Meine an Demenz erkrankte Großmutter beging Diebstahl - was nun?

10 Antworten

Hallo. Rechtliche Hilfe kann ich dir leider nicht anbieten. Als ehrenamtlicher Demenzbetreuer kann ich dir aber sehr wohl einiges erklären. Deine Oma wird, wie es in den meisten Fällen üblich ist, der Meinung und festen Überzeugung sein bezahlt zu haben. Insofern liegst du mit deiner Meinung, daß ihre Krankheit schuld ist, völlig richtig. Wenn die Großmutter seit etwa 3 Jahren an Demenz leidet,  ist zu raten bei der Pflegeversicherung einen Antrag auf Verschlimmerung zu stellen. Nach drei Jahren hat sich der Zustand einer an Demenz erkrankten Person erfahrungsgemäß um eine Stufe verschlechtert. Beim Discounter würde ich das Gespräch mit dem Filialleiter suchen um ihm den Zustand deiner Oma zu erklären. Eventuell die Bescheinigung der Pflegeversicherung / des Arztes mitnehmen. Ein sehr wichtiger Aspekt sollte das Verständnis der Mitmenschen gegenüber dieser Krankheit sein. Sollte der Filialleiter bzw. Filialleiterin kein Verständniss zeigen, dann darf er ruhig daran erinnert werden, daß von dieser Krankheit etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Tendenz rasch steigend. Vor einigen Jahren betraf es die über 65 jährigen, mittlerweile sind 50 jährige und jünger keine Seltenheit mehr. Betreffen kann es Jeden. Eine Heilung gibt es (noch) nicht. Nur Linderung. Die Oma sollte dringend eine Betreuungsperson ernennen, die in Zukunft ihre Interessen vertritt. Dann ist zumindest für den Wiederholungsfall eine Anzeige bzw. rechtliche Folgen abgemildert. Noch kann man ihr das im ruhigen erklären. Die Großmutter ist in ihrer eigenen Welt gefangen und daher (von ihrer Warte aus gesehen) vollkommen im Recht. Es handelt sich nicht um eine Blockade oder Altersstarrsinn. Demenzkranke erleben das alles in echt. Wütend sein und Recht haben wollen ist der Gesprächskiller Nummer eins bei Demenzkranken. Die Großmutter gegen Straftaten immun zu machen brauchst Du nicht. Sie ist weder ein Straftäter noch ein schlechter Mensch. Sie ist krank. Was ihr machen könnt? Lernt diese Krankheit verstehen. Es gibt für Angehörige kostenlose 20 stündige Kurse, die Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und ähnliche Organisationen anbieten. Bezahlt werden sie von der Pflegeversicherung. Dann würde ich der Großmutter eine Kopie des Personalausweises mitgeben. Nicht das Original! In die Kopie per PC dick das Wort Demenz eingeben. Mittlerweile ist das bei der Polizei ein bekanntes Erkennungsdetail wenn sie zu solchen „Straftaten" gerufen wird. Und die Menge Geld im Portemonnaie auf ein Minimum reduzieren. Es ist auch keine Schande, die Nachbarn bei passender Gelegenheit über die Demenz der Oma zu unterrichten. Toleranz kann hier von den Ausenstehenden durchaus verlangt werden. Nun drücke ich eurer Familie die Daumen und hoffe euer Rechtsanwalt zeigt sich als Mensch und verlangt nicht mehr Lohn für seine Arbeit, als Ihr Strafe löhnen sollt.

Die Straffähigkeit für psychisch kranke und "Schwachsinnige" (steht so im Gesetz!) ist im §20 StGB ausgeschlossen. Demenz ist aber ein schleichender Porzess, so dass hier eine richterliche Würdigung erforderlich sein dürfe und nicht von einer pauschalen Schuldunfähigkeit ausgegangen werden muss.

Klare Verhältnisse bekommt ihr, wenn ihr Oma gerichtlich unter Betreuung stellen lasst. Dann ist die Schuldfähigkeit keine Frage mehr, aber der Betreuer (ihr?) haftet dann wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.

Anwaltskosten scheinen im Rahmen zu sein - auch wenn es hier eine Schieflage zur möglichen Strafhöhe gibt.

