Wonach richtet sich, wann Faschingsdienstag ist?

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Dieses Jahr haben wir insofern eine ganz besondere Situation, dass die ganze Situation extrem knapp ist und wir deshalb fast den spätestmöglichen Termin für Ostern und Aschermittwoch bekommen.

Die Astronomen rechnen da ganz genau in Stunden, Minuten und Sekunden. Am 20. März dieses Jahres ist der Vollmond um 22:48 Uhr. Dann steht der Mittelpunkt des Mondes exakt 180° gegenüber der Sonne. Frühlingsbeginn ist aber erst um 22:58. Dann passiert die Mitte der Sonne den sogenannten Frühlingspunkt. Der Frühlingspunkt liegt am Schnittpunkt zwischen Ekliptik (= Sonnenbahn) und dem Himmelsäquator. Deshalb zählt dieser Vollmond wegen 10 Minuten "Verspätung" noch nicht als erster Vollmond nach Frühlingsbeginn.

Der nächste Vollmond ist dann am 18.04. Der zählt dann als erster Frühlingsvollmond. Das ist ein Donnerstag. Der nächste Sonntag, der darauf folgt ist der 21.04 und deshalb ist das der Ostersonntag.

Aschermittwoch ist immer 6 1/2 Wochen vor Ostersonntag (46 Tage) und das ist dann der 6. März.

Wäre der Mond um eine viertel Stunde schneller, würde er schon als erster Frühlingsvollmond gelten und es würde sich alles um 4 Wochen nach vorne verschieben. Dann wäre Ostern am 23. März (Sonntag) und Aschermittwoch wäre schon am 6. Februar gewesen.

Landläufig ist Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Aber soweit ich weiß, hat trotzdem eine Formel Vorrang, die diesen Tag berechnen soll, aber nicht perfekt ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Osterdatum

@ThomasJNewton

Oha, die Computistik, also die Wissenschaft von der Kalenderberechnung, ist ein Thema für sich, auf dem ich selber rumforsche.

Die Hauptprobleme bestehen darin:
1) Die verschiedenen existierenden Kalender ineinander so umzurechnen, dass insbesondere bei der Jahreszählung keine Fehler entstehen.
2) Den Jahresbeginn so festzulegen, dass keine Verschiebung gegenüber den realen astronomischen Zyklen entsteht.
3) Den Frühlingsbeginn auf den Tag zu legen, wann die Sonne im Frühlingspunkt steht.
4) Den Ostertermin festzulegen, weil sich nach dem viele andere Feiertage wie Aschermittwoch, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag sowie Fronleichnam richten.

Dabei gib es immer drei Stufen:
1) Definition des Sollwertes. Das ist noch relativ einfach. Um einfach zu bleiben habe ich mich in meiner Antwort oben auch auf die Betrachtung des Sollwertes bezüglich Ostertermin beschränkt. Der Ostertermin ist in der Tat seit der Antike bis heute unverändert so definiert: "Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond."
2) Vorausberechnung des Eintreffens der Haupttermine auf der Basis astronomischer Zyklen, insbesondere von siderischem Jahr, Lunarmonat, siderischem Tag, Mentonzyklus des Mondes.
3) Beobachtung des tatsächlichen Eintreffens, um daraus gegebenenfalls Korrekturen gegenüber den Berechnungen durchführen zu können. Das Problem zwischen Berechnung und Realität liegt vor allem darin, dass die astronomischen Zyklen zwar ziemlich genau bekannt sind, aber bei der genaueren Beobachtung bzw. Messung aufgrund verschiedener Umstände dann letztlich doch unvorhersehbaren kleinen Schwankungen unterliegen, die sich teils auch nur im Sekundenbereich abspielen. Zuständig für die Messungen ist eine Unterorganisation der Internationalen Konferenz für Maße und Gewichte, das Consultative Committee for Time and Frequency (CCTF), in dem viele internationale Forschungsinstitute zusammengeschlossen sind und zu denen auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) gehört. Für die praktische Umsetzung in Form von weltweit gültigen Erlassen ist der Internationale Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (IERS) zuständig, der seinen Verwaltungssitz in Frankfurt beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) hat.

Zu den einzelnen Fixpunkten des Kalenders:

1)Jahreszählung
Insbesondere bei der Umrechnung antiker und mittelalterlicher Kalender/Daten in den heute gültigen Kalender gibt es nach wie vor ungeklärte Unsicherheiten. Die Umrechnung des römischen Kalenders in den heutigen Kalender erfolgt immer noch nach der Regel, die Dionysius Exiguus im Jahre 525 aufgestellt hatte, als er den christlichen Kalender "Anno Domini" einführte und die Geburt Jesu in das Jahr 1 legte. Schon damals vermuteten andere Computisten, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zuginge, ohne aber nachweisen zu können, was genau. Insofern gibt es heute immer noch Raum für Verschwörungstheorien wie z.B. 300 "verlorene Jahre" im Mittelalter oder diverse unterschiedliche Theorien über das Geburtsjahr Jesu. Genau hier liegt auch mein Forschungsschwerpunkt, diese Wissenslücke endlich zu füllen. Die Astronomen umgehen dieses Problem dadurch, dass sie sich mit dem sogannten julianischen Datum (nicht mit dem Julianischen Kalender zu verwechseln) völlig von allen Kalendern gelöst haben und nur noch Tage zählen, wobei sie den Nullpunkt ihrer Zählung auf den 1. Januar 4713 v.Chr., 12:00 gelegt haben.

