Frage von DerYeti, 169

Versicherungsexperten gefragt - AXA Lebensversicherung schlechte Performance

Hi Leute,

Im Jahre 1999 anno domini habe ich eine Fondgebundene Lebensversicherung auf den Fond Axa Chance Invest DE0009789453 abgeschlossen. (mit Dynamik und Berufsunfähigkeitsschutz)

In den letzten Jahren war ich von der Performance der Police sind begeistert - der Versicherungsmakler meinte auf Nachfrage: Das liegt an den nervösen Finanzmärkten...

Vor etwa 4 Wochen war ein Bericht im Focus zum Thema Lebensversicherungen. In diesem war zu lesen, dass man seinen Versicherer anschreiben soll und die Zahlen der eingezahlten Beiträge und den aktuellen Rückkaufswert erfragen soll.

Das habe ich auch gemacht. Heute kam die Antwort von AXA.

Zitat: "Eine Aufzählung über die eingezahlten Beiträge können wir Ihnen leider nicht liefern. Nutzen Sie hier bitte Ihre Bankbelege." Bitte??? Die können mir nicht sagen was ich eingezahlt habe?

Na gut - habe meine Ordner gewälzt, die Zahlen in Excel eingetragen. Summe 12.882 Euro

Ich war ziemlich geschockt - der Rückkaufwert beträt schlappe 6.740 Euro - Eine Wertentwicklung von -47,68 % Respekt!!!

Am Kurs des Fonds kanns nicht liegen - der notiert nahe seines Hochs.

Was ist Euere Meinung dazu? Beitragsfrei stellen? Verkauf ist wohl wegen der Steuer keine Alternative, oder?

Noch ein paar Einzelheiten zum Vertrag: Laufzeit bis 2046, Die BU liegt im Monat bei 30,61 Euro - allerdings wurde die erst 2003 in den Vertrag aufgenommen... Jährliche Dynamik von 5 % - habe ich dieses Jahr gleich mal streichen lassen.

Antwort
von Niklaus, 127

Also hier ist einiges im Argen. Eine Versicherung kann immer alle Einzahlungen nachvollziehen. Ich glaube nicht, dass die AXA dazu nicht in der Lage ist. Die Berechnung der Rendite ist auch falsch. Denn du musst auf alle fälle die Beiträge für deine Berufsunfähigkeit von den Altersvorsorgebeiträgen abziehen. Auch der Todesfallschutz kostet extra Risikoprämie. Diese Beiträge plus Verwaltungskosten gehen vom Beitrag ab und bilden keine Vermögen. aber das sollte man vor Abschluss wissen. Die großen Baissen in 2000, 2008 und 2011 gingen natürlich auch nicht an dem besparten Fonds vorbei.

Fazit: Du hast eine Absicherung gegen Tod, du hast eien Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und du hast eine Versicherung, die am Ende der Laufzeit steuerfrei ausgezahlt wird. Selbst wenn die Versicherung sich nicht gut im Wert entwickelt, so glaube ich doch , dass der Fonds mehr Rendite erwirtschafte als jedes Festgeld und das auch noch steuerfrei. Wenn die den Vertrag beitragsfrei stellst, hast du auch keine BU mehr.

Antwort
von Sobeyda, 141

Ich kenne keine Versicherung deren Bestandsführungssystem, die eingezahlten Beiträgen nicht gespeichert hat. Daher wundert es mich, dass Deine Versicherung nicht in der Lage ist, Dir diese Beiträge zu nennen.

Von Deinem Beitrag werden Kosten entnommmen. Zu Beginn sind das insbesondere Abschlusskosten. Die Abschlusskosten werden in der Regel auf die Beitragssumme bezogen, also Monatsbeitrag * 12 * (2046 - 1999). Branchenüblich sind 4% (unmittelbare) Abschlusskosten und mit 4% von der obigen Beitragssumme bist Du dann erst einmal in den Miesen. Von den Beiträgen der ersten Monate werden also erst mal keine Fondsanteile gekauft, weil Du Abschlusskosten tilgen musst.

Wenn die Abschlusskosten getilgt sind werden den Beiträgen immer noch Verwaltungs- und Inkassokosten entnommen. Weiterhin werden auch von dem Anteil, der in die BU geht, keine Fondsanteile gekauft. Und falls Du noch eine Todesfallleistung haben solltest, können dafür Risikobeiträge fällig werden.

