Warum hat der öffentliche Dienst bzw. Behörden so einen schlechten Ruf?

5 Antworten

Kann ich dir sagen:

Ich komme gerade von der örtlichen Wohngeldstelle. Nach 45 min. warten kam die Dame aus einem anderen Zimmer mit ihrer Kaffeetasse in der Hand ging in ein anderes Büro wo sie dann weitere 10 min. verbrachte um der Kollegin zu erklären wie gut ihr Kuchen geschmeckt habe usw. ( Tür stand offen deswegen konnte ich das hören)

Ich lief ihr gleich nach wobei sie mir erstmal die Tür vor der Nase zuschlug weil ihr Handy klingelte. Als sie dann endlich die Tür öffnete wimmelte sie mich vor der Tür ab weil sie jetzt gar keine Zeit habe. 

Das ganze spielte sich von  15.45 -16.50 Uhr ab.... während der Sprechzeiten von 8-12 uhr und 13- 18 Uhr. 

Das war auch nicht das erste mal das ich dort während der Sprechzeiten vor verschlossener Tür stand. Sonst musste ich nur nach ca. 20 min. unverrichteter Dinge wieder gehen weil ich mein Kind in einem anderen Gemeinde aus der Betreuung holen musste. 

Es gibt solche und solche in den Behörden. Manche tragen ihren Status eben sehr dominant gegenüber dem Bürger vor, der Fragen beantwortet haben möchte.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung. Als ich ein Aufgebot für meine bevorstehende Heirat aufgeben wollte, ging ich zum zuständigen Standesamt. Da sass ein junger Beamter im dicken Ledersessel hinter seinem leeren Schreibtisch.

Ich legte ihm meine Unterlagen vor. Da fiel ihm auf, dass meine Geburtsurkunde eine beglaubigte Abschrift ist. Etwas arrogant meinte er, dass er diese Urkunde nicht anerkennt und ich die Vorlage der Geburtsurkunde im Original einzureichen hätte.

Das war mir nicht möglich, was ich ihm auch erklären konnte. Die Unterlagen wurden damals , während des Krieges in die Tschechoslowakei verbracht. Ich hatte mir vom Standesamtsregister in Berlin eine beglaubigte Abschrift meiner Geburtsurkunde besorgt. Bin in Berlin geboren.

Schnippisch meinte der junge Schnösel, dann können sie eben nicht heiraten, wenn sie mir nicht das vorlegen was ich verlange.

Bin dann auf das Standesamt der nächstgelegenen Gemeinde gegangen und habe da mein Aufgebot bestellt.Das ging völlig reibungslos mit den vorgelegten Unterlagen.

In so einem Fall trägt eine Behörde doch für ihren schlechten Ruf bei. Ein willkürlicher Akt.

