Frage von rasanto,

Dürfen Kleinunternehmer ihr Firmenguthaben auf dem privaten Girokonto lagern?

Ein Freund von mir ist als Kleinunternehmer mit einem Ein-Mann-Betrieb selbständig und er meinte, dass er das Geld von seinem Firmenkonto immer wieder auf sein privates Tagesgeldkonto schiebt, weil er da mehr Zinsen bekommt. Geht das? Oder bekommt er da Probleme mit der Steuer?

Antwort
von Meandor,

Natürlich geht das. Sieht man ja daran, dass er es macht.

Und warum die Bank da Probleme machen sollte, erschließt sich mir nicht auf den ersten Blick. Er hat ja ein Firmenkonto, über das er die Firmentransaktionen abwickelt. Wenn er die Überschüsse auf sein Privatkonto transferiert, dann ist das so. Wenn er dadurch das Firmenkonto in die Miesen reitet, macht das der Bank bestimmt nix.

Steuerlich tätig er mit der Überweisung eine Privatentnahme und mit der Rücküberweisung eine Privateinlage.

Antwort
von ellaluise,

Als Einzelunternehmer muß man doch sowieso sein ganzes Einkommen versteuern.

Ist jetzt die Entnahme von Geschäftskonto nicht als Privatentnahme zu sehen? Was dann mit dem "Privatgeld" gemacht wird ist doch Privatsache. Wird wieder Geld auf dem Geschäftskonto benötigt macht man wieder eine Privateinlage. Gibt es da wirklich ein Problem?

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich sehe das ebenso wie du.

Antwort
von traderjoes,

Vorsicht. Guthaben auf dem privaten Tagesgeldkonto unterliegt normalerweise automatisch der Abgeltungsteuer. Die gilt aber nicht für Unternehmen.

Die Zinsen für das Firmenguthaben müssen daher separat als Betriebseinnahmen versteuert werden.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das ist doch so nicht richtig.

Wenn er Geld von seinem Firmenkonto nimmt, dann entnimmt er. Und den Entnahmebetrag legt er (privat) wieder an. Damit ist der Steuersatz im Normalfall auf 25% begrenzt.

Das Tagesgeld ist doch kein Betriebsvermögen. Wie soll das denn gehen?

Kommentar von traderjoes ,

Die Frage war, ob er Firmenguthaben auf einem privaten Tagesgeldkonto lagern kann. Da sage ich generell: Nein. Denn die Zinsen für Firmenguthaben sind Betriebseinnahmen und als solche zu versteuern.

Von einer Privatentnahme war nicht die Rede.

Schwierig wird es hier, da als Einzelunternehmer schlecht zwischen Firmenvermögen und Privat zu trennen ist. Das sollte wirklich mit einem Steuerberater abgesprochen werden.

Kommentar von EnnoBecker ,

Von einer Privatentnahme war nicht die Rede.

Muss auch nicht. Das ergibt sich aus den steuerrechtlichen Gegebenheiten.

Kapitaleinkünfte sind subsidiär, § 20 (8) EStG. Das bedeutet, sie sind nur dann Kapitaleinkünfte, wenn sie nicht Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb, aus selbständiger Arbeit oder aus Vermietung und Verpachtung[1] sind.

Daher muss die Eigenschaft des Tagesgelds als Betriebsvermögen geprüft werden. Der Fragesteller schreibt hierzu:

auf sein privates Tagesgeldkonto schiebt,

Damit hat er eindeutig eine Zuordnung getroffen. Es kann also sogar dahinstehen, ob ein Tagesgeld überhaupt BV sein KANN[2]. Mit der "Schieberei" HAT er entnommen und damit die eindeutige Zuordnung zum BV unterlassen.

Das sollte wirklich mit einem Steuerberater abgesprochen werden.

Ist hier geschehen.


[1] Gerade bei der Vermietung sind die Zinsen aus einer Anlage einer Instandhaltungsrücklage definitiv Kapitaleinkünfte, R 21.2 (2) EStR. Warum sollte das bei Gewinneinkünften anders sein?
[2] Kann es. Aber dazu braucht man andere Voraussetzungen, vgl. H 4.2 (1) EStH.

Kommentar von traderjoes ,

Gut zu wissen. Danke.

Antwort
von Privatier59,

Man sollte die steuerlichen Auswirkungen solcher Aktionen besser mit dem Steuerberater abstimmen.

Ganz nebenbei: Die eigene Bank wird sich ja auch "bedanken" dafür, Firmengelder auf Privatkonten zu haben. Insofern kann ich nicht verstehen, wie man sich ob geringer Zinsvorteile da den Ärger einhandeln will.

Kommentar von EnnoBecker ,

Mit der Entnahme durch

immer wieder auf sein privates Tagesgeldkonto schiebt,

sind das keine Firmengelder mehr.

Beachte auch H 4.2 (1) EstH: "Ein Wirtschaftsgut gehört nicht schon allein deshalb zum notwendigen Betriebsvermögen, weil es mit betrieblichen Mitteln erworben wurde.... (>BFH vom 13.8.1964 – BStBl 1964 III S. 502)."

Kommentar von Privatier59 ,

Recht hast Du. Ich mußte mich heute morgen nur anderen dringenden Angelegenheiten widmen, deshalb konnte ich das im Detail nicht mehr ausführen.

Antwort
von volksbanker,

Wie schon geschrieben - der Ärger ist vorprogrammiert.

Banken wollen Privat- und Geschäftskonten strikt trennen - irgendwann wird es auffallen und dein Freund wird angemahnt. Im schlimmsten Fall wird das Konto komplett gekündigt!

Antwort
von Typderfinanzen,

Mit der Steuer nicht, die zahlt ob Privat oder Geschäftlich. Aber die Bank wird das nicht gerne sehen. Vorallem die Direktbanken ....

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