Frage von KarstenF,

Eingetragener Kaufmann und steuerliche Freiberuflichkeit

Liebe Finanzprofis und fortgeschrittene Finanz-Amateure,

ich führe Seminare auf verschiedenen Themengebieten durch und bin wegen unterrichtender Tätigkeit bisher steuerlich als freiberuflich eingestuft worden. Nun möchte ich mich aus verschiedenen Gründen als eingetragener Kaufmann ins Handelsregister eintragen lassen. Ansonsten soll sich nichts ändern. Bleibt steuerlich dann alles beim Alten oder muss man als eingetragener Kaufmann ab einer bestimmten Ertragsgrenze immer Gewerbesteuer zahlen? Viele Grüße - Karsten

Hilfreichste Antwort von EnnoBecker,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Gewerbesteuer fällt an, wenn man eine gewerbliche Tätigkeit ausübt. Das tust du aber dem Sachverhalt nach nicht.

Du kannst dich zwar im HR als eK eintragen lassen, aber dieser Kaufmann ist sozusagen leer, wenn du handelsrechtlich nicht in Erscheinung trittst.

Handelsrechtlich wärst du dann das, was wir früher noch als "Scheinkaufmann" gelernt haben. Du müsstest dich dann wegen der Eintragung als Kaufmann behandeln lassen, würdest aber doch vom § 241a HGB in der Weise profitieren, dass du unterhalb der dort genannten Grenzen nicht bilanzieren müsstest.

Das alles interessiert den Steuerrechtler nur wenig. Denn wenn du nach HGB bilanzieren müsstest, müsstest du es nach § 140 AO zwar auch steuerlich tun. Deine Einkunftsart würde sich dadurch jedoch nicht ändern - ebensowenig wie deine Gewerbesteuerpflicht.

Komische Leute gibts.....

Kommentar von Zitterbacke,

Ja.Tis hscno kimscho.

Kommentar von Meandor,

Ich als böses Finanzamt würde sagen, wenn ein Freiberufler es schafft, dem Handelsregister nahezulegen, dass er kein Freiberufler ist, sondern (Handels-) Gewerbetreibender, dann würde ich mich dieser Meinung anschließen, mit allen Folgen.

Kommentar von EnnoBecker,

Das dürfte ein interessanter Schriftwechsel werden. Insbesondere bin ich gespannt, wie du den 15 statt 18 begründen wolltest.

Kommentar von Meandor,

Natürlich sind wir am Ende im EStG und über die Begründung müsste ich noch etwas mehr nachdenken.

Ich würden den Registereintrag auf jeden Fall mal als Punkt gegen 18 nehmen, den Freiberufler können und dürfen kraft Gesetz nie ins Handelsregister eingetragen werden. Ich würde dann auf jeden Fall mal die Begründung sehen würden, mit welcher der Eintrag doch geglückt ist und würde dem Steuerpflichtigen genau seine Argumente "vorwerfen".

Im Zweifel würde das am Ende dazu führen, dass er wieder 18er Einkünfte hat, aber keine eingetragener Kaufmann mehr ist.

Kommentar von EnnoBecker,

Und ich würde dir vorhalten, dass ein Falscheintrag Sache des HR ist und nicht des FA.

Kommentar von Meandor,

Aber solange Du im Handelsregister eingetragen bist, hast Du kraft § 2 HGB ein Handelsgewerbe.

Es mag eine fadenscheinige Argumentation sein, aber grundsätzlich sind wird solange im § 15 Abs. 2, bis wir den 18er bewiesen haben. Die Ausübung eines Handelsgewerbes schlägt dann die mögliche freiberufliche Prägung.

Ich weis es ist dünnes Eis, aber ich hab gerade einfach Spaß daran.

Kommentar von EnnoBecker,

hast Du kraft § 2 HGB ein Handelsgewerbe.

Ja, aber das ist Handelsrecht.

Jeder nach 1 oder 2 HGB eingetragener Bäcker ist Kaufmann nach HGB. Trotzdem würdest du seine ansonsten noch betriebene schriftstellerische Tätigkeit unter 18 verarzten.

Lass den Fragesteller doch ein eK sein! Solange er kein Gewerbe ausübt, hat er keine 15er.

Kommentar von Meandor,

Okay, aber meinst Du nicht, dass wenn er es schafft, Freiberufler ins Handelsregister eingetragen zu werden, dann hat er es doch auch verdient, wie ein Handelsgewerbe behandelt zu werden. Das gebietet doch auch die Fairness, oder?

Wo kommen wir denn hin, wenn er alle Vorteile des HGBs genießt, und auch noch die Vorteile des EStGs. Das wäre doch eine Ungleichbehandlung und das wollen wir nach Art. 3 GG doch nicht, oder?

Kommentar von Meandor,

Vor Freiberufler fehlt ein "als"

Kommentar von EnnoBecker,

Das hilft dir jetzt aber auch nicht mehr :-)

Aber hilf mir mal: Welche Vorteile bietet denn das HGB so?

Kommentar von Meandor,

Meines Erachtens: Keine.

Wobei wir heute morgen im Unterricht das Problem etwas gestreift haben.

Wenn er im HR eingetragen ist, wird er dadurch trotzdem nicht Kaufmann, denn für den Kaufmann brauchen wir ein Handelsgewerbe das eingetragen wird. Ich kann den dann nicht einmal zur Buchführung kraft HGB verdonnern. Blöd. Soll er sich halt eintragen lassen. Gibt lustige Rechtsstreitigkeiten, wenn er das erste Mal irgendwelche "Vorteile" des HGBs in Anspruch nehmen will.

Antwort von Meandor,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Naja, wenn Du wirklich so typisch freiberuflich tätig bist, dann müsste das Handelsregister Deine Eintragung eigentlich ablehnen, da Du nie und nimmer Kaufmann bist.

Würdest Du es aber doch schaffen, dann ist die Chance sehr hoch, dass das Finanzamt seine Meinung über Dich ändert und Dich als Gewerbetreibenden ansieht.

Kommentar von EnnoBecker,

Stimmt, es müsste angelehnt werden. Denn § 2 HGB beginnt mit "Ein gewerbliches Unternehmen..." - und das haben wirja nicht.

Aber dennoch, selbst bei einer Falscheintragung ändert sich doch die Einkunftsart nicht, denn da befinden wir uns nicht im HGB, sondern im EStG.

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