darf der lehrer das burka tragen verbieten?

13 Antworten

Der Beschluss des Verwaltungsgerichts Osnabrück zum Verbot eines
Gesichtsschleiers im Unterricht ist rechtskräftig (2016).
Die übergeordnete Landesschulbehörde hat argumentiert, eine offene Kommunikation sei Voraussetzung für die Erfüllung des schulischen Bildungsauftrags. Dieser beruhe nicht nur auf dem gesprochenen Wort, sondern auch auf nonverbalen Elementen und der Körpersprache. Deshalb sei es erforderlich, dass die Gesichter der Schülerinnen erkennbar seien. Zudem müsse die Schule die Anwesenheitspflicht der Schüler überprüfen.

Das heisst, der Lehrer muss das gar nicht mehr verbieten; es ist längst schon verboten - rechtskräftig und in Deutschland allgemeingültig. Der Lehrer ist nur noch dazu verpflichtet, dieses Verbot durchzusetzen bzw. für die Durchsetzung zu sorgen.

Religionsfreiheit? Es gibt nicht mal ein Kopftruchgebot im Islam, geschweige denn ein Burkagebot. Religionsfreiheit heisst vor allem, dass Du glauben darfst, was immer Du glauben willst. Es heisst nicht, dass Du tun darfst, was immer Du willst. Persönliche Rechte enden immer dort, wo die Rechte und Interessen anderer Personen beginnen.

In schā'a llāh

sehr gut erklärt

Dieses Urteil gilt genau für diesen einen Fall. Für diese eine Schülerin an dieser einen Schule. Nicht an anderen Schulen, nicht für andere Schülerinnen.

Ein Schleierverbot stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit dar; die kann ein Verwaltungsgericht nicht allgemein aufheben.

@mmolthagen

Dieses Urteil gilt genau für diesen einen Fall. Für diese eine Schülerin an dieser einen Schule.

Das ist richtig. Nichtsdestotrotz beinhaltet es eine klare Aussage, nämlich die, dass die Religionsfreiheit hinter dem Bildungsauftrag des Staates zurückstehen muss. Und um den Bildungsauftrag zu erfüllen, ist die offene Kommunikation zwingend erforderlich. Diese Aussage, die auch die h.M. darstellt,  kannst du 1:1 auf vergleichbare Fälle übertragen.

Kannst du mir darlegen, wie ein Burkatrageverbot überhaupt die Religionsfreiheit beeinträchtigen kann? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Religionsfreiheit mittlerweile als bequemes Argument für jegliche Art von Selbstverwirklichung herhalten muss. 

@furbo

Zumal weder Kopftuch noch Gersichtsschleier im Quran gefordert wird.

Danke für die Klarstellung. @furbo

Das ist momentan noch eine Grauzone. Er kann es verbieten. Denn unter der Burka kann jeder sein, da man ja "nur" die Augen sieht.

Für den Lehrer ist sehr sinnvoll die Mimik und Gestik des Schülers zu sehen, wenn dieser etwas nicht versteht.

Das betrifft vor allem die Prüfungen, Tests, Klausuren. Hier muss man die Schülerin sehen, die daran teilnimmt - ansonsten wäre das Betrug.

Deswegen gibt es ja auch ein Berufsverbot für blinde Lehrer...

Nein, gibt es natürlich nicht.

Und niemand kann anhand der Mimik erkennen, ob jemand etwas verstanden hat oder nicht. Wir können z.B. auch die Mimik eines Menschen, der in einem ostasiatischen Kulturkreis aufgewachsen ist und die dortige Mimik erlernt hat, nicht verstehen. Mimik wird nämlich größtenteils erlernt (Ausnahme: Naserümpfen, ein evolutionäres Überbleibsel unserer Affen-Vorfahren). 

Die Mimik eines Menschen deuten wir zu weniger als 50 % korrekt - ebenso gut könnten wir eine Münze werfen. Damit hätten wir bessere Trefferquoten, wenn wir etwa herausfinden wollen, ob jemand etwas verstanden hat oder nicht.

@mmolthagen

Das mag sein, Kernaussage bleibt aber: Unter der Burka kann sich jeder verstecken. Und wir, in diesem Fall die Lehrkraft, kann nicht beurteilen ob das die richtige Schülerin unter der Burka ist oder nicht.