Kurz: es wird nur ein Teil der Beiträge tatsächlich verwendet um Fondsanteile zu kaufen. Da nützt dann auch eine gute Performance nur beidingt.

Erträge aus Lebensversicherungen sind nur dann steuerpflichtig, wenn sie nach 2005 abgeschlossen wurden, ob ein Verkauf sinnvoll ist, vermag ich nicht zu entscheiden, weil ich mich damit nicht genug auskenne. Beitragsfreistellung wäre eine Möglichkeit, aber auch dann werden Verwaltungskosten fällig, die dann aus dem Fondsvermögen entnommen werden. Und eine BU kann man häufig nicht beitragsfrei stellen.

Vielleicht suchst Du mit Deinem Problem mal einen Makler auf.

Kommentar von DerYeti ,

"Ich kenne keine Versicherung deren Bestandsführungssystem, die eingezahlten Beiträgen nicht gespeichert hat. Daher wundert es mich, dass Deine Versicherung nicht in der Lage ist, Dir diese Beiträge zu nennen."

Ja - das hat mich auch sehr gewundert. Frei nach dem Motto vielleicht merkt er's nicht...

Wenn ich nun den Vertrag beitragsfrei schalte, fallen dann trotzdem noch Verwaltungskosten an? Die Beitragsbefreiung ist sicherlich auch mit Kosten verbunden, oder?

Ich kenne mich mit dem Provisionssystem der Versicherer leider nicht aus. Ist die Provisionszahlung in diesem Vertrag abgeschlossen, oder zahle ich aktuell immer noch?

Mal angenommen ich würde diesen Vertrag weiter besparen - wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit (niemand weiß wie sich die Finanzmärkte entwickeln) dass ich jemals mit dem Vertrag eine positive Rendite habe, also mehr rausbekomme als ich einbezahlt habe? Wie ist Deine Einschätzung?

Antwort
von Rat2010, 99

Da stelle mer uns amal jaaanz domm:

Du hast einen Vertrag, der zunächt mal eine Lebensversicherung ist. Dazu hast du in dem Vertrag eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Was leistet die Haftpflichtversicherung deines Autos???

Man kann aus einer Versicherung möglicht viele Versicherungen raus nehmen, ist dann aber natürlich dagegen (z. B. gegen Berufsunfähigkeit) nicht mehr versichert.

Man kann auch einen Fondssparplan machen. Da ist man gar nicht versichert. Dafür bildet man schnell Vermögen. Dass aber eine Versicherung - nicht nur wegen der Versicherungs-, auch wegen der anderen Kosten (in dem Fall wegen der Laufzeit enorme Abschlusskosten) - Geld kostet, sollte jedem klar sein. Dafür leistet sie auch, wenn der Versicherungsfall eintritt.

Es ist also alles normal gelaufen. Wenn der Vertrag so schon passt, kann man die Dynamik streichen. Sie hat im Vergleich zur Erhöhung (bei über 30 Jahren Restlaufzeit) eine Menge Abschlußkosten gekostet. Wenn du keine Nachkommen mehr bekommst und sicher nie berufsunfähig wirst kannst du auf die Versicherung verzichten.

Die eierlegende Wollmilchsau, die du glaubtest zu haben, die gibt es gar nicht.

Ich ziehe nebenbei Fondssparpläne eindeutig vor und halte nichts von Nicht-Risiko-Versicherungen, also Verträgen wie deinen, weil sie eben oft - und oft genug mit Blick auf die Provision - falsch verkauft werden. Lass dich vernünftig beraten! Je nachdem war auch das mit der gestrichenen Dynamik schon keine gute Idee. Wenn dir jemand wieder eine Versicherung mit Kapitalbildung verkauft, war es nebenbei ganz sicher keine gute Beratung.

Tendenziell sollte der Vertrag fortgeführt werden, weil du tendenziell weder die Lebensversicherung noch die BU 15 oder zehn Jahre nochmal so billig bekommst.

