Kann Arbeitgeber Wechsel der Krankenkasse verlangen?

17 Antworten

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Hallo,

der Arbeitgeber (egal welcher!) kann keinen Krankenkassenwechsel verlangen. Rechtlich ist das eindeutig!

In der Praxis ist es aber sehr üblich, dass Mitarbeiter bei der Arbeitgeber-Krankenkasse versichert sind. Hintergründe:

  • Wenn ein Mitglied dieser Krankenkasse A zu einer anderen Krankenkasse wechseln möchte (z.B. zu der jetzt angesprochenen langjährigen Krankenkasse B.), ist es für viele Mitglieder Aufgabe nach den Gründen zu fragen und ggf. durch Fakten umzustimmen. Wenn der Kunde dann nach der Krankenkasse de Mitarbeiterin fragen würde, wäre mit einer ehrlichen Antwort die Erfolgsaussicht wesentlich geschmälert. Wenn man nur in der Buchhaltung oder der Immoblienabteilung (jeweils ohne Versichertenkontakt) arbeiten würde, könnte man ggf. dagegen argumentieren. Bei einer Bewerebung auf eine andere Stelle taucht das Problem dann aber wieder auf (die Mitgliedsvbescheinigung der Krankenkasse ist ein Teil der Personalakte). In manchen Tarifverträgen der Krankenkassen ist die Krankenversicherung beim Arbeitgeber Voraussetzung für weitergehende Leistungen.

  • die Daten der Krankenkassenmitarbeiter werden bei den großen Krankenkassen in einer eigenen Filiale geführt. Mitarbeiter anderer Abteilungen haben keinerlei Zugriffe auf diese Daten. Der Datenschutz wird hier sehr, sehr streng beachtet. Oft werden auch die Vorstandsmitglieder in dieser Filiale geführt. Oft gibt es für Leistungserbringer spezielle Aufklebe, Umschläge etc. mit der genauen Adresse der Personal-Krankenversicherung.

Ein Wechsel ist erst möglich, wenn die bisherige Mitgliedschaft ohne Unterbrecchung mindestens 18 Monate bestanden hat. Ggf. bei der jetzigen Krankenkasse nachfragen, zu wann eine Kündigung möglich wäre.

Viele Krankenkasse fordern auch Unterlagen der Vorkasse erst an, wenn bei der neuen Krankenkasse konkrete Leistungsanträge vorliegen (z.B. Krankengeld, Reha, Psychotherapie). Bis dahin weiß auch die Personal-Filiale nichts von vorherigen Krankheiten. Nach ca. 6 Jahren werden fast alle Krankheits- und Leistungsdaten vernichtet.

In der Probezeit kann der Arbeitgeber übrigens nach den meisten Arbeitsverträgen ohne Angabe von Gründen kündigen.

Was wäre, wenn man bei einer Bank arbeitet, aber alle Finanzangelegenheiten inkl. Girokonto bei der Konkurrenz hätte?

Noch Fragen offen?

Gruß

RHW

lol, nein, keine fragen mehr offen. danke für die ausführliche antwort.

@Libertyyy

Gern geschehen!

Wenn man vor Beginn der Beschäftigung eine Lücke der Mitgliedschaft von mindestens einem Tag herstellt, hätte man 18 Monate Bedenkzeit gewonnen. Die Umsetzung hängt aber auch wesentlich von der aktuellen Art der Krankenversicherung ab (freiwillige Mitglidschaft oder Versicherungspflicht als ...?). Aufgrund einer Gesetzesänderung zum 1.1.2015 wird aber sehr, sehr wahrscheinlich zum Jahreswechsel ein "außerplanmäßiger" Wechsel möglich sein.

@RHWWW

Danke für den Stern!

Ich bin neugierig: ist der eingeschlagene Weg schon klar?

