Neue Kollegin ist Berufanfänger mit Bachelor, ist aber unselbstständig, passiv und ahnungslos wie 16. Wie damit fertig werden?

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Zuerst mal finde ich es toll, dass du versuchst, dich mit dem Problem an andere zu wenden, wenn auch nur über gute Frage net, und die Person zuerst mal nicht anzuschwärzen bzw. in die Pfanne zu hauen.. 

Ich habe nämlich umgekehrte Erfahrungen machen können, dass Leute erst gar nicht mit mir kommunizierten und mich (auch für andere) ersichtlich ausgrenzten, mir wichtige Dinge während der Einarbeitungszeit direkt nach dem Studium überhaupt nicht mitteilten, mich auflaufen ließen usw. Schließlich wurde ich dann unter komischen Vorwänden gekündigt ...

Im Gegensatz dazu, möchte ich hier noch mal betonen, dass ich dein Vorgehen zuerst mal positiv finde. Ich denke, dass ein Monat noch nicht besonders lange ist und gerade junge Leute, die sonst noch nicht gearbeitet haben, sind da dann wirklich relativ unselbstständig (mehr oder minder eben..). O.K., wobei ich zugeben muss, dass sich einige, der von dir beschriebenen Dinge, sich schon etwas bedenklich anhören. Ich würde dir raten dir das Mädel (im positiven Sinne) "zur Brust zu nehmen" und es sehr konkret darauf anzusprechen. Zeige ihr, dass du auch überlastet bist und du dir mehr Engagement ihrerseits wünscht. Weise sie, nach Möglichkeit wenig vorwurfsvoll auf ihre Unselbstständigkeit hin und mache es ggf. an einzelnen Beispielen fest. Biete ihr konkrete Hilfe an, z.B. indem du ihr anbietest, dass du ihr während des Gesprächs oder ggf.  bei einem Folgegespräch noch mal das Wichtigste erklärst und ggf. auch starke Hinweise gibst, auf was es an diesem Arbeitsplatz ankommt. Du könntest sie ggf. auch fragen, was sie denn (insgesamt) für Vorstellungen und Wünsche hat (natürlich mit einem expliziten beruflichen bzw. arbeitsbedingtem Fokus), wie du/man ihr ggf. helfen könne und was sie dazu brauch.

Mit dem in die Schränke schauen etc., dass ist m.E. so ne Sache. Ich mache so etwas auch in den ersten Wochen so gut wie nie, da es mir Fremd ist, ich mir irgendwie komisch vorkomme "einfach, so" irgendwelche Schränke zu öffnen und reinzuschauen, wobei ich die Gepflogenheiten nicht kenne usw., entspricht nicht, meinem primär zurückhaltendem Naturell. Ich z.B. brauche anfangs auch recht lange um mal anzukommen und die Gepflogenheiten kennen zu lernen und abzuschätzen, was wann wie und wo zählt. Während meiner Lehre fing ich ja auch mit 0 Wissen an und wurde zuerst nur schikaniert und rumgejagd (ähnlich, wie andere Azubis auch). Ich brauchte etwa 3/4 Jahre um genug praktische Kenntnisse gesammelt zu haben, um mich adäquat durchsetzen zu können und meinen Standpunkt zu klären. Nach 1-1 1/2 Jahren war ich dann volle drin.. 

Die von mir aufgezählten Dinge können natürlich im Bereich der Betreuung wiederum ganz anders sein. Jemand, der da z.B. nach einem Studium anfängt, muss den Umgang mit den einzelnen Probanden und ihrer Individualität, den daraus  folgenden Ansprüchen der Probanden und deren Auftreten etc. bzw. muss es lernen darauf einzugehen und brauch dementsprechende Anlaufzeit. Muss sich seine eigene Position u. seinen Gesprächsführungsstil erarbeiten usw. Evtl. könnte es ja auch sein, dass das Mädel nur auf Anweisungen wartet und dementsprechend die Arbeit sozusagen "gar nicht sieht". Deinerseits finde ich es schon bemerkenswert, dass du ihr schon grundlegende Dinge in Mappen zusammengefasst und zur Unterstützung bereitgestellt hast. M.E. ist es wahrscheinlich tatsächlich so, dass sie noch etwas verträumt und weltfremd ist. Es liegt nun an dir, inwieweit du fair mit ihr umgehen willst und kannst. Überprüfe dich vielleicht auch selbst an der ein oder anderen Stelle, ob du wirklich nicht zu viel von ihr erwartest (o.k., zugegebenermaßen, war das Ding mit dem Stempelkissen, schon krass) bzw. voraussetzt und bedenke, dass die Arbeitswelt in der Art ein total fremdes Gebiet für sie ist. Denke vielleicht über eigene Fehler in der Vergangenheit bzw. bei deinem Berufsbeginn nach und inwieweit eigene Erfahrungen auf diese Situation anwendbar sind. Bei allem ist sie aber erst einen Monat da, dass ist nicht echt viel. Ich vermute, dass sie ggf. erst mal "auftauen" muss (wobei du aber eigtl. eine tatkräftige, erfahrene  Mitarbeiterin bräuchtest). Bei dieser Thematik, kannst du natürlich schnell in einen inneren Widerspruch kommen (verständlicherweise)..  Es stellt sich nun die Frage, an welcher Stelle du sie ganz aufgibst und/oder, ob du ihr noch einige Zeit geben möchtest und kannst. Ob du nun sofort (hinterrücks) zum Chef läufst und erzählst, dass es mit ihr nun "absolut und überhaupt nicht geht und sie gänzlich ungeeignet ist" oder ob du sie ansprichst und etwas konkret auf sie eingehst. Vielleicht probierst du es an einigen Stellen etwas mit konfrontativer Pädagogik bzw. mit der überspitzten Darstellung von Situationen. Zeige ihr dabei aber, dass du ihr gut gesinnt bist bzw. trete ihr verständnisvoll gegenüber (ist wohl auch in deiner Situation schwer..). Wenn du nach zwei bis vier Wochen keine Besserung siehst, könntest du ggf. den Vorgesetzten/Chef um ein Dreiergespräch bitten. 

