Frage von Svenja289, 262

Werbungskosten evtl. falsch berechnet?

Guten Morgen,

ich habe die Tage meinen Steuerbescheid erhalten und bekomme weniger zurück, als das Steuerprogramm ausgerechnet hat. Eigentlich würde es mich nicht wundern, wenn es nicht über 100€ weniger wären.

Ich habe dann mal geschaut und mir ist aufgefallen, das bei den Werbungskosten "nur" die 1.000 € als Pauschalbetrag stehen. Meine angegebenen Werbungskosten waren allerdings gering höher. Die Fahrtkosten ca. 1.200 €, die 16 € Kontoführungsgebühren und 103 € Pauschale für Betriebsmittel.

Bei den Fahrtkosten war es so, das ich letztes Jahr über einen Monat lang eine andere Strecke fahren musste, da der normale Weg über die eigentliche Autobahn gesperrt war. Wird dies evtl. nicht berücksichtigt? Die Kilometer waren durch diese andere Strecke das doppelte.

Vielleicht kennt sich ja hier jemand aus. Vielen Dank.

Antwort
von Luscinia, 230

Was steht denn im Steuerbescheid? Da sollten irgendwo Begründungen drin stehen, wenn etwas gekürzt wurde.

Antwort
von blackleather, 196

Woher soll das Finanzamt wissen, dass du verkehrsbedingt eine andere Strecke fahren musstest? Und woher soll es wissen, wie lange das der Fall war?

Diese Info musst du dem Fiskus schon geben.

Zwar wäre das Finanzamt von Gesetzes wegen verpflichtet gewesen, dich vor Erlass des Bescheides zu fragen, wie du auf die höheren Fahrtkosten gekommen bist (§ 91 Abs. 1 Satz 2 AO) - aber diese gesetzeskonforme Verfahrensweise hält den Laden nur (nach Meinung des Fiskus: unnötig) auf und so übergeht man sie einfach, zumal das Gesetz ebenfalls die Möglichkeit vorsieht, das im Einspruchsverfahren wieder geradezubiegen, falls du Einspruch einlegst. Man könnte auf die Idee kommen, die heimliche Hoffnung bereits des Gesetzgebers sei es gewesen, dass die Leute zu faul sind, Einspruch einzulegen; aber bestätigt findet man diese Annahme natürlich nirgends.

Wenn du also der Meinung bist, dein Steuerbescheid sei in diesem Punkt falsch, gibt's für dich nur eins: Finanzamt anrufen, nach dem Grund der Kürzung der Fahrtkosten fragen und dann entscheiden, ob du Antrag auf schlichte Änderung in diesem Punkt stellst oder Einspruch einlegst.

Kommentar von Svenja289 ,

Vielen Dank für die Antworten.

Begründungen dazu habe ich im Steuerbescheid keine gefunden. Normal dachte ich auch, dass das einem vielleicht mal erklärt wird. 

Bei den Fahrtkosten hatte ich drei Zeiträume angegeben. Ich habe die Anzahl der Tage und auch die Kilometer angegeben. Allerdings nicht den Grund, das der eigentliche Weg gesperrt war. Ich dachte einfach, das sie wenn fragen bzw. man es sich denken könnte, da das ein sehr großes Problem hier in der Umgebung war (Sperrung der Schiersteiner Brücke).

Werde dann wohl doch mal dort anrufen. Wollte nur einfach mal fragen, da ich nicht ganz doof dort anrufen wollte.

Kommentar von blackleather ,

Die fragen nicht, wenn einer einen zu weiten Arbeitsweg angibt. Die nehmen ihren Routenplaner, googeln die kürzeste Straßenverbindung und stellen fest: Aha, wieder einer, der bescheißen wollte - mit mir nicht, Freundchen! Rotstift raus - Zack! - gestrichen.

Kommentar von Svenja289 ,

Weiß ja nicht, ob man wirklich davon ausgeht, das jemand bescheißen möchte, wenn jemand 40Tage einen anderen Weg angibt und das restliche Jahr, die eigentlich richtigen Kilometer.

Kommentar von blackleather ,

Die Finanzbeamten haben gar nicht die Zeit, so tiefgründige Überlegungen anzustellen, wenn sich die Aktenberge vor ihnen stapeln. Da zählen nur Erfahrungswerte: Im Durchschnitt ist bei 70 % der Steuerpflichtigen der Arbeitsweg 5 bis 8 km länger als die kürzeste Straßenentfernung, und davon können bei genauer Betrachtung 90 % keine Begründung angeben.