@RHWWW

oh, jetzt erst gesehen. ich hab mich gegen den job entschieden. jetz nicht allein wegen dem wechsel, sondern einfach weil es noch was besseres gab

@Libertyyy

Herzlichen Glückwunsch zu der (noch) besseren Stelle!

@RHWWW

danke :-)

Die Krankenkasse zwingt Dich ja nicht, dort anzufangen. Verständlicherweise verknüpft man hier lediglich die in Aussicht gestellte arbeitnehmerische Tätigkeit mit der gänzlichen Zugehörigkeit zum Unternehmen. Da der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge hälftig abführen muss, kommt natürlich auch der absetzbare Krankenversicherungsbeitrag dem Unternehmen zu Gute.

In diesem Fall kann er das. Anders sähe es aus, wenn Dich das Unternehmen nachträglich dazu verpflichtete.

hm, ja, macht sinn. hmpf.

Also in Deutschland herrscht freie Krankenkassenwahl und das koennen die dir auch nicht verbieten. Ist auch nachvollziehbar, dass man diese beiden Bereiche gerade trennen will, AG und Krankheitsgruende. Daher, wenn du den Arbeitsvertrag hast, dann koennen die dich zu nichts zwingen. Sie koennen halt nur sauer drueber sein. Aber aus diesem Grund duerfen sie dich weder ablehnen noch rauswerfen. Sie koennen diesen Grund nicht angeben, das ist klar. Aber sie werden diesen Fehler sicher auch nicht machen, in der Probezeit braucht es ja keinen Grund. Sollten sie diesen Grund aber nennen, dann waere das Diskriminierung.

Aber ich denke, sie werden das vielleicht auch akzeptieren am Ende, das ist ja ein grosses Unternehmen und es geht nicht aus der Kasse des Vorgesetzten, wenn du woanders zahlst. Ist vielleicht nur einfacher mit den Beitragen, wenn das intern weitergeleitet wird und sie nicht woanders hin ueberweisen muessen.

Als ich mit der Ausbildung angefangen habe, wurde mir auch empfohlen, in eine bestimmte Kasse zu gehen, weil alle dort waren und es einfacher war mit der Abrechung. Habe ich damals auch gemacht, aber ein Entlassunggrund waere das nicht gewesen, wenn ich es nicht gewollt haette.

Es kann ja auch nicht ein Autohaendler/Hersteller seine Angestellten zwingen, nur deren Marke zu fahren oder ein Krankenhaus kann keinen Angestellten zwingen, sich nur dort unters Messer zu legen.

Banken verlangen in der Regel von ihren Mitarbeitern auch, dass sie ihr Girokonto / Gehaltskonto dort haben und nicht bei der Konkurrenz.

Wahrscheinlich gibt es auch der der KK spezielle Mitarbeiterkonditionen und es wird einfach erwartet, dass ein Mitarbeiter Begeisterung fürs Unternehmen zeigt und auch Kunde ist.

banken machen das auch, ok. ist wohl echt üblich. vllt sollt ich mich bei meiner eigenen krankenkasse bewerben, ob die auch so ne stelle zu besetzen haben :D

Hm, wie es in diesem speziellen Fall aussieht, weiß ich nicht - aber in der Probezeit ist die Kündigung auch ohne Angabe von Gründen möglich. Von daher müsste sie den nicht erfolgten Wechsel der Kasse nicht mal als Grund nennen.

klar, los werden sie mich irgendwie. ich frag mich halt trotzdem, ob sie den wechsel verlangen DÜRFEN. ich find das schon arg frech

@Libertyyy

Ist vermutlich eine Grauzone - ich denke mal, die Formulierung bei denen wird wenig angreifbar sein.

Wenn Du den Job wirklich willst, könntest Du ja bis zum Ende der Probezeit die Krankenkasse wechseln und dann zu Deiner alten Kasse zurück... Vielleicht hat dich bis dahin aber auch die neue Kasse überzeugt oder andere Kollegen haben erzählt, wie sie es machen, etc...

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