Frage von joga5gott, 305

Kann mir jemand mit einfachen Worten den Unterschied zwischen einem Vorvermächtnis und einem Vorausvermächtnis erklären?

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Antwort
von gandalf94305, 286

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Vorausvermächtnis: der Erblasser bestimmt, daß eine bestimmte Person vor Auseinandersetzung des Nachlasses aus diesem ein bestimmtes Vermächtnis erhält. Danach greifen die restlichen Festlegungen eines Testaments bzw. die gesetzlichen Regelungen. Beispiel: "meine Frau Klara bestimme ich zur Alleinerbin, meine Schallplattensammlung vermache ich meinem lieben Enkel Marvin, der als DJ Marvin sicher damit viel Freude haben wird."

Vorvermächtnis: ein Erblasser kann einem bestimmten Erben ein Vermächtnis zuwenden, das dieser dann zu einem späteren Zeitpunkt (Standardfall ist der Tod des Vorvermächtnisnehmers) an einen Nachvermächtnisnehmer gehen soll. Beispiel: "meine Frau Klara bestimme ich zur Alleinerbin, mit Ausnahme meiner Schallplattensammlung, die als Vorvermächtnis an meinen Bruder Frieder geht, der sie zum 18. Geburtstag seines Enkels Marvin als Nachvermächtnis an diesen weitergeben soll."

Vermächtnis (ganz allgemein): ein Erblasser bestimmt, welche genauen Positionen seines Nachlasses bestimmten Personen zugedacht sind. Beispiel: "meine Frau Klara und mein Bruder Frieder sollen den Nachlass zu gleichen Teilen unter sich aufteilen. Klara soll mein englisches Teeservice erhalten, das ihr immer so gefallen hat, und Frieder bekommt mein Klavier, da sein Enkel Marvin eine wirklich musikalische Ader hat."

Antwort
von billy, 186

1. Das Vorausvermächtnis, § 2150 BGB 

Bei einem Vorausvermächtnis, bestimmt der Erblasser, dass eine Person, die zugleich Erbe ist einen bestimmten Gegenstand als Vermächtnis erhalten soll. Dabei findet keine Anrechnung auf den Pflichtteil statt. Das Vermächtnis wird aus der Nachlassmasse ausgesondert. Der Bedachte erhält den Gegenstand im „voraus“. Erst aus dem Rest werden die Erbquoten ermittelt. Das Vorausvermächtnis ist unanhängig von der Annahme des Erbes. Auch wenn er das Erbe ausschlägt, erhält der Vermächtnisnehmer das Vermächtnis.

2. Vor- und Nachvermächtnis 

Von dem oben dargestellten Vorausvermächtnis ist das Vorvermächtnis zu unterscheiden. Das Vorvermächtnis ist im Zusammenhang mit dem Nachvermächtnis zu sehen. Der Erblasser kann ähnlich der Vor- und Nacherbschaft, Vermächtnisse zeitlich aneinander reihen. Das Vorvermächtnis steht dem Vorvermächtnisnehmer nur für einen bestimmten Zeitraum zu. Der Vorvermächtnisnehmer hat das Vermächtnis an den Nachvermächtnisnehmer (§2191 BGB) herauszugeben, wenn die vom Erblasser bestimmte Bedingung (§ 2177 BGB) eintritt.

3. Das Ersatzvermächtnis 

Ebenso wie der Erblasser einen Ersatzerben für den eingesetzten Erben bestimmen kann, kann er auch einen Ersatz für den Vermächtnisnehmer benennen. Beispielsweise, für den Fall, dass der Bedachte bei Eintritt des Erbfalles nicht mehr leben sollte, kann der Erblasser ein Ersatzvermächtnis anordnen, § 2190 BGB. 

http://www.brennecke.pro/177453/Einfuehrung-ins-Erbrecht-Teil-10-Das-Vermaechtni...    

Antwort
von imager761, 203

"Das Sparbuch XXX wende ich n. § 2191 BGB der X zu mit der Maßgabe, dass sie ausschliesslich über die Erträge verfügen darf. Je nachdem was zuerst eintritt, ist es mit dem Tod der Vorvermächtnisnehmerin oder mit der Vollendung dessen 18. Lebensjahrs an den Y herauszugeben" wäre ein klassisches Vorvermächtnis, bei der ein Nachlassgegenstand zwei Vermächtnisnehmern zu konkreten Bedingungen nacheinander vererbt wird.

Ein Vorausvermächtnis ist eine Zuwendung außerhalb des Nachlasses und vor dessen Aufteilung an einen Begünstigten, der damit einen Herausgabeanspruch gegen die Erben erwirbt: "I. S. d. § 2150 BGB wende ich  Z [zusätzlich zu seinem gesetzlichen Erbteil und ohne Anrechnung auf diesen] einen Geldbetrag i. H. v. XXXXX EUR zu". Damit können Erben zusätzlich, aber auch gesetzlich nicht erbberechtigte Dritte (Enkel, Freunde, Lebenspartner) bedacht werden. Vorteil: Damit erwerben sie einen direkten Anspruch ohne Erben mit Nachlasshaftung zu sein.

G imager761

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