusste, dass die Telefonnummer, die ich an das Expose heftete, die eines Maklers war, und deshalb für den Besichtigungstermin den Makler anrief und nicht den Eigentümer selber.

@Schnuff1976

Aber bei dem Telefonat oder spätestens bei der nachfolgenden Besichtigung müsste sich doch ergeben haben, dass Sie nicht mit dem Verkäufer, sondern einem Makler sprechen. Spätestens dann wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, darauf hinzuweisen, dass Ihnen das Objekt bereits durch den eigentümer angeboten worden ist.

Hallo,

ein Provisionsanspruch des Maklers dürfte aller Voraussicht nach entstanden sein.

Zwischen Verkäufer und Makler kann ein konkludent entstandenes Vertragsverhältnis vermutet werden, denn beide haben sich so verhalten, als hätten sie einen Vertrag. Irgendwo muss der Makler ja Zugang zum Haus und die Schlüssel für den Besichtigungsstermin erhalten haben. Alternativ reicht es auch, wenn sich Verkäufer und Makler mündlich darauf geeinigt haben, dass der Makler das Objekt anbieten darf.

Sie selbst haben die Maklerdienste in Anspruch genommen und auch keinerlei Vorkenntnis angezeigt. Auch wenn der Makler die Provisionspflicht eventuell unzureichend ausgewiesen hat, so wird dennoch auch in der allgemeinen Rechtsprechung davon ausgegangen, dass jedem bewußt sein muss, dass Maklerdienste Geld kosten. Es geht ja auch niemand davon aus, dass man beim Bäcker die Brötchen geschenkt bekommt ;).

Fraglich ist durchaus die Höhe der Provision und hier gibt es auch Potenzial zur Verhandlung. Weisen Sie den Makler darauf hin, dass er sie nicht über die Provisionspflicht informiert hat und sie nicht bereit sind, 5% plus MwSt. zu zahlen, sondern maximal 3% plus MwSt..

Risiko gehen sie damit keines ein, der Makler kann den Verkauf an sich nicht verhindern, da der Kaufvertrag zwischen Ihnen und dem Verkäufer geschlossen wird. Der Makler ist hier keine eigene Vertragspartei, was seine Handlungsmöglichkeiten stark einschränkt.

Die Chancen dafür, die Provision runterzuhandeln, sehe ich als sehr gut an, da auch der Makler in einem Rechtsstreit etwas schwierig argumentieren kann, wenn er wirklich die Provisionspflicht Ihnen gegenüber nicht ausreichend dargelegt hat. Und wie ein Gericht dann entscheidet, steht in den Sternen, gut möglich, dass es dem Makler als Vergleich zwischen den Parteien auch nur eine verminderte Courtage zuspricht.

Die Chance, ganz ohne Courtage davonzukommen, sehe ich als recht gering an, und wenn man objektiv ehrlich ist, wäre das auch nicht richtig. Der Makler hat seine Leistung ja erbracht, wenn auch eventuell etwas leichtsinnig. Kann ja auch gut sein, dass er das Objekt mittlerweile im Netz hat mit Provisionsangabe und davon ausging, dass Sie auf ein solches Expose anrufen und somit die Courtagepflicht bekannt ist.

Ja, verzwickte Sache. Hier zeigt sich, Nachlässigkeiten können Geld kosten. Hättet ihr damals sofort reagiert und mitgeteilt, dass ihr das Objekt schon kennt.....kein Problem. Aber nun habt ihr auch noch seine Dienste mit einer Besichtigung in Anspruch genommen, das macht es schwierig. Aber einen Ansatzpunkt habe ich noch. Ein Makler ist verpflichtet, in seinen Angeboten ganz deutlich erkennbar zu machen, dass es sich um ein Angebot eines Maklers handelt. Nur mit der bloßen Angabe einer Telefonnummer auf Kunden- bzw. Adressenfang zu gehen ist eher nicht erlaubt. Wenn ihr dazu noch Beweise habt, ist das im Streitfall sicher von Hilfe. Bei Urteilen wurde meist ein Kundenschutz von ca. 1 Jahr als "angemessen" anerkannt, aber das kommt immer auf die entsprechende Konstellation an. Ist der Makler in der Provisionshöhe nicht verhandlungsbereit, dann hilft sicher ein Hinweis, dass man vom Kauf doch noch Absand nimmt. Eine rechtlich sichere Aussage kann man nicht treffen, da ein Richter meist die Gesamtsituation beurteilt.

Hallo, netter Versuch des Maklers. Es ist eindeutig! Wenn Ihr bereits vor der Makleranzeige das Objekt gekannt habt, dann geht der Makler leer aus. Wie hat er, nach dieser langen Zeit überhaupt davon erfahren? In standardisierten Maklerverträgen steht sogar, dass, wenn Ihr das vom Makler angebotene Objekt schon kennt, Ihr dieses dem Makler mitteilen müsst, damit ergibt sich dann, dass keine Vermittlungsgebühr anfällt.

Wie hat er, nach dieser langen Zeit überhaupt davon erfahren?

Steht im Text - der Fragesteller hat ihn angerufen.

Hier ist gar nichts eindeutig.

Erst die Frage sorgfältig lesen ... und dann, wenn man erkennbar keine Ahnung, nicht auch noch was schreiben.

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