2) Jahresbeginn.
Der julianische Kalender (von Julius Caesar eingeführt) berücksichtigte mit seinen Monatslängen und Schaltregeln sehr gut das effektive Sonnenjahr. Durch verschiedene Manipulationen in der Römerzeit wurde der aber immer ungenauer und das Kalenderjahr verschob sich immer mehr gegenüber dem astronomischen Jahr. Dieser Mangel wurde mit der Gregorianischen Kalenderreform beseitigt. Es bestehen aber immer noch Ungenauigkeiten, sodass im vergleich zwischen astronomischen Messungen mit der Atomuhr eventuell beim Jahreswechsel Schaltsekunden eingefügt werden, um die Synchronität sicherzustellen.

3) Frühlingsbeginn
Dieser kann relativ langfristig vorhergesagt werden, aber auch diese Berechnungen werden laufend durch entsprechende Messungen überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Hier spielen die jährlich von der NASA herausgegebenen und sekundengenau neu berechneten Ephemeridentafeln eine entscheidende Rolle.

@ThomasJNewton

4) Ostertermin
Theoretisch könnte man den Ostertermin so feststellen, wie ich es gemacht habe, also mit Hilfe eines Planetariums, das auf den Ephemeriden der NASA beruht. Das wäre relativ exakt und haut ja auch dieses Jahr genau hin. Das macht man aber deshalb nicht, weil es leistungsfähige PCs, die das können, noch nicht so lange existieren und man letztlich schon seit der Antike nach Möglichkeiten sucht, Vorausberechnungen für jedermann nachvollziehbar auf dem Papier durchführen zu können. Pionier dafür war im Bereich der römischen Kirche Dionysius Exiguus, der zu seiner Zeit (525) renommierteste Astronom und Mathematiker. Der erstellte basierend auf den alexandrinischen Berechnungen eine Formel zur Berechnung der Ostertermine. Durch Beobachtungen des tatsächlichen ersten Frühlingsvollmondes und dessen Abweichungen von den Berechnungen wurde diese Formel ständig verfeinert sowie diverse Korrekturfaktoren eingeführt. Carl Friedrich Gauß (1777 - 1855) entwickelte dann aus dem Vergleich von Berechnungen und Messungen eine neue praktisch anwendbare Berechnungsmethode, die nach wie vor die Grundlage neuzeitlicher Berechnungen ist. Die aktuell angewendete Berechnungsmethode stammt aus 1997 von Dr. Heiner Lichtenberg, Bonn, der die Berechnung von Gauß noch einmal verbessert und verfeinert hat.

Immerhin zeigt sich am Beispiel dieses Jahres, dass die Berechnung des Ostertermins nach dieser Methode gar nicht mal so schlecht ist, da sie die tatsächlichen astronomischen Verhältnisse, obwohl es da nur um wenige Minuten geht, treffend wiedergibt. Inwieweit diese Methode auch auf lange Zukunft gesehen zutrifft, kann man erst sagen, wenn die Ereignisse eingetroffen sind und gemessen wurden. Bei Grenzfällen sind aber Abweichungen zwischen berechnetem und tatsächlichem Frühlingsvollmond durch natürliche Schwankungen der astronomischen Zyklen nie auszuschließen.

Da ich ein großer Kalenderexperte bin, kann ich dir ebenfalls ne konkrete Antwort geben.

Fastnacht ist stets 47 Tage vor Ostersonntag - fällt frühestens auf den 3. Februar und spätestens auf den 9. März .

Ich schildere dir eine Formel:

A = jahr modulo 19

Was bedeutet Modulo? Der Rest. Und A gibt den Neunzehntelrest des Jahres an

B = (jahr/100) abgerundet = Jahrhundertzahl

C = jahr mod 100 = Jahreskürzel

D = (B/100) abgerundet

E = B mod 100

F = (B+8)/25 abgerundet

G = ((B-F)+1)/3 abgerundet

Bis zum Schritt Nr. G ist nur die Jahrhundertzahl erforderlich.

