Frage von solicitation1, 131

Wenn ihr bei Eurer Depotbank ein Wertpapier verkauft, wann steht Geld für neue Käufe zur Verfügung

Ich habe letzte Woche am Mittwoch bei der Raiffeisenbank eine Wertpapierposition verkauft. Ich wollte für den Verkaufserlös eigentlich möglichst sofort wieder eine Kauforder aufgeben. Ging aber gestern immer noch nicht, weil das Geld noch nicht auf dem Girokonto (Abwicklungskonto) zugebucht war.

Auf Nachfrage habe ich von der Bank als Antwort erhalten:
"Der VK-Erlös muß erst dem Giro gutgeschrieben sein, damit diese Summe wieder verfügt werden kann.

Lösung wäre ein Girokontolimit. Z. B. 10.000 EUR Girokontolimit eintragen: Dann könnten Sie bis zu diesem Limit "überziehen", somit wäre eine Order möglich. Für so ein größeres Limit müßte man:

a) die Limithöhe festlegen b) Absicherung durch Girokontokreditvertrag und Grundschuldhinterlegung als Sicherheit festlegen "

Ist das normal? Bzw. wie ist das bei Eurem Depot geregelt?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, 77

Leider sagst Du nicht, welcher Art die "Wertpapierposition" ist, so daß ich etwas weiter ausholen muß. Man muß hier verschiedene Zeitpunkte bei einer Transaktion unterscheiden:

Aktien, Zertifikate, Anleihen, Hebelprodukte über die Börse oder außerbörsliche Plattformen

  • Orderzeitpunkt: die Order wird von Dir mit einer Transaktionsnummer bestätigt abgeschickt. Bei Aktien, Zertifikaten und anderen börsengehandelten Produkten ist der Zeitpunkt, an dem die Übermittlung zur Börse oder außerbörslichen Plattform erfolgt ist, der früheste Zeitpunkt einer möglichen Orderausführung.

  • Transaktionszeitpunkt: dieser Moment ist der Zeitpunkt der Ausführung der Order, d.h. Käufer und Verkäufer finden sich. An Börsen kann es auch Teilausführungen geben, d.h. eine Order teilt sich auf mehrere Teile auf. Ab dem Transaktionszeitpunkt ist bei börsengehandelten Instrumenten klar, welcher Preis mit welchen Gebühren zu verrechnen ist.

  • Buchungszeitpunkt: die Transaktion wird mit ihrem Erlös abzüglich Gebühren und ggf. Steuern im Verrechnungskonto gebucht. Dies ist i.a. sofort nach Orderausführung der Fall, wobei manche Banken erst am folgenden Bankarbeitstag tatsächlich die Buchung zeigen. Man kann ab dem Buchungszeitpunkt über die erhaltene Buying Power wieder verfügen, d.h. Kauftransaktionen dagegen buchen.

  • Valutazeitpunkt: hier erfolgt die Wertstellung, d.h. nun ist der Erlös tatsächlich auf dem Konto gutgeschrieben. Normalerweise ist das der Transaktionszeitpunkt plus zwei Bankarbeitstage.

Fonds über die Kapitalverwaltungsgesellschaft

  • Orderzeitpunkt: die Order wird durch den Kunden aufgegeben und von der Bank kurz darauf an die KVG übermittelt.

  • Eingangstag: Die Cutoff-Zeit (z.B. 10:00 Uhr) bestimmt, daß alle Orders, die vor dieser Uhrzeit an einem Bankarbeitstag eingehen, als Eingang am gleichen Tag gewertet wird. Geht die Order nach diesem Zeitpunkt oder außerhalb der Bankgeschäftszeiten ein, so gilt der nächste Bankarbeitstag als Eingangstag.

  • Ausführungstag: die Ausführung der Order erfolgt dann je nach Fonds t+0 (Preis vom Eingangstag), t+1 (Preis vom auf den Eingangstag folgenden Handelstag), t+2 (Preis vom Eingangstag plus zwei Handelstage) und so fort. Es gibt auch Fonds, die nur an wenigen Tagen im Monat handeln (z.B. am 15. und am Ultimo), oder die nur Montags bis Donnerstags handeln.

  • Preisstellungstag: an diesem Tag wird der Preis für einen Ausführungstag bestimmt. Bei vielen Fonds ist das entweder der Ausführungstag selbst oder aber der Folgetag. Es gibt wenige Fonds, die die Preisbestimmung zwei Tage nach Ausführungstag erst publizieren. An diesem Tag werden i.a. auch die steuerlichen Details (Zwischengewinne, akkumulierte ausschüttungsgleiche Erträge, Schätzwerte, etc.) publiziert. Der Fonds kann nun abgerechnet werden.

  • Buchungstag: nach Vorliegen der Transaktions- und Steuerdaten einer Fondstransaktion kann diese abgerechnet werden. Das ist i.a. der gleiche Tag wie der Preisstellungstag, da die Übermittlung dieser Daten zur Bank unmittelbar mit Publikation erfolgt. Nun kann bereits eine Transaktion gegen diese Buying Power erfolgen.

