Darf der Chef einfach verlangen, dass die Arbeitszeit auf der Baustelle beginnt oder sind die Lenk-, Besprechungs- und Bauvorbereitungszeiten auch Arbeitszeit?

5 Antworten

Die von dir beschriebenen Zeiten gelten alle als Arbeitszeit.

Das sind Rüstzeiten, ohne die die vom AG geforderten Aufgaben nicht erledigt werden können.

Rüstzeiten umfassen alle Zeiträume während derer ein Arbeitnehmer die eigentliche Arbeit vorbereitet (z. B. Umkleiden, Waschen, Hochfahren eines Rechners usw.). Dazu können auch Zeiten zählen, während derer der Arbeitnehmer einen ursprünglichen Zustand wieder herstellt (z. B. Herunterfahren eines Rechners). Ob Rüstzeiten als vergütungspflichtige Arbeitsleistung einzustufen sind, ist eine Frage des Einzelfalles; siehe Entscheidungen des Bundesarbeitsgericht, BAG, Urteil vom 11.10.2000 – 5 AZR 122/99 und BAG, Urteil vom 19. 9. 2012 – 5 AZR 678/11 . 

Natürlich sind das alles Arbeitszeiten. Auch wenn du erst in die Firma musst, und ihr anschließend zur Baustelle fahrt, ist das Arbeitszeit.

Haltet eure Arbeitszeiten selbst fest und bestätigt sie euch gegenseitig mit Unterschrift.

und wenn der Vorgesetzte sich auf Gewohnheitsrecht beruft, es wurde schon immer hier so gemacht, wenn er dies ändert, können die Arbeiter eventuell Schadenersatz von den letzten Jahren einfordern?

@Middlemen

In Deutschland gibt es kein Gewohnheitsrecht. In der Bauwirtschaft wird doch überall Personal gesucht. Dann gehst du eben wo anders hin, wo der Chef bereit ist , die Arbeit so zu bezahlen, wie das gesetzlich vorgesehen ist.

@DerHans

aber wieso dürfen solche Menschen dann Arbeitgeber sein?

@Middlemen

Mach doch den Mist nicht mit, sobald man Umgezogen am Arbeitsplatz erscheint, zu der Zeit, die der Arbeitgeber vorgibt, muss er zahlen. Basta!

@Grautvornix

und wenn er sagt ich soll um die feste Zeit am Arbeitsort sein und mit diesen und jenen Arbeitsmitteln?

@Middlemen

DerHans kennt sich da bestens aus. Nach meiner Meinung, und so war es bei mir, zählt die Firma, also der Standort, als Ausgangspunkt. Ist bei Zeitarbeit, mit wechselnden Arbeitsstellen etwas anders.

Das ist alles Arbeitszeit. Auch die Fahrt zur Baustelle, wenn ihr vorher erst auf den Betriebshof müsst.

Schnell Gewerkschaftsmitglied werden und dann den außstehenden Überstundenlohn einfordern und bedarfsweise einklagen.

geht das auch anonym einzuklagen? da man sonst verhaltensbedingt gekündigt oder rausgemobbt wird?

@Middlemen

Eine anonyme Klage wird schwerlich möglich sein. Soll dann dein Geld auch an ein anonymes Konto geschickt werden?

Eine verhaltensbedingte Kündigung darf in solchen Fällen, wo nur sein gutes Recht eingefordert wird nicht stattfinden. Und wird es auch nicht, wenn man sich nicht komplett naiv anstellt. Und Mobbing schonmal gar nicht.

@Middlemen

Eine verhaltensbedingte Kündigung wäre nicht durchsetzbar.

Der Arbeitgeber könnte natürlich zu Mobbingmaßnahmen greifen - du ihne dann aber dafür abmahnen und erneut vor das Arbeitsgericht ziehen. Kündigt er dich mutwillig, weil du lediglich deine dir zustehenden Arbeitnehmerrechte eingeklagt hast, wäre auch diese Kündigung rechtswidrig und würde vor dem Arbeitsgericht kassiert werden.

Umso eher, je größer der Betrieb ist und möglicherweise das Kündigungsschutzgesetz angewendet werden kann.

Wie gesagt, werde schnell Mitglied der Gewerkschaft und besprich alle Aspekte eben mit deiner Gewerkschaft.

Rüstzeit ist Arbeitszeit, das gilt auch für Deinen Chef, da gibt es eindeutige Urteile: so die gesetzliche Lage.

Hier mal ein Link:

https://www.e-recht24.de/news/arbeitsrecht/10558-arbeitsrecht-arbeitsplatz-ruestzeit.html

Arbeitgeber nutzen gerne Angst des Arbeitnehmers aus, dass er seinen Job verliert, wenn er nicht den Anweisungen des Chefs folgt; auch wenn die nicht zulässig sind.

Das sind ganz klar reguläre Arbeitszeiten. Der Rest ist irgendwas zwischen Verar... und Ausbeutung. Solltest du das vor dem Arbeitsgericht einklagen (was übrigens ziemlich billig ist), müsste dir der Chef diese ganzen Leistungen für mehrere Jahre nachzahlen.

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