H = bestimmt den Rang des frühestmöglichen Datums des Termins
= (A*19 + B + 15 - D - G) mod 30

I = (D/4) abgerundet = Viertel des Jahreskürzels

J = D mod 4 = Viertelrest des Jahreskürzels = zugleich Viertenrest des Jahres

K = bestimmt den Wochentag des Datums von H (besser gesagt: Die Tagesanzahl vor dem Tag vor dem gefundenen Tag bei H) = ((E+I)*2 + 32 - H - J) mod 7

L = ist sehr selten erforderlich = ((K*2 + H)*11 + A)/451 abgerundet

M = H + K - L*7 + 3

N = Wenn Schaltjahr, dann 1, sonst 0 (wenn Gemeinjahr)
Woher wissen wir, ob das Jahr ein Schaltjahr ist? Wenn J gleich 0 = und zugleich ist C nicht gleich 0, oder E ist zugleich 0
Schaltjahre sind alle Jahre, welche durch 4 mit Rest 0 teilbar sind. Aber welche Änderung gilt seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders? Alle mit 00-endenden Jahre, welche durch 400 nicht teilbar sind (wie 1700, 1800, 1900, aber 2000 nicht) - kriegen den Schalttag abgezogen, um den Kalender astronomisch vergleichbar zu machen.
Jedesmal, wenn J eine andere Zahl als 0 ist - herrscht Gemeinjahr -> ebenso, wenn C gleich 0 ist, während E dabei ungleich 0

Monatstag = ((M-1) mod 28) + 1 + N

Monat = Ist M maximal 28 (also kleiner oder gleich), dann Februar. Wenn größer als 28, dann März!

Hier ein Beispiel. Ich nehme Zweitausendachtzehn und sein Folgejahr.

A = 2018 mod 19 = 4;
2019 mod 19 = 5

B = 2018/100 = 20
Bei 2019 ist das ebenfalls die 20

C = 2018 mod 100 = 18
2019 mod 100 = 19

D = 20/4 = 5 (bei 2019 auch)

E = 20 mod 4 = 0 (bei 2019 auch)

F = (20+8)/25 = 1

G = (20-1 + 1)/3 = 6

H = (4*19+20+15-5-6) mod 30 = 100 mod 30 = 10
Bei der Berechnung des Faschingsdienstagstermins sagt H die Anzahl der Tage nach dem 2. Februar an (im Schaltjahr dagegen nach dem 3. Februar). Bei 2018 ist H gleich 10 -> das heißt: Fastnacht 2018 ist am ersten Dienstag nach dem 12. Februar

  • Und 2019? = (5*19+20+15-5-6) mod 30 = 119 mod 30 = 29 = Fastnacht 2019 ist der erste Dienstag nach dem 3. März

I = 18/4 = 4
19/4 = ebenfalls 4

J = 18 mod 4 = 2
19 mod 4 = 3

K = ((0+4)*2 + 32 - 10 - 2) mod 7 = 28 mod 7 = 0 -> Das Datum, das wir im Schritt H heraus haben, ist 0 Tage vor dem Tag vor Fastnacht - ein Montag

  • Und 2019? = ((0+4)*2 + 32 - 29 - 3) mod 7 = 8 mod 7 = 1 -> Der 3. März 2019 ist 1 Tag vor dem Tag vor Fastnacht - ein Sonntag

L = ((0*2+10)*11+4)/451 = 114/451 = 0

  • Und 2019? = ((1*2+29)*11+5)/451 = 346/451 = 0
  • L ist fast immer = 0, bei aber sehr sehr wenigen Jahren aber 1

M = 10 + 0 - 0*7 + 3 = 13

N = Ist 2018 ein Schaltjahr? Nein - Also herrscht die Ziffer 0

monatstag = ((13-1) mod 28) + 1 + 0 = 13 mod 28 = 13

monat = Februar, da M kleiner als 28

Lösung: Fastnacht 2018 ist am 13. Februar!

Und jetzt 2019

M = 29 + 0 - 0*7 + 3 = 32

N = Ist 2019 ein Schaltjahr? Nein - ebenfalls ein Gemeinjahr. Also, gilt auch die 0.

monatstag = ((32-1) mod 28) + 1 + 0 mod 28 = 5

monat = Da M größer als 28, ist es März

Lösung: Fastnacht 2019 ist am 5. März!

Ich hoffe, du kapierst die Regel und kannst das auch mit anderen Jahren so machen. Versuche mal mit 2032! Ich weiß, wann da Fastnacht ist - aber das verrate ich dir nicht!

Viel Spaß!

Das entscheidet der Mann im Mond ;-)

Das ist wirklich so, dass das vom Mondkalender abhängt.
Daraus ergibt sich der Termin für das Osterfest und davon hängt - rückwärts gerechnet - der Beginn der Fastenzeit mit dem Aschermittwoch ab.
Und die beiden Tage vor Aschermittwoch sind halt Rosenmontag und Faschingsdienstag.

Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr.

und Ostern ist immer am 1. Sonntag nach dem Frühlingsvollmond.

https://de.wikipedia.org/wiki/Osterdatum

Danke! Allerdings: Was ist ein Frühlingsvollmond?

@Ensasserin

Wie der Name schon sagt: Ein Vollmond im Frühling. :-)

@Ensasserin

Der erste Vollmond nach Frühlingsanfang. Und als Frühlingsanfang gilt der 21.3.

Die Lösung ist 42.

Faschingsdienstag ist einen Tag nach sechs Wochen vor Palmsonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Frühlingsvollmond, da Ostersonntag trotz vermeintlicher Heiligkeit nach wie vor nach dem
heidnischen Mondkalender terminiert wird.

Oder anders gesagt: Am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit, die vierzigtägige Fastenzeit der Christen, die am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, endet.

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