Wie soll denn ein Richter Demenz würdigen? Ist der auch noch Arzt? Oder soll er zur Familie nach hause kommen und die Aussetzer des Kranken zählen oder mitgehen zum Einkaufen, um rauszukriegen, ob die Kranke jeweils wußte was sie tut oder nicht oder ob es jedesmal anders ist? Der Richter kann allenfalls die ärztlichen Atteste würdigen.

Aber sie ist doch in dem Sinne nicht mehr geschäftsfähig? Sie ist geistig auf dem Stand eines Kindes, dass muss ich leider so sagen.

Die Einrichtung einer Betreuung führt also zur Schuldunfähigkeit? Eine ziemlich gewagte These. Zumal viele Betreute sogar noch geschäftsfähig sind.

Sie ist schuldunfähig, daher droht ihr keine Strafe. Allerdings muss sie die Ware natürlich herausgeben! (Sollte aber selbstverständlich sein)

Die Demenz muss ja von einem
Arzt festgestellt worden sein, von dem würde ich auch eine Bescheinigung darüber fordern, das ist das einzige was du brauchst.

Kommt ein Erkrankter aufgrund der Auswirkungen der Demez mit dem Gesetz in Konflikt, stellt sich die Frage, ob er für die Straftaten verantwortlich gemacht werden kann. Das deutsche Strafrecht beruht in Übereinstimmung mit dem Menschenbild des Grundgesetzes auf dem "Schuld- und Verantwortungsprinzip". Wer ohne Schuld handelt, kann nicht bestraft werden.

Im deutschen Strafgesetzbuch wird die Schuldunfähigkeit als
wichtigster Strafausschließungsgrund geregelt (§§ 19, 20 und 21 StGB).

Nach § 20 StGB handelt ohne Schuld, "wer bei Begehung der Tat wegen
einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tief greifenden
Bewusstseinsstörung (...) unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen
oder nach dieser Einsicht zu handeln".

Schuldunfähig kann also sein, wer im Moment der Tat nicht das Schuldhafte seines Handelns erkennt oder nicht in der Lage ist, sich zu steuern. Ist ein Demenzkranker nicht in der Lage zu erkennen, dass beispielsweise das Entwenden von Gegenständen verboten ist, dann handelt er ohne Schuld und darf nicht bestraft werden.

Die Schuldunfähigkeit wird überprüft werden müssen - dazu wird das Gericht ggf. ein Gutachten anfertigen lassen (Es könnte zunächst ein ärztliches Attest genügen um die Schuldunfähigkeit dem Gericht anzuzeigen - der Rechtsanwalt dürfte schon wissen, wie vorzugehen ist).

"Gibt es denn keine Möglichkeit davor Sie gegen diese Straftaten 'immun' zu machen"

NEIN - sie ist krank!!!

"Jegliches Erklären und Bewusstmachen der Tat stößt bei meiner Großmutter auf eine Art 'Blockade'"

Diesen Aufwand kann man sich sparen - sie ist krank und daher sachlichen Argumenten nicht mehr in vollem Umfang zugänglich

Der Umgang mit Demenzkranken ist für die Angehörigen eine enorme Belastung - auf Dauer (ggf. Jahre oder jahrzehntelang - die Dauer der Intensiv-Pflege steigt enorm an) ist es unzumutbar, sich um demente Angehörige intensiv ohne fachliche Hilfe von außen zu kümmern - wer glaubt, daß er das schaffen könnte, läuft in die Gefahr, selbst durch Überforderung krank zu werden - zudem werden Demenzkranke bei weiter voranschreitender Erkrankung auch eine Gefahr (z. B,. Herd --> Feuergefahr etc.).

Moralische Selbstverpflichtungen sind völlig fehl am Platz - es gilt auch, sich selbst zu schützen und seine eigene Gesundheit nicht auf´s Spiel zu setzen.

Im Moment mag es noch einigermaßen gehen, aber letztendlich ist es ratsamer, die Oma in einem Pflegeheim unterzubringen sobald sich der Zustand weiter verschlechtert.

Mit einer ärztlich diagnostizierten Demenz ist die Oma nicht schuldfähig. Das solltet Ihr bei einer Anhörung vortragen und mit einem Attest belegen.

Den Anwalt könnte man sich dann sparen und es wird auch keine Strafe geben.

Die Oma ist einfach nicht mehr in der Lage, den Sachverhalt zu erfassen.

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