Versteckte Kamera im Pflegeheim erlaubt?

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Mein Vater ist sehr misstrauisch und will nur das Beste für meinen Bruder

Dann sollte er das mit der Kamera sein lassen. Vom Umgang mit seinem Sohn kann er sich auch ein Bild machen, wenn er gelegentlich während der Versorgungs- und Therapiezeiten dort erscheint. Ansonsten sollte er seine Besuchszeiten nicht nach einem festen Plan machen, sondern immer wechselnd und unerwartet dort erscheinen.

Wie sieht hier die Rechtslage aus? Darf man das?

Das wäre nur erlaubt, wenn begründeter Verdacht auf grobe Missstände besteht.

Ich habe große Angst, dass wen es rauskommt, dass das Pflegeheim den Heimvertrag kündigt

Davon kannst du ausgehen.

Rundum eine sehr schöne Antwort!

Danke für die Antwort :)

Mein Vater hat große zweifel bezüglich der Pflegequalität

Das ist keine gute Basis für den Umgang mit einer so belastenden Situation.

Es ist ohne Weiteres möglich, sich ein sachliches Bild von der Situation zu machen (s. meine andere Antwort)

Auch sollte das Verhältnis zum Personal eher partnerschaftlich verstanden werden (was nicht Verbrüderung bedeutet) und nicht aus einer Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Perspektive heraus.

Wichtig ist vor Allem

  • dem Personal unvoreingenommen gegenüber zu treten
  • zu zeigen und zu sagen, dass man diese sehr schwere und schwierige Tätigkeit sowie die persönliche Zuwendung zu schätzen weiß
  • dem Personal durch gelegentliche Zuwendungen (Kaffee, Süßigkeiten etc) zu zeigen, wie sehr man das schätzt, was da jeden Tag geleistet wird. Dabei sollte man sich nicht als Knauser zeigen, es aber auch nicht übertreiben
  • nie zu vergessen, dass der eigene Angehörige nicht der einzige Bewohner ("Patient" sagt man da nicht) ist, der betreut und versorgt werden will
  • dass die Angestellten hier fremde Menschen pflegen und ihre Zeit auch irgendwie begrenzt ist. Bei der Pflege im eigenen Heim durch eigene Angehörige gelten, besonders bezüglich des Zeitfaktors, andere Maßstäbe. Meine (reichen) Erfahrungen haben gezeigt, dass professionelles Pflegepersonal im Allgemeinen mehr tut als den reinen Job. Wobei ich nicht verschweigen will, dass es auch mal "Fehlbesetzungen" geben kann.

Mein Wissen um diese Dinge habe ich in fast 15 Jahren als Angehöriger von Pflegebedürftigen und als Ehrenamtlicher in Behinderteneinrichtungen (wobei ich auch tief hinter die Kulissen schauen konnte) erworben.




Die Leitung des Hauses hat dort Hausrecht.

Ganz davon abgesehen, würde eine solche illegale Aufnahme niemals als Beweismaterial, für irgend eine Verhandlung akzeptiert werden

Die Leitung des Hauses hat dort Hausrecht

Im Prinzip schon, aber der Bewohner bzw. dessen gesetzlicher Vertreter ist juristisch gesehen Mieter des Zimmers. Es ist seine Wohnung.

würde eine solche illegale Aufnahme niemals als Beweismaterial, für irgend eine Verhandlung akzeptiert werden

Stimmt so nicht. Bei begründetem Verdacht auf Missstände (z. B. Misshandlungen durch das Personal) oder andere Verstöße (Diebstahl) haben solche Aufnahmen schon zu Verurteilungen der Übeltäter geführt.

Die Rechtslage sagt klar und deutlich: das ist verboten und kann eine Haftstrafe nach sich ziehen.

Wo kämen wir denn hin, wenn jeder wie im gedüngt versteckte Kameras anbringen würde?

Wenn er, der Vater,  dem Personal nicht traut, wie wäre es,  wenn er den Sohn nach Hause holt und selbst versorgt?

Lol, aber echt. Im Supermarkt als Kunde ne versteckte Kamera anbringen, weil man glaubt, dass ein Kassierer in dir eigene Tasche wirtschaftet.

Das ist nicht erlaubt und kann seeehr teuer werden.

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