Frage von Tessa44, 4.573

Was bekommt man an Geld bei Totalschaden am Kfz ausbezahlt?

Wenn es zum Totalschaden am Kfz kam-wie verhält es sich dann mit der Auszahlung die man erhält-bekommt man den Restwert oder die Wiederbeschaffung-mit oder ohne MwSt? Kann man das so pauschal beantworten oder ist das je nach Versicherung verschieden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von freelance, 4.573

ein Gutachter sollte so den Betrag feststellen. Der ermittelt die Reparaturkosten, dann den Marktwert des Wagens in dem Sinne, was dieser bei Kauf kosten würde. Hierzu berücksichtigt er auch die lokalen Gegebenheiten.

Konkreter Fall aus meinem Bekanntenkreis: 2 Personen hatten einen Audi A4, BJ 1 Jahr Unterschied, Ausstattung ähnlich, der eine quattro, der andere nicht. Beide Pkw hatten einen Schaden mit wenigen Monaten Unterschied. Beide Pkw warten über 10 Jahre alt.

Das Gutachten kam von der gleichen lokalen Gutachterstelle. Und in beiden Gutachten stand der Restwert. Der Quattro war angeblich noch über 7.000 Euro wert, der ohne 4-Rad knapp über 3.000 Euro (im Sinne des Wiederbeschaffungswertes). Beide Schadenssummen langen über den jeweiligen Restwerten. D.h. beide Pkw waren sogesehen Totalschäden und ausbezahlt wurde je der Wiederbeschaffungswert. Der Besitzer des nicht Quattro war erstaunt, dass der Unterschied so gross sein kann. Laut Gutachter ist es aber so.

Antwort
von Primus, 3.999

Es gibt den technischen und den wirtschaftlichen Totalschaden.

Da beide Arten unterschiedlich behandelt werden, lies Dir mal folgenden Artikel durch, der Dir einiges dazu erklärt:

http://www.finanztip.de/recht/verkehr/totschd.htm

Antwort
von hildefeuer, 3.520

Man erhält den Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert ohne MWST, da ja keine Rechnung vorliegt aus der die MWST hervorgeht. Der Restwert des Schrotts wird über eine Autionsbörse ermittelt, auf dem die Verwerter des Schrotts bieten können. Beim Wiederbeschaffungswert aber genau aufpassen das alles aufgeführt ist. Meist fehlen wichtige Dinge, wie z. B. AHK oder Klima.

Antwort
von gammoncrack, 3.317

Du kannst Dir Differenz Wiederbeschaffungswert ./. Restwert auszahlen lassen. Die Mehrwertsteuer wird Dir nur erstattet, wenn Du Dir ein Fahrzeug mit ausgewiesener MwSt. kaufst, somit im Regelfall von einem Händler. Du darfst natürlich nicht vorsteuerabzugsberechtigt sein. Die Erstattung der MwSt. ist natürlich begrenzt auf die im Gutachten ausgewiesene.

Die Abrechnung ist bei allen VU gleich.

Antwort
von Privatier59, 2.741

Das kann man ganz einfach abkürzen: Es ist gängige Praxis, dass man bei Unfällen dieser Art den Zustand und Wert des Fahrzeugs durch einen Kfz-Sachverständigen ermitteln läßt und was der als Wert ansieht, wird dann bezahlt. Was verstehst Du im übrigen als "Wiederbeschaffungswert"? Mehr als den Wert der zerstörten Sache gibt es nicht.

Kommentar von hildefeuer ,

Der Wiederbeschaffungswert ist meist nicht der Zeitwert. Dann müsste man schon einen PKW mit gleicher Farbe und Ausstattung finden was meist nicht möglich ist.

Antwort
von mig112, 2.627

Wiederbeschaffungswert vor dem Schadenfall abzüglich Restwerte (Schrott) und eventuell Selbstbeteiligung.

Bei Privatleuten inkl. MwSt.; bei Vorsteuerabzugsberechtigten ohne MwSt.

Kommentar von hildefeuer ,

Mit der MWST liegt Du völlig falsch. Die wird nur bei vorlage einer Rechnung erstattet. Wird also nicht repariert gibt es keine MWST.

Kommentar von mig112 ,

@hildefeuer Ich halte deinen Kommentar für vollkommen FALSCH!

Und zwar aus dem einfachem Grund, dass dem Geschädigten ein Schaden nach der von mir beschriebenen Formel entstanden ist! ZW - Sr - SB = Regulierung

Untermauere deine These mal mit einer Rechtsquelle; aber geh' vom Totalschaden aus.

Kommentar von hildefeuer ,

hatte ich selbst 1999. Die MWST wurde nicht erstattet. Es ist ja möglich das sich das geändert hat.

Kommentar von gammoncrack ,

Wenn Du Dir damals kein anderes Auto incl. MwSt. gekauft hast, ist das so auch richtig kommentiert.

Kommentar von gammoncrack ,

Die MwSt. wird auch erstattet, wenn man sich ein neues oder gebrauchtes Auto mit ausgewiesener MwSt. kauft.

Kommentar von mig112 ,

"Mehrwertsteuer in der Unfallschadensregulierung:

Bereits vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über die seit 01.08.2002 geltende gesetzliche Neuerung zur Regulierung der Mehrwertsteuer nach einem Verkehrsunfallschaden berichtet und versprochen, meine Ausführungen fortzusetzen sobald sich Tendenzen in der Rechtsprechung, wie mit den neuen Vorschriften umzugehen ist, abzeichnen.

