Frage von microgeo, 1.339

Genossenschaftsanteile als Geldanlage? Seriös oder besser Finger weg?

Es gibt ja auch die Möglichkeit Genossenschaftsanteile in größeren Umfang zu erwerben. So gibt es Anbieter (z.B. Eventus), die werben damit dass keine Nachschusspflicht besteht und Dividenden von 6-8 % erzielt werden. Was ist von solchen Angeboten zu halten? Humbug? Interessante Sachwertanlage? Wo ist der Haken?

Antwort
von LittleArrow, 1.137

Deine Fragestellung ist ähnlich präzise, wenn Du das Wort "Genossenschaftsanteile" durch "vinkulierte Aktien" ersetzen würdest. Also, die Fragestellung ist viel zu generell!

Man müßte Näheres über die Genossenschaft wissen.

Es handelt sich dabei nicht um eine Geldanlage und auch nicht um eine Sachwertanlage. Die Anteilsrückgabe ist kompliziert und langwierig (z. B. Kündigungsfrist im Geschäftsjahr, Feststellung des Jahresabschlusses, Annahme durch den Vorstand, Austragung im Genossenschaftsregister beim Amtsgericht im Folgejahr).

Kommentar von LittleArrow ,

Die Wohnungsgenossenschaften wurden unlängst in Finanztest Heft 2/2015 umfassend beschrieben.

Bei der Eventus eG scheint es sich jedoch nicht um die in Finanztest geschilderten Genossenschaften zu handeln. Eventus will Wohnimmobilien entwickeln, also günstig kaufen, renovieren bzw. modernisieren, teilen und teuer verkaufen. Hierfür sollen noch einige Millionen Euro von sog. investierenden Genossenschaftsmitgliedern eingeworben werden, die im Gegensatz zu ordentlichen Mitgliedern nur ein eingeschränktes bzw. begrenztes Stimmrecht haben, um eine maßgebliche Mitbestimmung zu verhindern (Art. 31 Abs. 5 der Satzung: "Investierende Mitglieder dürfen in keinem Fall die ordentlichen Mitglieder überstimmen können. Beschlüsse, die nach Gesetz oder Satzung einer Mehrheit von ¾ der abgegebenen Stimmen bedürfen, dürfen von den investierenden Mitgliedern nicht verhindert werden können."

Eventus steht erst am Anfang des Investitionszyklus und könnte eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die PROKON, wenn dieser Zyklus eine ungünstige Entwicklung nehmen sollte, weil z. B. die gesuchten Objekte nicht mehr für das angelegte Kapital in ausreichender Zahl verfügbar oder absetzbar sind ("immobilienblase").

Antwort
von gandalf94305, 1.274

Besuche doch mal Deine lokale VR-Bank. Dort gibt es klassischerweise Genossenschaftsanteile, die akzeptable Renditen liefern.

Früher gab es an allen möglichen Ecken die coop Supermärkte. Das ist heute etwas eingeschränkt... war meine erste Genossenschaftsmitgliedschaft :-)

Bei Genossenschaften kommt es immer auf das Management und die Geschäftsbasis an. Gut laufende Kooperativen können ihren Mitgliedern auch stetige Dividenden zahlen. Das ist eine risikoarme Form der Beteiligung, wenn das Unternehmen dahinter stimmt.

Der Kauf und die Veräußerung von Anteilen erfolgen i.a. zur Hauptversammlung der Gesellschaft, d.h. in jährlichen Intervallen.

Ja. ich würde das durchaus als Beimischung empfehlen - sozusagen eine risikoarme Beteiligung, wenn es sinnvolle Unternehmen sind.

Kommentar von microgeo ,

Danke für deine Antwort. Ich habe derzeit die eventus eg im Blickfeld. Dort stehen Dividenden von 6,5-8,5 % im Raum, allerdings ohne Garantie und bei Laufzeiten von 3-5 Jahren. Zunächst bin ich noch skeptisch. Jedoch besteht laut Satzung keine Nachschusspflicht. Es wird auch nur Eigenkapital eingesetzt (keine Schulden). Die Firma ist auch Mitglied im Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. Angeblich wird dort genau geprüft ob das Geschäftmodell werthaltig ist. Als kleine Beimischung vielleicht eine Überlegung wert....

Kommentar von LittleArrow ,

microgeo, lies mal in Ruhe durch:

https://www.eventus-eg.de/download_file.php?f=Downloadcenter_PDF_Satzung.pdf

PS: Ich habe von einer Prüfung des Geschäftsmodells durch den Verband nichts gefunden.

Kommentar von LittleArrow ,

Siehe § 44 der Satzung.

Antwort
von Carabella, 921

Mit Genossenschaftsanteilen entscheidet man sich für ein langfristiges unternehmerisches Engagement

Man sollte bedenken, dass eine Kündigung der Anteile – und damit die Auszahlung des einbezahlten Kapitals – erst nach langen Kündigungsfristen möglich ist.

Diese Frist kann oft bis zu einem Jahr dauern.

Ein weiterer Nachteil wäre, dass bei einer Insolvenz des Unternehmens dann oft nicht nur das angelegte Kapital weg ist, sondern man haftet bei einer Einlage von bspw. 1.000 Euro mit einem x-fachen dieser Summe für das Unternehmen.

Dazu kommt, dass die versprochenen Dividende: von dem geschäftlichen Erfolg der Genossenschaft abhängigist und damit im Fall der Fälle auch reduziert werden oder komplett ausfallen kann..

Antwort
von TBergmann, 738

Bei jeder Kapitalanlage gibt es immer 3 äußerst wichtige Bereiche, welche als erstes geprüft werden sollten.

Der Einstieg: Findet dieser in einer günstige Markt-Phase statt? "Im Einkauf liegt der Gewinn" besagt eine alte Kaufmannsregel und diese wird sehr, sehr oft missachtet.

Das interne Geschäftsmodell: Wie entsteht die Rendite bei dem avisierten Geschäftsmodell? Siehe Google: ERTRAG UND KOSTEN VON KAPITALANLAGEN

Der Ausstieg: Erst wenn sich das investierte Kapital wieder auf meinem Konto befindet ist die Rendite realisiert. Dieser Punkt wird so gut wie nie beachtet. Weder bei Aktien noch bei Fonds, Beteiligungen oder Anteilen. Es ist aber der Wichtigste von allen. Eine funktionierende Ausstiegsstrategie sollte von Beginn an feststehen.

Zu deiner Frage: Wenn diese 3 Punkte mit positiv bewertet werden können, dann macht es Sinn sich mit den Details der Anlage auseinanderzusetzen.

Bedenke bei ausnahmslos allen Kapitalanlagen ist das Risiko immer 100% des angelegten Geldes, daher ist eine Investition in mehrere, allerdings vollkommen unterschiedliche Geldanlagen elementar wichtig.

Es gibt noch weitere 12 Punkte die es lohnt vorher zu überprüfen, aber das soll hier erst einmal genügen.

Herzliche Grüße aus Dresden, Thomas Bergmann

Antwort
von Privatier59, 600

Kannst Du die jemals wieder zu Geld machen? An der Börse sicherlich nicht!

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