Frage von ellaluise, 252

baV kündigen? Kosten der baV?

Guten Tag, meine Tochter hat einen betrieblichen Altersvorsorge-Vertrag (Direktversicherung), wurde in 2008 abgeschlossen beim 1. Arbeitgeber, der auch noch einen Beitrag zahlte, diese Versicherung wurde dann zum nächsten Arbeitgeber übertragen, der zahlt aber keinen Zuschuss, nur meine Tochter zahlt ihren Beitrag.

So weit, so gut.

Jetzt wird meine Tochter ihren Job aufgeben und ein Studium beginnen. Wie verfahren mit der baV? Kündigen? Beitragsfrei/ruhend stellen und irgendwann wieder nutzen?

Dazu sei gesagt, lt. Produktinformationsblatt sind die monatl. Kosten der Versicherung 13,40€. Mir kommt das viel vor. Kann mir jemand sagen ob die Kosten im Rahmen sind oder doch eher nicht?

Ist es ein "teurer" Vertrag würde ich zur Kündigung plädieren und ggf. später noch mal einen anderen Vertrag abschließen. Wenn kündigen, wann kündigen, in diesem Jahr noch mit Einkommen oder evtl. im nächsten Jahr wenn man "nur" Student ist?

Was passiert mit dem Kapital (ca. 5500€) wenn der Vertrag beitragsfrei gestellt wir? Wird es weiter "verzinst"`? Was sind 5500€ in 2054?

Vielleicht kann mir jemand einen kurzen Überblick geben.

Antwort
von leuschner44577, 237

Das sinnvollste wird sein, bei Ende des Arbeitsverhältnisses die Versicherungsnehmereigenschaft auf die Tochter zu übertragen und den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Die laufenden Kosten werden dann sicher deutlich niedriger sein, da sich die Angaben im PIB auf den aktuellen (zahlungspflichtigen) Status beziehen.

Nach dem Studium, also nach 4-5 Jahren, wird der Vertrag zwar wohl kaum in der jetzigen Form wieder aufleben können, aber das Vertragsguthaben kann dann auf einen neuen Vertrag übertragen werden. Das kann bei derselben Gesellschaft erfolgen oder bei einer anderen. Das kommt auch den zukünftigen Arbeitgeber an.

Kommentar von ellaluise ,

Danke für die Antwort, Vertragsguthaben zu übertragen wenn möglich, war mir so nicht bewusst. Also auch ein Denkansatz.

Antwort
von Kevin1905, 203
Kündigen?

Geht nicht (§§ 2 ff BetrAVG).

Beitragsfrei/ruhend stellen

bingo!

Ist es ein "teurer" Vertrag würde ich zur Kündigung plädieren und ggf. später noch mal einen anderen Vertrag abschließen.

Wenn es denn möglich wäre, wäre dies dennoch nicht clever. Denn ein Neuvertrag bedeutet

  1. höheres Einstiegsalter (Vermögen = Zeit x Geld)
  2. andere rechtliche Bestimmungen (Höchstrechnungszins, sofern nicht fondsgebunden)
  3. neue Abschlusskosten (der Altvertrag ist raus aus der Stornohaftung)
Was passiert mit dem Kapital (ca. 5500€) wenn der Vertrag beitragsfrei gestellt wir? Wird es weiter "verzinst"`?

Sofern der Vertrag im klassischen Überschussmodell gestaltet wurde ja. Allgemein gesagt erst ist weiter an der Kapitalentwicklung beteiligt.

Kommentar von ellaluise ,

Danke für die Antwort.

Antwort
von Niklaus, 185

Die Tochter kann den Vertrag selbst nicht kündigen, da sie nur die Versicherte Person ist. Der Versicherungsnehmer ist bei einer betrieblichen Altersversorgung immer der AG.