Nun ist es soweit und ich will deshalb mein Versprechen hier einlösen.

Rückschauend sehen wir, dass unser 1. Beitrag zu diesem Thema und die dort vertretenen Rechtsansichten im Großen und Ganzen von der Rechtsprechung bestätigt worden sind. Ich will mich daher an dieser Stelle nicht wiederholen und stattdessen näher eingehen auf die Problematik der Mehrwertsteuerregulierung nach Eintritt eines Totalschadens an einem KfZ.

Für alle Unfälle seit dem 01.08.2002 gilt, dass der für die Wiederherstellung des früheren Zustandes an einem KfZ erforderliche Geldbetrag die Umsatzsteuer nur noch dann einschließt, wenn und soweit sie tatsächlich angefallen ist. Bei einem Totalschaden stellt sich daher die Frage, ob in dem Wert des Fahrzeuges vor Eintritt des Schadensereignisses, dem Wiederbeschaffungswert, Mehrwertsteuer in gesetzlicher Höhe von 16 % überhaupt enthalten ist oder nicht.

Die Haftpflichtversicherungen der Schädiger haben seit Einführung der gesetzlichen Neuregelung soweit ersichtlich ausnahmslos und aus ihrer Sicht selbstverständlich die Auffassung vertreten, dass in jedem Wiederbeschaffungswert, sei er auch noch so gering festgesetzt, die Mehrwertsteuer in gesetzlicher Höhe von 16 % enthalten ist und haben daher bei der Schadensabrechnung vom Wiederbeschaffungswert diese 16 % abgesetzt.

Solche Praktiken haben sich mittlerweile als grundsätzlich rechtswidrig herausgestellt. Insbesondere Altfahrzeuge - das sind solche mit einem Alter von über 7 Jahren - werden auf dem Geschädigten allgemein zugänglichen Gebrauchtwagenmarkt nur noch zu einem verschwindend geringen Prozentsatz mit ausweisbarer Mehrwertsteuer von 16 % angeboten.

Dies wurde erkannt und von der Fa. Schwacke, die einer der Marktführer auf dem Gebiet der Fahrzeugbewertungen ist, mit einer gesonderten Liste umgesetzt, die Auskunft darüber gibt, zu welchem Prozentsatz Fahrzeuge bestimmter Marken noch mehrwertsteuer ausweisbar angeboten werden oder nicht.

Die Rechtsprechung dazu ist aber nach wie vor nicht einheitlich. Dem Geschädigten können daher lediglich Anhaltspunkte wie folgt an die Hand gegeben werden:

a) Fahrzeuge die nicht älter als 2 Jahre sind werden im seriösen Gebrauchtwagenhandel in der Regel mit ausweisbarer Mehrwertsteuer angeboten. Hat der Geschädigte mit seinem noch so jungen Fahrzeug einen Totalschaden erlitten, so wird im Wiederbeschaffungswert Mehrwertsteuer in Höhe von 16 % enthalten sein und der Schädiger bzw. sein Haftpflichtversicherer dürfen diesen Betrag herausrechnen.

b) Fahrzeuge mit einem Alter von 3 - 7 Jahren werden dagegen in der Regel auf dem seriösen Gebrauchtwagenmarkt nur noch mit ausweisbarer Differenzmehrwertsteuer angeboten. Dabei handelt es sich um die auf den Gewinn des Fahrzeugverkäufers anfallende Mehrwertsteuer.

Hier bildet sich eine einheitliche Linie der Gerichte aus, die einen pauschalen Abzug von 2 % des Wiederbeschaffungswertes für gerechtfertigt hält.

Der Geschädigte, dessen zwischen 3 und 7 Jahre altes Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hat, sollte sich deshalb bei der Schadensregulierung keinen höheren Abzug als 2 % vom Wiederbeschaffungswert gefallen lassen.

c) Schließlich werden Fahrzeuge die älter als 8 Jahre sind im seriösen Gebrauchtwagenhandel kaum noch mit Gewinn verkauft. Vielmehr ist es ein Zeichen der Zeit, dass solche Fahrzeuge von Autohäusern häufig auch noch überteuert zurückgenommen werden müssen, um das Neuwagengeschäft mit dem Kunden abschließen zu können. Der Wiederbeschaffungswert solcher Fahrzeuge umfasst dann gar keine Mehrwertsteuer mehr.

Geschädigte deren über 8 Jahre altes Fahrzeug einen Totalschaden erlitten hat sollten sich deshalb gar keinen Mehrwertsteuerabzug vom Wiederbeschaffungswert durch die gegnerische Haftpflichtversicherung gefallen lassen.

Die Einsparungen der Versicherungswirtschaft durch ungerechtfertigte Mehrwertsteuerabzüge bei Totalschäden sind sehr hoch."

Quelle: RA Lutz Imhof, RAe Dr. Imhof & Partner

Kommentar von gammoncrack ,

Du hast natürlich Recht. Hier stochern wir beide leider im Nebel, da sich aus der Fragestellung nicht ergibt, ob es sich um einen KH- oder Kaskoschaden handelt. Du bist von KH, ich von Kasko ausgegangen.

Da haben wir wohl beide, irgendwie, Recht. :-))

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