selber Adoptiert, muss ich es meinem Kind sagen?

5 Antworten

Um sowas würde ich nie ein Geheimnis machen wollen!

Warum auch, es ist doch vollkommen normal, das Kinder nicht immer von den Menschen begleitet werden, von denen sie in die Welt gesetzt wurden.

Ich selbst hatte zu meiner Tante ein innigeres Verhältnis als zu meiner Mutter. Meine Mutter war bereits kurz nach meiner Geburt schwer krank und ich war in der frühen Kindheit bei meiner Tante, bin dann zwar wieder zur Mutter zurück, sie starb aber dann einige Jahre später und so hatte ich nach wie vor meine "andere" Bezugsperson - ich kann mich nicht erinnern, dass da je ein Geheimnis darum gemacht wurde. Es war halt so und ging nicht anders. Und so ähnlich sehe ich auch Adoptionen.

Den "Titel" Eltern, oder besser Vater und Mutter, muss man sich mMn auch erst verdienen und wer hat diese Anrede nicht mehr verdient, als die Menschen, die sich einem Kind annehmen und es ins Leben begleiten.

Die genetische Abstammung wird aber vielleicht mal aus gesundheitlichen Gründen wichtig und von daher würde ich von Anfang an kindgerecht mit offenen Karten spielen. 

Nichts ist für einen Menschen schlimmer, als wenn er ein Leben lang belogen, oder wenn irgendwas verheimlicht wurde, was ja ihn selbst irgendwie betrifft. Und nicht jeder steckt es so locker weg, wie Du damit jetzt umgehst.

Alles Gute wünsche ich Dir und steh einfach zu Deiner Lebensgeschichte - es ist und bleibt Deine Lebensgeschichte und jedes Leben verläuft nun mal anders ;-)

Die genetischen Wurzeln sind doch im Grunde nur dann relevant, wenn es um mögliche (Erb-)Krankheiten geht.

Und früher oder später stößt man bei der Ahnensuche ohnehin an seine Grenzen. Spätestens, wenn es keine verwertbaren DNA-Spuren längst Verstorbener mehr gibt. ;)

Und naja: wer weiß schon wirklich ob der eigene Opa auch der genetische Vorfahre ist? Könnte ja nicht selten auch ein anonymer Postbote sein... o.O

XD XD XD

Ich denke, Deinem Kind musst Du lediglich ehrliche Antworten auf seine Fragen geben. Wenn es nicht fragt musst Du ihm nicht alles erzählen...

warehouse14

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Erfahrungsbericht:

Sorry, wegen leichter Unwuchten.... ich würd nicht gern breittreten wer von uns adoptiert wurde...

Unser Nachwuchs wurde in den ersten Lebensjahren nicht damit konfrontiert das Oma und Opa nicht die leiblichen Eltern von einem von uns Eltern sind. Das die Onkels nicht die "richtigen" Brüder vom Elternteil sind.

Aber da man eben von klein auf (so wie du) in einer liebevollen Familie groß wurde, die "Eltern" als Eltern wahrnahm und wahrnimmt, die Brüder "wie" richtige Brüder sind, ist es Familie - auch wenn die Genetik etwas anderes sagt.

Dann kam eines Tages die Erwachsenenadoption (als unser Nachwuchs bereits auf der Welt war und mitdenken/ Fragen stellen konnte). Als alles endlich auf dem Papier war, die Adoption endgültig vollzogen war, freuten wir uns natürlich alle. Unser Nachwuchs wollte wissen was los ist. Wir haben es erzählt.

Veränderte ja im Gefühlsleben und in der Wahrnehmung für unseren Nachwuchs null. Oma bleibt Oma, Opa bleibt Opa, die Onkels und Tanten sind wie immer, Cousins und Cousinen bleiben wie immer. Nur rechtlich wurde das angeglichen was (einer von uns Eltern) schon Jahrzehnte lang erlebte und wahrnahm

Bei einem Thema rfände ich es aber dennoch wichtig wenn man weiß ob die Eltern durch ihre Familien adoptiert wurden oder ob da rückblickend die letzten Generationen in den jeweiligen Familienlinien wirklich blutsverwandtschaft besteht. Nämlich beim Punkt "Vererbte Erkrankungen". Wenn man also eine Familienanamnese machen möchte oder muss.

Hm, also ich denke, dass sich das von selbst ergibt.