Generell ist ja die Tendenz zur Privatisierung da. Und wenn dann ein Sachbearbeiter ein ihm unbekanntes, aber Staatl. anerkanntes Zertifikat sieht, weiß er trotzdem nicht genau, wie er es bewerten soll. Die Berufsausbildungen und Weiterbildungen werden immer heterogener: Dass heißt, es gibt nicht nur "Einzelhandelskauffrau A.", "DiplIng B." und "Meister C.", sondern eben diese ganzen privaten Abschlüsse, die in den eben etwas altmodischen Formularen keinen Platz finden, allerdings auch mehr Kopien seitens des Einreichenden benötigen. Was für diesen die Sache verkompliziert (mehr Zeit mit Kopien, Datensicherung etc. aufwenden) und auch für die Behörde. Diese ganze Problematik ist eben der "tollen Liberal- isierung" unter anderem zuzuschreiben. Die Wertigkeit der unterschiedlichen Abschlüsse ist nicht mehr so klar definiert wie früher. D.h., auch wenn es mehr Uniabsolventen gibt z.B. - ist ein Studium unterschiedlich zu bewerten. Natürlich gibt es ganz klassische Unterschiede der Studienfächer, aber heute verteilt sich das durch die ganzen "Fachstudiengänge" immer noch mehr. Nicht dass das schlecht wäre, aber das macht es eben auch für Sachbearbeiter schwieriger, die Lage der Menschen zu beurteilen. Und all dies führt zu der eben nicht erwünschten Zeitverzögerung. Auch muss man die Öffnungszeiten der Ämter beachten: Immer dann, wenn "man" arbeiten geht. Und möglichst viel so selbst vorbeigebracht, unterschrieben etc. werden. Meinetwegen kann das Amt ruhig auch mal von 6-20 Uhr aufhaben, mit einer Schließung dann aber zwischen z.B. 8.30-11.30 Uhr, in der sowieso alles am Arbeiten ist und die Sachbearbeiter sich eben mit der Bearbeitung kümmern. Um nochmal auf das Beispiel der Zeitarbeitsfirmen zurückzukommen: Dort hat man ein "Eingangsformular" und dann kann man oder muss man noch Zusatzformulare ausfüllen. Umso genauer man alles ausfüllen kann, umso besser. Aber wenn man nur ein Formular ausfüllen will oder muss, kann meistens auch schon auf der Basis etwas gefunden werden. Oder eben nicht. Dass heißt, die Abläufe sind sachgerecht in "Portionen" eingeteilt, man versucht gar nicht mehr, die o.a. Sachverhalte in einem "Formularsatz" einzufangen, sondern teilt es eben auf. Um mal das dir evtl. bekannte Bsp. BaföG-Antrag zu nennen: Da fragt man ja auch erst nach allgemeinen Daten, dann auf den Anlagen nach dem Rest. Und gibt es dann ab, je nachdem, ob man schon alles ausgefüllt hat, eben erst den Antrag einzeln oder mit einzelnen oder allen Formularen und evtl. den Nachweisen, wenn man sie schon zusammengesucht und fotokopiert hat. Aber die Formulare sind ja auch so angelegt: Zeile soundso - auf dem Extrablatt die Erklärung. Ich weiß nicht, ob man einfach die gesamte Erklärung in wieder neue Fragen auflösen könnte? Anstatt "Einkommen" (Erklärung: xxxx) z.B. "Was verdienen sie im Monat sozvers.pflichtig? Was verdienen sie im Minijob? Was haben sie für andere Einnahmequellen? Haben sie ein selbstständiges Neben- oder Hauptgewerbe?), also ganz konkrete Fragen anstatt dieser "pauschalen" Aussagen, die zwar nochmal verfeinert werden durch Unterfragen, die aber für den "Otto-Normalverbraucher" schwer auszumachen sind. Auch die gesamte Sprache ist ja "Beamtendeutsch". Man könnte ja die Formulare mit den "leichten", "bürgergerechten" Fragen so aufbauen, dass man nicht den Bürger, sondern die fachkundige Sachbearbeiterin solche "Erklärungen" auf extra-Blättern dahaben hat. Also stehen im Formular wie oben beschrieben so einzelne Fragen. Und die Sachbearbeiterin hat dann auf ihrem Schreibtisch ein Blatt liegen: Für mich heißt Zeile X: "Einkommen". Am transparentesten wäre es natürlich, "einfache" Fragen zu haben, und dann in Klammern reinzuschreiben in kursiv, d.h., eben für die Sachbearbeiterin, (hier: "Einkommen"). Dann kann der Bürger nachvollziehen, was die Sachbearbeiterin sagt, wenn sie sagt: "Unter Einkommen verstehe ich nicht ganz, was sie ausgefüllt haben." und der Bürger kann sagen: Ich habe den Nachweis für Zeile X, Frage X, in kursiv "Einkommen" noch nicht kopiert." dann kann sich der Bearbeiter GANZ GENAU notieren, was jetzt fehlt. Das ist natürlich nicht einfach, alle Formulare neu zu gestalten. Aber gerade sowas wie BaföG-Antrag kann man ja mal überlegen, ob man da nicht mal an die Förderung der Jugend denken sollte und sich diesen meist schon schwer arbeitenden Menschen mit Hilfe besserer Formulare weiterzuhelfen. Gerade dann auch, weil nämlich das auch eine Erleichterung in der Verwaltung ist. Denn Teilzeiutkräfte bzw. geringfügig Beschäftigte haben natürlich auch nicht mehr den Beamtenjargon so inne wie die früheren Sachbearbeiter und brauchen eben länger - ja ich wiederhole mich gerade. Gerade weil es sowieso die Tendenz gibt, dass jeder Opa mehr Geld hat als jemand, der arbeiten geht oder studiert bzw. insgesamt die Jugend. Genera- tionenungerechtigkeit ist das Stichwort, dass unsere Gesellschaft in Zukunft noch mehr belasten wird.

das ist ein böses Gerücht,man braucht immer irgendjemanden über den man sich lustig macht:Sesselfurzer/schieben nur Akten hin und her/erschweren jeden Antrag/zuviel Papierkrieg/Bearbeitung dauert lange/hocken im warmen Büro vor ihrem PC,trinken Kaffee,quatschen nur den ganzen Tag usw. Da ein Antrag/Akte in einer Verwaltung oft durch mehrere Hände geht dauert die Bearbeitung eben eine Zeitlang und wenn dann der Antragsteller anruft und Erkundigungen einholen möchte bekommt er zu hören "ich kann ihnen keine Auskunft geben weil mir die Akte nicht vorliegt.Bitte gedulden sie sich noch ein paar Wochen usw". Auch von anderen Berufsgruppen redet man schlecht-leider!

Meine Ex-Schwiegermutter arbeitet beim Finanzamt. Ihren Erzählungen konnte ich immer entnehmen, dass man sich dort nicht gerade ein Bein ausriss. Jeden zweiten Tag gab es eine Geburtstagsfeier oder ein Dienstjubiläum.

So einen lauen Job hätte ich auch gerne gehabt.

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