Frage von Anympalee, 128

Diplom Informatiker Anmeldung als Freiberufler

Hallo,

ich bin Diplom-Informatiker (Studium an einer Universität) und möchte nebenberuflich kleinere Sachen machen. Umsatzerwartung für das nächste Jahr vielleicht 1000 Euro.

Tätigkeiten wären zum Beispiel Einrichtung von Computern und Aufbau eines Servers für ein kleines Unternehmen. Oder auch Hosting und Betreuung von Webseiten.

Ich habe schon selbst versucht, zu recherchieren und festgestellt, dass das bei Diplom-Informatikern nicht ganz so einfach ist, weil es von der Art der Tätigkeit abhängt. Auch das Finanzamt habe ich gefragt, aber aus deren Antworten bin ich nicht ganz schlüssig geworden.

Was sollte ich also angeben, damit meine Tätigkeiten als freiberuflich anerkannt werden?

Könnt ihr mir da Tips geben?

Antwort
von gandalf94305, 128

Im §18 EStG wird festgelegt, daß als freiberuflich "_die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit_" gilt, sowie verschiedene Berufe als freiberuflich qualifiziert sind. Unter den Katalogberufen sind für Informatiker wesentlich Ingenieure und beratende Volks- und Betriebswirte.

Wichtig sind für eine freiberufliche Bewertung (und die Finanzämter sind sich darin nicht einig):

  • Die fachliche Ausweisung ist per Hochschulabschluß oder Nachweis entsprechendere Kompetenzen über Zusatzausbildungen oder Zeugnisse eines Arbeitgebers darzustellen.

  • Die Eigenverantwortlichkeit, ingenieurmäßige Vorgehensweise oder kreative Komponente muß in einer Art und Weise gegeben sein, daß es sich nicht nur um die Abarbeitung vorgegebener Arbeitsschritte handelt, sondern eine ingenieurartige oder betriebswirtschaftliche Hochschulausbildung Voraussetzung ist.

Wenn Dich das Finanzamt fragt, bleibe kurz und knapp und technisch. Trivialisiere nicht die Aufgaben und vermeide Tiefstapeln der Verantwortung, Kompetenzen, Kreativität und Ingenieurmethoden bei Deiner Tätigkeit. Leistungen nach Aufwand riechen eher nach gewerblichen Tätigkeiten, während Werksaufträge eher freiberuflichen Character haben.

Leider gibt es kein Geheimrezept, wie das sicher als Freiberuf gelten wird.

Antwort
von wfwbinder, 110

Das Finanzamt ist ja auch Finanzamt (steht so über dem Eingang) und keiner Steuerberatung.

  1. Die Tätigkeit als Diplom - Informatiker ist eindeutig freier Beruf.

  2. Hosting wäre eine gewerbliche Tätigkeit.

Wenn Hosting als Service von untergeordneter Bedeutung angeboten wird, würde es die freiberufliche Tätigkeit nicht stören und könnte mit darüber abgerechnet werden.

Eigentlich bei 1.000,- Euro im Jahr fast egal, weil sowieso keine Gewerbesteuer anfallen würde.

Aber man kann ja nicht im Voraus ahnen, welchen Umfang die nebenberufliche Tätigkeit annimmt.

Ich würde es (die Beratertätigkeit) erstmal mit dem "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" beim Finanzamt anmelden (kann man im Internet auf dem Formularserver des Bundesfinanzministeriums laden).

Kommentar von Anympalee ,

Danke für die Antwort.

Ich hätte noch dazu schreiben sollen, dass die Frage daher auch rührt, weil ich genau das Formular vor mir hatte. Dort muss ich meine Tätigkeit eintragen.

Reicht es, wenn ich einfach "Beratung" eintrage? Oder muss es etwas genauer sein? Sollte ich das Hosting dann weglassen? Es würde tatsächlich eine untergeordnete Rolle spielen, denn ich möchte in erster Linie für zwei oder drei befreundete Unternehmen eine Miniwebseite betreuen.

Kommentar von wfwbinder ,

Da Webseitendesign auch zu dem Bereich der freiberuflichen Tätigkeit gehört, könnte die Tätigkeit so beschrieben werden (nicht zutreffendes weglassen):

Beratungen im Bereich EDV, IT und im Webseitendesign.

