Was darf ein Ausbilder eigentlich alles von dem Lehrling verlangen?

5 Antworten

Nein, das darf der Ausbilder NICHT. Die Arbeitszeiten sind bei Azubis und v.a. bei Minderjährigen strenger geregelt als bei "normalen" Arbeitnehmern. Die Berufsschule ist wesentlicher Teil der Ausbildung und der Ausbilder hat den Azubi hierfür freizustellen. Samstagarbeit müsste man schauen, ob die Firma normalerweise 5 oder 6 Werktage hat - aber bei Samstagarbeit gibt es dann einen Ausgleichstag unter der Woche.

Der Lehrling sollte sich unverzüglich mit dem Klassenlehrer an der Berufsschule und der zuständigen IHK in Verbindung setzen. Wenn ein Betrieb so eklatant gegen die Vorschriften verstößt, bekommt er wahrscheinlich die Ausbildungserlaubnis entzogen.

Dieser "Ausbilder" ist völlig ungeeignet und missachtet sowohl das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) wie auch das Berufsbildungsgesetz (BBiG).

Die einstündige Pause bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden ist im § 11 JArbSchG festgelegt und nicht verhandelbar (geschweige denn anzuordnen).

Wenn der Azubi von Montag bis Freitag arbeitet, darf der AG keine Samstagarbeit verlangen (§ 16 JArbSchG). Dies geht nur wenn der Azubi nach § 16 Abs. 2 Samstags arbeiten darf und dafür an einem anderen, berufsschulfreien Arbeitstag als Ausgleich "frei" bekommt.

Was die Berufsschule anbelangt sollte sich der Ausbilder mal den § 15 BBiG genau durchlesen. Hier steht dass der Ausbildende den Azubi für die Teilnahme am Berufsschulunterricht und an Prüfungen freizustellen hat.

Der Ausbildende hat sicherzustellen dass der Azubi den Unterricht besucht und nicht dies zu verhindern. Außerdem sind die Freistellungszeiten auf die betriebliche Ausbildungszeit anzurechnen.

was kann der Lehrling dagegen tun?

Hat der Azubi schon mal mit dem AG gesprochen? Gibt es einen Betriebsrat, evtl. auch eine JAV? Wenn ja, dort unbedingt mal vorbeischauen. Ein Gespräch mit der zuständigen Kammer und dem Vertrauenslehrer der Berufsschule (die der Azubi besuchen muss) wird auch nicht schaden.

Geht es den anderen Auszubildenden denn genau so? Wenn ja, was wird unternommen um die Prüfungen zu schaffen wenn z.B. die Berufsschule nicht besucht wird? Wenn nein, schon mal nach dem Grund gefragt?

Vor beginn der Lehre muss jede/jeder einen Lehrvertrag unterschreiben. Dort ist alles geregelt. Darin festgehalten ist unter anderem, wie viel Pause am Tag bezahlt ist, wie oft er zur Berufsschule gehen muss und ob er am Wochenende eingesetzt werden darf. 

Fall eine der Regelungen nicht im Vertrag ist, kann man sie auch im Reglement vom Unternehmen finden.

Sowohl der Lehrling, als auch der Ausbilder muss diese Regelungen einhalten, da beide den Vertrag unterschrieben haben. Die Berufsschule ist Teil der Ausbildung und somit obligartorisch, also kann sie der Ausbilder auch nicht verbieten. Der Lehrling hat das Recht so lange Pause zu machen, wie im Vertrag steht. Am Wochenende Arbeiten muss er nur wenn das im Vertrag steht.

Über die Rechte und Pflichten des Lehrlings sollte der Ausbilder eigentlich Bescheid wissen, was hier anscheinend nicht der Fall ist. Man sollte ihm mal in einem Gespräch darauf aufmerksam machen.

Diesseits wird ihm empfohlen, sich an die Gewerkschaft zu wenden. Es ist einem Ausbilder untersagt, sich über feststehende Gesetze und Verordnun-gen hinwegzusetzen. Dafür geht mir jedwedes Verständnis ab.

Dein Freund sollte sich einen Anwalt nehmen und eine andere Ausbildungsstelle suchen.

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