Bei all dem solltest du auch genau Erfragen, was sie nun genau vor hat etc. Gerade wegen den Andeutungen, dass sie auf X und Y spart oder dies und jenes machen will...

Schönen Gruß und hoffentlich eine positive Wende,

Anger 

Danke für die positive Bewertung!

Hi,

dafür gibt es die Probezeit. Wer die Erwartungen in keinster Weise erfüllt und nur eine Belastung ist, der sollte auch die Probezeit nicht überstehen. Klingt hart, ist aber so. Diese Kollegin wird niemals glücklich dort und du ja auch nicht. Von daher: Nach einem neuen Kollegen suchen.

Und als Hinweis: Nein, auch Berufsanfänger und Bachelor-Studenten sind in der Regel lernfähig, motiviert, schnell, zuverlässig und eigenständig. Aber es gibt auch welche, die keinerlei Arbeiterfahrung haben und denen man noch erklären muss, wie der Locher oder Kopierer funktioniert. Das sieht man aber am Lebenslauf bzw. sollte man die ersten paar Tage merken, wenn nicht schon im Vorstellungsgespräch. Aber ihr habt euch da scheinbar ein ganz schlechtes Exemplar geholt, aber wie gesagt - dafür gibt es ja die Probezeit.

Wer hat denn die Kollegin eingestellt und ggf, das Einstellungsgespräch geführt?

Es ist bis zu einem gewissen Grad normal, dass man nach dem Studium keine Berufserfahrung hat und Anleitung braucht. Aber wenn trotz Anleitung wenig kommt, sollte man sich schon Gedanken machen.

Ein Gespräch mit ihr, wo denn die Probleme liegen, wäre sicher nützlich. Vieleicht ist es nur Unsicherheit, vielleicht sind es auch fachliche Mängel. Wenn man weiß, wo man ansetzen kann, wird es weiterhelfen.

Eingestellt wurde sie vom Chef, also dem GF. - Aber ehrlich: ich war mit 18 schon deutlich erfahrener in Büroarbeit. Da war ich aber erst im 12. Schuljahr. Man hat ja schließlich auch daheim administratives zu tun und Schülerjobs. Außerdem muss man für das Studium auch Formulare ausfüllen und Bürokram machen, sonst wird man gar nicht immatrikuliert. Wie gesagt: es war ein Formular, auf dem ja schon drauf stand, was einzutragen ist und obendrein fast nichts einzutragen war! Also wenn man mit 24 Jahren noch gesagt bekommen muss, "schreib den Namen dahin wo "Name" steht" usw., dann frage ich mich ja schon, wie ich darin Unterstützung für mich sehen soll...

Ich erkenne bislang nicht, dass sie findet, sie hätte ein Problem. Kann auch sein, dass sie nur ein paar Monate überbrücken will - sie sprach davon, auf etwas zu sparen und dazu die ersten paar Gehälter zurückzulegen. Nur ist sie jetzt seit fast einem Monat da, setzte sich ins perfekt gemachte Nest, tut aber trotzdem schier nichts und wenn ich sie ans Arbeiten kriegen möchte, muss ich aber wirklich neben ihr stehen bleiben und ihr exakt auf die Finger gucken und diktieren, was sie machen muss und zwar im kleinsten Detail. Zum Verzweifeln.

Mach mal Absätze das will so kein Mensch lesen! Rede mit ihr und wenn das nichts bringt geh halt zum Vorgesetzten. 

Absätze gingen nicht mehr rein....sorry.

Und, was ist nun dabei raus gekommen? Ist ja schon 2 Jahre her ;-).

vermutlich ist die "Neue" schon lange nicht da ....

@frodobeutlin100

Sie ist gewechselt... hat den Betrieb verlassen, nur wenige Monate später. Sie war nicht zufrieden, wollte eigentlich was anderes.

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