 

@SirPeterGriffin

Richtig... und ein Beispiel aus meinem Berufsalltag. Bei einer Grenzkontrolle an einem großen deutschen Flughafen zwang ich eine verschleierte Frau dazu, den Schleier abzunehmen. Und - große Überraschung - sie war nicht die, die sie vorgab. Sie wurde festgenommen. 

@mmolthagen

Ob wir die Mimik eines Menschen korrekt oder weniger korrekt beurteilen (können), hängt in jedem Fall vom Beobachter ab.

Tatsache ist, dass ein Mensch verbal und nonverbal kommuniziert. Der Anteil des Nonverbalen ist wesentlich höher als der des Verbalen. Das ist in jedem Kulturkreis so. Und nicht jeder Kulturkreis benutzt ausschließlich nur in diesem  Kulturkreis verständliche nonverbale Kommunikation. 

Mit der Burka wird in jedem Fall eine wichtige Kommunikationsebene abgeschnitten. Das kann und muss der Lehrer nicht hinnehmen. Zur Erfüllung des Lehrauftrages muss daher die Burka hinter dem Lehrauftrag zurückstehen. 

der Lehrer kann das natürlich verbieten. Es gibt in der Schule Bekleidungsvorschriften, an die musst du dich natürlich halten

Es geht hier nicht um Bekleidungsvorschriften, es geht um die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit.

Über die kann sich eine Schule nicht mal eben hinwegsetzen, solange der Schulfriede nicht gestört ist.

@mmolthagen

Man kann aber nicht unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit jedes abweichende sozialschädliche Verhalten rechtfertigen oder erlauben. Auch die Religionsfreiheit hat Grenzen. 

@mmolthagen

Und die bedeutet, das jede(r) glauben darf an wen oder was er will und dafuer nicht verfolgt oder bestraft wird. Es bedeutet aber nicht , dass man jeden noch so dummen Bloedsinn unter dem Deckmaentelchen der "Religionsfreiheit" durchfuehren darf.

Nein, das darf er nicht. Das wäre ein nicht zulässiger Eingriff in die vom Grundgesetz (Artikel 4) garantierte Religionsfreiheit.

Ausnahme: Es liegt eine Störung des Schulfriedens vor. Dann kann er disziplinarisch vorgehen (bis hin zum Schulverweis).

Kommentar von

HALO77HALO

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vor 1 Min

Und die bedeutet, das jede(r) glauben darf an wen oder was er will und dafuer nicht verfolgt oder bestraft wird. Es bedeutet aber nicht , dass man jeden noch so dummen Bloedsinn unter dem Deckmaentelchen der "Religionsfreiheit" durchfuehren darf.

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@HALO77HALO

Leider falsch.

Artikel 4 GG ist ein Abwehrrecht des Bürgers gegen Maßnahmen des Staates, die in sein Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung eingreifen. Es ist also ein Gesetz, in dem der Staat sich selbst eine Beschränkung auferlegt.

Dieses Recht hat, da Art. 4 GG keinen Gesetzesvorbehalt kennt, nur da Schranken, wo die Grundrechte Dritter und Grundwertungen der Verfassung diese und somit ein Eingreifen des Staates erfordern.

Sich mit solchen Dingen zu beschäftigen ist eigentlich töricht. Man wundert sich, denn der Blick auf den Kalender zeigt, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Eine Drag Queen legt der Bundeskanzlerin die Hand auf die Schultern, und Angela Merkel zupft an den Fransen ihrer Kluft. Es gibt Religionsfreiheit, Schulregeln, Richtersprüche, allgemeine Gesichtspunkte und spezielle Gesichtspunkte. Natürlich muss Unterricht an einer Schule möglich sein aber manchmal setzen sich auch Vernunft, Besonnenheit, Pragmatismus und Intelligenz durch (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Schuelerin-darf-Niqab-trotz-Verbot-tragen,niqab104.html). Es ist ein Kennzeichen unserer Zeit, dass Knallköpfe jedweder Provenienz, belanglose Dinge zu etwas hochstilisieren. Die Strategie des Stänkerns und Sabotierens ist immer schon ein Kennzeichen von Giftzwergen gewesen, die sonst nichts zu tun haben oder leisten.

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