Kann ich als Arbeitnehmer während der Probezeit selbst fristlos kündigen?

5 Antworten

Eine fristlose Kündigung ist auch innerhalb der Probezeit nur dann möglich, wenn Gründe vorliegen, die Sie zu einer fristlosen Kündigung, gemäß §626 Absatz 1 BGB, berechtigen.

http://dejure.org/gesetze/BGB/626.html

Die von Ihnen genannten Gründe berechtigen Sie nicht zu einer fristlosen Kündigung, gemäß §626 Absatz 1 BGB.

Beide Vertragspartner müssen sich an die vereinbarten Kündigungsfristen halten. In der Probezeit ist es, gemäß §622 Absatz 3 BGB, zulässig, längstens jedoch für ein 1/2 Jahr, eine Kündigungsfrist von 2 Wochen zu vereinbaren. Dies ist die kürzest mögliche Kündigungsfrist für eine ordentliche Kündigung.

Achtung:

Wenn Sie sich nicht an die vereinbarten Kündigungsfristen halten, kann der Arbeitgeber Sie auf Schadensersatz verklagen, wenn er nachweisen kann, dass ihm wegen Ihres Vertragsbruchs ein Schaden entstanden ist.

So sollten Sie vorgehen:

Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber: Sollte Ihr Arbeitgeber einverstanden sein, können Sie das Arbeitsverhältnis aufheben lassen. Ist der Arbeitgeber nicht einverstanden, bleibt Ihnen nur die ordentliche Kündigung. Die Kündigung selbst muss, gemäß §623 BGB, in Schriftform erfolgen.

Peter Kleinsorge

Ist die fristlose Kündigung aus gesundheitlichen Gründen möglich?

@dasgrosseleben

Nein, der Arbeitnehmer muss trotzdem fristgemäß kündigen!

Der Arbeitnehmer müsste durch ärztliche Atteste belegen können, dass er aus gesundheitlichen Gründen für die vereinbarte Tätigkeit nicht eingesetzt werden kann, dann kommt nachfolgender Weg in Betracht.

Kann der Arbeitnehmer das belegen, ist es sinnvoll wenn er mit dem Arbeitgeber über eine Aufhebung des Arbeitsverhältnisses spricht.

Hintergrund / Argumentationshilfe:

Der Arbeitnehmer würde sich krankschreiben lassen und gleichzeitig fristgemäß kündigen.

Den Arbeitsplatz sieht der Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen nicht (da krankgeschrieben). Der Arbeitgeber kann also davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer keinen Tag arbeiten wird. Dem Arbeitgeber nützt es folglich nichts, wenn er einer vorzeitigen Aufhebung nicht zustimmt.

Peter Kleinsorge

Schönen guten Tag , ich hab ein kleines problem und würde mich sehr freuen wenn einer da helfen könnte.

Und zwar habe ich am 01.08.13 eine Ausbildung begonnen und meine Probezeit beträgt 3 Monate.

Ich habe in der Probezeit festgestellt das dieser Beruf für mich nichts ist.

Und ich hatte seit letzen Jahr November die möglichkeit am 01.10.13 zur Bundeswehr zu gehen.

Und somit hab ich heute meine Kündigung schriftlich abgegeben.

Dennoch wurde das von der Geschäftsführung verneint und gesagt es gibt eine Kündigungsfrist von 2 Wochen.

In meinen Ausbildungsvertrag steht.

§7.1 Kündigung während der Probezeit. Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ihne Angabe von Gründen gekündigt werden.

§7.4 Unwirksamkeit einer Kündigung. Eine Kündigung aus einem wichtugen Grund ist unwirksam, wenn die ihr zugrunde liegenden Tatsachen dem/der zur Kündigung Berechtigten länger als 2 Wochen bekannt sind. Ist ein Schlichtungsverfahren gem. §9 (Beilegung von Streitigkeiten) eingeleitet, so wird bis zu dessen Beendigung der Lauf dieser Frist gehemmt.

Meine Frage dazu:

Ich habe gedacht wegen §7.1 kann ich Fristlos kündigen ohne die 2 Wöchige Kündigungsfrist einzuhalten. Weil wie ichs verstehe kann ich Ende des Monats Kündigen und kann direkt 01.10.13 zur Bundeswehr gehen.

ich würde mich auf eine Antwort sehr freuen..

