Erbfrage - Pflichtteil trotz alleinerbe?

5 Antworten

Der Pflichtteil ist immer ein Geldanspruch. Seiner Tochter gehört kein Anteil am Nachlass und hat damit auch keine wirtschaftliche Beteiligung am Grundstück. Da der Verstorbene alleine im Grundbuch stand, war er Alleineigentümer. Da seine Ehefrau Alleinerbin ist, gehört ihr nun das Grundstück vollständig. Ob das Grundstück vor oder nach der Ehe erworben worden ist, wäre für den Zugewinnausgleich relevant, aber nicht für den Umfang des Nachlasses. Der Pflichtteil beträgt hier 25% des Nachlasswertes (wenn sie im gesetzlichen Güterstand verheiratet waren).

So schnell kann das Haus nicht veräußert werden. Dazu muss erst einmal ein Erbschein her.

Ihre Frau hat Anspruch auf ein bewertetes Nachlassverzeichnis, auf Basis dessen wird, nach Abzug aller Verbindlichkeiten wie Bestattung etc. der Pflichtteil berechnet. Wenn ein Wertgutachten erstellt werden muss, um den Wert des Hauses zu ermitteln, ist dieses auch aus dem Nachlass zu bezahlen.

Vl.t möchte die Witwe das Haus mit dem Voraus (Hausrat) ja auch behalten und den Pflichtteil auszahlen.


Ich habe gelesen, dass die Frau als Alleinerbin dazu berechtigt ist, alles ohne Rücksicht auf seine Tochter zu veräußern und sie lediglich einen Anspruch auf die geldwerte in Höhe ihre Pflichtanteils hat. Ist das korrekt?

Richtig, der Pflichtteil ist ein Geldforderung gegen den Erben, die sich nach den Nachlasswert zum Zeitpunkt des Erbfalls bemißt. Den Nachlass bildet dabei das Eigentum des Erblasses. Man beachte, das es bei einer Zugewinngemeinschaft a priori kein gemeinsames Vermögen gibt. Etwaig gemeinsame Konten usw. sind vorab auseinanderzurechen. Ferner wid der Zugewinn hier dadurch ausgeglichen, das sich der Gesetzliche Erbteil des Ehegatten um 1/4 der Erbschaft erhöht ( pauschaler Zugewinnausgleich.)

Daneben Erbt die Ehefrau noch 1/4, so das sich neben Erben der 1. Ornung 1/2 für die Frau und 1/2 für die Kinder ergibt. Der Pflichtteil beträgt davon wiederum die Hälfte also 1/4.


Hat seine Tochter Anspruch auf das gesamte Haus+Grundstück, weil es VOR Eheschließung bereits abbezahlt war?

Ist hier irrelevant, das Haus gehör einfach komplett zum Nachlass.


Theoretische Rechnungen: ihr gehört sowieso die Hälfte aufgrund der Ehedauer, also 50/50

Das ist so nicht richtig, einen automatischen Vermögenübergang zwischen Eheleuten gibt es nicht. Die Ehedauer und auch der reale Zugewinn spielen keine Rolle, da der Zugewinn hier sowieso pauschal ausgeglichen wird. Beim Realen Zugewinn, z.B. bei einer Scheidung, würde dieser sich aus Endvermögen- Anfangsvermögen ermitteln. Es spielt also dann die Wertentwicklung des Hauses eine Rolle.

Es ist also weniger kompliziert als Sie darstellen. Der Wert des gesamten Nachlasses (Eigentum des Erblassers) einschließlich der auf den Erblasser lautenden Immobilien bildet die Basis, davon beträgt der Pflichtteil hier 1/4.

Man beachte, das sich die Sachlage komplett verändern würde, wenn es mit einer vorverstorbene Ehefrau ein gemeinsames Testament gäbe.




Der Schwiegervater hat sein Eigentum an seine Ehefrau vererbt, komplett. Auch das Haus gehört jetzt der Witwe. Der Pflichtteilsanspruch richtet sich nicht gegen das Erbe, der Anspruch muss gegen die Witwe geltend gemacht werden und ist in Geld zu realisieren. Die Höhe des Pflichtteils entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, in eurem Fall wären das 25% des gesamten Erbes.

Die Wertermittlung übernimmt in der Regel ein Testamentsvollstrecker, für solche Detailfragen würde ich mich an einen Anwalt wenden. Ein Anspruch deiner Frau auf das Haus besteht nicht.

Ein Pflichtteil ist immer eine Leistung in Geld.

Der Erbteil der Tochter wäre als gesetzliches Erbe (also ohne Testament) 1/2. Der Pflichtteil ist 1/2 davon. Also 1/4 vom ganzen.-

Das hat die Witwe auszuzahlen.

Laut Testament ist die Ehefrau aber Alleinerbin, und das ist doch mit einer Enterbung gleichzusetzen, was wiederum bedeutet, dass die Tochter nur die Hälfte vom Pflichtteil erhält, also statt 25% nur 12,5%. Oder?

@LordAnubisIV

Das Erbe der Ehefrau beträget gem. §§ 1371 + 1931 BGB 1/2, das Erbe der Kinder (hier nur eines) entsprechen 1/2.

Der Pflichtteil ist 1/2 vom gesetzlichen Erbe, also 1/2 von 1/2, somit 1/4.

@wfwbinder

Okay.... und wie kommt sie (also die Tochter) dann ans Geld? Wird dieser "Anteil" notariell festgesetzt ausgehend vom Gesamterbe mit fristsetzung der Zahlung oder müssen wir das per Anwalt einklagen? Sprich eine Auflistung aller Wertsachen einfordern und das Viertel geltend machen?

@LordAnubisIV

Richtig, die Haupterbin als Besitzerin des Erbes muss Auskunft erteilen. Wenn deren Wertermittlung angezweifelt wird, muss man ggf. einen Gutachter bestellen.

@wfwbinder

Also macht der Notar nix mehr und wir müssen das untereinander regeln (am besten natürlich ohne Anwalt)?

@LordAnubisIV

Nein, der Notar verkündet das Testament. Was danach kommt ist Anwaltssache, wenn Beratung gebraucht wird. Der Notar darf nicht beraten, wenn er als Notar tätig war.

@wfwbinder

Eine Frage hätte ich noch: Gibt es Gesetze, die vorschreiben, dass ein Erbe nicht unter Wert verkauft werden darf?! Bzw.: was wäre, wenn die Frau nun das Haus für einen Bruchteil des Wertes verscherbeln würde... hätte die Tochter dann Anspruch auf einen Teil des Verkaufswertes oder auf den ursprünglich durch einen Gutachter festgestellten Wert? Und wie schon gefragt, gibt es dazu eventuell irgendwelche Paragrafen? :D

@LordAnubisIV

Wenn die Haupterbin ein Haus, was 400.000,- Wert ist, für 200.000,- Verkauft, ist der Erbteil natürlich geringer.

Aber ein unmotivierter Verkauf zum halben Preis macht die Verkäuferin schadenersatzpflichtig.

Ist natürlich schwer nachzuweisen, aber probieren sollte man es.

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