Verzockt

Einleitung: Hingerissen von meinem unverbesserlichen Zockertrieb habe ich im letzten Jahr u.a. einige Positionen Optionsscheine erworben, die bei Fälligkeit entweder total wertlos waren oder mit noch 0,001 € (in Worten: ein Zehntel Cent) pro Stück verkauft werden konnten. Im letzteren Fall ist die Differenz zwischen Veräußerungserlös und Anschaffungskosten jeweils in meinem bei der Bank geführten "Verlusttopf" gelandet.

In den übrigen Fällen hat mir die Bank lediglich ein freundliches Schreiben geschickt und mitgeteilt, dass die Wertpapierposition aus dem Depot wegen totaler Wertlosigkeit ausgebucht worden ist.

In beiden Fällen ist das Geld weg - so weit, so gut. Bei dem, was im Verlusttopf landet, kann ich aber wenigstens, falls mal wieder fette Jahre kommen sollten, noch gegen spätere Gewinne aufrechnen. Die Totalverluste hingegen tauchen nirgends auf und auch das Finanzamt erfährt nicht automatisch davon.

Fragen: Sind auch diese Totalverluste, bei denen die Papiere einfach ausgebucht werden und die Anschaffungskosten sozusagen im Sande versickern, einkommensteuerlich irgendwie verwertbar? Ich denke ja spontan an (negative) Gewinne aus Veräußerungsgeschäften (§ 20 Abs. 2 EStG), aber da zuckt meine Bank mit den Schultern und sagt: Geht wohl net, eine Veräußerung hat ja gar nicht stattgefunden, die Papiere sind einfach von einem schwarzen Loch aufgesogen worden.

Da regt sich in mir wiederum etwas Ärger, hervorgerufen durch sich aufdrängende Analogien zu anderen Einkunftsarten. Wenn ich z.B. an einer Kapitalgesellschaft beteiligt bin, die pleite geht, ist meine Einlage auch weg, aber über § 17 EStG kriege ich den Verlust in meine Steuererklärung. Wieso soll es bei Veräußerung zum Preis von nahezu Null möglich sein, aber bei Verlust durch Totalnull nicht - klafft da nicht eine ausfüllungsbedürftige Lücke im Gesetz?

Wertpapiere, Kapital, Steuererklärung, Kapitaleinkünfte, Verlust, Wertpapierdepot, Veräußerung
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Den Staat als Erben einsetzen und gleichzeitig Erbschaftsteuer sparen?

Folgender fiktiver Fall:

Der vermögende Graf Christo von Monte (MC), der einen Großteil seines Lebens als Insasse einer Justizvollzugsanstalt des (fiktiven) Bundeslandes RWN verbracht hat, fühlt sein Ende nahen. Er möchte sich in seiner letztwilligen Verfügung einerseits für die langjährige Fürsorge des Bundeslandes erkenntlich zeigen, andererseits seinem Knastbruder Habenix (H), den er im Gefängnis kennen und lieben gelernt hat, einen letzten Liebesdienst erweisen. MC verfügt daher in seinem Testament:

"Ich, der Graf Christo von Monte, nach eigenem Dafürhalten im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, setze hierdurch als meine Erben

1) das Bundesland RWN und

2) meinen langjährigen Freund Habenix

ein. RWN soll meine Privatbibliothek (Wert ungefähr 40.000 €) bekommen. Meinetwegen können sie die der Bibliothek der JVA X, wo ich viele Jahre zugebracht habe, einverleiben. Mein restliches Vermögen (Wert ungefähr 40.000.000 €) soll Habenix bekommen."

Daraufhin legt MC sich hin und lebt ab.


Angenommen, die entscheidungsberechtigte Justizbehörde des Bundeslandes RWN schlägt - weil sie über erbschaftsteuerliche Konsequenzen nicht nachdenkt - das Erbe nicht aus. Dann müsste sich m. E. folgende Rechtsfolge ergeben:

Nach R E 3.1 Abs. 1 ErbstR ist eine Teilungsanordnung für die Erbschaftsteuer ja unbeachtlich. Folglich wird für erbschaftsteuerliche Zwecke das Gesamtvermögen (40.000.000 € + 40.000 € = 40.040.000 €) beiden Erben je zur Hälfte zugerechnet, also für jeden 20.020.000 €, und auf dieser Basis die ErbSt festgesetzt.

Klar ist, dass das Bundesland RWN, dem die ErbSt ohnehin zusteht, diese nicht von sich selbst erheben wird. Von H hingegen dürften dann wohl nur 50 % (Steuersatz Kl. III) auf 20.000.000 € (= 20.020.000 € minus 20.000 € Freibetrag), also 10.000.000 € ErbSt erhoben werden. Wäre H Alleinerbe, hätte er 20.010.000 € ErbSt abdrücken müssen.

Frage:

Kann man also auf diese Weise Erbschaftsteuer sparen, indem man den Staat als (Mit)Erben einsetzt und eine entsprechende Teilungsanordnung trifft?

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