Mit freundlichen Grüßen

Romil

7.4 sagt dir doch alles. kündigungsgrund war dir länger als 2 wochen vorher bekannt.

da steht schlichtung an.

Nein, ohne entsprechenden Grund (ein anderer Job fällt nicht in diese Kategorie) darfst Du nicht fristlos kündigen. Das gilt für die Probezeit genauso wie nach der Probezeit.
Die Kündigungsfrist musst Du einhalten.
Vielleicht solltest Du Dir überlegen, mal mit Deinem jetzigen Chef zu reden, denn das, was Dir vorschwebt wäre nur im gegenseitigen Einvernehmen möglich.

Du müsstest dich an die vertraglichen Kündigungsfristen (werden in der Regel im Vertrag auch für die Probezeit vereinbart) halten...in der Regel sind das dann zwei bis 14 Tage...

2 Tage Kündigungsfrist in der Probezeit sind mit Sicherheit nicht die Regel! Die Kündigungsfrist, gemäß §622 Absatz 1 BGB, kann innerhalb der Probezeit, längstens für ein halbes Jahr, gemäß §622 Absatz 3 BGB, auf 2 Wochen verkürzt werden.

http://dejure.org/gesetze/BGB/622.html

Eine Kündigungsfrist von nur 2 Tagen wäre arbeitsrechtlich angreifbar.

Peter Kleinsorge

@Kleinsorge

Die 14 Tage können durch Tarifverträge leider auch unterschritten werden. Bei Zeitarbeitsfirmen sind Kündigungsfristen von 3 Tagen durchaus üblich und leider auch "rechtens", sprich arbeitsrechtlich nicht angreifbar...

@Ellwood

Es ist zwar richtig dass tariflich abgewichen werden kann, ich habe aber schon einige Tarifverträge gesehen und behaupte deshalb, dass es nicht die Regel ist dass die Kündigungsfrist in der Probezeit von 2 bis 14 Tage dauert. In der Regel sind es die 14 Tage.

Von wegen Zeitarbeitsbranche, die Tarifverträge der christlichen Gewerkschaften sind arbeitsrechtlich nicht das Papier wert, auf dem sie stehen, von wegen Aberkennung der Tariffähigkeit.

Wir können uns aber gut darauf einigen dass wenn ein Tarifvertrag, gemäß §622 Absatz 4 BGB, die Kündigungsfristen abkürzt, dies zulässig ist, sofern die abschließende Gewerkschaft tariffähig ist.

Peter Kleinsorge

@Kleinsorge

Darauf können wir uns einigen ;-)
Das mit den "christlichen" ist mir bekannt, allerdings, die Kündigungsfristen der BZA-DGB (also nicht diese "christlichen" Vereine, sondern die angeblich "guten") z.B. sehen in den ersten zwei Wochen einen Kalendertag Kündigungsfrist, in den ersten 3 Monaten eine Woche und ab dann erst zwei Wochen Kündigungsfrist vor...

Um fristlos Kündigen zu können, muss ein wichtiger Grund vorliegen - ein anderer Job gehört da jedenfalls nicht dazu. Kündigen kannst du i.d.R. während der Probezeit mit 14Tagefrist (§ 622 BGB) - kündige heute und du bist Freitag in 2 Wochen raus aus dem Vertrag, außer ein Tarifvertrag sagt was anderes.

Auch wenn ein Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben ist (er muss nicht schriftlich sein) spielt das keine Rolle - duch Antritt des Jobs bist du konkludent auf einen Arbeitsvertrag eingegangen

Richtig. Fristlos kann man nicht so einfach kündigen. Dafür braucht man einen außerordentlichen Grund nach § 626 BGB. Ein solcher Grund wird meistens nicht vorliegen und so wie Du den Sachverhalt schilderst, sehe ich keinen Grund. Wenn Du doch das Arbeitsverhältnis fristlos beendest ohne dazu berechtigt zu sein, machst Du Dich gegenüber Deinem Arbeitgeber schadenersatzpflichtig. Mehr dazu kannst Du hier nachlesen: http://rechtsanwaltarbeitsrechtberlin.wordpress.com/2014/09/21/kann-ich-als-arbeitnehmer-wahrend-der-probezeit-selbst-fristlos-kundigen/

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