  • Valutatag: je nach Fonds ist dies üblicherweise Ausführungstag oder Preisstellungstag plus zwei Bankarbeitstage. Es gibt jedoch auch Ausnahmen mit t+3 bis t+5. Mit dem Valutatag kannst Du über das Guthaben normal verfügen. Bei Fonds müssen noch die steuerlichen Daten abgewartet werden, um die Order wirklich abzurechnen.

Fonds über die Börse

Dies ist wie beim Verkauf von Aktien über die Börse, außer daß der Preisstellungstag die Abrechnung bestimmt. Man kann je nach Bank bereits zum Transaktionstag über die Buying Power (approximierter Wert) verfügen.

Was nun?

Welcher dieser Fälle bei Dir vorlag, kann ich von hier nicht ahnen. Ich vermute mal, daß entweder die Bank widerspenstig in der Abrechnung ist oder aber ein Fonds verkauft wurde. Im ersten Fall würde ich die Bank wechseln, im zweiten ist die Vorgehensweise ganz normal, da ja erst die Preisstellung und Übermittlung der steuerlichen Daten abgewartet werden muß.

Kommentar von solicitation1 ,

Sorry, das hätte ich gleich genauer schreiben sollen. Es war die Aktie einer deutschen Firma (ich glaube im SDAX)notiert), die ich über Xetra verkauft habe.

Kommentar von gandalf94305 ,

Bei Online-Brokern findet die Buchung dann kurz nach der Transaktionsausführung statt, denn man kann so auch intraday handeln. Dafür ist es jedoch erforderlich, die Buying Power zur Verfügung zu haben, bevor die Wertstellung eintritt. Das ist ja auch kein Problem, da die folgende Kauftransaktion ja zu den gleichen Usancen abgerechnet wird, d.h. chronologisch nach der Verkaufswertstellung. Die Zeitpunkte der Buchungen können jedoch in Einzelfällen umgekehrt sein. Valutamäßig ist das Konto jedoch nie im Minus.

Es besteht jedoch kein Anspruch darauf, die Buchung vor Wertstellung verfügbar zu haben, d.h. die VR-Bank handelt in diesem Sinne zwar kundenunfreundlich, jedoch auf dem alten Stand derjenigen Banken, die kein Intraday-Trading unterstützen, d.h. ohne Buying Power arbeiten und nur nach Wertstellungen buchen.

Ergo: Fall 1 - Bank wechseln :-)

Kommentar von erfahrungm ,

Wow...diese Antwort ist ja rekordverdaechtig. Hast Du die extra geschrieben oder kopiert?

Kommentar von gandalf94305 ,

Alles original Gandalf-Sprech :-) Wenn, dann kopiere ich nur von mir selbst :-)

Kommentar von erfahrungm ,

Nicht schlecht!

Antwort
von SBerater, 56

Ist das normal?

bei der Raiffeisenbank scheint es normal zu sein.

wie ist das bei Eurem Depot geregelt?

bei meinem Depot wird das Geld wie üblich erst nach einigen Tagen gutgeschrieben, aber ich kann sofort eine neue Order ausführen. Damit arbeite ich mit dem Buchgeld.

Wenn die Raiffeisenbank das so macht, ok. Aber bei den meisten Brokern ist es anders. Da kannst du sofort eine neue Order durchführen.

@gandalf nennt die Sonderfälle, die auch bei anderen Banken ähnlich restriktiv gehandhabt werden. Aber wenn es um Produkte an der Börse geht, dann ist die Order sofort wieder möglich.

Antwort
von althaus, 54

Also ich bin bei der ING Diba. Das ist eine Onlinebank. Ich kann jetzt was verkaufen und bekomme den Betrag innerhalb von Sekunden auf dem Konto gutgeschrieben und kann sofort wieder über das Geld verfügen. Also es dauert keine Minute und ich kann wieder etwas kaufen. Ich glaube das ist bei einer Filialbank nicht möglich, da die Berater erst auf den Eingang des Geldes warten müssen. Finde ich etwas altmodisch in der heutigen vernetzten Welt. Dafür, daß man ein vielfaches an Gebühren bei einer Filialbank zahlt sollte das auch am gleichen Tag möglich sein. Wer öfters kauft und verkauft und nicht warten möchte, der sollte sowieso zu einer Onlinebank wechseln.

Kommentar von Mikkey ,

Dasist auch bei einer Filialbank möglich, da sitzen auch keine hunderttausend Gnome und führen die Konten per Abakus ;-).

Als wir das Depot noch bei der Sparkasse hatten, war das Geld nach einem Verkauf auch unmittelbar dem Referenzkonto gutgeschrieben.

Kommentar von althaus ,

Bei der Filialbank meines Vaters: Santanterbank. MUsste er auf die Abrechnung warten. Die kam erst 2 Tage nach Verkauf.

Antwort
von demosthenes, 51

Wenn ich bei der Postbank Papiere verkauft habe, dann steht das Geld praktisch unmittelbar nach erfolgtem Verkauf auf meinem Depotkonto zur Verfügung.

Antwort
von qtbasket, 40

Ähm -- ich würde doch das Geldinstitut wechseln und das Depot mitnehmen...

Bei den großen Online Banken ist spätestens am folgenden Banktag der Erlös gutgeschrieben, manchmal sogar am gleichen Banktag.

und die Depotführung ist kostenlos....

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