Und der Rest kann sich ja einfach geirrt haben.

Kommentar von EnnoWarMal ,

(§ 91 Abs. 1 Satz 2 AO)

Noch anderser:

Der Einspruch lässt sich ja nun kaum auf § 91 stützen, deshalb greife ich hier lieber zur Keule des § 121 - insbesondere Absatz 2 Nummer 2.

Dann kommt wenigstens die Begründung und man läuft nicht Gefahr, irgendwas hinzuschreiben, was eventuell nach hinten losgehen könnte.

Antwort
von Svenja289, 168

Vielen Dank für die Antworten.

Begründungen dazu habe ich im Steuerbescheid keine gefunden. Normal dachte ich auch, dass das einem vielleicht mal erklärt wird. 

Bei den Fahrtkosten hatte ich drei Zeiträume angegeben. Ich habe die Anzahl der Tage und auch die Kilometer angegeben. Allerdings nicht den Grund, das der eigentliche Weg gesperrt war. Ich dachte einfach, das sie wenn fragen bzw. man es sich denken könnte, da das ein sehr großes Problem hier in der Umgebung war (Sperrung der Schiersteiner Brücke).

Werde dann wohl doch mal dort anrufen. Wollte nur einfach mal fragen, da ich nicht ganz doof dort anrufen wollte.

Antwort
von Svenja289, 119

Ich habe nun angerufen und es hat sich alles geklärt. Der Computer, der meine Steuererklärung gescannt hat, hat die Anlage mit den Fahrtkosten anscheinend nicht gescannt bzw. daher wurden diese auch nicht Berücksichtigt. Es wird nun geändert.

Vielen Dank an alle für die Antworten.

Antwort
von wfwbinder, 136

Ruhig Einspruch einlegen. vermutlich hat der Bearbeiter das Problem nicht erkannt. Wie hast Du es denn eingetragen?

Kommentar von Svenja289 ,

Das werde ich dann wohl auch machen. Mir geht's zwar nicht um die etwa 100 Euro mehr, eher ums Prinzip und geschenkt bekommt man ja schließlich auch nichts.

Hab die Steuererklärung das erste Mal mit einem Programm gemacht, einfach aus der Neugierde heraus und um mal zu schauen, was da ausgerechnet wird. Sonst habe ich sie immer selbst gemacht. Daher hatte ich dann auch eine Anlage für die Anlage N, da standen dann die drei Zeiträume drauf. Der Anfang vom Jahr mit 13km, dann dazwischen die Tage mit den 30km und dann wieder der nächste Zeitraum mit den 13km, nachdem die Sperrung aufgehoben wurde.

Morgen werde ich beim Finanzamt anrufen, habe nun heute den Bescheid nicht mit.

Kommentar von wfwbinder ,

   Morgen werde ich beim Finanzamt anrufen, 

Einsprüche sind nur schriftlich möglich. Am Telefon wird der Dir nur sagen, "schreiben Sie mir einen Dreizeiler." 

Das kannst Du aber auch ohne Anruf.

Kommentar von blackleather ,

Er könnte aber verlangen, dass der Finanzbeamte über das Telefonat eine Niederschrift fertigt (§ 357 Abs. 1 Satz 1, letzte Alt., AO) und den Einspruch "zu Protokoll" nimmt. Finanzbeamte, die das ablehnen, offenbaren nur, dass sie zu faul sind, sich diese Arbeit zu machen.

Kommentar von Svenja289 ,

Habe es am Telefon klären können und muss auch nichts ans Finanzamt schreiben.

Kommentar von wfwbinder ,

Demnach macht er eine schlichte Änderung. Bekommt man in Berlin nicht hin.

Antwort
von LittleArrow, 110

103 € Pauschale für Betriebsmittel.

Kannst Du mir diese Betriebsmittel bitte mal näher erläutern und warum sie zu Werbungskosten werden?


Kommentar von Svenja289 ,

Sorry nicht Betriebsmittel, sondern Arbeitsmittel. Aber diese 103 € gibt das Steuerprogramm vor und man kann diese Pauschale wohl auch so angeben. Scheint auch so zu sein, da auf meinem Bescheid 119 € Werbungskosten stehen. (103 € Arbeitsmittel und 16 € Kontoführungsgebühren)

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für Deine spontane Rückmeldung.

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