Meine Frau ist Scheidungskind und ihr Vater hat wieder geheiratet. Sie hat zu ihrer "Stiefmutter" ein ganz tolles Verhältnis und diese ist mehr Mama, als ihre leibliche Mutter das in den letzten Jahren ihres Zusammenlebens war.

Wir haben lange diskutiert, ob und wie wir unseren Kindern sagen sollen, dass die Oma eigentlich nicht die Oma ist und es eine (mittlerweile gestorbene) 3. Oma gibt.

Im Endeffekt hat unsere Tochter dann nachgefragt, wie es sein kann, dass die Oma zwar einen Sohn, die Mama aber keinen Bruder hat (schlimm, wenn Kinder anfangen nachzudenken :-)). Dann haben wir ihr das erklärt.

Nach einem kurzen "dann ist die Oma ja gar nicht die Oma!!??" kam dann aber sehr schnell die Erkenntnis, dass die Oma ja die Frau vom Opa ist und somit dann doch die Oma, auch wenn sie nicht die Mama von der Mama ist. Wir hätten den Kindern auch ermöglicht, die leibliche Oma kennenzulernen, wenn sie noch gelebt hätte, aber der Punkt hatte sich dann schon erledigt.

Kinder sind da sehr flexibel und viel unkomplizierter, als wir uns das so denken. Oma und Opa sind einfach so lange Oma und Opa, wie sie Deine Eltern sind - und auch Adoptiveltern sind ja Deine Eltern.

Unsere Tochter wurde von uns als Baby adoptiert.

Sie fragte mit etwa 3 Jahren mal, wo sie hergehkommen ist. Wir sagten wahrheitsgemäß, dass es eine Frau in der Klinik gab, aus deren Bauch sie auf die Welt gekommen ist. Das reichte ihr vorerst.

Später sah sie bewusst eine schwangere Frau.

Sie: Mutti, warum hat die Frau so einen dicken Bauch?
Wir: Weil darin ein Kind wächst.
Sie: Bin ich auch aus deinem Bauch gekommen?
Wir: Nein, aus dem Bauch der Frau in der Klinik...

Ich habe ihr jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Nun war sie völlig verstört und wollte nie wieder Geschichten hören, bei denen es um Kinder und Mütter ging.

Wir haben ihr von Anfang an die Wahrheit gesagt, doch die ist für jedes Adoptivkind schmerzhaft. Es ist ja tatsächlich eine schlimme seelische Wunde, von der Mutter weggegeben worden zu sein.

Diese Wunde kann mit dem Verstand etwas lindern, doch eine Narbe wird immer bleiben.

Wenn man es dem Kind so früh wie möglich sagt, bleibt wenigstens die Enttäuschung darüber aus, dass dem Kind etwas Existenzielles verschwiegen wurde.

hey, danke für die Antwort :) kann ich fragen, wie alt eure Tochter heute ist und wie sie jetzt damit umgeht und auch, wie es euch damit geht? Ich weiß, es ist ein sehr persönliches Thema... meine Eltern haben so lang damit gewartet, weil sie Angst hatten und nicht den richtigen Zeitpunkt gefunden haben, da ich sie kenne und weiß, wie es für sie gewesen sein muss, mir das zu verschweigen, war meine erste Reaktion tatsächlich "oh krass, das muss euch irrsinnig schwer gefallen sein" natürlich mit vielen Tränen. Ich denke, hätte Sie es mir eher erzählt, zum Beispiel mit 18/20 hätte es mich komplett umgehauen und auch unserer Beziehung geschadet

@MilaNoGold

Schön, dass du das Thema nicht einfach zu den Akten gelegt hast.
Heute ist sie 40, verheiratet und hat selbst 2 Kinder (8 und 11). Im Grunde geht es ihr gut, doch in der Tiefe besteht diese Wunde immer noch. Im Alltag fällt das nicht auf, doch die Gefahr, den Schmerz unabsichtlich zu triggern, ist immer da.
Wir als Eltern leben getrennt, doch jeder von uns hat eine wirklich gute Beziehung zu ihr und den Enkelkindern.
Ich kann dich verstehen, entweder sagt man es dem Kind von Anfang an oder man wartet, bis es in der Lage, die Adoption als sein Schicksal positiv anzunehmen. Mit 18 ist man zwar volljährig, aber nicht erwachsen.
Schön, dass es bei dir und bei mir alles so gut ausgegangen ist. Ich kenne genug Fälle, wo die Adoption der Start in eine Dauerdrma war und heute noch ist...

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