Zweimal Kirchensteuer? Evangelisch + Jüdisch?

12 Antworten

Der Ursache für das Durcheinander liegt offensichtlich weder bei der jüdischen Gemeinde, noch bei der ev. Kirche, sondern bei dir bzw. deinen Eltern. - Spätestens mit deiner Taufe in die evangelische Kirche hinein hättet ihr deinen Austritt aus der jüdischen Gemeinde erklären sollen. Dann wäre das nicht passiert. Aber so ist es eben, wenn man sich nicht kümmert und die Dinge einfach laufen lässt.

Jetzt solltest du mit der der jüdischen Gemeinde Kontakt aufnehmen und den Vorgang schildern um nach einer gerechten Lösung zu suchen. Jedenfalls kann "die ev. Kirchensteuer" und auch die "jüdische Kultussteuer" erst von dir verlangt werden, ab dem Zeitpunkt deines Einkommens und wenn das Einkommen einen bestimmten, vom Personenstand abhängigen Mindestbetrag übersteigt. Für Zeiträume vor deinem eigenen Einkommen kann meines Wissens nach deutschem Recht keine Nachforderung erhoben werden. 

Wenn du dann den selbst verschuldeten "Salat" etwas geordnet hast, solltest du zu deiner Gemeindeverwaltung (in manchen Bundeländern ist auch das Amtsgericht zuständig) gehen, um dort dann offiziell deine Austrittsformulare - vermutlich für beide Glaubensgemeinschaften auszufüllen. Nimm Ausweis und am besten auch die Nachweise für deine seitherigen Mitgliedschaften mit und vergiss' auch nicht deine Geldbörse. - Die Gemeinden verlangen für diese Amtshandlungen nämlich Gebühren.   

Im Zweifelsfall zum örtlichen Rathaus Deines Wohnsitzes gehen und nachfragen, wo Du aus der einen oder anderen Religion austreten kannst. Sofern Du zum Amtsgericht kannst, um dort Deine Konfession zu ändern, kann es sein, dass dieser Austritt kostenlos ist (so war es bei mir). Geht dies nur über das Standesamt, wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr fällig, die unterschiedlich hoch ausfallen kann - je nach Bundesland.

Ansonsten ist die Antwort von dandy100 schon sehr gut.

Wenn Du bei der evangelischen Kirche angestellt bist solltest Du erst mal vorsichtig abtasten wie Dein Arbeitgeber zu einem Kirchenaustritt steht denn es kann durchaus sein dass er Dir deswegen kündigt. Darf er laut Europäischem Gerichtshof. Du zahlst da Kirchensteuer. Diese wird Dir vom Finanzamt abgezogen - vertreten durch das Personalbüro - und an die Kirche abgeführt. 

Wenn die jüdische Gemeinde sich an Dich wendet verlangt sie von Dir den Zehnten. Der Zehnte kann keine Kirchensteuer sein. Kirchensteuer wird im Konkordatsrecht geregelt, der Zehnte in der Bibel. Hier in Deutschland können sich Glaubengemeinschaften zu Körperschaften des öffentlichen Rechts zusammen schließen, diese anmelden und dann werden sie wie die im Konkordatsrecht genannten christlichen Glaubensgemeinschaften behandelt - wenn sie wollen und so vereinbart haben. Wie hoch der Zehnte festgesetzt wird - liegt tatsächlich an der Auslegung. 

Offiziell kannst Du den Zehnten wie gefordert zahlen. Du kannst es auch einfach lassen und der jüdischen Gemeinde mitteilen dass Du ja schon länger getauft bist.... . 

Aber bitte:

Erkundige Dich ZUERST VORSICHTIG beim Arbeitgeber wie er zu einem Kirchenaustritt steht. Denn es macht keinen Sinn auf diese Weise den Arbeitsplatz zu verlieren. 

Und ja: Offiziell kannst Du in D nur einer Glaubensgemeinschaft angehören. Also gegenüber Behörden. Da aber offensichtlich die jüdische Gemeinde bei Dir vor Ort nicht vertraglich mit dem Finanzamt verbandelt ist wird es nicht an dieser Stelle auffallen wenn Du auch die jüdische Gemeinde besuchen solltest. Es könnte allerdings Deinen AG stören. 

Seit 2003 ist die Jüdische Kirchensteuer im Staatsvertrag geregelt. Der Staat bezahlt jährlich garantiert 3 Millionen Euro. Für die seit 2015 erstmals <100.000 Gemeindemitglieder.

Wenn du aus dem Judentum offiziell nicht ausgetreten bist, werden diese mit erstem Gehalt bzw. auch nachträglich auf den zusätzlichen Zehnten berufen. Hier hilft nur ein Austritt. Besser ist hier das Einwohnermeldeamt. Da du auch hierfür eine Bestätigung bekommst. Die Sorgfältig aufbewahren!

Nach 10 Jahren spätestens werden diese Unterlagen vernichtet. Und sowohl im Judentum als auch den Austritt bei der Evangelischen Kirche wirst du nicht mehr nachweisen können! Dann stellen die wieder Forderungen an dich!

Beim Amtsgericht werden Akten nur für das Verfahren bzw. bis zu 6 Jahre aufbewahrt und danach vernichtet! Dann bekommst du beim Nachweisen deines Austrittes in jedem Fall ein Problem!

Tipp: Wenn du eine Vollzeitstelle bei der Evangelischen Kirche hast, dann tritt zum Stellenerhalt niemals aus! Denn bei der nächsten Kürzung bist du nach Sozialplan der erste der Gekündigt wird! Auch wenn das dem Chef ersmal nix ausmacht!

Außerdem unterhalte dich auch privat nicht mit Zeugen Jehovas. Auch das, ist für die Evangelische Kirche sofort ein Kündigungsgrund!^^

Kirchensteuer fällt als Evangelikaler 8% in Bayern & Badem-Würtemberg und 9% in den restlichen Bundesländern an. Ebenfalls auch die Kirchliche Kapitalertragssteuer (gleiche Prozentsätze). 

Für Grundstückseigentum sind dann nochmals 10% fällig.

Frag beim Finanzamt nach, da bekommst Du wohl die sicherste Auskunft; die werden Dir genau sagen, wofür Du Steuern zahlen musst und wofür nicht.

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