Die Versicherung kann auf Wunsch vom AG beitragsfrei gestellt werden oder wenn die Tochter studiert von ihr selbst privat weitergeführt werden. Dann muss aber ein Versicherungsnehmerwechsel geschehen. Das ist ganz wichtig wegen der Krankenversicherungsbeiträge in der Rentenphase. Denn nur für die Zeit in der der AG VN war ist dann auch KV-Beitrag zu zahlen.

Kündigen wird nicht gehen, da es sich um einen Vertrag der betrieblichen Altersvorsorge handelt. Ob man die Versicherung solange wie das Studium dauert betragsfrei stellen kann, sollte mit der Versicherung geklärt werden. Die Kosten pro Monat kommen mir sehr hoch vor. Dies sollte noch mal verifiziert werden.

Kommentar von ellaluise ,

Danke für die Antwort.

Antwort
von billy, 154

Die günstigste Variante ist die Beitragsfreistellung, die kann dann später wenn sie wieder eigenes Einkommen hat wieder aufgehoben werden.

Kommentar von ellaluise ,

Danke!

Antwort
von Schmidtke, 144

Künftige Betriebsrenten werden bei Arbeitnehmern, deren Entgelt unter der Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 6.050 € pro Monat in der gesetzlichen Rentenversicherung West liegt, gleich dreifach gekürzt.

Die gesetzliche Rente fällt infolge der ersparten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geringer aus und gesetzlich krankenversicherte Betriebsrentner müssen den vollen Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von aktuell bis zu 18,8 % der Betriebsrente zahlen.

Schließlich wird die Betriebsrente nachgelagert und daher mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. So kommt es, dass die Netto-Betriebsrente im Alter in vielen Fällen auf die Hälfte absinken kann. (Von dem was in den Taschen von Versicherung und Vermittler landen mal hier ganz abgesehen, was im Grunde einen 4. Kürzungsfaktor darstellt.)

Wenn man aber in der Beitragsphase die Hälfte des Bruttobeitrags bei den Sozialabgaben und Steuern einspart und andererseits in der Rentenphase die Hälfte der Brutto-Betriebsrente für die dreifache Kürzung abgeben muss, lohnt sich die betriebliche Altersversorgung kaum noch. Das gilt vor allem dann, wenn es keinen Arbeitgeberzuschuss zum Beitrag gibt und die betriebliche Altersversorgung somit rein arbeitnehmerfinanziert wird.

Kommentar von Apolon ,

Die gesetzliche Rente fällt infolge der ersparten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geringer aus und gesetzlich krankenversicherte Betriebsrentner müssen den vollen Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von aktuell bis zu 18,8 % der Betriebsrente zahlen.

Wobei man allerdings auch erwähnen sollte, dass der PKV-Versicherte dafür keinen Beitrag zahlen muss !

Ihre weiteren Informationen gehen auch an der Realität vorbei, denn mit den ersparten Beiträgen kann man sich eine gute Altersversorgung aufbauen.

Auch darüber sollten sie einmal nachdenken.

Oder gehen Sie eher nach dem Grundsatz, wer später nichts hat, kann ja unter der Brücke schlafen.

Kommentar von Schmidtke ,

Bei der Entgeltumwandlung zahlen Beschäftigte einen Teil ihres Bruttoeinkommens ohne gesetzliche Abzüge in die betriebliche Altersvorsorge ein. Während der Beschäftigungszeit ist dies von Vorteil, da dadurch die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung sinken. Dies verkehrt sich bei der Auszahlung der Betriebsrente aber ins Gegenteil. Die Betroffenen erhalten dadurch eine geringere gesetzliche Rente. Zusätzlich wird die Betriebsrente noch versteuert und auch Sozialabgaben werden in beträchtlicher Höhe abgezogen. So gehen von der Ansparsumme fast 50 Prozent durch Abzüge verloren. Dieser Umstand ist nicht geeignet, um für eine Entgeltumwandlung in verstärktem Maße zu werben. Da gibt es sicher bessere Möglichkeiten, um bei Renteneintritt nicht in Armut zu verfallen.

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