Kommentar von Niklaus ,

weil sie eben oft - und oft genug mit Blick auf die Provision - falsch verkauft werden

Solche Unsachlichkeit hätte ich von dir nicht erwartet. Es gibt auch bei einem Fondsspaplan provisionen.

Kommentar von Rat2010 ,

Sorry für die späte Reaktion. War in Urlaub.

Was ist daran unsachlich??? Es ist allgemeingut, dass Kapitalversicherungen oft - und oft genug mit Blick auf die Provision - falsch verkauft wurden.

Willst du das wirklich anzweifeln oder meinst du etwas ganz anderes?

Antwort
von mig112, 88

Also wenn du vor 10 Jahren die BU eingeschlossen hast, dann musst du doch von deinen Einzahlungen 30,61 EUR1210 = 3700 EUR abziehen! Dazu noch den 5%igen Ratenzuschlag auf die Gesamtprämie und die erheblichen Vertragskosten für eine Police mit unglaublichen 47 Jahren Laufzeit....

deine Überraschung kann ich schwerlich nachvollziehen!

Nimm die Dynamik jedes 2. Jahr raus und zahl weiter deine Beiträge.

Kommentar von GAFIB ,

@mig112: Dass die Beitragsteile für die BUZ abzuziehen sind, ist richtig.

Der Satz "...Überraschung ist schwerlich nachzuvollziehen"... ist für mich schwerlich nachzuvollziehen:

Welcher Versicherungsvermittler (zumal anno 1999) hat denn die Kunden verständlich aufgeklärt über die Vertragskosten? Wer das gemacht hätte, hätte sich einen großen Teil der Abschlüsse verbaut.

Die Kosten waren im Kleingedruckten perfekt versteckt und kein normaler Mensch konnte die verstehen. Das ist erst in den letzten Jahren durch neue Regulationen etwas besser geworden, so dass eine gewisse Kostenkontrolle seitens der Kunden stattfinden kann.

http://www.vzhh.de/versicherungen/313170/axa-ein-bisschen-mehr-darfs-sein.aspx

Kommentar von DerYeti ,

Meine Überaschung ist schwerlich nachzuvollziehen???

Ich dachte ich hätte einen Vertrag für eine private Altersvorsorge abgeschlossen und keinen Vertrag zur Alimentierung eines Versicherungskonzerns und dessen Mitarbeiter.

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und ich versuche das Beste daraus zu machen. Vogel-Strauß-Methode - also Kopf in den Sand und weiter zahlen ist meines Erachtens nicht die beste Strategie!

Kommentar von Candlejack ,

Ich dachte ich hätte einen Vertrag für eine private Altersvorsorge abgeschlossen und keinen Vertrag zur Alimentierung eines Versicherungskonzerns und dessen Mitarbeiter.

Du hast einen Kombivertrag über Vorsorge, BU und evtl. noch Todesfallanteile abgeschlossen. Fraglich ist also, wie viel Deiner Beiträge tatsächlich in die Altersvorsorge gehen. Da wird also wohl nix alimentiert (je genau, sie bööösen und gierigen Versicherungen), da geht einiges an den Prämien in Risikobausteine und ist eben futsch. Genau wegen sowas werden solche Verträge getrennt abgeschlossen und auch die BU der Axa hatte 2003 (in meinen Augen) noch erhebliche Klauselmängel, die ich nicht gekauft hätte.

Die Tipps von Focus sind manchmal sehr oberflächlich und passen nicht auf jeden Kunden bzw. sollten die jeweiligen Hintergründe bekannt sein, bevor man Entwicklungen von -47% attestiert. Focus ist eigentlich auch nur sowas wie ne Hochglanz-Bild und ihr bester PR-Spruch war bisher "Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken..." ;-)

Antwort
von HilfeHilfe, 80

Es ist ein Kombivertrag. Wir haben einen alten Renten samt BU Vertrag rausgekramt. Es waren geringere Summen. allerdings auch ärgerlich. Wir werden es jetzt trennen. Die Fondsrente wird umgeschichtet und der Riester erhöht und die BU seperat abgeschlossen.

Wie du in deinem Fall verfahren sollst sagen dir die Experten !

Allerdings solltest du vor augen halten das LV + BU seperat nicht immer günstiger gekommen wäre.

Das sollte man immer in die Betrachtungsweise einfliessen lassen.

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