Kommentar von Anympalee ,

Vielen Dank!

Kommentar von Mikkey ,

Die Tätigkeit als Diplom - Informatiker

Hier muss ich mal einige Erbsen zählen -

"Diplom-Informatiker" ist weder Tätigkeit noch Beruf, sondern ein akademischer Abschluss. Je nachdem, was in dem Zusammenhang da an den Kunden verkauft wird, kann das freiberuflich sein oder auch nicht. Die in der Freage genannten Tätigkeiten fallen aber samt und sonders nicht in die Freiberuflichkeit

Freiberuflich können solche Aufträge sein, bei denen die Ingenieursleistung, Beratung oder die schöpferische Leistung im Vordergrund steht.

Antwort
von Sobeyda, 97

Geht es wirklich nur um einen Umsatz von 1.000 EUR im Jahr? Dann wird das Finanzamt wohl kaum prüfen, weil nix dabei rauskommt.

Ich bin für meine Kunden immer wissenschaftlich tätig, bisher hat sich noch niemand dagegen gesträubt, das in den Vertrag zu schreiben. Und Betreuung von Webseiten ist doch bestimmt eine künstlerische Tätigkeit...

Hier ist etwas Kreativität gefragt.

Kommentar von Anympalee ,

Ja, Eintausend Euro. Ist jetzt auch nur so dahergesagt, aber irgendwo in dem Bereich. Ich will das wie geschrieben nebenberuflich, aber auch nicht "Unter der Hand" machen. Es gibt viele Leute im Umfeld, die um Rat fragen, denen ich auch gerne helfe. Mitlerweile rufen aber schon Freunde von Freunden von Freunden an und wollen gerne meine Beratung. Und da würde ich dann schon gerne einen Obulus für die Beratung verlangen können.

Antwort
von EnnoBecker, 90
Auch das Finanzamt habe ich gefragt

Das Finanzamt hat keine Steuerberatungsbefugnis, und das aus gutem Grund: Man muss das nämlich können.

Man fragt ja auch nicht die kassenärztliche Verrechnungsstelle, wenn man sich über die Risiken einer Operation informieren will.

Die Einrichtung von Computern und der Aufbau eines Servers für ein kleines Unternehmen, Hosting und Betreuung von Webseiten sind gewerbliche Tätigkeiten. Dass du dabei auch Diplom-Informatiker bist, ändert an der Art der Tätigkeit nichts.

Wenn ein Arzt hingeht und Baseballschläger verkauft, ist das auch gewerblich, selbst wenn er Chefarzt ist.

Bei einer Umsatzerwartung von 1.000 Euro pro Jahr (oder war das ein Schreibfehler?) ist das aber auch völlig egal.

Kommentar von Anympalee ,

Meine Erfahrung mit meinem Finanzamt ist bei meiner Steuererklärung als Arbeitnehmer super. Die haben mir schon mehrfach gute Tips gegeben.

Ich wollte in erster Linie damit ausdrücken, dass ich schon versucht hatte, mich selbst zu informieren und nicht einfach als erstes eine Frage beim nächstbesten Portal eingestellt habe.

Vielen Dank für Deine Antwort. Da es sich um eine nebenberufliche Sache handelt, waren die Eintausend Euro kein Schreibfehler. Weitere Erklärung siehe unten.

Kommentar von EnnoBecker ,
Meine Erfahrung mit meinem Finanzamt ist bei meiner Steuererklärung als Arbeitnehmer super. Die haben mir schon mehrfach gute Tips gegeben.

Das war dann nicht das Finanzamt, sondern ein dort Beschäftigter, der seine Befugnisse übertreten hat.

Wenn ich regelmäßig bei rot über die Straße gehe und niemand greift mich, kann ich daraus ja auch nicht ableiten, dass es schon okay ist so.

Bei 1.000 Euro Umsatz bleiben womöglich weniger als 820 Euro Gewinn bei dir hängen. In diesem Fall sollteste du § 46 (3) EstG, § 70 EStDV beachten, das ist die sogenannte Härtefallregelung.

Kommentar von Anympalee ,

Danke für den Hinweis.

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